Movement Episodes

Drei Stücke, drei Choreografen, fünf Jahre: „Movement Episodes“ bildet den Abschluss des mehrjährigen Zyklus „The Renaissance of…“ und vereint Arbeiten von Keith A. Thompson, David Hernandez und Renate Graziadei.

 

Die treibende Musik der Episode von Renate Graziadei lässt ahnen, welcher Vulkan an Emotionen dem Geschehen zugrunde liegt. Jemand öffnet kurzzeitig die Arme, ein anderer fällt darauf herein und wird stehen gelassen. Eine Konfrontation baut sich auf, zur Explosion kommt es jedoch nicht. Die Bedürfnisse sind ungleichzeitig, Bündnisse nur von kurzer Dauer. Die Tänzer agieren und reagieren und sind doch immer auf sich alleine gestellt. Die Situationen und Konstellationen, auf die sich die Tänzer einlassen, die Launen, denen sie nachgeben, erscheinen splitterhaft wie in einem zerbrochenen Spiegel, der zwar ein Bild ergibt, sich jedoch nie vollständig zusammensetzen lässt. Es gibt nicht die eine Handlung, nicht die eine Perspektive, sondern Teile und Teile von Teilen.

 

Keith A. Thompsons Episode wirkt zunächst leise und harmonisch, seine Herangehensweise ist vom Film geprägt. Vier Darsteller in vier unterschiedlichen Kostümen loten das dünne Eis des gegenseitigen Verständnisses, des Miteinanders aus. Ein Paar streicht minutenlang herum, läuft im Kreis, nur um sich letztlich doch nicht zu begegnen. Die - im wörtlichen Sinne - Zuneigung zweier weiterer Tänzer endet darin, dass einer schließlich in Schieflage gerät und sich lösen muss. Die leise Melancholie, die sich in das Stück einwebt, mag dadurch entstehen, dass Verbindungen zwischen den Tänzern entstehen. Verbindlichkeiten jedoch nicht. Die Sehnsucht nach Nähe, nach gelungener Kommunikation wird nur teilweise erfüllt: immer wieder entwindet sich einer der Protagonisten, wendet sich ab und verfolgt eine eigene Agenda. So endet das

Stück auch, wie es begann, die Anfangsszene kehrt am Ende wieder, wird nun jedoch in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen und führt so zu ganz neuen Einsichten.

 

David Hernandez wiederum erforscht in seiner Episode die Kollision: was passiert, wenn unterschiedliche Erwartungen, gegensätzliche Haltungen und konträre Perspektiven aufeinandertreffen? Kommt es zur Explosion, zum Kompromiss oder ist Ausdrucksverzicht die Folge? Wer gibt klein bei, wer versucht, die Oberhand zu gewinnen? Hernandez geht es dabei aber nicht vorrangig um die physisch sichtbare Kollision, vielmehr stehen für ihn zwischenmenschliche Widersprüche und die Frage im Mittelpunkt, ob daraus ein Mit- oder ein Gegeneinander entsteht. „Kollision“ dient Hernandez als grundlegende Metapher für alles menschliche Handeln und das menschliche Dasein an sich, das mit der Kollision von Eizelle und Spermium beginnt.

Antragsteller/in laborgras

Veranstaltungstermin Premiere 2.11.17 - 19:00 3.11.17 - 19:00 4.11.17 - 19:00 5.11.17 - 18:00

Veranstaltungsort Dock11

Förderbetrag 60.000.-€

Internetseiten www.laborgras.com