Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

Thorsten Lensing

Unendlicher Spaß

David Foster Wallace

in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach

 

„Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace, 1996 in den USA erschienen, ist der Versuch, auf 1.500 Seiten die gegenwärtige Welt zu erzählen, ohne sie einer einheitlichen Deutung zu unterwerfen. „Ich will darüber schreiben“, hat Wallace sein Vorhaben charakterisiert, „wie es sich anfühlt, heute zu leben, statt davon abzulenken.“ Er schreibt deshalb über Geburten und Todeskämpfe, über Schneestürme, Liebes- und Trennungsgeschichten, übertriebenen Speichelfluss, bildschöne Krankenschwestern und Vögel, die mitten im Flug einen Herzinfarkt erleiden.

Wallace widmet sich seinen so tragischen wie komischen Figuren dabei mit großer Ernsthaftigkeit und einer ungeheuren Leichtigkeit zugleich. „Witze“, schreibt Wallace, „sind die Flaschenpost, mit der die Verzweifelten ihre gellendsten Hilfeschreie aussenden“.

Ein Zentrum der Inszenierung bilden die drei Brüder der Familie Incandenza: Hal, Wörterbuchwunder und hochtalentierter Schüler an der Enfield Tennis Academy, sein älterer Bruder Orin, Punter beim American Football Team der Arizona Cardinals, und der körperlich schwer behinderte Mario, leidenschaftlicher Radiohörer und Filmemacher. Dazu treten Figuren wie die verschleierte Radiomoderatorin Joelle Van Dyne, Mitglied in der „Liga der rüde Verunstalteten und Entstellten“, und der ehemalige Dieb und medikamentensüchtige Don Gately aus dem Drogenentzugszentrum Ennet House. Wie alle Figuren stehen sie schutzlos vor ihrem Leben. Einige leiden unter Depressionen, einige unter Alkohol-, Sex- oder Schmerzmittelsucht, viele sind einem unerbittlichen Leistungszwang ausgesetzt. Sie „werden gepanikt“ von Sorgen, von der Angst etwa, in der Trauertherapie durchzufallen, oder bloßes „Mobiliar der Welt“ zu sein; sie geben dabei nie auf, sie kämpfen gegen das dauernde Gefühl, „in einer dunklen Innenwelt zu stecken, beschämt, verirrt und eingesperrt“.

„Unendlicher Spaß“ ist ein Roman aus Scherben, der keiner geradlinigen Handlung folgt, sondern mehrere, ineinander verschachtelte Erzählzentren aufweist. Die Figuren bilden ein großflächiges Netz, in dem sich das Leben verfängt. Sie erschöpfen sich in keinem psychologischen Realismus, sie sind Stellvertreter einer hoch verdichteten Wirklichkeit. Wallace’ Kunst ist es, aus diesen beschädigten Seelen heraus zu erzählen, ohne über sie zu urteilen, ohne sie als Opfer darzustellen. Er zeigt ein Ensemble von Menschen, die immer wieder unberechenbar sind, von ihrem Leben, ihren Gefühlen und Gedanken überrascht und überfordert sind wie es der Erzähler selbst ist. „Vielleicht besteht die nächste Generation literarischer Rebellen ja aus einem verrückten Haufen von Anti-Rebellen“, hat Wallace geschrieben, „die die kindliche Frechheit besitzen, wieder von all den uralten menschlichen Problemen und Gefühlen zu erzählen, die so gar nicht trendy sind.“

 

Mit: Jasna Fritzi Bauer, Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi, Heiko Pinkowski und Devid Striesow

 

Regie: Thorsten Lensing

Mitarbeit Regie: Benjamin Eggers-Domsky

 

Bühne: Gordian Blumenthal und Ramun Capaul

Kostüme: Anette Guther

 

Textfassung: Thorsten Lensing

Mitarbeit Textfassung: Thierry Mousset, Dirk Pilz

Dramaturgie: Thierry Mousset

 

Produktionsleitung: Eva-Karen Tittmann

Leitung Herstellung Bühne: Martina Schulle

Technische Leitung: Dirk Lutz

 

Regieassistenz: Lucie Grünbeck

Kostümassistenz: Marie Fischer

Maske: Hannah Kaiser

Fotos: David Baltzer / Agentur Zenit

 

Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Reinbeck bei Hamburg.

 

Antragsteller/in Thorsten Lensing

Veranstaltungstermin Premiere Berlin am 22. Februar 2018 um 19 h Weitere Vorstellungen am 24./ 25. Februar 2018 sowie am 02./ 03. / 04. März 2018 um 19 h

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 100.000,00 €

Kooperationen „Unendlicher Spaß“ ist eine Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit Schauspiel Stuttgart, Schauspielhaus Zürich, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Sophiensaele Berlin, Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg, Theater im Pumpenhaus Münster, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt/Main und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster.

Internetseiten www.sophiensaele.com