Projekt
Loi Chau tu Hanoi
Antragsteller/in
Stefanie Bürkle
Termin
2006
Veranstaltungsort
Werkstattprogramm
Inhalt
Ein interdisziplinäres Werkstattvorhaben über die Konstruktion von Identität im Eigenem und Fremden an Hand der Lebenswirklichkeiten von Vietnamesinnen in Berlin. Ziel ist es, die sich aus verschiedenen Frageansätzen ergebenden Themen zu präzisieren, zu vertiefen und Leitfragen herauszuarbeiten. Als interdisziplinäre Forschungsgruppe von vier Frauen, die alle in Berlin leben, möchten wir über ein Jahr lang einige vietnamesische Familien mit Kamera und Aufnahmegerät in ihrem Berliner Alltag begleiten. Wir – das sind: Thi Hoang Lan Do (vietnamesische Sozialwissenschaftlerin) beschäftigt sich mit dem Leben von Vietnamesinnen in Zwischenwelten. Fariba Nilchian (iranisch/deutsche Videokünstlerin) setzt sich mit der Situation von Frauen im Iran auseinander. Joana Breidenbach (deutsche Ethnologin) publiziert schwerpunktmäßig über transkulturelle Identitäten. Stefanie Bürkle (deutsche Künstlerin) arbeitet über die Wirkung und Identität von Stadträumen. Vorgesehen sind Gespräche/Portraits mit 4-6 vietnamesischen Familien, die in Berlin leben und deren Verwandten in der „Heimat“ Vietnam. Welche Wünsche und Vorstellungen werden von den Migrantinnen mit Deutschland assoziiert, was veranlasst sie, Vietnam für Deutschland zu verlassen oder eine Rückkehr in das aufstrebende Wirtschaftswunderland Vietnam anzustreben? Wo ist Heimat- was ist Ausland? Vietnamesisches Leben in Berlin heißt auch ein Leben in Teilung spiegeln. Schließlich sind die Vietnamesen, ob Boat People oder Vertragarbeiter der DDR, wie keine andere Migrantengruppe, geprägt durch kalte-kriegs-bedingte Teilung (Ost-West Deutschland oder Nord-Süd Vietnam). Generationen in Vietnam-esischen Familien haben meist zwei unterschiedliche „Deutschländer“ erlebt. Erfahrungen der Eltern in der DDR konfrontieren sich mit dem Deutschlandbild ihrer Kinder in der Bundesrepublik.
Einige Leitfragen von "Loi Chao Tu Hanoi – Vietnamesisches Leben in Berlin":
- Wie gestalten sich die regelmäßigen Besuche der vietnamesischen Verwandten einmal pro Jahr „zuhause“ in Berlin?
- Was für ein Deutschlandbild wird in der fremden Heimat gezeichnet?
- Was sind die Bild liefernden Bestandteile für das Selbstverständnis der Vietnamesen in Berlin?
- Wie werden diese Identitäten konstruiert?
- Veränderung lokaler Identitäten und deren Lesbarkeit im Städtebaulichen Umfeld
Diesen Fragen wollen wir über ein Jahr lang nachgehen, denn die zum Teil auch juristisch schwierige Situation der Vietnamesen und Vietnamesinnen verlangt einen sensiblen und vorsichtigen Umgang bei der Recherche. Die unterschiedliche Disziplinen und Herkunftsländer der beteiligten Frauen ermöglicht eine Diskurs orientierte Projektgestaltung, ohne sich von vornherein auf ein einziges künstlerisches Endprodukt festzulegen.Wir wollen eben keine schnellen Video / Interview shots einfangen, sondern, durch mehrmalige Treffen den einzelnen Gesprächspartnern auf Augenhöhe begegnen. Das scheint mir die einzige Möglichkeit den komplexen Fragen und der Situation der Vietnamesen in Berlin gerecht zu werden.
www.berlinertapete.de
