"Part File Score" von Susan Philipsz

SUSAN PHILIPSZ

"Part File Score"

 

24-Kanal Sound Installation

Zwölf Arten Hanns Eisler zu beschreiben

 

Die Klangarbeiten der in Berlin lebenden schottischen Künstlerin Susan Philipsz entstehen oft für einen bestimmten Ort, auf dessen Geschichte und Räumlichkeit sie sich bezieht. Für die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs hat sie eine Sound Installation entworfen, die Bezug nimmt zum einen auf die ehemalige Funktion des Gebäudes als Bahnhof und zum anderen auf die architektonische Struktur der Halle mit ihren 12 Stahlbögen. Als Ort von Abfahrt und Ankunft, von Trennung und Wiederkehr bringt die Künstlerin den ehemaligen Bahnhof in Verbindung mit dem bewegten Leben des in den 1920er und 1950er Jahren in Berlin beheimateten Komponisten Hanns Eisler (1898–1962). Eisler, der wie sein Lehrer Arnold Schönberg in den 1930er Jahren nach Amerika emigrierte und der 1948 die USA aufgrund seiner prokommunistischen politischen Überzeugungen wieder verlassen musste, setzte sich zwar mit der Zwölftontechnik seines Lehrers auseinander, wandte sich aber infolge seiner sozial engagierten Kunstauffassung auch ‚populären’ Genres wie der Bühnen- und Filmmusik zu. Er komponierte zahlreiche Lieder, darunter immer wieder Lieder für Arbeiterchöre und für Kundgebungen der internationalen Arbeiterbewegung. 1949 komponierte der im Ostteil Berlins lebende Eisler die Nationalhymne der DDR.

 

Die Sound Installation von Philipsz basiert auf drei filmmusikalischen Werken Eislers, Präludium in Form einer Passacaglia (1926, für Walter Ruttmann, Opus III, 1924), Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben (1941, für Joris Ivens, Regen, 1929) und Septett Nr.2 (1947, für Charlie Chaplin, The Circus, 1928), die nacheinander im Raum erklingen. Einem künstlerischen Prinzip folgend, das Philipsz bereits für ihre 2012 auf der dOCUMENTA (13) in Kassel präsentierte Arbeit Study for Strings anwandte, hat die Künstlerin die Noten der Kompositionen im Studio einzeln aufgenommen. Sie werden wiederum separiert über 24 entlang der Historischen Halle installierte Lautsprecher wiedergegeben. Mit dieser akustischen Arbeit und 12 großformatigen Grafiken, in denen Partiturseiten Eislers mit Seiten aus den ihn betreffenden Akten des FBI überlagert werden, sucht Philipsz eine Annäherung an Eislers Ästhetik der displaced form, um Themen wie die der Lebensreise und der Erfahrung von Trennung, Überwachung und Vertreibung aufzurufen.

 

Susan Philipsz (*1965 in Glasgow), die 2010 den renommierten Turner Prize gewann, arbeitet in ihrer Auseinandersetzung mit musikalischen und literarischen Vorlagen sowie mit spezifischen historischen Konstellationen überwiegend mit dem Medium Klang. Sie greift häufig bekannte Lieder und Popsongs auf, die sie mit ihrer eigenen Stimme vorträgt und aufnimmt, um damit im Ausstellungsraum oder im städtischen Raum ein auf den jeweiligen Ort bezogenes akustisches Environment zu schaffen. In jüngerer Zeit wählt sie verstärkt instrumentale Kompositionen und akustisches Material wie Field Recordings oder Radiosignale, um dieses Material zu bearbeiten und räumlich zu inszenieren.

 

Die Ausstellung von Susan Philipsz findet statt im Rahmen der Veranstaltungsreihe Musikwerke Bildender Künstler, die seit 1999 von Freunde Guter Musik Berlin in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie und seit 2002 mit dem Festival MaerzMusik der Berliner Festspiele durchgeführt wird. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung der seit 2001 in Berlin lebenden Künstlerin in der Stadt.

 

 

Eine Veranstaltung von Freunde Guter Musik Berlin e.V. und Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Staatliche Museen zu Berlin.

In Zusammenarbeit mit Berliner Festspiele / MaerzMusik 2014.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Schering Stiftung.

 

Kuratorinnen: Ingrid Buschmann / Freunde Guter Musik Berlin e.V.

Gabriele Knapstein / Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

 

 

Antragsteller/in Freunde Guter Musik Berlin e.V.

Veranstaltungstermin 1. Februar – 4. Mai 2014 Eröffnung: 31. Januar 2014, 20 Uhr

Veranstaltungsort Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin / Historische Halle

Förderbetrag 75.000 €

Kooperationen Berliner Festspiele / MaerzMusik 2014

Internetseiten www.musikwerke-bil...kuenstler.dewww.freunde-guter-...ik-berlin.de

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin / Historische Halle © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: Thomas Bruns

Brennzeiten - Die Keramik-Werkstatt Wilfriede Maaß

Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß befand sich in der Schönfließerstr. 21 in Prenzlauer Berg. Sie entwickelte sich zu einem der bedeutensten Zentren der künstlerischen und politischen Opposition in der untergehenden DDR. Ihren legendären Ruf erlangte die Adresase zunächst durch illegale Lesungen in der Wohnküche con Wilfriede und Ekkehard Maaß. Neben Lesungen unangepasster Dichter entstanden in den folgenden Jahren vor allen Dingen neben expressiv bemalten Vasen, Teeschale, Krügen und keramischen Objekten auch viele Künstlerbücher, illegale Zeitschriften, Plakate, Gemälde, Plastken und Fotos. Die Ausstellung würdigt die Zivilcourage der Keramikmeisterin Wilfriede Maaß, die ihre Werkstatt allen ausgegrenzten Künstlern öffnete. Duch selbst geschaffene Strukturen innerhalb eines geschlossenen Systems führten sie auf ihre Weise den Infarkt der DDR mitherbei. Die Ausstellung wird sich auf keramische Objekte, auf einige Bilder und Fotos beschränken, um die Leuchtkraft der Objekte besonders herauszuheben.

Ein Begleitbuch mit dem Titel Brennzeiten erscheint im Lukas Verlag. Dazu ein Film-Portrait der Hauptakteurin Wilfriede Maaß.

 

Antragsteller/in Ingeborg Quaas

Veranstaltungstermin 16. Oktober bis 19. November 2014

Veranstaltungsort Galerie Amalienpark

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Galerie Amalienpark Sabine Herrmann Klaus Killisch Bernd Petrikat Gerhard Wolf

Internetseiten www.brennzeiten.de

Pressestimmen

Blick in die Werkstatt (Gundula Fieborg)

Blick in den Brennofen ( Thoams Florschütz)

Keramik 80er Jahre

Ceija Stojka (1933-2013) Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz

Ceija Stojka (1933–2013) Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz

 

Eine Ausstellung in drei Teilen, kuratiert von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt

 

21.06. – 26.07.2014:

Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord, Berlin

 

02.07. – 31.08.2014:

Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf, Berlin

 

13.07. – 12.09.2014:

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/Havel

 

 

 

Ceija Stojka wurde 1933 als Angehörige der Lovara (von ungarisch Lo = Pferd, Pferdehändler) – einer zu den Rom-Völkern gehörigen und in Österreich ansässigen Volksgruppe – in Kraubarth in der Steiermark geboren. Sie überlebte nicht nur das Vernichtungslager Auschwitz, sondern in Folge auch die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen.

Erst in den 1980er-Jahren begann sie ihre Traumata künstlerisch zu verarbeiten und schuf ein einzigartiges Werk, in dem die Erinnerung an die im deutschen Faschismus ermordeten Roma und Sinti wachgehalten wird.

Für den Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord konnte das Gros des im Laufe mehrerer Jahre (1990 bis 2012) sukzessiv entstandenen Zyklus von Zeichnungen Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz zusammengestellt werden, der erstmalig nahezu vollständig präsentiert wird. Mit expressivem Gestus verarbeitete Ceija Stojka mit ihrer großen Serie die Stationen ihrer Erfahrungen unter der NS-Diktatur: die Faschisierung der österreichischen Gesellschaft, die Stationen ihrer Festsetzung, Verhaftung und Deportation sowie die Internierungen in den Lagern bis hin zur Befreiung.

Auf vielen Blättern des Zyklus befinden sich ins Bild integrierte und oftmals auch auf deren Rückseiten Texte, die das Gezeigte durch Kommentare ergänzen: Die Klagen der Opfer, die Befehle der SS-Wachmannschaften und der Kapos wie auch das intime Zwiegespräch zwischen Mutter und Kindern finden sich darin ebenso wie Träume oder Hinweise auf aktuelle Ereignisse. Texte und Bilder wurden von Ceija Stojka dabei miteinander zu einer Einheit verwoben, zwei Medien einer Niederschrift.

In einer parallelen Ausstellung in der Galerie Schwartzsche Villa wird eine Auswahl von Ceija Stojkas Gemälden zu sehen sein. Sie repräsentieren einen weiteren Teil von Stojkas Werk, der im Kontrast zu den überwiegend auf Schwarz und Weiß reduzierten Tuschezeichnungen und Gouachen die Verfolgung und den Terror in bunten Farben schildert.

Anlässlich der beiden Ausstellungen in Berlin zeigt die Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück die in ihrer Sammlung befindlichen Werke Stojkas in einer Sonderausstellung.

 

In einer Monografie, herausgegeben von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt im Verlag für moderne Kunst in Nürnberg, werden erstmalig nahezu alle Arbeiten von Ceija Stojka, die die Verfolgung und Ermordung der Roma und Sinti thematisieren, veröffentlicht. Darin behandeln drei Aufsätze von Dr. Karin Berger, Barbara Danckwortt und Tímea Junghaus Werk und Biografie der Künstlerin, während die Herausgeber in das Thema einführen.

 

Begleitprogramm:

 

Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord

Freitag, 20.06.2014, 19 Uhr: Ausstellungeröffnung

Samstag, 21.06.2014, 17 Uhr: Filmvorführung „Ceija Stojka – Portrait einer Romni“ / 19 Uhr: „Unter den Brettern hellgrünes Gras” mit Dr. Karin Berger und Nuna und Hojda Stojka.

 

Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf

Dienstag, 01.07.2014, 19 Uhr: Eröffnung

 

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Samstag, 12.07.2014, 14 Uhr: Ausstellungseröffnung

Aus diesem Anlass 9–19 Uhr: Bustour zur Gedenkstätte Ravensbrück zur Eröffnung der Sonderausstellung mit Führung und Vortrag von Barbara Danckwortt (Historikerin).

 

Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf

Sonntag, 31.08.2014, 17 Uhr: Filmvorführung „Ceija Stojka – Portrait einer Romni“ / 19 Uhr: „Unter den Brettern hellgrünes Gras“ mit Dr. Karin Berger.

 

 

www.ceija-stojka-berlin2014.de

www.kunstverein-tiergarten.de

www.kultur-steglitz-zehlendorf.de

www.ravensbrueck.de

 

 

Antragsteller/in Lith Bahlmann/ Matthias Reichelt

Veranstaltungstermin 21. Juni bis 26. Juli 2014: Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord, Berlin Eröffnung: 20.06., 19 Uhr 2. Juli bis 31. August 2014: Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf, Berlin Eröffnung: 01.07., 19 Uhr 13. Juli bis 12. September 2014: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/Havel Eröffnung: 12.07., 14 Uhr

Veranstaltungsort Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord, Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/Havel

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord Galerie Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz-Zehlendorf Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/Havel Bundeskanzleramt : Österreich Hamburger Stiftung für die Förderung von Wissenschaft und Kultur Dr. Hildegard Hansche Stiftung Medienpartnerschaft mit TAZ Berliner Fenster

Internetseiten www.ceija-stojka-berlin2014.dewww.kunstverein-tiergarten.dewww.kultur-steglit...ehlendorf.dewww.ravensbrueck.de

CeijaStojka Ohne Titel 1993, Mischtechnik auf Papier, 29,5 x 42cm © Nachlass Ceija Stojka: Hojda Willibald Stojka, Wien VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ceija Stojka Vernichtung 11.11.2009, Mischtechnik auf Papier, 29,5 x 42 cm © Nachlass Ceija Stojka: Hojda Willibald Stojka, Wien VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ceija Stojka Der neue Totenhaufen in Bergen Belsen, 1945 27.02.2005, Tusche auf Karton, 24 x 32 cm © Nachlass Ceija Stojka: Hojda Willibald Stojka, Wien VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Context is Half the Work. A Partial History of the Artist Placement Group

Die 1966 gegründete britische Gruppe Artist Placement Group (APG) initiierte und organisierte sogenannte 'Placements' in Industriebetrieben und öffentlichen Institutionen, bei denen Künstler vor Ort an Ideen arbeiteten, forschten und Projektvorschläge entwickelten. In wechselnder Besetzung bis in die 1980er Jahre hinein aktiv, handelte die APG zahlreiche Placements aus. Dabei ging es der Gruppe weniger um die direkte Zusammenarbeit mit der Arbeiterschaft, als um eine Beteiligung von Künstlern an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. „The contribution of art to society is art“: Die Artist Placement Group (APG) sind dieser Behauptung gerecht geworden und haben sie zugleich entkräftet, indem sie ein Terrain für die Realisierung neuer Formen künstlerischen Arbeitens sondierten. Der Slogan Context is Half the Work zeugt von dieser räumlichen und ideellen Verschiebung: aus den Ateliers hinein in die gesellschaftlichen Institutionen; vom materiellen Werk hin zur Information, zur ortsspezifischen Arbeit, zur sozialen Beziehung.

 

In Deutschland war die APG vor allem durch ihre Teilnahme an der documenta 6 und im Anschluss an ihre Ausstellung 'Kunst als Soziale Strategie' (Bonner Kunstverein, 1977) präsent, in deren Rahmen Verhandlungen für Placements mit Bonner Regierungsvertretern angebahnt wurden. Seither ist es hier jedoch still um die Gruppe geworden. Ihre Rolle in den damaligen Diskussionen um den Einsatz künstlerischen Wissens in gesellschaftlichen Prozessen wurde außerhalb Großbritanniens kaum weiter diskutiert, obwohl APG für vergleichbare Praxen oft als Referenz genannt wird.

 

Die Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien präsentiert nun zum ersten Mal nach fast 40 Jahren eine Ausstellung der APG in Deutschland. Zu sehen sind künstlerische Ergebnisse und Recherchematerialien aus ausgewählten APG-Projekten. Daneben zeugen ausgewählte Korrespondenzen aus dem Archiv der APG von den durch Barbara Steveni geführten Verhandlungen um die Realisation der Placements.

 

Zentraler Gegenstand der vertraglichen Vereinbarung mit der aufnehmenden Institution war der sogenannte 'Open Brief' (etwa: 'Offener Auftrag’), welcher die Prozess- und Ergebnisoffenheit des künstlerischen Arbeitens garantieren sollte. Von den zahlreichen zwischen 1969 und 1984 realisierten Placements werden hier sechs im Détail präsentiert, die die mitunter konflikthaften Aushandlungsprozesse um den Open Brief und die mit ihm verknüpfte Idee von künstlerischer Autonomie zeigen. Angefangen mit dem zweijährigen Stipendium des Bildhauers Garth Evans bei der British Steel Corporation, über Roger Cowards Arbeit mit Anwohner_innen eines Viertels in Birmingham, bis hin zur Entwicklung einer audio-visuellen Therapiemethode für Demenzkranke im Rahmen eines APG Placements in der britischen Gesundheitsbehörde wird die Bandbreite der Arbeitskontexte sichtbar. Anstelle einer Gesamtschau der APG-Geschichte konzentriert sich die Ausstellung auf spezifische Placements, die mit Blick auf heutige künstlerische Praxen wichtige Fragen aufwerfen.

 

Das abschließende Symposium „Arbeit in Widersprüchen: Open Brief und Incidental Person revisited“ greift zentrale Begriffe der APG auf und diskutiert diese mit Blick auf die heute geführten Debatten und Praxen künstlerischer Arbeit in sozialen Kontexten mit APG-Zeitzeug_innen, Theoretiker_innen und Praktiker_innen. Wie gültig sind die Ideen der APG vor dem Hintergrund einer Omnipräsenz „kreativer“ Unternehmenskultur in der Gegenwart? In welchem Interessenkonflikt stehen und standen künstlerische Zusammenarbeiten mit lokalen communities? Was lässt sich aus dem historischen „Steinbruch“ der APG-Praktiken für die Gegenwart bergen?

 

 

Kuratiert von Naomi Hennig und Ulrike Jordan

in Dialog mit Barbara Steveni

Beitragende: Janna Graham, Kerstin Meyer, Carmen Mörsch, Alexandra Waligorski

 

Symposium kuratiert von Janna Graham und Carmen Mörsch

Konferenzsprache: Deutsch mit engl. Übersetzung und Englisch

 

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Mit freundlicher Unterstützung durch das Goethe Institut

Symposium unterstützt durch die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, Bonn

 

Antragsteller/in Hennig Jordan Meyer

Veranstaltungstermin Ausstellung 12. September bis 8. November 2015 Symposium „Arbeit in Widersprüchen: Open Brief und Incidental Person revisited“ 7./8. November 2015

Veranstaltungsort Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Förderbetrag 60.000 €

Internetseiten www.kunstraumkreuzberg.de

George Levantis mit Matrosen an Bord eines Schiffes von Ocean Fleets, 1975 © George Levantis

Ros Sachsse, Stuart Brisley, Ian Breakwell, Rolf Sachsse und Barbara Steveni in der Galerie nächst St. Stephan in Wien, 1979 © Rolf Sachsse

ECHTE GEFÜHLE: DENKEN IM FILM

Themenausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Chantal Akerman, Ed Atkins und Simon Martin, Sue de Beer, Harry Dodge and Stanya Kahn, Loretta Fahrenholz, Christian Jankowski, Jesper Just, Peter Roehr, Roee Rosen, John Smith, Mark Wallinger.

 

Seit seiner Erfindung hat der Film das Denken über das, was die Welt ist und sein kann, beeinflusst. Als Massenmedium, das die Gefühle der Menschen unmittelbar anspricht, prägt es die kollektiven Erfahrungen, sodass Filme nicht nur vor der Folie der Realität betrachtet werden, sondern ihrerseits unser Bild der Wirklichkeit beeinflussen.

 

ECHTE GEFÜHLE: DENKEN IM FILM widmet sich den Affekten und Emotionen im bewegten Bild. Die Themenausstellung geht der Frage nach, wie Filme Emotionen vermitteln und eine Authentizität erzeugen, an der individuelle und kollektive Erfahrung aufeinandertreffen. Allen voran sind sie es, die geläufige Erfahrungen und gängige Erklärungsmuster bestätigen, verändern oder grundsätzlich in Frage stellen und so zum Denken nötigen.

 

Dass in der Ausstellung die Grenzen zwischen Kinosaal und Ausstellungsraum ebenso durchlässig werden wie zwischen Filmkunst und Kunstfilm, zwischen professionellem Publikum und neugierigem Laien, ist ausdrücklich erwünscht. Denn der Film dient gleichermaßen der Normierung unserer Phantasien wie ihrer Freisetzung, der Einübung von Verhaltens- und Deutungsmustern wie deren Außerkraftsetzung. Er stellt damit ein außerordentlich wirkmächtiges Medium dar, in dem sich ein graduell oder radikal anderes Denken über die Welt erprobt.

 

Auf der gesamten Ausstellungsfläche setzen die KW Institute for Contemporary Art das Potenzial des Films in Szene: Die Schau untersucht zum einen, wie Mainstream- und Arthouse-Filme die menschlichen Grundemotionen in Bilder und Narrationen übersetzen und dabei Erwartungen sowohl bedienen als auch kontinuierlich modifizieren. Zum anderen präsentiert die Ausstellung Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die zwar nicht den Massengeschmack bedienen, aber den selben Fragen wie das Kino verpflichtet sind: Wie erzähle ich eine Geschichte? Wie gelingt es, eingespielte Seh- und Denkmuster infrage zu stellen, ohne die Aufmerksamkeit des Betrachters zu verlieren? Diese Arbeiten thematisieren auf je unterschiedliche Weise die Konstruktion von Gefühlen und nutzen das Medium Film, um die Differenz zwischen Film und Wirklichkeit, echtem und gespieltem Gefühl und gleichermaßen deren nicht auflösbare Abhängigkeit voneinander sichtbar zu machen.

 

Antragsteller/in Kunst-Werke - Institute for Contemporary Art

Veranstaltungstermin 23. Februar bis 27. April 2014 Eröffnung: 22.2.14, 17-22 h

Veranstaltungsort KW- Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, 10117 Berlin

Förderbetrag 100.000 €

Kooperationen ECHTE GEFÜHLE: DENKEN IM FILM wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die KW Freunde.

Internetseiten www.kw-berlin.de

Ed Atkins und Simon Martin UNTITLED (Strawberry Poison Dart Frog: Demuxed) 2011 Film Still Courtesy die Künstler, Galerie Isabella Bortolozzi und Cabinet Gallery London

Eva Kotatkova, Anatomical Orchestra

Mit Anatomical Orchestra präsentiert der Schinkel Pavillon die erste institutionelle Einzelausstellung von Eva Kot’átková (*1982 Prag) in Berlin. Konsequent setzt sich die tschechische Künstlerin in ihren Arbeiten mit der Disziplinierung des Individuums auseinander. Das Korsett, in welches das Individuum durch äußere Einflüsse gezwängt wird, von Familie und Schule über die Gesellschaftsordnung bis hin zur Architektur, verbildlicht sie in den unterschiedlichsten Medien und Ausdrucksformen. Im Schinkel Pavillon stellt die Künstlerin die Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt in den Vordergrund. So wird der oktogonale Ausstellungsraum zur surrealen Bühne; überdimensionale Instrumente und eigentümliche Prothesen warten neben vielen weiteren Objekten bei Anatomical Orchestra auf die Aktivierung durch den menschlichen Körper.

Antragsteller/in Schinkel Pavillon e.V.

Veranstaltungstermin 31. Mai 2014 bis 20. Juli 2014

Veranstaltungsort Schinkel Pavillon

Förderbetrag 20.000 €

Internetseiten www.schinkelpavillon.de

Fragments of Empires

Ausstellung „Fragments of Empires“

 

gefördert vom Hauptstadtkulturfonds

 

mit Kader Attia, Lutz Becker, Theo Eshetu, Amir Fattal,

Gülsün Karamustafa, Fiona Pardington, Sophia Pompéry

Kuratiert von David Elliott

 

„Fragments of Empires/ Imperiale Bruchstücke“ ist eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die sich mit Fragen von Erinnerung, Identität und dem Einfluss von Migration in vier verschiedenen zeitbasierten Medien befasst: Ton, Film, Collage und Fotografie.

 

Indem sie hinterfragen, wer „wir“ sind und wie wir so geworden sind, decken die Arbeiten von sieben Künstlern Bruchstücke von Geschichte, Erinnerung und Symbolik auf, die deutlich machen, welchen Einfluss längst verschwundene Weltreiche auf unsere Wahrnehmung der Gegenwart haben. Die kulturellen Hintergründe der Künstler reichen von Addis Abeba über Algier, Auckland, Berlin, Budapest, Istanbul, Paris und Rom bis Tel Aviv, vier der Künstler leben und arbeiten derzeit in Berlin.

 

Melancholisch, tragisch, freudig und teilweise humorvoll umspannen diese visuellen und materiellen Erinnerungen Jahrhunderte von Eroberung, Ruhm, friedlichem Zusammensein

und Unterdrückung und bieten damit Einblicke und Bausteine für unsere Wahrnehmungen und Träume von der Zukunft.

 

„Fragments of Empires“

 

7. November 2014 bis 1. Februar 2015, Mi-So 13 bis 19 Uhr

Vernissage: 7. November 2014, 19 bis 22 Uhr

MOMENTUM, Kunstquartier Bethanien, Raum 134, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

 

Pressekontakt: Petra Dregger, Tel. 0173-609 48 40, petra@momentumworldwide.org

 

Neben der Ausstellung wird es im .CHB Collegium Hungaricum Berlin am 8. und 9. November 2014 ein Symposium, eine Sound-Installation und Videokunst an der Medienfassade geben.

 

Der Ausstellung liegt die Idee der in Objekten gespeicherten Erinnerungen zugrunde. Die Arbeiten der Künstler der Ausstellung schließt eine große Bandbreite verschiedener Annäherungsansätze an die Erfahrung von Imperium, Migration, kulturelle Transformation und Aneignung ein. Sie untersuchen, wie Objekte und die mit ihnen verknüpften Assoziationen durch historische Prozesse von Kolonialisierung und Migration transferiert und neu geprägt worden sind und sich so von einer Kultur zu einer anderen bewegen. Obwohl ursprünglich auf imperiale Bestrebungen begrenzt, zeigen die Arbeiten der Künstler in der Ausstellung verschiedene Wege auf, wie diese Fragmente zu neuen Leben oder Realitäten verwoben werden, um in der Gegenwart andere Bedeutungen und Identitäten zu etablieren.

 

Berlin befindet sich im 21. Jahrhundert am Kreuzungspunkt zahlreicher einwandernder Kulturen und Nationen, da Menschen aus aller Welt in die Stadt strömen. In den letzten Jahren ist Berlin besonders dafür bekannt geworden, die führenden Künstler der Welt anzuziehen. Ebenso berühmt ist Berlin für den Reichtum an kulturellen Artefakten, die seine Museen beherbergen. Diese Konvergenz von kreativer und historischer Kultur mit den Kulturen der Migranten aus aller Welt wird oft erwähnt, aber sie ist hinsichtlich der Konvergenz der verschiedenen kolonialen Vermächtnisse der vielen Populationen, die in Berlin leben, noch nicht genau betrachtet worden. „Imperiale Bruchstücke“ ist daher eine zeitgemäße Reflektion über die Hybridisierung kultureller Praktiken und über die Tatsache, dass wir nicht nur in Berlin, sondern überall auf der Welt Wurzeln von anderswo finden können.

 

Die verschiedenartigsten Vermächtnisse vergangener Reiche reflektierend - des Britischen, Byzantinischen, Französischen, Osmanischen und Römischen Reiches im Kontext mit Berlins Aufarbeitung der schmerzvollen Geschichte des Deutschen und Österreichisch-Ungarischen Reiches - nimmt sich die Ausstellung der Aufgabe an, sich der Geschichte durch künstlerische Innovation zu stellen. „Imperiale Bruchstücke“ bringt Künstler zusammen, die geschichtliche Vermächtnisse ihrer jeweiligen Kultur aufgegliedert haben, um sie zu einer zeitgenössischen Aussage über die Fähigkeit von Kulturen, sich über die etablierten, politisch festgelegten Grenzen und Konzepte von nationaler Identität hinwegzusetzen, indem sie sich gegenseitig absorbieren und neu zusammengefügt werden.

 

Diese Ausstellung beruft sich auf Praktiken zeitbasierter Kunst, um die Vermächtnisse der Kulturgeschichten zu erforschen, die sich durch den Lauf der Zeit stets verändert haben. Als Berlins einzige Plattform, die sich ausschließlich auf zeitbasierte Kunst fokussiert, beleuchtet MOMENTUM geschichtliche Zeit durch die Linse von Technologien, die aus Momenten Bilder machen, und durch die persönlichen Erfahrungen der Künstler, deren unterschiedliche kulturelle Hintergründe auch die verschiedenen historischen Momente neu definieren.

 

Die Künstler und ihre Werke

 

Kader Attia wurde 1970 in Dugny/Frankreich geboren. Er wuchs in Paris und Algerien auf. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Als Kind einer algerischen Familie in Frankreich verbrachte er seine Kindheit in zwei Ländern. Das Hin und Her zwischen dem christlichen Abendland und dem islamischen Maghreb hat einen tiefgreifenden Einfluss auf sein Werk, das sich mit den Themen Architektur, menschlicher Körper, Geschichte, Natur, Kultur und Religionen innerhalb der Beziehungen zwischen westlichem Denken und "außer-okzidentalen" Kulturen auseinandersetzt und das immer schwieriger werdende Verhältnis zwischen Europa und insbesondere seiner Einwanderer aus Nordafrika untersucht.

 

In „Fragments of Empires“ stellt MOMENTUM eine neue Serie von Collagen vor, die speziell für die Ausstellung geschaffen wurden. Die neue Arbeit untersucht kulturelle Praktiken gegenseitiger Appropriation und Repräsentation zwischen Afrika und Europa.

Lutz Becker, 1941 in Berlin geboren, lebt und arbeitet in London. Er ist ein Künstler, Filmemacher, Kurator und Film-Historiker. Nach seinem Studium an der Slade School of Fine Art, London, wo er unter Thorold Dickinson graduierte, arbeitete er erfolgreich als Regisseur von Dokumentarfilmen über Politik und Kunst. Lutz Becker arbeitet außerdem als Maler und kuratiert Ausstellungen, mit der Hayward Gallery arbeitete er bei den Ausstellungen „The Romantic Spirit in German Art“ (1994) und „Art and Power“ (1995) zusammen, mit der Tate Modern bei „Century City“ (2001).

 

Für „Fragments of Empires“ greift Becker eine Soundinstallation auf, die er anlässlich der Ausstellung „After the Wall“ im Moderna Museet Stockholm 1999 anfertigte und die bereits 2000 im Hamburger Bahnhof Berlin präsentiert wurde, ebenfalls von David Elliott kuratiert. Die fünf einzelnen Sound-Montagen basieren auf Original-Aufnahmen vom Fall der Berliner Mauer. MOMENTUM präsentiert die Arbeit „After the wall“ im Kontext des 25jährigen Jubiläums des Mauerfalls.

 

Theo Eshetu wurde 1958 in London geboren und ist in Addis Abeba, Dakar, Belgrad und Rom aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Aus einer künstlerischen Praxis zwischen Videokunst und Dokumentarfilm entwickelt er eine hybride Sprache, die ihm erlaubt, Wahrnehmung, Identität und Ideen von Heiligkeit durch elektronische, zeitbasierte Medien, optische Geräte und Effekte zu untersuchen. Er bezieht sich auf Anthropologie, Kunstgeschichte, wissenschaftliche Untersuchung und Religion – Katholizismus, Afrikanische Religionen, Islam und Buddhismus, – um Konflikte und Harmonien menschlicher Subjektivität zwischen Weltkulturen im globalen Kontext zu untersuchen. Seine im Kern konzeptuelle Arbeit fokussiert sich häufig auf kulturelle Verschiebung und bedient sich fraktaler Repetition, kaleidoskopischer Spiegelungen, Mehr-Kanal-Projektionen oder mosaikartiger Aufteilung der Bilder.

 

MOMENTUM zeigt sein Video "ROMA" (2010). Schon Fellini wies darauf hin, dass Rom, trotz seiner imperialen, päpstlichen und faschistischen Natur im Grunde eine afrikanische Stadt ist. Dies war der Ausgangspunkt für Eshetus "ROMA", eine Vision, in der das Heilige und das Profane im Dialog stehen mit den ephemeren und ewigen Qualitäten einer Stadt voller Geister aus ihrer imperialen Vergangenheit.

 

Amir Fattal wurde 1978 in Israel geboren und lebt in Berlin. 2009 schloss sie ihr Studium an der UdK Berlin ab, sie ist eine Konzeptkünstlerin, die sich historischer Reflektion bedient, basierend auf der Geschichte der Ästhetik und kultureller Schismen. Ihr überragendes Anliegen sind die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel - Ländern, die unerbittlich verbunden sind durch ihre Geschichte, Erinnerung, Kultur und Architektur.

 

„Fragments of Empires“ zeigt Fattals neue Arbeit „From the End to the Beginning (2014)“. Die Videoarbeit basiert auf einer Liveaufführung von Richard Wagners „Vorspiel und Liebestod“, gespielt in umgekehrter Reihenfolge. Wagners Werke dürfen in Israel nicht öffentlich aufgeführt werden und sind zu einem Symbol für die katastrophalen Auswirkungen geworden, die Antisemitismus verursachen kann. Symbolträchtig ist mit dem Berliner Funkhaus auch der Ort der Aufzeichnung - gebaut in den späten 50er Jahren als Ostberliner Radiostation, nachdem Musiker nicht mehr frei reisen durften. Indem sie Wagners Liebestod Zeile für Zeile umgeschrieben hat, mit jeweils der letzten als der ersten Note ähnlich dem Hebräischen Alphabet, entsteht eine konzeptuelle Arbeit, die die zeitgenössische Wahrnehmung von historischen und kulturellen Lesarten herausfordert und zeigt, wie Kultur immer eine Sammlung verschiedenartigster Bruchstücke ist.

 

Gülsün Karamustafa wurde 1946 in Ankara geboren. Sie lebt und arbeitet in Istanbul, wo sie als eine der wichtigsten Pioniere türkischer zeitgenössischer Kunst gilt. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Fragen von Migration, Vertreibung und Militärdiktatur (in den 1970er Jahren war sie Häftling des türkischen Militärs). Danach wurde ihr sechzehn Jahre lang bis Mitte der 80er Jahre ein Reisepass verweigert. Die aufgezwungene Isolation brachte sie dazu, sich mit ihrer eigenen Situation und ihrer Umgebung zu beschäftigen: Istanbul, innere Emigration und Nomadentum in der Türkei, sowie die ideologischen und psychologischen Wirkungsmächte von Identität. Gülsun Karamustafa untersucht als Soziologin oder Anthropologin die historischen und sozialen Verbindungen orientalischer Kulturen und benutzt dabei häufig Materialien, die den hybriden Charakter unterschiedlicher Kulturen und Religionen ausdrücken. Häufig verwendet sie vorgefundenes Material und Bilder von orientalischer oder okzidentaler Herkunft, das sie fragmentiert und neu zusammensetzt, um den Kontrast von "privat" und "öffentlich" durch Alltägliches, Kultur, Kunstgeschichte und Medien zu beleuchten.

 

Die Ausstellung "Fragments of Empires" zeigt drei ihrer Videoarbeiten. "Personal Time Quartet" (2000) ist eine Vier-Kanal-Videoinstallation, die zu erst im Historischen Museum Hannover zu sehen war und auf die innewohnenden Ähnlichkeiten angeblich disparater Kulturen hinweist. "Memory of a Square" (2005) ist ein Zwei-Kanal-Video, das Szenen aus dokumentarischen Aufnahmen familiären Lebens auf dem Taksim Platz in Istanbul, die über Zeitraum von 50 Jahren entstanden sind, nebeneinander stellt. Wie heute, spielte dieser extrem aufgeladene Ort schon immer eine entscheidende Rolle in der Geschichte des politischen und kulturellen Wandels in der Türkischen Republik. "Unawarded Performances" (2005) ist ein Film über das kaum bekannte Volk der Gagauz, einer orthodoxen christlichen Gemeinschaft türkischer Herkunft im südlichen Moldavien, die immer noch Balkantürkisch sprechen, obwohl sie unter der Herrschaft von sechs verschiedenen Nationen leben mussten. Die Geschichten von sechs dieser Frauen erzählen eine beredte Geschichte der Hinterlassenschaften von Migration und von einer Kultur unter dem Einfluss von Herrschaftsstrukturen.

 

Fiona Pardington, geb. 1961 in Devonport/ Neuseeland, gilt als führende neuseeländische Fotokünstlerin mit Maori- und schottischen Wurzeln. Sie lebt und arbeitet in Neuseeland. In ihrer Arbeit untersucht sie das Verhältnis von Gegenstand und Fotograf in Bezug auf Fotografiegeschichte und Körperrepräsentationen in Medizin, Gedächtnis, Sammlungstätigkeit und Stillleben. Fionas Arbeit mit dem Format Stillleben im Kontext von Museen beschäftigt sich mit taonga (Maori Kulturschätzen) und anderen historischen Objekten , wie z.B. hei tiki (Jadeanhängern) und dem inzwischen ausgestorbenen Huia Vogel. Durch diese Arbeiten lenkt sie die Aufmerksamkeit eines zeitgenössischen Publikums auf traditionelle und vergessene Objekte. In ihren neueren Arbeiten untersucht sie die neuseeländische Tradition der Idee von Porträtfotografie als einer Manifestation der tatsächlichen Person. Indem sie diese Tradition auf das Stillleben-Format anwendet, porträtiert Pardington Ahnenschnitzereien der Maori neben anderen Objekten, die sehr stark an die Kolonialgeschichte der Inselnation am Rande des britischen Imperiums erinnern.

"Fragments of Empires" zeigt neue fotografische und installative Arbeiten, die die Künstlerin im Rahmen eines zweimonatigen Residenzprogramms in Berlin angefertigt hat, neben einer Serie früherer Arbeiten mit historischen Artefakten und Stillleben.

Sophia Pompéry ist eine 1984 in Berlin geborene ungarische Künstlerin, deren familiäre Wurzeln sowohl ins Osmanische als auch ins Österreichisch-Ungarische Reich zurückreichen. Sie studierte von 2002 bis 2009 an der Kunsthochschule Weissensee und nahm anschließend bis 2010 am Institut für Raumexperimente unter Olafur Eliasson an der UdK Berlin teil. 2011 wurde ihr der Toni und Albrecht Kumm Preis verliehen, 2012 verbrachte sie im Rahmen des DAAD Kunstprogramms sechs Monate in Istanbul. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul.

 

Für „Fragments of Empires“ legt Pompéry ihre ortsspezifische Installation „Atölye/Atelier“ neu auf. Aufgenommen wurde der Film in einer traditionellen armenisch-türkischen Stukkatur-Werkstatt, die über fünf Generationen das Dekor für die bekanntesten Gebäude Istabuls wie dem Dolmabahce Palast herstellte. Heute ist die Werkstatt ein historisches Gedächtnis Istanbuls, in welchem sich vielfältigste ornamentale Bruchstücke von repräsentativen Gebäuden der verschiedenen historischen und kulturellen Stilarten vermischen, gleich einem architektonischen und geschichtlichen Archiv.

 

Über MOMENTUM

 

MOMENTUM ist eine nicht-kommerzielle, globale Plattform für zeitbasierte Kunst mit Sitz in Berlin. Durch unser Programm von Ausstellungen, Kunstsalon Diskussionsforen, Initiativen für Videokunst im öffentlichen Raum, Künstlerresidenzprogrammen und einer online abrufbaren Sammlung von Videokunst, widmen wir uns dem Bereitstellen einer Plattform für herausragende Künstler, die in zeitbasierten Medien arbeiten.

 

Der Begriff „zeitbasiert“ hat heute eine ganz andere Bedeutung als vor über 40 Jahren, als er erstmals geprägt wurde. Die Mission von MOMENTUM ist, die wachsende Vielfalt und Relevanz zeitbasierter Praktiken stetig neu zu bewerten und immer wieder innovative Antworten auf die Frage „Was ist zeitbasierte Kunst?“ zu finden.

MOMENTUM hat seinen Sitz im Kunstquartier Bethanien in Kreuzberg, ist als globale Plattform mit großem internationalen Netzwerk positioniert und dienst als Bindeglied zwischen professionellen Kunstgemeinschaften, unabhängig von institutionellen und nationalen Grenzen. Die Schlüsselideen unserer Arbeit sind: Zusammenarbeit, Austausch, Bildung, Erforschung und Inspiration.

 

 

 

Antragsteller/in MOMENTUM g.U.G.

Veranstaltungstermin 7. November 2014 bis 1. Februar 2015

Veranstaltungsort MOMENTUM g.U.G. - Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz

Förderbetrag 27.000 €

Kooperationen .CHB Collegium Hungaricum Berlin (Vera Baksa-Soos, Dir. Moholy-Nagy Galerie) http://www.hungaricum.de/de/

Internetseiten momentumworldwide...._of_empires/

Ryan Trecartin (AT)

Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die erste institutionelle Einzelausstellung von Ryan Trecartin in Deutschland zu präsentieren. Mit einem neuen Mehrkanalfilm und einer großen ortsspezifischen Installation, die in Zusammenarbeit mit seiner langjährigen Partnerin Lizzie Fitch entstanden ist, wird das Werk die Auseinandersetzung des Künstlers mit Sound vertiefen. Zugleich fordert sie die tradierten Formen, wie Zuschauer sich zu unterschiedlichen Medien ins Verhältnis setzen, heraus.

 

Trecartins dichte Erzählungen werden von komplexen und stilisierten Charakteren getragen, die uns befremden und zugleich bekannt erscheinen. In Form und Inhalt greifen Trecartins Filme die herrschende Ästhetik und soziale Normen verschiedener Bereiche der Popkultur auf. Das fieberhafte Tempo, die aufwendig gestalteten Schnitte und die dynamischen, sich ständig verändernden Identitäten der ProtagonistInnen aus Reality TV und Internet werden adaptiert und weiterentwickelt. Vom amerikanischen Magazin The New Yorker als der „wichtigste Künstler seit den 1980er Jahren" bezeichnet, definiert Trecartins visionäres Verständnis der tiefgreifenden kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen unsere aktuelle – und zukünftige – Gegenwart.

 

Eine mehrteilige Film- und Soundinstallation bildet das Zentrum der neuen Arbeit für die KW. Die Ausstellung untersucht die Doppelfunktion, die Sound hier erfüllt: als Tonspur aus Dialog und Musik und zugleich als eigenständige räumliche Komponente, die skulptural erfahren werden kann. Von einer akustisch-räumlichen Inszenierung ausgehend, entfaltet sich die Arbeit über mehrere Räume im Erdgeschoss. Die BesucherInnen erleben das Werk erst auditiv, dann visuell, bevor es in eine komplexe Installation in der Ausstellungshalle mündet. Dort präsentiert Trecartin seinen neuen Film, eine Videoarbeit, in der verschiedene Projektionsleinwände so aufgestellt werden, dass sie das 5.1 Surround Sound vom Film selbst spiegeln und so die visuellen, akustischen und physischen Ebenen der Arbeit als Einheit behandeln.

 

Kuratiert von Ellen Blumenstein und Klaus Biesenbach

Antragsteller/in Kunst-Werke - Institute for Contemporary Art

Veranstaltungstermin 6. September 2014 bis 15. Februar 2015

Veranstaltungsort KW Institute for Contemporary Art

Förderbetrag 140.000 €

Kooperationen RYAN TRECARTIN wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, Berlin.

Internetseiten www.kw-berlin.de

Lizzie Fitch/Ryan Trecartin, SITE VISIT, 2014, Videostill, Courtesy die Künstler; Andrea Rosen Gallery, New York; Regen Projects, Los Angeles; und Sprüth Magers Berlin London.

The Forgotten Pioneer Movement

Beteiligte Künstler_innen und Kollektive: Lina Albrikienė, Ēriks Apaļais, Ieva Astahovska & Inga Lāce, bankleer, Ana Bogdanović, [BLOK] (Ivana Hanaček, Ana Kutleša, Vesna Vuković), Mitya Churikov, CORO Collective, Kasia Fudakowski, Sophie Goltz, Gal Kirn, Nicu Ilfoveanu, Wilhelm Klotzek & David Polzin, Snejana Krasteva & Peter Tzanev, Kate Krolle & Maya Mikelsone, Kristina Leko & Anchi Cheng & Jonathan Ryall & Lisa Schwalb, Marina Naprushkina, Rasa Navickaitė, Newsreel front, Alexandra Pirici (& Mădălina Dan, Farid Fairuz, Manuel Pelmuş), Marta Popivoda, Claudia Rößger, Elske Rosenfeld, Anca Rujoiu & Madalina Zaharia, Anna Till & Juliane Schmidt, SKILLS, VIP, Ana Vujanović, Nikola Vukobratović, ŽemAt (Agnė Bagdžiūnaitė, Domas Noreika, Eglė Ambrasaitė, Aušra Vismantaitė, Noah Brehmer, Eglė Mikalajūnė) und andere

 

"The Forgotten Pioneer Movement“, kuratiert von Ulrike Gerhardt und Susanne Husse, ist ein interdisziplinäres Performance- und Ausstellungsprojekt zum Phänomen der letzten Pioniergeneration in der Übergangsphase vom Sozialismus zum Postsozialismus.
 TFPM beschäftigt sich mit der Bedeutung der "letzten Pioniere", derjenigen Generation, die in der Auflösungsphase des Kalten Krieges, der "Perestroika", und den 1990er Jahren des ,pOst-Westlichen‘ Europas aufgewachsen ist. Als fiktionale Bewegung erprobt TFPM Formen der kulturellen Erinnerung und ermittelt die gesellschaftlichen Perspektiven dieser Generation.

 

Als modernistisches Phänomen und Ex-Gestalt kindlicher sowie jugendlicher Identifikation, eignet sich die Figur der Pionierin/des Pioniers, die vielseitigen Einschreibungen von Bildungsinstitutionen und öffentlich mobilisierten Ideologien im ehemaligen „Osten“ wie auch im ehemaligen „Westen“ zu untersuchen. TFPM kombiniert Strategien und Diskurse aus visueller wie darstellender Kunst und Kulturtheorie, um sich der von Edit András beobachteten “zurückliegenden Zukunft“ als einer paneuropäischen Erfahrung unabhängig von geopolitischen Klassifizierungen zu nähern. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer schlägt TFPM mithilfe dreier sogenannter Sets neue Konstellationen zwischen jener entfernten Zukunft und Insignien der Gegenwart vor. Set #A umfasst Performances an verschiedenen Orten in Berlin, Set #B eine Ausstellung bei District und Set #C ein öffentliches Seminar.

 

Set # B Ausstellung wird von der „Appendix Collection“ vervollständigt, einer Recherchestation mit Bezugsmaterial der Teilnehmer_innen, dem „transitland: Video Art from Central and Eastern Europe 1989-2009“ (kuratiert von Edit András and Margarita Dorovska) und den TFPM-Videos von Lina Albrikienė, bankleer, Vlad Basalici, Eglė Budvytytė & Bert Groenendaal, Irina Botea, Cooltūristės, Lenka Clayton, eteam, Christian Jankowski, Anna Jermolaewa, Szabolcs Kisspál, Jumana Manna & Sille Storihle, Wilhelm Klotzek, Jumana Manna & Sille Storihle, Anna Molska, VIP, Clemens von Wedemeyer, Katarina Zdjelar und anderen.

 

Publikation: The Forgotten Pioneer Movement—Guidebook, hrsg. von Ulrike Gerhardt, Susanne Husse (Hamburg: Textem, 2014).

 

 

TEAM

Ulrike Gerhardt und Susanne Husse im Gespräch mit Agnė Bagdžiūnaitė, Ana Bogdanović, Snejana Krasteva, Eglė Mikalajūnė, Maya Mikelsone, Anca Rujoiu und [BLOK]: Kuratorinnen

Janine Halka: Projektassistenz

Tabea Hamperl: Kommunikation und Fundraising

Emma Haugh: Projektmanagement

Andrea Keppler: Administration

Phuong Phan: Kuratorische Assistenz

Natalia Raaben: Kuratorische Assistenz

 

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Participating artists and collectives: Lina Albrikienė, Ēriks Apaļais, Ieva Astahovska & Inga Lāce, bankleer, Ana Bogdanović, [BLOK] (Ivana Hanaček, Ana Kutleša, Vesna Vuković), Mitya Churikov, CORO Collective, Kasia Fudakowski, Sophie Goltz, Gal Kirn, Nicu Ilfoveanu, Wilhelm Klotzek & David Polzin, Snejana Krasteva & Peter Tzanev, Kate Krolle & Maya Mikelsone, Kristina Leko & Anchi Cheng & Jonathan Ryall & Lisa Schwalb, Marina Naprushkina, Rasa Navickaitė, Newsreel front, Alexandra Pirici (& Mădălina Dan, Farid Fairuz, Manuel Pelmuş), Marta Popivoda, Claudia Rößger, Elske Rosenfeld, Anca Rujoiu & Madalina Zaharia, Anna Till & Juliane Schmidt, SKILLS, VIP, Ana Vujanović, Nikola Vukobratović, ŽemAt (Agnė Bagdžiūnaitė, Domas Noreika, Eglė Ambrasaitė, Aušra Vismantaitė, Noah Brehmer, Eglė Mikalajūnė) and others

 

"The Forgotten Pioneer Movement" (TFPM), curated by Ulrike Gerhardt and Susanne Husse, is an interdisciplinary performance and exhibition project about the experiences of the last, transitional generation between socialism and post-socialism.

As a fictional movement, TFPM addresses the impact and the societal perspectives of the “last pioneers”: a generation whose childhood and youth is linked to the times of the Perestroika and the 'pOst-Western' Europe of the 1990s.

 

As a modernist phenomenon and ex-symbol of childhood and adolescent identification, the figure of the pioneer lends itself to an investigation of the many inscriptions of educational institutions and publicly mobilized ideologies in the former “East” and the former “West”. TFPM combines strategies and discourses from visual as well as performative arts and cultural theory in order to approach “the future behind us”, observed by Edit András, as a pan-European experience beyond geopolitical classifications. 25 years after the fall of the Berlin wall, TFPM suggests new constellations between this remote future and insignia of the present by three so-called Sets. Set #A comprises performances at different locations in Berlin, Set #B an exhibition at District, Set #C a public seminar.

 

Set # B Exhibition is complemented by the "Appendix Collection“, a research station with reference materials from the participants, the archive "transitland: Video Art from Central and Eastern Europe 1989-2009" (curated by Edit András and Margarita Dorovska) and the TFPM videos by Lina Albrikienė, bankleer, Vlad Basalici, Eglė Budvytytė & Bert Groenendaal, Irina Botea, Cooltūristės, Lenka Clayton, eteam, Christian Jankowski, Anna Jermolaewa, Szabolcs Kisspál, Jumana Manna & Sille Storihle, Wilhelm Klotzek, Jumana Manna & Sille Storihle, Anna Molska, VIP, Clemens von Wedemeyer, Katarina Zdjelar, a.o.

 

Publication: The Forgotten Pioneer Movement—Guidebook, ed. Ulrike Gerhardt, Susanne Husse (Hamburg: Textem, 2014).

 

TEAM

Ulrike Gerhardt and Susanne Husse in conversation with Agnė Bagdžiūnaitė, Ana Bogdanović, Snejana Krasteva, Eglė Mikalajūnė, Maya Mikelsone, Anca Rujoiu and [BLOK]: Curators

Janine Halka: Project Assistance

Tabea Hamperl: Communikation and Fundraising

Emma Haugh: Project Management

Andrea Keppler: Administration

Phuong Phan: Curatorial Assistance

Natalia Raaben: Curatorial Assistance

 

Antragsteller/in DISTRICT Berlin | Ulrike Gerhardt, Susanne Husse

Veranstaltungstermin 3. Oktober 2014 – 29. November 2014

Veranstaltungsort DISTRICT Berlin sowie weitere Orte in ganz Berlin

Förderbetrag 65.000€

Kooperationen Balassi Institut – Collegium Hungaricum Berlin (.CHB), [BLOK], FAIR, Galerie M, HAU Hebbel am Ufer, Latvian Centre for Contemporay Art, Riga, Maxim Gorki Theater

Internetseiten bit.ly/1EG7cSZ

Pressestimmen

SKILLS, 'AVANT', The Forgotten Pioneer Movement bei District Berlin 2014, Bild: Louis Haugh

Nikola Vukobratović, 'From Youth Labour Actions to football hooligans: Youth socialization and politicization in Socialism and Transition', The Forgotten Pioneer Movement bei District, Bild: Louis Haugh

Set #B Ausstellungseröffnung, The Forgotten Pioneer Movement bei District Berlin 2014, Bild: Louis Haugh