Christine Streuli - Nonstopppainting

Streulis Werke speisen sich aus ornamentalen und grafischen Elementen, Farben, Geometrien und Mustern, die sie aus der vorhandenen Bildwelt wie dem weltweiten Netz, der Werbung, Textildrucken aus aller Welt oder aus historischen Bildquellen generiert. Obwohl Streulis Arbeiten sehr malerisch wirken, greift die Künstlerin kaum zum Pinsel. Eher bildet sie Pinselspuren ab. Sie arbeitet mit schablonierten Papierfragmenten, Punktrastern, Flächen und Umrisslinien, die sie durch Abklatschen, Ausschneiden und andere Druckverfahren als Collagen im großen Format aufbaut. Die Bilder erreichen ihre hohe visuelle Dichte durch Schichten, Staffeln und Verschränken. Sie sind, wie die uns umgebende kommerzielle Werbung, mehr Emotionsträger als Informationsträger.

 

Streuli schafft in ihrem Werk Bilder mit einem hohen optischen Sättigungsgrad, der mit den Mitteln des Pop die Intensität eines Allover erreicht. Die Künstlerin greift regelmäßig auf Bildquellen aus der Kunstgeschichte zurück. So eignete sie sich beispielsweise vorhandenes Bildmaterial des Stilllebenmalers Sebastian Stosskopf an, der Anfang des 17. Jahrhunderts mit präzisen Abbildungen von verführerischen Früchten und luxuriösen venezianischen Gläsern in Europa Erfolge feierte. Dafür stellte sie kleinformatige Interpretationen her, aus denen sie in den eigenen großformatigen Werken zitiert. Streuli greift aber auch auf Vorlagebücher mit Ornamentstichen oder Scherenschnitten zurück, die bis in die Renaissance zurückreichen. Somit entwickelt sie aus der Gesamtheit der künstlichen Welt der Werbung, der historischen Kunst sowie der Ornamentik eigene, neue Bildwelten. Früchte, Akanthus, Sterne oder Scherenschnittmotive, Bandelwerk und Scheinschriften bilden in den weitgehend abstrakten Bildern kompositorischen Halt. Oberflächen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und Zeiten treffen aufeinander.

 

Streulis Arbeiten entfalten dabei durch abstrakte Zeichen von Geschwindigkeit, Temperatur, Farbklang und Räumlichkeit eine hohe Energie. Durch Zitate, Wiederholungen und Spiegelungen belebt die Künstlerin ihre ebenso spontan wirkenden wie sorgfältig durchdachten Bildpartituren. Sie folgt stets dem Gedanken des Sowohl-Als-Auch und arbeitet zugleich in die Fläche wie in der Tiefe. Es gelingt ihr, heftig bewegte Elemente mit grafisch durchstrukturierten Zitaten so in Beziehung zu setzen, dass mit jedem neuen Werk der Eindruck umfassender Simultanität entsteht. Streulis Gemälde können daher auch als Aussagen über unsere globale Informationsgesellschaft gelesen werden, die in ihrer grenzenlosen Verfügbarkeit des Gleichzeitigen jeden Einzelnen täglich herausfordert.

 

Streulis heftige Paraphrasen eröffnen bisher nicht gesehene, utopische Erlebnisräume. Sie lassen sich nicht auf bestimmte Botschaften und Aussagen reduzieren, sondern zielen vielmehr ganz unmittelbar auf die Emotion des Betrachters, der sich verführt fühlt und, so er sich auf Zeichen und Farben einlassen will, im dynamischen Rausch dieser Bildwelten überraschend Neues erfahren kann.

 

 

Die Künstlerin gestaltete 2007 den Schweizer Pavillon auf der Biennale von Venedig. Die Künstlerin lebt seit 2008 in Berlin.

 

Katalog Deutsch und Englisch, Hrsg. Katja Blomberg, Verlag Walther König.

 

Kuratiert von Katja Blomberg

 

 

Antragsteller/in Haus am Waldsee e.V.

Veranstaltungstermin 5. Oktober 2013 bis 5. Januar 2014

Veranstaltungsort Haus am Waldsee

Förderbetrag 50.000 €

Internetseiten www.hausamwaldsee.de

Abb.: Christine Streuli, Frank, 2012, Courtesy: Kunstsammlung der Stadt Zürich, Foto: Hans Georg Kaul

Das Mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne

Die Ausstellung bezieht sich auf eine umfassende kulturelle Tendenz. Am Beginn des 21. Jahrhunderts mit einer extremen Beschleunigung und Erweiterung der Informationsdichte und globalen Kommunikation, zeigt sich in den bildenden Künsten, in Mode und Design, in Literatur und Film, in Comic und Pop ein ästhetischer Rückgriff auf die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Allenthalben entdeckt man Verweise auf die Welt Jules Vernes. Dieses in die Vergangenheit verweisende Element stellt ein Paradoxon dar. Auf der einen Seite miniaturisiert sich die technische Welt und Nanowissenschaften und autonome Maschinen werden immer sicherer als zukünftige dominante Entwicklungen betrachtet. Auf der anderen Seite schlüpfen Protagonisten wie die Steam-Punks in nostalgische Hüllen und Künstler bauen mit großem Aufwand schwere mechanische Geräte in Handarbeit. Auf Pariser Modenschauen fahren analoge Dampflokomotiven mit Pullmann Wagons ein, Set-Designs wie die von James Bond lassen Assoziationen zu und auch der neuste Science-Fiction-Film "Prometheus – Dunkle Zeichen" (Regie: Ridley Scott) verwendet ein äußeres Raumschiffdesign, das an das genietete U-Boot Kapitän Nemos erinnert.

 

 

Mit der Ausstellung wollen die Kuratoren Peter Lang und Christoph Tannert dieses Paradoxon der zivilisatorischen Entwicklung kritisch untersuchen. Was führt zu dieser Entwicklung, was steht dahinter? Dabei beziehen sie sich auf Bereiche der Hochkultur als auch der Massen- und Fan-Kultur bis hin zur Mode. Bekannte KünstlerInnen stehen neben Art-Brut-Künstlern und den Werken junger Spezialisten.

 

Die Begeisterung für das Mechanische ist ungebrochen. Und wenn der Film "Die Reise zum Mond" des französischen Filmpioniers Georges Méliès aus dem Jahr 1902 gerade eine Rekonstruktion und begeisternde Neuaufführung erfährt, verstärkt das den gesamten Drift heutiger avantgardistischer Bewegungen ins scheinbar langsamere Gestern.

Was sagt uns das über unsere gesellschaftliche Entwicklung? Wohin gehen die zivilisatorischen Abenteuer?

 

Antragsteller/in Künstlerhaus Bethanien GmbH

Veranstaltungstermin 5. Juni bis 3. August 2014

Veranstaltungsort Künstlerhaus Bethanien

Förderbetrag 100.000 €

Kooperationen HKF

Internetseiten www.bethanien.de

Alicja Kwade, Singularität, 2009/2014

Karl Hans Janke, Trag-Gas-Kugel-Kessel, 1953

Forensis

Vom Fingerabdruck bis zur Internet-Ortung: Forensische Methoden kommen zum Einsatz, wenn es dem Staat um die Überwachung der Bevölkerung geht. Zugleich fasziniert Forensik in Film und Medien die Zuschauer und prägt die Vorstellungswelt unserer Gegenwart. Die Ausstellung FORENSIS untersucht hingegen ihr Potenzial als ästhetisch-politische Praxis durch die Umkehrung des forensischen Blicks. Wie setzen Individuen und unabhängige Organisationen bildgebende Verfahren zur Ermittlung, Darstellung und Bekämpfung von Missständen und Machtmissbrauch ein?

 

Die von Eyal Weizman und Anselm Franke kuratierte Ausstellung präsentiert Arbeiten von Architekten, Künstlern, Filmemachern und Theoretikern, die am Londoner Centre for Research Architecture, Goldsmiths, im Rahmen des Projektes "Forensic Architecture" entstanden sind. Satellitenbilder und 3D-Visualisierungen, Modelle, Karten und Materialanalysen illustrieren die Anwendung forensischer Methoden auf Zusammenhänge von Krieg, Politik und Klimawandel.

 

Fallbeispiele und Untersuchungen reichen von forensischen Rekonstruktionen von Drohnenangriffen im Schattenkrieg in Pakistan und von unterlassener Hilfeleistung für Flüchtlingsboote im Mittelmeer über Untersuchungen zu Ressourcenabbau und Umweltzerstörung am Beispiel von Kupferminen in Chile und Indonesien bis zu historischen Vorgängen wie der Identifizierung von Josef Mengeles Gebeinen in Brasilien im Jahr 1985.

 

Auf der Konferenz "The Architecture of Public Truth" untersuchen weltweit führende Anwälte, Aktivisten, Richter und Autoren, wie neue forensische Methoden die Institutionen der internationalen Rechtsprechung und damit die Felder der Politik verändern. Teilnehmer unter anderen: Jonathan Littell, Luis Moreno Ocampo, Baltasar Garzón, Michael Sfard und Wolfgang Kaleck. Weitere Fallbeispiele werden sonntags in Gesprächen vorgestellt, mit Shahzad Akbar, Lawrence Abu Hamdan, Luis Fonderbrider, Markus Rothschild und anderen.

Antragsteller/in Haus der Kulturen der Welt

Veranstaltungstermin 15. März bis 5. Mai 2014

Veranstaltungsort Haus der Kulturen der Welt

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen FORENSIS ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hauses der Kulturen der Welt, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, und Forensic Architecture, ein ERC-gefördertes Forschungsprojekt von Goldsmiths, University of London.

Internetseiten www.hkw.de/forensis

Forensis | Der DNA-Identifikationsraum des Clyde Snow Laboratoriums (“Laboratorio Clyde Snow”), Guatemala-Stadt, November 2011. | Foto: Paulo Tavares/Eyal Weizman

GELATIN - STOP - ANNA LY SING - STOP

GELATIN - STOP - ANNA LY SING - STOP -

 

Gelatin in Diskursiver Konstruktion versus

Kommunikativer Destruktion mit

 

18.9.2013: Kris Lemsalu, Michael Sailstorfer, Thomas Zipp

19.9.2013: Wolfgang Ganter, Tom Humphreys Will Benedict, Katrin Plavcak

20.9.2013: Simon Denny, Daniel Keller, Michele di Menna

21.9.2013: Douglas Gordon, Karl Holmqvist, Gerwald Rockenschaub

 

Der Schinkel Pavillon präsentiert erstmals das österreichische Künstlerkollektiv Gelatin in einer institutionellen Ausstellung in Berlin. Den Auftakt von Diskursive Konstruktion. Kommunikative Destruktion markiert eine viertägige Performance: Gemeinsam mit den eingeladenen Künstlern produziert Gelatin vor Ort und vor Publikum Skulpturen, die der Schinkel Pavillon anschließend ausstellt.

 

Täglich trifft das Kollektiv vier Akteure der Gruppe im Schinkel Pavillon zu je fünfstündigen Sitzungen. Vor Publikum diskutieren sie über Skulptur und deren künstlerische wie begriffliche Definition; ihre Gedanken und Statements verdinglichen sich anschließend in der jeweiligen persönlichen Handschrift. Neben Arbeitsplätzen stehen ein umfangreiches Materiallager sowie Raum für Diskussionen zur Verfügung. Gelatin gibt nicht vor, wie sich die einzelnen Performances entwickeln, vielmehr sind diese als ein Nachdenken über Skulptur angelegt und ergeben sich aus dem Dialog mit den Gästen. Die Exponate der Ausstellung entstehen prozesshaft und als Kondensat eines Dialogs, oder wie Gelatin erklärt: »Aus dem Gespräch von Anna Ly Sing und Gelatin entstehen Skulpturen. Die Skulpturen wiederum füttern das Gespräch. Fragen. Destruktion. Konstruktion. Umlaufbahn. Achterbahn. Schnitt. Verdrehung. Umkehrung. Aufbau. Erosion. Klappstuhl. Verschüttung. Reflexion. Spiegel. Nichts und Alles und wieder Nichts. Die Skulptur wirft den Anker in den Kopf zurück. Am Ende der Performance gibt es 12 davon. Vorraussichtlich.«

Antragsteller/in Schinkel Pavillon

Veranstaltungstermin Ausstellung - 18. September bis 10. November 2013 Performances 18. bis 21. September 2013 Grand Final Opening Vernissage 25. September 2013

Veranstaltungsort Schinkel Pavillon

Förderbetrag 25.000 €

Kooperationen Österreichisches Kulturforum Berlin Art Week 2013

Internetseiten www.schinkelpavillon.de

Gelatin © Foto: Gelitin

Kosmos Farbe. Itten - Klee

Johannes Itten und Paul Klee sind in der Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts mit ebenso bedeutenden wie prominenten Farbenlehren hervorgetreten. Beide sind geprägt von der Vorstellung, dass die Ordnung der Farben als in sich geschlossener Kosmos der Farbe gesetzmässig strukturiert ist. Neue Quellen zeigen, dass sich beide Künstler auf gemeinsame geistesgeschichtliche, teilweise auch esoterische Quellen bezogen haben und sich gegenseitig anregten. Beide haben ihre Überlegungen zur Farbe in jahrzehntelanger Reflexion und Arbeit entwickelt und umfassend in ihren künstlerischen Werken berücksichtigt.

 

Die Ausstellung ermöglicht durch die Präsentation von etwa 170 Arbeiten – darunter Gemälde, Zeichnungen und Grafiken – einen neuen Blick auf zwei zentrale Künstler der Klassischen Moderne im deutschen Sprachraum.

In chronologischer Gliederung und in acht großen Etappen gruppiert zeigt die Ausstellung prominente Schlüsselwerke von Johannes Itten und Paul Klee. Der Fokus liegt dabei auf ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der Farbe.

Es werden jeweils unterschiedliche Aspekte herausgearbeitet, wie die Themenkomplexe Farbe und Esoterik, Farbaura, Farbharmonie, Farbe und Abstraktion, Farbe und Natur, Teilung der Farbe.

 

Erstmals kann dabei gezeigt werden, dass nicht nur Klee Itten, sondern auch Itten Klee inspirierte und dass beide aus gemeinsamen Quellen schöpften. Die Lebenswege und Schaffensbahnen beider aus dem Kanton Bern stammenden Künstler haben sich mehrfach gekreuzt: So hat Johannes Itten seine ersten künstlerischen Impulse vom Vater Paul Klees erhalten, umgekehrt ist Paul Klees Berufung ans Weimarer Bauhaus massgeblich von Johannes Itten befördert worden. Beide Künstler haben ihre lebenslange Auseinandersetzung mit den Fragen der Farbenlehre und der Ordnung des Farbkosmos nahezu gleichzeitig im Jahre 1914/1915 begonnen, Klee auf seiner Tunisreise, Itten unter dem Eindruck der Farbenlehre Adolf Hölzels in Stuttgart. Beide Künstler haben über Jahre hinweg ihre künstlerische Arbeit wechselseitig wahrgenommen und auch Werke ausgetauscht.

 

Umso überraschender ist es, dass Johannes Itten und Paul Klee bislang nicht in einer monographischen Ausstellung im künstlerischen Paarlauf gezeigt worden sind.

Biographische Asymmetrien mögen hierfür verantwortlich sein: Kurz nach dem Eintreffen Klees in Weimar 1921 hat Itten das Bauhaus 1923 verlassen. Erst Ende 1938 ist Itten in die Schweiz zurückgekehrt. Während Paul Klee schon im Jahre 1940 verstarb, hat ihn Johannes Itten um mehr als zweieinhalb Jahrzehnte überlebt. Ittens monumentale Publikation zur Kunst der Farbe ist erst 1961 erschienen, und lange Zeit war über Ittens Reflexion zur Farbe aus den vorausgehenden Jahrzehnten nur wenig bekannt. Das hat sich nun durch neue Quellenfunde aus dem Nachlass Johannes Ittens geändert, so dass die Chronologie und die Stationen seiner Auseinandersetzung mit der Farbe anhand farbprächtiger Tagebuchseiten rekonstruiert werden können.

 

Beide haben in der Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden im Berlin der 1920er Jahre ausgestellt. Johannes Itten betrieb 1926 bis 1934 seine Itten-Schule in der Konstanzerstrasse 14 in Berlin – ein weiterer Grund, die Ausstellung in Berlin zu zeigen.

 

 

Antragsteller/in Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 25. April bis 29. Juli 2013

Veranstaltungsort Martin-Gropius-Bau

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Veranstalter: Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Kunstmuseum Bern und des Martin-Gropius-Bau. Gefördert durch den Hauptstadt-kulturfonds. Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Internetseiten www.gropiusbau.de

Pressestimmen

Johannes Itten Begegnung, 1916 Öl auf Leinwand, 105 x 80 cm Kunsthaus Zürich © VG Bild-Kunst, 2013

Paul Klee Legende vom Nil, 1937, 215 Pastell auf Baumwolle auf Kleisterfarbe auf Jute auf Keilrahmen,69 x 61 cm. Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern

Meret Oppenheim. Retrospektive

Meret Oppenheim - Retrospektive

16. August 2013 – 6. Januar 2014

 

Erstmals ist Meret Oppenheim eine große Retrospektive in ihrer Geburtsstadt Berlin gewid-met. Am 6. Oktober dieses Jahres 2013 wäre die berühmte Künstlerin 100 Jahre alt gewor-den.

 

Die künstlerischen Anfänge Meret Oppenheims liegen in Paris, wo sie ab 1932 fünf Jahre lang im Kreis der Surrealisten rund um André Breton verkehrt. Dort trifft die Zwanzigjährige mit ihrer rebellischen, freiheitsliebenden Haltung auf Gleichgesinnte. Der spielerisch-humorvolle Umgang ihrer Werke mit Alltagsmaterialien, die mittels künstlerischer Strategien von Entfremdung, Kombinatorik und Metamorphose in immer neue Sinnzusammenhänge transferiert werden, ist ein besonderes Charakteristikum ihrer künstlerischen Arbeit. Dies verbindet Oppenheim mit ihren Künstlerfreunden Alberto Giacometti, Max Ernst, Francis Pi-cabia, Leonor Fini, Dora Maar oder Man Ray. Jene Fotografien der Serie »Érotique voilée« (1933), in denen sich Oppenheim einst als Aktmodell Man Rays inszenierte, legten ebenso den Grundstein zu ihrem Mythos wie auch ihre legendäre »Pelztasse« (1936). Noch 1983 war die diskursive Kraft ihres Surrealismus eigener Prägung spürbar, als auf dem Waisen-hausplatz in Bern unter heftigster öffentlicher Debatte ihr »Oppenheimbrunnen« eingeweiht wurde, den zu besichtigen dringend empfohlen sei.

 

 

Meret Oppenheims äußerst vielseitiges, von Experimenten und Umbrüchen, von Metamor-phosen und dem »Traumhaften« geprägtem Schaffen entzieht sich einer kunsthistorischen Einordnung. Auf Einheitlichkeit oder Wiedererkennbarkeit verzichtete die Künstlerin zuguns-ten einer Experimentierfreudigkeit, mit der sie sich über die Grenzen eines künstlerischen Stils, einer Gattung oder einer linearen Entwicklung hinwegsetzte. Sprache und Mythen, Spiele und Träume dienten ihr ebenso als Ausgangspunkt wie literarische Vorlagen und die Psychoanalyse C.G. Jungs.

 

Ihre emanzipatorische, nonkonformistische Haltung sowie ihre kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Festschreibungen und zugewiesenen Geschlechterrollen machten sie zu einer zentralen Identifikationsfigur für nachfolgende Generationen von Künstlerinnen. »Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen«, resümierte Oppenheim 1975.

 

Die Ausstellung präsentiert das gesamte Spektrum von Meret Oppenheims Œuvre, das in seiner Unabhängigkeit und Vielgestaltigkeit bis heute wegweisend ist. Der künstlerischen Verfahrensweise Oppenheims folgend, die bestimmte Topoi über lange Zeiträume hinweg immer wieder neu aufgriff und bearbeitete, legt die Schau einen Parcours thematischer Ver-dichtungen quer durch die Schaffensperioden der Künstlerin: Verschlüsselte Selbstdarstel-lungen, Erotische Objekte, Traumszenen und Mythen, Metamorphosen und Fabelwesen, Dialog mit der Natur, Darstellungen des Unsichtbaren, Spiel als künstlerische Strategie, das Verhältnis von Bild und Text. Ausgehend von ihren viel beachteten Frühwerken im Umkreis der Surrealisten bis hin zu ihrem weniger bekannten poetischen Spätwerk sind ihre Zeich-nungen, Gemälde, Objekte und Collagen ebenso zu sehen wie ihre Dichtung und Traumauf-zeichnungen sowie ihre humorvoll-fantastischen Design-, Schmuck- und Kleiderentwürfe. »Jeder Einfall wird geboren mit seiner Form. Man weiß nicht, woher die Einfälle einfallen: sie bringen ihre Form mit sich, so wie Athene behelmt und gepanzert dem Haupt des Zeus ent-sprungen ist, kommen die Ideen mit ihrem Kleid.«

 

1982 wurde Meret Oppenheim mit dem Großen Preis der Stadt Berlin geehrt. Im gleichen Jahr nahm sie an der documenta 7 teil. Kurz vor ihrem Tod wurde sie Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Sie starb 1985 in Basel.

 

Die Retrospektive soll dazu beitragen, Meret Oppenheims vielseitiges Gesamtwerk zu ent-decken. Oppenheims künstlerische Position, die den Bogen zwischen Moderne und Postmo-derne spannt, erweist sich dabei als souverän eigenständig.

 

Die Retrospektive entstand in enger Zusammenarbeit mit der Familie der Künstlerin sowie mit dem Kunstmuseum Bern, in dem sich das Archiv Meret Oppenheim befindet und das mit dem Legat der Künstlerin die bedeutendste Sammlung Meret Oppenheims besitzt.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Kunstforum Wien erarbeitet.

 

Antragsteller/in Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 16. August bis 6. Januar 2014

Veranstaltungsort Martin-Gropius-Bau

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen Veranstalter: Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Martin-Gropius-Bau Berlin und des Bank Austria Kunstforums Wien. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds. Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia. Partner: Wall, KaDeWe, BTM – Visit Berlin, Dussmann, Yorck Kino, The Mandala, Lufthansa Medienpartner: Tagesspiegel, zitty, Exberliner, Aviva-berlin.de, Interview Magazine Germany rbb radioeins

Internetseiten www.gropiusbau.de

Porträt mit Tätowierung, 1980 Schablone und Spray auf Foto Privatsammlung, Bern Foto: Heinz Günter Mebusch, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013

Maske mit »Bäh«-Zunge, o.J. Privatbesitz Foto: Stefanie Beretta, Verscio © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013

Halsband mit Mund, 1935/36 Privatsammlung, Basel © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013

Nothing to declare? Weltkarten der Kunst nach ´89

Die geopolitische Wende 1989 eröffnete das Zeitalter der weltweiten Biennalen, deren Geografie die Westkunst, mit ihrem alten Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie, verabschiedete. Mit dem Ausstellungsprojekt Nothing to Declare? werden diese globalen Entwicklungen dokumentiert. Im Zentrum der Ausstellung steht ein Panorama-Raum als Medieninstallation, der mithilfe umfangreicher Daten den Zeitablauf und die geografische Ausbreitung der globalen Kunstpraxis anschaulich macht. Dabei wird eine Entwicklung erkennbar, die nicht mehr nur als reine Kunstgeschichte zu lesen ist, sondern vielfache Formen der Nacherzählung fordert, geopolitische, soziale, wirtschaftliche oder kulturelle. Mit diesen strukturellen Veränderungen korrespondiert auch die Bildung einer neuen kritischen Praxis in den Künsten. Der universale Geltungsanspruch der westlichen Moderne ist unhaltbar geworden. Exemplarisch zeigen das ausgewählte Beiträge der Gegenwartskunst.

Antragsteller/in Akademie der Künste

Veranstaltungstermin 31. Januar bis 24. März 2013 Künstlergespräche während der Laufzeit (siehe www.adk.de)

Veranstaltungsort Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen ZKM / Karlsruhe

Internetseiten www.adk.dewww.zkm.de

Pieter Hugo, Nollywood Chris Nkulo and Patience Umeh, Enugu, Nigeria 2008 Courtesy Stevenson, Kapstadt/Johannesburg und Yossi Milo, New York

RELAUNCH

In ihrem ersten Projekt als Chefkuratorin der KW Institute for Contemporary Art richtet Ellen Blumenstein den Blick auf die Institution selbst und zeigt die KW vier Monate lang, wie sie sein wollen, sein könnten, und – möglicherweise – sein werden. Mit RELAUNCH stellt sie die Pläne für das kommende Programm vor, lässt sich dabei in die Karten schauen und erprobt die Umsetzbarkeit aller Ideen in situ.

Antragsteller/in Kunst-Werke e.V. - Institute for Contemporary Art

Veranstaltungstermin 28. April bis 25. August 2013 Eröffnung Sonnabend, 27. April 2013, 17 bis 24 Uhr

Veranstaltungsort KW Institute for Contemporary Art

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen ARCH+ Das Arsenal - Institut für Film und Videokunst diaphanes Verlag FEED Soundspace Foreign Affairs (Berliner Festspiele) MoMA PS1 Salon Populaire

Internetseiten www.kw-berlin.de

Pressestimmen

The space between us

THE SPACE BETWEEN US befasst sich mit dem trans-Afrikanischen, den transkulturellen und transkontinentalen Verstrickungen, die bis nach Deutschland reichen. Im Zentrum stehen künstlerische Positionen, die sich der Geschichte der Beziehungen und deren Resonanzen annehmen. Die gezeigten Arbeiten loten diese Beziehungen aus und markieren die längst existenten, aber wenig sichtbaren transafrikanischen Präsenzen in Berlin.

Das Projekt bedient sich dabei verschiedener Ausstellungsformate, der Schau von fotografischen Reproduktionen auf Werbegroßflächen im öffentlichen Raum, der Präsentation von experimentellen

Positionen in der ifa-Galerie, Leseraum, Musik Convention, Filmprogramm, Stadtspaziergängen und dialogischen Führungen. Die Vielfalt der Formate – die Verbindungen, die zwischen ihnen gezogen werden, die Bewegungen, die sie provozieren – spiegelt die Vielfalt und Besonderheit jeder Position und jedes Mediums, in dem sich unsere Beziehung zueinander ausdrückt und Bezug nimmt zur städtischen Umgebung, zum Ausstellungsraum, Club und Kino, zu Denk- und Sprachräumen.

Antragsteller/in Dr. Marie-Hélène Gutberlet

Veranstaltungstermin 26. September bis 22. Dezember 2013

Veranstaltungsort Öffentlicher Raum, ifa-Galerie Berlin, Picnicrecords Kino Arsenal in Berlin

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen * ifa-Galerie Berlin, Linienstraße 139-140, 10115 Berlin * Picnicrecords, Stendaler Straße 4, 10559 Berlin * Reboot FM * Haus der Kulturen der Welt, After Year Zero, Geographies of Collaboration since 1945 / After Year Zero, Geografien der Kollaboration seit 1945 * Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin

Internetseiten www.ifa.de/kunst/i...ween-us.htmlthespacebetweenusb...ordpress.com

AYANA V JACKSON, TRANSIENT AND INCONGRUOUS, FROM THE SERIES COMMUTER VANS AND NO MAN’S LAND, 2008, courtesy of the artist, www.gallerymomo.com

The Whole Earth - Kalifornien und das Verschwinden des Außen

Die Aufnahme des »Blauen Planeten« – die neue Perspektive auf die Erde, von außen betrachtet – ist eines der einflussreichsten Bilder der Geschichte. Es prägt seit den späten 1960er-Jahren mehr als jede andere Abbildung die populäre Vorstellung vom Zeitalter des »Systems Erde« und der Globalisierung, von der weltumspannenden Netzwerkgesellschaft bis hin zur heutigen Klimadiskussion. Als Essay aus künstlerischen Positionen und kulturhistorischen Materialien befragt die Ausstellung die Übertragung ökologisch-systemischer Konzepte auf Gesellschaft, Politik und Ästhetik.

 

Die Ausstellung lotet als eine der ersten die Geschichte des Fotos vom „Blauen Planeten“ aus und reflektiert umfassend die Wirkungsmacht des „Whole Earth Catalog“, des analogen Vorläufers von Google (Steve Jobs). 1968 wurde er von Stewart Brand, dem späteren Erfinder des Begriffs „Personal Computer“, erstmals herausgegeben: als Kompendium nützlicher Utensilien für die planetare Zukunft. Nicht zufällig mit dem Bild der ganzen Erde als Titelbild. The Whole Earth setzt dabei am historischen Moment der später so genannten „kalifornischen Ideologie“ an: eine Allianz zwischen Hippies und Kybernetikern, Natur-Romantikern und Technologie-Verehrern, zwischen Psychedelia und Computerkultur. Diesen Gegenkulturen im Kalifornien der 1960er- und 1970er-Jahre spüren die Kuratoren Diedrich Diederichsen und Anselm Franke nach: mit visuellen und auditiven Dokumenten, historischen und zeitgenössischen künstlerischen Impulsen. Sie reflektieren die vielfältigen politischen, ideologischen und popkulturellen Anstöße für eine Umweltbewegung und den Aufstieg digitaler Netzwerk-Kultur.

 

Wie kommt es, dass politische Konfliktlinien neutralisiert wurden? Welcher Weg führt von Ökologie und Kybernetik zum System- und Selbstmanagement der kapitalistischen Netzwerkgesellschaft?

 

Mit Arbeiten von Nabil Ahmed, Ant Farm, Eleanor Antin, Martin Beck, Jordan Belson, Ashley Bickerton, Dara Birnbaum, Erik Bulatov, Angela Bulloch, Bruce Conner, Öyvind Fahlström, Robert Frank, Jack Goldstein, Nancy Holt und Robert Smithson, Lawrence Jordan, Silvia Kolbowski, Philipp Lachenmann, David Lamelas, Sharon Lockhart, Piero Manzoni, Raymond Pettibon, Adrian Piper, Robert Rauschenberg, Ira Schneider, Richard Serra, Alex Slade, Jack Smith, Josef Strau, The Center for Land Use Interpretation, The Otolith Group, Suzanne Treister, Andy Warhol, Bruce Yonemoto und anderen

Antragsteller/in Haus der Kulturen der Welt

Veranstaltungstermin 26. April bis 1. Juli 2013 Eröffnung: 25. April 2013 Konferenz: 21. bis 22. Juni 2013

Veranstaltungsort Haus der Kulturen der Welt

Förderbetrag 100.000 €

Internetseiten www.hkw.de/wholeearthwww.hkw.de/en/wholeearth

Pressestimmen

wer's glaubt wird selig

„Wir haben keine Anfälligkeit für Rituale. / Wir haben unsere eigenen Rituale. / Wir haben unsere Rituale geklaut. / Wir sind keine Heiden.“

 

Mal ganz anders gefragt: Woran glauben eigentlich Atheisten? Oder Agnostiker? Glauben sie gar nichts und wissen viel lieber? Und klopfen dennoch und regelmäßig dreimal auf Holz? In der Installation werden diverse Glücks- und Schutzbringer sowie atheistische Heiligtümer vorgeführt, gottlose „Pilgerwege“ durch Berlin konzipiert, subjektive Wir-Behauptungen auf- und gegenübergestellt. Weltbilder und Todesvorstellungen geraten durcheinander, Fakten, Ahnungen und Beweisketten werden neu sortiert. Wo endet Wissen und wo beginnt Glaube? Erreichen mich unbewusste Botschaften? Wie frei oder abhängig bin ich von dem, was vor mir war? Brauche ich einen tieferen Grund für meine Existenz? Und macht Bildung eigentlich mündig? Das Spiel ist eröffnet: Wer findet in sich die meisten Widersprüche? Und wer singt eigentlich noch gern in Gemeinschaften? Oder fühlt sich auf Friedhöfen nicht allein? Evolutionstheorien und Horoskope, Würmer, Maden und Engel, Zufälle, Prägungen und Aberglauben verknüpfen sich zu vorläufigen und zugleich frag-würdigen Bekenntnissen der (Un)gläubigkeit.

 

„Glaubst du, dass Tote fliegen können?

Nein.

Warum nicht?

Weil Tote verrotten.

Warum?

Weil die Maden und die Regenwürmer kommen und die dann auffressen.

Warum?

Weil die Hunger haben.“

 

Mit: Kiki Bohemia, Nora Bussenius, Daniela Dröscher, Tanja Dückers, Andreas Engler, Eckhard Greiner, Thomas Hashemi, Julian Mehne, Jochen Schmidt, Gregor Sander, Stefanie Taeger, Jan Valk, David Wagner

 

Konzept, Umsetzung: Peggy Mädler, Julia Schleipfer (Labor für kontrafaktisches Denken) | Raum: Markus Paetz
 | Grafik: Birgit Metzger | Video: Henrike Kochta | Musik: Tobias Vethake | Licht: Mark Howett | Assistenz: Josefine Jochum | Fotos: Anna Rozkosny | Presse: björn & björn | Produktion: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

 

 

 

Antragsteller/in Labor für kontrafaktisches Denken

Veranstaltungstermin 4. bis 18. Dezember 2013 4. Dezember, 20 Uhr, Eröffnung der Installation 7. / 14. Dezember, 15 – 18 Uhr, Ritueller Familiennachmittag – mit Sterne backen, Kraniche falten und Peterchens Mondfahrt (Kinder bis 6 Jahre: Eintritt frei) 8. Dezember, 18 Uhr, „Wort zur Woche“ – Lesung & Konzert mit den Autoren: Daniela Dröscher & Jochen Schmidt sowie den Musikern: Tobias Vethake & Kiki Bohemia 15. Dezember, 18 Uhr, „Wort zur Woche“ – Lesung & Konzert mit den Autoren: Tanja Dückers & David Wagner sowie den Musikern: Tobias Vethake & Kiki Bohemia Öffnungszeiten der Installation: 5. - 7. / 11. - 14. / 18. Dezember, immer 18 - 21 Uhr, letzter Einlass 20 Uhr

Veranstaltungsort Sophiensæle, Sophienstr. 18, 10178 Berlin

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Eine Koproduktion von Labor für kontrafaktisches Denken mit SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Internetseiten www.laborfuerkontr...hesdenken.dewww.sophiensaele.com

Pressestimmen

© Anna Rozkosny

© Anna Rozkosny

Will McBride . Ich war verliebt in diese Stadt

Zwischen urbanen Ruinen brodelt das Leben, inmitten bleiernder Nachkriegszeit

blüht erster wirtschaftlicher Aufschwung, trotz radikaler, ideologischer Auseinandersetzungen

weht ein jugendliches Freiheitsgefühl in der Frontstadt des kalten

Krieges. Ein Jahrzehnt nach der Kapitulation befindet sich Berlin noch immer in

einem Ausnahmezustand zwischen Schuttbergen und Milchbars, Kriegsversehrten

und Halbstarken, politischen Kundgebungen und Bootspartys, Panzern und

Vespas. Und in diesen tagtäglichen Gegensätzen wandelt selbstsicher ein junger

Amerikaner, der mit unerhörter Neugier und frischem Blick die Menschen und ihre

Lebenslust fotografisch einfängt – Will McBride. Seine Schwarz-Weiß-Bilder früher

Trümmerlandschaften bis zum Mauerbau faszinieren durch ihre Authentizität,

Intimität und Dynamik jenseits der bisher bekannten Tristesse der rauen Nachkriegswirklichkeit.

Als Chronist der Jugend liegt der Fokus von Will McBride vielmehr

auf den neu gewonnenen Freiräumen und Lebenstilen, auf Neubeginn und

Experiment – sowohl im West- als auch im Ostteil der Stadt.

 

Berlin Ende der 1950er Jahre ist für Will McBride ein anregender, fabelhafter Ort

und in seinen Grautönen kompletter Gegensatz zu seiner Heimat. Die Stadt ist

Quelle seiner Inspiration, die ihn in eine fiebrige Spannung versetzt. Während in

seinen frühen Fotografien ein gewisses Staunen und Befremden über diese

„wahnsinnige“ Stadt und deren sureale Kriegsfolgen zu spüren ist, weicht seine

Distanz in den kommenden Jahren einer unmittelbaren Nähe, die emotionale, vitale

Porträts und Reportagen hervorbringt. Als Außenseiter und junger Beatnik

wird er langsam Teil der Stadt und deren Bewohner, deren Treiben er mit seiner

Leica aus nächster Nähe beobachtet – konventionslos und nonkonform. Gerade

diese radikale Subjektivität führt zu der einzigartigen Authenzität seiner Bilder –

näher am Objekt, tiefer in einer Situation kann ein Fotograf nicht sein. Mit dieser

Unmittelbarkeit einer „Personal Documentary“ ist Will McBride früher Wegbereiter

für Künstler wie Nan Goldin, Antoine d‘Agata und Wolfgang Tillmans.

Antragsteller/in C/O Berlin Foundation

Veranstaltungstermin 30. Oktober 2014 bis 16. Januar 2015

Veranstaltungsort C/O Berlin

Förderbetrag 50.000 €

Internetseiten www.co-berlin.org

Foto: Siegfried Langbehn

Foto: Siegfried Langbehn

Wir sind hier nicht zum Spass

Ein Projekt von Paul Paulun in Zusammenarbeit mit Stéphane Bauer gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Viele Künstlerinnen und Künstler wendeten sich im Berlin der 90er-Jahre neuen Formen der Zusammenarbeit

zu. Ziel ihrer weitgehend selbstorganisierten Strukturen war es mit minimalen finanziellem

Aufwand kulturelle Produktionen anzustoßen und die volle Kontrolle über die sich

daraus ergebenden Prozesse zu behalten. Man initiierte kleine oder größere Clubs, gründete Galerien

und Plattenlabels oder gab Magazine im Eigenvertrieb heraus. Die damit verbundenen Erlebnisse

wurden häufig über Szene- und Genregrenzen hinweg geteilt und so kamen Aufmerksamkeit

und Wertschätzung oft von unerwarteter Seite. Vielen ermöglichte das ein völlig neues

Gefühl des Daseins, bei dem man sich gut als Teil eines größeren Ganzen fühlen konnte - und

für das obendrein noch nicht einmal ein Manifest nötig war. Das Leben im Augenblick, die Neugier

auf das Anderssein der anderen, Verweigerung der Vermarktbarkeit und kollektive Arbeitspraktiken

schienen in der Luft zu liegen. Die dafür nötigen Räume waren im Ostteil der

Stadt ebenso großzügig verfügbar wie die passende Atmosphäre und ein Großteil des Mobiliars.

Manche dieser Orte wurden später einfach abgerissen, andere zu Kinderspielplätzen, exklusiven

Restaurants, Hotels oder Büroräumen umfunktioniert. Außer den vergleichsweise wenigen,

die dabei waren, weiß kaum jemand, was dort passierte. Außenstehenden blieb das, was sich

hinter unscheinbaren Türen, in Kellergewölben eines zweiten Hinterhofs oder auf einer von Plakatwänden

umrahmten Grünfläche abspielte, verborgen. “Wir sind hier nicht zum Spaß!“ verbindet

einige dieser Ansätze und setzt sie in einen größeren urbanistischen Kontext. Anhand von

Gesprächen mit über 30 Protagonisten aus der Zeit entstand ein Hörstück, das Zusammenhänge

aufzeigt, die für das subkulturelle Schaffen der 90er Jahre bezeichnend waren. In Verbindung mit

den Exponaten ergibt sich ein Stück bislang kaum beschriebener Stadtgeschichte – und durch

die Talks eröffnet sich ein neuer Blick auf die Gegenwart.

Antragsteller/in Paul Paulun - Stéphane Bauer - Kunstraum Kreuzberg

Veranstaltungstermin 29. Juni bis 25. August 2013

Veranstaltungsort Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Förderbetrag 55.000 €

Kooperationen Mit freundlicher Unterstützung der Firmen Genelec und Audio Export

Internetseiten www.kunstraumkreuz...e/start.html