CANTIO - Musiktheater von Vykintas Baltakas

Was passiert, wenn die Götter die Stadt verlassen? Wohin könnten sie gehen, wo würde die Reise enden? Wie weit reicht unsere Vorstellungskraft?
 Der litauische Komponist Vykintas Baltakas hat mit seinem Musiktheaterstück „Cantio“ eine amüsante und gleichzeitig tiefsinnige Auseinandersetzung mit diesen Fragen geliefert.

 

Im Rahmen von „Ultraschall – Das Festival für Neue Musik“ wird das Stück, das 2004 für die Münchener Biennale in Auftrag gegeben wurde, am 17. Januar 2013 um 20 Uhr im Werner-Otto-Saal des Konzerthaus Berlin unter der Regie von Cornelia Heger in einer überarbeiteten Fassung uraufgeführt.

 

Die Frage des Von-Gott-Verlassen-Seins beschäftigte bereits Generationen von Rhetorikern im Griechenland der Antike – allerdings nicht als philosophisches Rätsel, sondern als praktische Aufgabe, an der sie die eigene Überredungskunst erproben konnten.

 

In „Cantio“ trifft die antike Rednerin Psel (Vivian Lüdorf), eine mythische Mischung aus Fabelwesen und Zikade, auf heutige Protagonisten, die sich (un)freiwillig ihrer rhetorischen Reise anschließen und somit zu Zeugen eines Denkabenteuers werden, das sie letztlich selbst mit fortreißt.

 

Diese Reise über die Grenzen des Bekannten und Fasslichen hinaus ist auch für uns Heutige noch faszinierend; denn trotz unablässiger Bemühungen um die Kartierung der Erdkugel, ja des gesamten Weltraums, bietet die hier versuchte sprachliche Kartierung des Unmöglichen Anlass zu wichtigen Fragen über Sinn und Unsinn, über Denkbares und Undenkbares in unserer Welt.

 

Der Komponist Baltakas erklärt: „Es geht um eine Situation, wo etwas, das fundamental schien, plötzlich wegzufallen droht: Ein Moment, wo existentielle Fragen entstehen, die jeder für sich beantworten muss. Wichtig ist auch, dass die Antworten auf solche Fragen nie definitiv sind [...]. In dem Stück wird dies mit der Zikade assoziiert: ein ständiges, ununterbrochenes und ewiges ,Singen’.

Antragsteller/in KULTURKONTAKTE e.V.

Veranstaltungstermin 17., 19. und 20. Januar 2013, 20 Uhr

Veranstaltungsort Werner-Otto-Saal, Konzerthaus Berlin

Förderbetrag 100.000 €

Kooperationen Kooperation mit dem Konzerthaus Berlin und in Zusammenarbeit mit Ultraschall - Das Festival für Neue Musik. Weitere Förderer: Ernst von Siemens Musikstiftung Unterstützung durch: Admiralspalast, Steinway-Haus Berlin Das Lithuanian Ensemble Network wird unterstützt durch das Kultusministerium der Republik Litauen.

Internetseiten download unter: ww...d/lensemble2

Dede Korkut

Marc Sinans dokufiktionales Musiktheater »Dede Korkut« kombiniert zeitgenössische Choreografie, Audio- und Videoinstallation, moderne Komposition und traditionelle Musik. Aserbaidschanische, usbekische und kasachische Gastmusiker konzertieren gemeinsam mit den Dresdner Sinfonikern. Solisten, wie die Sängerin Jelena Kuljić, der Kontrabassist Jun Kawasaki, der Subkontrabassflötist Sascha Friedl und der Gitarrist Marc Sinan werden in Aydin Tekers außergewöhnlicher Herangehensweise zu Objekten choreografischer Intervention. Bildmaterial aus Zentralasien bringt in Projektionen den Raum in Bewegung. Das Libretto verbindet eine poetische Neuverarbeitung des traditionellen »Tepegöz« – Stoffes mit Stimmen aus der Literaturszene Istanbuls, die in Videointerviews über den für das Selbstverständnis der turksprachigen Völker so grundlegenden Stoff aus heutiger Sicht sprechen.

Das »Einauge« Tepegöz steht im Mythos für das scheinbar nicht integrierbar Andere, mit dem ein Zusammenleben nicht einmal von einem Weisen wie Dede Korkut aushandelbar ist. Das Projekt verbindet die Ambivalenzen der literarischen Vorlage mit den Volksweisen Zentralasiens. Der überlieferte Mythos wird als eine Reflektion der »Einsamkeit« des Tepegöz, voller Wut, Trauer, Stolz und Gewalt, neu interpretiert. Der »Fall« wird dabei aus der Perspektive des einäugigen Sonderlings gelesen und somit jenseits eines mythisch skizzierten Einzelschicksals im Kontext europäischer, wie weltweit existierender Konfliktlagen erzählbar. »Dede Korkut« will Mehrdeutigkeiten erfahrbar machen, mit kraftvoll, archaischer Poesie, die sich im Stoff wie in den traditionellen Musiken Zentralasiens findet.

Antragsteller/in Marc Sinan | YMUSIC

Veranstaltungstermin 14., 15. und 16. Feburar 2014 19.30 Uhr

Veranstaltungsort Maxim Gorki Theater Berlin

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen HELLERAU - Zentrum für Europäische Künste Dresden TAK Theater Liechtenstein Anadolu Kültür (Istanbul/Türkei) DRadio Kultur

Internetseiten www.dedekorkut.eu

Der Sieg über die Sonne

Der Sieg über die Sonne

von NOVOFLOT nach der futuristischen Oper von Alexej Krutschonych, Welimir Chlebnikow, Michail Matjuschin und Kasimir Malewitsch

 

1913 feierte in St Petersburg eine Oper ihre Uraufführung, die mit einem Schlag eine ganze Gattung außer Funktion setzte. Mehrere Protagonisten der russischen Futurismusbewegung verknüpften in ihrem Werk mit dem Titel „Der Sieg über die Sonne“ scheinbar unvereinbare Elemente aus Malerei, Sprache, Komposition und Inszenierung zu einem künstlerischen Ereignis, das in jeder Hinsicht aufräumte mit aller Logik traditionellen musiktheatralen Erzählens. Die Aufführung ging als Skandal in die Geschichte ein und erschütterte die Herzen und Hirne einer ganzen städtischen Gesellschaft. Genau 100 Jahre später, zu Beginn eines Jahrhunderts, in dem von der Energie futuristischen Denkens und Erfindens kaum eine Spur zurückgeblieben scheint, nehmen NOVOFLOT und vier Komponisten der Gegenwart das überlieferte Material der „Sonnen“-Oper zum Ausgangspunkt für einen Systemneustart. Auf den Bühnen von vier Kulturinstitutionen der Stadt (Akademie der Künste am Hanseatenweg, Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin, Radialsystem V und Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz) zeigen sie eine Woche lang fünf verschiedene Inszenierungen, darunter Trainingslager, Hirnbesichtigungen, Sternwarten und Parlamente der Zukunft. Der Zuschauer hat die freie Wahl, er kann eine Inszenierung sehen oder alle, drei in 24 Stunden oder vier an fünf Tagen, zwei mehrmals oder eine nur zur Hälfte. Die Oper „Der Sieg über die Sonne“ war und ist kein zusammenhängendes Werk. Sondern künstlerischer Ausdruck einer unbeherrschbaren Vielheit von Erwartungen, Notwendigkeiten und Aufbrüchen. Eine mehrteilige, aus alten und gegenwärtigen Klängen, Sprachen und Bildern geformte Ansage in angemessener Lautstärke.

Antragsteller/in NOVOFLOT

Veranstaltungstermin 12. bis 20. Oktober 2013

Veranstaltungsort Hamburger Bahnhof, Akademie der Künste, Radialsystem, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Hamburger Bahnhof, Akademie der Künste, Radialsystem, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Ernst-von-Siemens-Musikstiftung, Augstein-Stiftung

Internetseiten www.novoflot.de

Pressestimmen

ERWARTUNG_NADA

Erwartung_Nada

 

Eine musiktheatrale Erinnerung

mit der Oper "Erwartung" von Arnold Schönberg und

Texten von Zeitzeugen des Bosnienkrieges

 

Am 11. Juli 1995, genau vor 18 Jahren, begann das Massaker von Srebrenica: Bosnisch-serbische Truppen unter General Mladic eroberten die Stadt und die UN-Schutzzone. Am 13. Juli hatten die Soldaten die Deportation der muslimischen Flüchtlinge abgeschlossen, tausende Zivilisten wurden schließlich ermordet. Bis zum heutigen Tag sind über 8300 Tote identifiziert worden.

 

Bis heute vereinen das Warten und die Angst alle Bürger Bosnien und Herzegowinas. Damals schaute die Welt zu: der vierjährigen Belagerung Sarajevos, den "ethnischen Säuberungen", dem Massaker von Srebrenica. In einer Collage aus Zeitzeugenberichten,

Video-Dokumenten und Musik - bosnische Volksmusik und Arnold Schönbergs Oper "Erwartung" - begeben sich eine Sängerin, Schauspieler und Musiker auf eine Reise in die Jahre 1992-95, zu den Menschen und ihren hinter der Kriegsberichterstattung verborgenen Schicksalen. Sie graben Geschichten aus, sie erinnern sich und diskutieren, wie man das Unfassbare überhaupt begreifen und vermitteln kann.

 

Antragsteller/in Jasmina Hadziahmetovic

Veranstaltungstermin 11., 12. und 13. Juli 2013

Veranstaltungsort Radialsystem V

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Heinrich Böll Stiftung

Internetseiten www.radialsystem.d...uster=959789

Pressestimmen

Foto: Doro Tuch

Foto: Doro Tuch

Foto: Doro Tuch

Herculanum - Ausgrabung in vier Akten

1859 hatte in Paris Felicién Davids Grand Opéra „Herculanum“ Premiere. Angesiedelt in der römischen Antike ist die Oper die Untergangsphantasie eines Regimes: Anhand einer melodramatischen Liebesgeschichte erzählt sie den Untergang der Stadt Herculaneum als Rache Gottes für die Dekadenz und Gottverlassenheit dieser Zeit. Davids Herculanum war ein spektakulärer Publikumserfolg, eine Mischung aus Gesang, Massenszenen, üppigen Dekorationen, revolutionärem Geist und Ballett, die mit einer Finalszene aufwartete, die das Pariser Publikum zu Jubelstürmen hinriss: dem Vesuvausbruch des Jahres 79, der Herculanum komplett verschüttete.

 

In ihrem neuen Projekt erforschen Johannes Müller/Philine Rinnert die Oper als ein Genre, das sich seit jeher als privilegiertes Darstellungsmedium der großen Schreckens-Szenarien und Katastrophen begriffen hat. Sie suchen den verlorenen Theatererfolg Herculanum und das politische Entertainment-Genre Grand Opéra durch archäologische Arbeit: Gemeinsam mit Sängern, Musikern und Wissenschaftlern sammeln sie Relikte, setzen zusammen, stellen nach, erfinden neu oder wenden Entdecktes an. Sie fragen sich, ob Oper mehr ist als ein Museum, das empfindliche Stimmen ausstellt und welche Katastrophen heute für ein großes Finale in Frage kämen. Dabei präsentieren sie zum ersten Mal seit über 150 Jahren Musik aus Felicién Davids vergessener Oper.

 

Regie + Raum: Johannes Müller / Philine Rinnert

Arrangement und Komposition: Martin Lorenz

Musikalische Leitung: Friedemann Mewes,

Martin Lorenz

Dramaturgie: Eike Wittrock

Künstlerische Mitarbeit: För Kunkel

Produktionsleitung: Ehrliche Arbeit - Freies

Kulturbüro

 

Mit Maja Lange, Ulrike Schwab, Thomas Volle, Simon Robinson, Eike Wittrock, Friedemann Mewes, Martin Lorenz, Theo Nabicht, Tobias von Glenck

 

 

Antragsteller/in Johannes Müller

Veranstaltungstermin 15., 16. und 17. November und 13., 14., und 15. Dezember 2013 20 Uhr

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin Festsaal

Förderbetrag 19.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Johannes Müller/Philine Rinnert in Koproduktion mit Sophiensaele. Gefördert aus Mitteln der Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten, Hauptstadtkulturfonds Berlin, ProHelvetia und Palazetto Bru Zane Venedig. Mit Unterstützung des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia Napoli.

Internetseiten www.johannesmueller.euwww.sophiensaele.com

Foto: Philine Rinnert

Foto: Philine Rinnert

Foto: Philine Rinnert

Hypermusic Prologue

Wenn sich der extradimensionale Raum unerkennbar vor unseren Augen befindet, können wir ihn wenigstens hörend erahnen? Inspiriert vom Bestseller „Warped Passages“ schuf Hèctor Parra zusammen mit der Harvard-Physikerin Lisa Randall eine Kammeroper über verborgene Universen, existenziellen Forschungsdrang, die Grenzen des Verstehens und unsere Abhängigkeiten in der realen Welt. Das Zafraan Ensemble präsentiert nun die szenische Weltpremiere von „Hypermusic Prologue“ in den Sophiensaelen Berlin.

 

Regie: Benjamin Schad

Bühne, Kostüme: Tobias Flemming

Licht, Video: Aron Kitzig

Musikalische Leitung: Manuel Nawri

Mit: Johanna Greulich, Robert Koller, Zafraan Ensemble

Elektronik: Wolfgang Heiniger, Hadas Pe'ery

Produktionsleitung: Clemens Hund-Göschel, Sebastian Solte

Antragsteller/in Zafraan Ensemble GbR

Veranstaltungstermin 4., 5. und 6. Oktober 2013, jeweils um 20.00 Uhr

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 32.000 €

Kooperationen Eine Produktion des Zafraan Ensemble in Koproduktion mit Gare du Nord Basel und Sophiensaele. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Spanischen Botschaft Berlin. Unterstützt von Instituto Cervantes, Institut Ramon Llull und Einstein Forum Potsdam sowie den Medienpartnern rbb Kulturradio und taz.

Internetseiten www.hypermusicprologue.com

Klangexpedition URAL

Klangexpedition Ural

musiktheater bruit!

 

Können Klänge Heimat beschreiben? Erzählen sie von einem Land, von einer Kultur? Wie vertraut klingt das Fremde und wie fremd das Vertraute? Ausgestattet mit Aufnahmegerät, Kamera und Weltempfänger ist MUSIKTHEATER BRUIT! mit der Transsibirischen Eisenbahn ins ferne Russland gereist, um zu erforschen, welche klanglichen Identitäten den Orten und Dingen im Südural anhaften. Definieren geografische und kulturelle Grenzen auch Hörgrenzen?

Im Ural ist BRUIT! auf Fossilien deutschen Liedguts gestoßen, auf stolz präsentierte Reliquien und Monumente vergangener Zeiten, auf russische Folklore und endlose Birkenwälder. Aus dem Rhythmus der Schienen, dem Klang der Matrjoschka-Glocken und dem Crescendo der russischen Seele komponiert das Musiktheaterensemble eine deutsch-russische Partitur. Sie singen mit den Kosaken um die Wette, lernen Russisch und kultivieren die erlebte Gastfreundschaft.

BRUIT! interessiert die Grenze zwischen Sinn und Unsinn, zwischen komplexen Klängen und der Absurdität des Alltags. Im Taumel zwischen Klangräumen und Sprachflächen verdichtet BRUIT! das Erlebte und Gehörte in eine Performance, die die Grenzen zwischen Konzert, Installation und Theater aufhebt.

 

von und mit SILKE ZUM ESCHENHOFF, JULIA HUNDT, KAROLINE KÄHLER, MATTHIAS MEYER, TINA PFURR, FRANZISKA RIEDMILLER, MARCUS THOMAS

Technik VOLKER M. SCHMIDT

 

EINE PRODUKTION VON MUSIKTHEATER BRUIT! IN KOOPERATION MIT DEM BALLHAUS OST

 

 

 

 

Antragsteller/in musiktehater bruit!

Veranstaltungstermin 19., 21., 22. September, 28., 29., 30. November 2013, 1. Dezember 2013

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 35.000 €

Kooperationen MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG DES GOETHE INSTITUTS MOSKAU, DES AUSWÄRTIGEN AMTES UND DER ROBERT-BOSCH-STIFTUNG

Internetseiten ballhausost.de/ind...5&sub=20www.musiktheaterbruit.de

Move Op!

Festival für europäisches Musiktheater unter prekären Bedingungen

 

Als wir 2010 mit OpenOp unser erstes internationales Festival veranstalteten, wollten wir herausfinden, ob und wie es in unserer Nachbarschaft Europa ein anderes, alternatives Musiktheater jenseits der großen Häuser und Festivals gäbe und dieses an der Neuköllner Oper zeigen. Seither hat sich in den Ländern vieles verändert, und jedes Mal, wenn wir aus Europa heimkehrten, kamen wir zurück in ein Land, in dem man kaum etwas wahrnahm von der Realität der Menschen, die wir dort trafen. Macht es also Sinn, europäisches Musiktheater und seine Macher hier in Berlin zu präsentieren, ohne die Umstände zu zeigen, unter denen sich ihr Leben und die (nicht nur beruflichen) Möglichkeiten verändert haben?

 

Viele dieser Veränderungen sind haarsträubend, denn es scheint, als würden die Sparauflagen der Troika statt helfen eher zerstören, was Europa und seine Demokratien ausgezeichnet hat: die Chance auf ein menschenwürdiges Leben und Altern. Alle wichtigen Reformen in den betreffenden Staaten und Bürokratien zugestanden - warum aber zahlen vor allem Millionen „einfacher Leute“ mit ihrer Existenz dafür, wenn Banken einmal wieder mit Milliardenkrediten gerettet werden müssen? Milliarden, deren Empfänger von EZB und unseren Regierungen geheim gehalten werden ? Und warum gibt es über diese Krisengewinnler keine öffentliche, einer Demokratie gemäße Diskussion?

 

Doch zurück zur Kunst. Angenommen: Musik wäre die elementarste, direkteste Sprache zwischen den Menschen und Nationen. Was würde ein Musik-Theater jetzt erzählen? Das Theater, das wir gefunden und eingeladen haben, ist in den Inhalten und Formen äußerst vielseitig, und es reagiert mal mehr, mal weniger direkt auf die finanziellen und politischen Verwerfungen in der jeweiligen Heimat. Move Op! 2013 ist ein Festival fürs Publikum, es schafft eine Plattform des Kennenlernens und Austauschs, und es ist Arbeitstreffen zugleich für eine Kultur- und Nationen-übergreifende Arbeit als Reaktion auf ein verändertes Europa. Vermutlich ist Move Op! das aktuellste Festival in Europa: ein Großteil der Produktionen entstand erst vor kurzem oder wurde eigens zum Festivalauftakt produziert. Wie Taksim Square, das erste Songplay über den gegenwärtigen demokratischen Kampf in der Türkei oder Horvaths Italienische Nacht über antijüdische und nationalistische Stimmung in Ungarn.

 

Obwohl oder gerade weil Europa immer mehr zum Synonym für die Krise geworden ist, stehen 10 Tage Move Op! für das, was sich mit Europa lange Zeit verband: kultureller Reichtum, der sich aus seiner Vielfalt und seiner Widersprüchlichkeit ergibt: Europe, Move Op!

 

-Acht Festivaltage: 15 Produktionen mit 26 Vorstellungen auf 6 Bühnen

-Gastspiele, Koproduktionen und Events aus 11 Nationen von Griechenland bis Schottland, Holland bis Mazedonien

-Eröffnungs-Troika mit drei für das Festival entwickelten Koproduktionen

-Bürger Spiel: Das Publikum stellt Grundzüge der so genannten Schuldenkrise nach

-Festivalabschluss mit drei Themenevents: TransMaghreb, Hymnen und Europäisches Abendmahl

Antragsteller/in Neuköllner Oper e.V.

Veranstaltungstermin 16. bis 25. August 2013

Veranstaltungsort Neuköllner Oper & Heimathafen Neukölln

Förderbetrag 150.000 €

Internetseiten www.neukoellneroper.de/

Ópera do Malandro - die brasilianische Bettleroper

Die brasilianische Nationallegende Ópera do Malandro kehrt zurück nach Berlin! Frei nach John Gays Bettleroper und der Dreigroschenoper von Brecht/Weill, die von Berlin aus ihren Siegeszug über die Bühnen der Welt antrat, erzählt die Ópera do Malandro („Oper der Ganoven“) vom Treiben brasilianischer und deutscher Geschäftsleute und Krimineller in Rio de Janeiro. 1978 uraufgeführt, entwirft der große brasilianische Komponist und Autor Chico de Buarque die Geschichte der Rivalität zwischen dem Geschäftsmann und Bordellbesitzer Fernandes de Duran und dem Ganoven Max Overseas. Der Konflikt zwischen beiden spitzt sich zu, als die Tochter von Duran heimlich Max, den Kontrahenten ihres Vaters, heiratet.

Duran beschließt daher, seinen Gegner endgültig beseitigen zu lassen. Dafür ist er jedoch auf die Hilfe des korrupten Polizeichefs Chaves angewiesen, der wiederum auch Freund und Geschäftspartner von Max Overseas ist….

Doch der Showdown endet in einem umwerfenden Opern- Finale: niemand stirbt, alle feiern ein verrücktes Potpourrie der schönsten Opernmelodien – denn wie sagt man in Rio?: „Tudo acaba em Samba - Alles endet im Samba!“

Antragsteller/in Neuköllner Oper e.V.

Veranstaltungstermin 31. Januar bis 3. März 2013

Veranstaltungsort Neuköllner Oper

Förderbetrag 75.000 €

Internetseiten www.neukoellneroper.de

copyright: Matthias Heyde

Ringlandschaft mit Bierstrom

Der Komponist und Installationskünstler Georg Nussbaumer formt den „Ring des Nibelungen“ neu – aus Wagners eigenem Notenmaterial. Entkleidet von Gesang, Text und Darstellung wird die Partitur neu gelesen und in eine fast 16-stündige tour de force für elektronisch erweiterte Streichinstrumente verwandelt.

 

Den „Ring des Nibelungen“, ehrfurchtgebietendes und visionäres Opern-Massiv des nach wie vor umstrittenen Meisters kennt man. Der Ring ist Allgemeingut, jeder hat Bilder und Klänge im Kopf, Ungefähres. Ringlandschaft mit Bierstrom will diese losen Vermutungen, Klischees und Musiksplitter evozieren und fortspinnen und setzt damit weit hinter der Frage an, wie und ob Wagner inszeniert werden kann, indem es das Meisterwerk völlig

auflöst, auch die Musik. Der Orchesterpart - die psychologische Parallelaktion, die alles sagt bei Wagner - wird zum Material, das instrumental neu gelesen wird - von vorne bis hinten.

 

Aus der Tetralogie entsteht ein neues, ebenso überdimensionales Klanggebilde, das durch eine zeichenhafte Bühneninstallation, die auf elementare Vorgänge im „Ring“ verweist, mäandert. Wagners Musik schimmert durch, Motive treiben vorbei, klären sich zum deutlichen Zitat auf, das wieder in wuchernden Klängen versenkt wird. Videosequenzen

zitieren Wagners Landschaften herbei, Nebel. Dämmern mit Bier. Wir befinden uns in einer (nach-) klingenden Ringlandschaft - weit hinter Wagners Schlussakkord. Spuren und Sedimente, Vermutungen und Einbildungen.

 

Die Eintrittskarte berechtigt stündlich zu einer Flasche Bier: Der „Vergessenstrank“ des wie ein stummer Chor durch den Nebelsee zwischen den erhöhten MusikerInnen wandelnden

Publikums begünstigt eine dumpf-dämmrige Stimmung im gemeinsamen Ringen der MusikerInnen und des Publikums mit der Erschöpfung.

 

KOMPOSITION, INSTALLATION, KÜNSTLERISCHE LEITUNG: Georg Nussbaumer

MUSIK, PERFORMANCE: Solistenensemble Kaleidoskop

PRODUKTIONSLEITUNG: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

TECHNISCHE LEITUNG: Klangbild

Antragsteller/in Georg Nussbaumer / Solistenensemble Kaleidoskop

Veranstaltungstermin 10. Oktober 2013, 10 Uhr bis 11. Oktober 2013, 2 Uhr früh und 12. Oktober 2013, 14 Uhr bis 13. Oktober 2013, 6 Uhr früh

Veranstaltungsort St. Johannes-Evangelist-Kirche, Auguststr. 90, Berlin-Mitte

Förderbetrag 80.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Georg Nussbaumer und Solistenensemble Kaleidoskop. In Zusammenarbeit mit Kulturbüro Sophien, SWR und SOPHIENSÆLE. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und des Bundesministeriums für Kunst, Unterricht und Kultur, Österreich.

Internetseiten www.kaleidoskopmusik.dewww.sophiensaele.com

The Photographer

THE PHOTOGRAPHER

Mixed Media in drei Teilen (1982)

 

Musik von Philip Glass

Schauspiel von Rob Malasch

 

Manuel Nawri - Musikalische Leitung

Shang-Chi Sun - Regie/Choreographie

Safy Etiel - Video

 

Annapaola Leso, Ross Martinson, David Essing - Schauspiel/Tanz

 

Vocalconsort Berlin

Ensemble KNM Berlin

 

Dr. Miriam Halwani - Projektinitiatorin, Thomas Bruns & Jule Kauert - Produktion, Barbara Gstaltmayr - Presse/PR

 

Deutsche Erstaufführung in englischer Sprache

 

Im Zentrum dieses Mixed Media Werkes steht der englische Fotograf Eadweard Muybridge (1830-1904). Dieser verließ sehr jung England in Richtung Amerika, um sich dem neuen Gebiet der Fotografie zu widmen. Anlässlich einer Wette begann er 1872 seine Bewegungsstudien von Menschen und Tieren, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigten.

Es wollte optisch beweisen, dass sich bei einem galoppierenden Pferd zeitweise alle vier Beine in der Luft befinden.

Muybride gilt aufgrund seiner Reihenfotografien und Serienaufnahmen als einer der bedeutendsten frühen Vertreter der Chronofotografie. Er begründete die Serienfotografie mit einem für das ausgehende 19. Jahrhundert komplexen technischen Aufbau und schuf die Voraussetzungen für die Entwicklung des Films.

 

Fast vergessen jedoch sind die anderen Ereignisse seines Lebens. 1874 ermordete Muybridge den Liebhaber seiner Frau, Colonel Larkyns, nachdem ihm der Briefverkehr beider in die Hände gefallen war. Im darauffolgenden Prozess wurde er jedoch wegen „entschuldbaren Mordes“ freigesprochen.

 

The Photographer entstand 1982 im Auftrag des Holland Festivals und wurde im selben Jahr im Royal Palace Amsterdam uraufgeführt.

In Deutschland erlebte es bisher keine Realisierung.

 

Das mag an der einzigartigen Struktur dieses Werkes liegen: Mittel des Theaters, der Visualisierung, des Konzerts und des Tanzes werden nicht simultan, sondern sukzessiv in den 3 Akten eingesetzt.

 

Akt I erzählt als Schauspiel die Ereignisse rund um das Verbrechen von Muybridge und seinen späteren Freispruch.

 

Akt II verbindet Bild mit Musik und wird in Form eines Konzerts für Violine und Ensemble präsentiert.

 

Akt III bringt in einem furiosen Tanzfinale, das zu den besten Arbeiten von Philip Glass gehört, die Charaktere des ersten Akts – diesmal jedoch als Tänzer – zurück ins Geschehen.

Antragsteller/in Ensemble KNM Berlin

Veranstaltungstermin 5., 7. und 8. Juni 2014

Veranstaltungsort Museum für Fotografie

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Köln Musik, Philharmonie Köln Cité de la musique Paris

Internetseiten www.kammerensemble.dewww.smb.museum/photographerwww.amiando.com/photographer

The Wasp Factory

Die Musiktheaterproduktion “The Wasp Factory” basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Iain Banks. Frank wächst auf einer entlegenen Insel auf. Seine Mutter ist verschwunden und sein Vater überlässt ihn sich selbst. Frank stilisiert sich zum Herrscher der Insel. Mithilfe eines selbst gebastelten Objekts, das er die Wespenfabrik nennt, entwickelt er eine brutale Art die Zukunft vorherzusagen. Dieser verstörende Text wird von Ben Frost, einem international renommierten Protagonisten elektronischer und avandgardistischer Musik, in Szene gesetzt. In einem kongenialen Bühnenbild von Mirella Weingarten betreten drei Performerinnen eine Welt emotionaler Extremzustände. Sie agieren auf der Grenze zwischen Wachen und Träumen und dem Tod. Die Musik wird von einem Streichquintett der Reykjavik Sinfonia aufgeführt. Die Kompositionen des in Island lebenden Australiers sind gleichermaßen fesselnd und rätselhaft, schön und befremdlich. Seine vom Minimalismus geprägten Klangtexturen entstehen scheinbar aus dem Nichts und schwellen zu riesigen, bedrohlichen Gebilden an. Ihre physische Präsenz ist nicht nur hörbar – sie überträgt sich auf den gesamten Körper.

Antragsteller/in Hebbel-Theater Berlin GmbH - Laura Berman

Veranstaltungstermin 26., 27. und 28. September 2013, 20 Uhr

Veranstaltungsort HAU1

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Auftragswerk von Kunst aus der Zeit / Bregenzer Festspiele. Produktion: HAU Hebbel am Ufer und Laura Berman_Next. Koproduktion: Royal Opera (London), Holland Festival (Amsterdam). In Zusammenarbeit mit dem Cork Midsummer Festival. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und dem Nordic Culture Point. The production is produced by permission of Iain Banks who is the owner of the copyright in the novel “The Wasp Factory”.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.dewww.thewaspfactory.is