8 Stunden (mindestens) - ein Schlaflabor für die Müdigkeitsgesellschaft

Schauen Sie ständig auf die Uhr? Gehen, sprechen, essen Sie schneller als andere? Leiden Sie unter Zählzwang? Sind Sie im Traum müde oder gelangweilt? Dann sind Sie hier richtig: Diese Stunden werden die ineffizientesten Ihres Lebens. Wir erforschen das gemeinsame Müde-Sein und unsere Kollektiv-Träume. Für alle BesucherInnen steht ein Bett bereit. Wir studieren schlummernde Gesichter und schlafwandeln durch das nächtliche Berlin – hundert Menschen, die sich zum Schlafen versammeln, sind eine widerständige Zelle.

Antragsteller/in Veit Merkle

Veranstaltungstermin 13.,14., 15., 16. März 2013

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 56.000 €

Kooperationen TäF Charité Berlin

Internetseiten www.turbopascal.info

Foto: Gernot Wöltjen

Abecedarium Bestiarium

Abecedarium Bestiarium

Ein performtes ABC der Tierhaftigkeit in drei Salons im ausland Berlin - Teil 1

Die Natur erzeugt Ähnlichkeiten. Man braucht nur an die Mimikry zu denken. Die höchste Fähigkeit im Produzieren von Ähnlichkeiten aber hat der Mensch. Die Gabe, Ähnlichkeit zu sehen, die er besitzt, ist nichts als ein Rudiment des ehemals gewaltigen Zwanges, ähnlich zu werden und sich zu verhalten. Vielleicht besitzt er keine höhere Funktion, die nicht entscheidend durch mimetisches Vermögen mitbedingt ist.

Walter Benjamin „Über das mimetische Vermögen“

 

 

A ist für, B ist für ... jedes Kind kennt dieses Spiel in verwandter Form. 15 ausgestorbene Tierarten von A bis Z werden ausfindig gemacht und erforscht anhand von Schriften, Bildern und Berichten. Auch das Verhältnis der historischen Menschen zu diesen Tierarten wird akribisch unter die Lupe genommen. 15 Künstlerfreund/innen ordnen sich jeweils ein ausgestorbenes Tier zu. Diese Zuordnung geschieht in der Art und Weise, wie der Bär Antonia Baehr zugeordnet wurde: zwischen Telepathie, Zufall und Zärtlichkeit. In einem zweiten Schritt beauftragt Baehr jede/n dieser Künstler/innen, zu ihrem/seinem ausgewählten Tier eine Solo-Performance zu entwerfen, die Baehr alleine auf der Bühne interpretieren kann.

Das ABC der Tierhaftigkeit wird in einer dreiteiligen Salon-Reihe im ausland zum ersten mal von Antonia Baehr in Anwesenheit der Autor/innen präsentiert.

 

Antragsteller/in make-up productions, Antonia Baehr

Veranstaltungstermin Salon 1: 22. April 2012, 18.00 Uhr Salon 2: 10. Juni 2012, 12. Oktober 2012 (Termin zu bestätigen) Salon 3: 11. November 2012

Veranstaltungsort Ausland, projekt archiv e.V. Berlin

Förderbetrag 30 000 €

Internetseiten www.ausland-berlin...ia-baehr.php

Historical Anatomies

Abstract Attractions

"Abstract Attractions" stellt spielerisch die (un)sichtbaren kinästhetischen Kräfte zwischen zwei in Beziehung stehenden Körpern zur Schau. Während sich die Performer über einen Laufsteg bewegen, entfesseln sie diese Kräfte und tragen sie ins Publikum, das sich inmitten einer Fashion Show wähnt. In einem choreografischen Zusammenspiel von Tanz, Licht und Musik nehmen die heraufbeschworenen Kräfte verschiedene flüchtige Formen an, sie überfluten den Laufsteg und verlieren sich im Raum, sie verwandeln den theatralen Kontext von einer Fashion Show in einen Ballsaal, in einen Dschungel intensiver Sinneseindrücke.

 

"Abstract Attractions" is a playful, shared ritual displaying the (in)visible kinesthetic forces that are (un)dressing two bodies in relation. While traveling across a catwalk the performers are invoking those forces, carrying them toward and in between the spectators as if they were in the middle of a fashion show. In a choreographic interplay of dance, light and music the invoked forces take various fleeting and fluttering forms, overspill the catwalk and vanish into the space, transforming the theatrical context from a fashion show into a ballroom into a jungle of many more intense sensations to be felt.

 

Beteiligte: Diego Gil, Irina Müller, Pablo Fontdevila, Tian Rotteveel, Igor Dobricic, Tatiana Saphir, Berly Acosta

Antragsteller/in Tanzfabrik Berlin e.V. mit Diego Gil

Veranstaltungstermin 2. bis 4. November 2012

Veranstaltungsort Tanzfabrik Berlin / Uferstudio 14

Förderbetrag 35.000 €

Kooperationen Het Veem Theater, Amsterdam Schaubühne Lindenfels, Leipzig apap – advancing performing arts project_Performing Europe 2011-2016

Internetseiten www.tanzfabrik-berlin.dewww.diego-gil.com

Jan Stradtmann

Camp/Anti-Camp

Camp soll eine Lüge sein, die die Wahrheit erzählt. Camp soll ein unerwartet starkes Bekenntnis zum Trivialen sein. Für die einen ist Camp so schlecht, dass es wieder gut ist. Für die anderen ist Camp so gut, dass es das herrschende Wertesystem in Frage stellt. Camp ist ein schwer definierbarer Begriff, der aus der queeren Subkultur des 20. Jahrhunderts kommt und den Susan Sontag mit ihrem Aufsatz „Anmerkungen zu Camp" (1964; auf deutsch in ihrem Buch „Kunst und Anti-Kunst”, 1980) in den kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführt hat. Der Begriff Camp eröffnet neue Perspektiven auf Filme, Performances und Stars sowie Ästhetik, Konsumkapitalismus, Gender-Identität und Community, indem er einen pervers-produktiven Blick auf kulturelle Produkte und einen Lebensstil ermöglicht. Der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Eve Kosofsky Sedgwick zufolge unterscheidet sich Camp wesentlich von Kitsch, auch wenn beide unterbewertete kulturelle Produkte und Praktiken beschreiben. Nach Sedgwick ist Kitsch eher als Zuschreibung zu verstehen, wohingegen sie Camp als Prozess der Anerkennung versteht. Für die Kitsch-Zuschreibung lautet die Frage: „Welches unwürdige Wesen könnte das richtige Publikum für dieses Spektakel sein?“ Camp-Anerkennung geht aber von der Frage aus „was, wenn?”: „Was, wenn ich genau das richtige Publikum dafür wäre? Was, wenn die widerstrebende, schräge, tangentiale Aufmerksamkeit, die ich für dieses Spektakel aufbringe, und der Reiz, den es auf mich ausübt, tatsächlich eine unheimliche Reaktion auf das rebellische, schräge, tangentiale Engagement der Person oder Autoren dieses Werks wäre? Und was, wenn überdies andere, die ich nicht kenne oder erkenne, das Werk aus dem gleichen ‚perversen’ Blickwinkel sehen?“

“Camp/Anti-Camp” wird anhand einer Vielzahl von kulturellen Praktiken, die typischerweise als Camp bezeichnet worden sind, den Camp-Diskurs verhandeln. Was, wenn wir diesem Diskurs hybride internationale Praktiken gegenüberstellen, die sich auf kulturelle, ethnische und historische Traditionen beziehen, die den Rahmen der queeren Kultur überspringen? Mit exemplarischen Performances und Filmen sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Präsentationen setzt sich das Festival zum Ziel, die Erklärungskraft des Camp-Diskurses für eine Vielfalt von unterbewerteten Kulturpraktiken zu hinterfragen. Im Sinne Mae Wests Aussage „Zuviel ist nicht genug" bietet das Festival nur Höhepunkte: Einen Auftritt der Queer-Ikone und Warhol-Superstar Holly Woodlawn; Konzerte von Transgender Punk Rockerin Jayne County (Derek Jarmans „Jubilee”) sowie von der sexuell-transgressiven Kult Performerin Kembra Pfahler mit ihrer Band „The Voluptuous Horror of Karen Black”. Des weiteren Performances von der New Yorker Downtown Legende Carmelita Tropicana, der jungen mysteriösen Klubfigur Narcissister und den berüchtigten österreichischen Künstlern Jakob Lena Knebl/Hans Scheirl u.a. Außerdem finden Präsentationen von internationalen WissenschaftlerInnen wie Douglas Crimp, Diedrich Diederichsen, Elizabeth Lebovici, José Muñoz und Juliane Rebentisch und Künstlern wie Bruce LaBruce und Richard Move statt. Jeden Abend wird die preisgekrönte Homo-Core Queen Vaginal Davis Festivalgäste und Persönlichkeiten aus der Berliner Szene in ihrer Talkshow Performance „Vaginal Davis is Speaking from the Diaphragm" auf die Bühne bringen.

Die von Max Jorge Hinderer Cruz kuratierte Sektion Tropicamp beschäftigt sich mit dem Tropicalismus und Internationalismus der Avant-Garde, mit der brasilianischen Sängerin und Hollywood Movie Star Carmen Miranda und mit zeitgenössischen Performanceimpulsen aus Brasilien. Tropicamp, ein Begriff des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica, der seine Faszination für die anti-kommerziellen Tendenzen innerhalb der US Undergroundfilm Szene (vor allem bei Mario Montez und Jack Smith) zum Ausdruck bringt, wird dabei einen internationalen Blick auf den Camp-Diskurs eröffnen. Festival Events werden durch Filme (u.a. von Hélio Oiticica und Jack Smith), Food Performances (Liz Rosenfeld/Sam Icklow) und Buch- und DVD-Angebote von b_books komplettiert. Feel Good-Substanzen von der Voodoo Chanel Bar werden „Camp/Anti-Camp: A Queer Guide to Everyday Life” in Höhen und Tiefen schießen.

 

Eine CHEAP Produktion, in Koproduktion mit dem HAU und in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst, e.V. (Berlin), dem Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), und der Microscope Gallery (New York). Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

Antragsteller/in Dr. Marc Siegel

Veranstaltungstermin 19. bis 21. April 2012

Veranstaltungsort HAU 2

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen in Koproduktion mit dem HAU und in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst, e.V. (Berlin), dem Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), und der Microscope Gallery (New York).

Internetseiten www.hebbel-am-ufer...0.html?HAU=2

Carmelita Tropicana Rechte: Carmelita Tropicana

Holly Woodlawn Rechte: Holly Woodlawn

Holly Woodlawn Rechte: Holly Woodlawn

CLEAN ROOM

This first season of ›Clean Room‹ is an attempt to change live performance

parameters through TV series procedures such as:

Extending the development of narrative themes over time.

Developing the periodicity of the episodes deliverance.

Creating expectations and stimulating curiosity based in facts from the previous episodes.

Creating tension between repetition and new elements.

Generating loyalty in the viewers.

The situations proposed in each episode are addressed to the spectators, the real subject of this first season. They create, grow, and share their knowledge through the experiences got it by the different episodes.

Another interesting support aspect from TV series is that they are not exhausted in the transmission of their chapters, but coexist and feed off various social networking formats. This is why ›Clean Room‹’s spectators will also be invited to participate and interfere in the series’ forum in order to allow for an active dialogue that can unfold different dimensions of the series. ›Clean Room‹ is made up of the multiplicity of realities existent in an actual community from the extra-theatrical world.

(Juan Domínguez)

 

Antragsteller/in Juan Domínguez Rojo

Veranstaltungstermin 12., 14. und 16. August 2012, 21.30 Uhr

Veranstaltungsort Podewil

Förderbetrag 34.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Juan Dominguez Rojo, in Koproduktion mit BUDA Arts Centre Kortrijk, Tanz im August und Sommer.bar (2011); gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Internetseiten www.tanzimaugust.d...minguez.htmlwww.clean-room-forum.comwww.juandominguezrojo.com/

DAS WORT HABEN DIE BENÜTZER / LA PAROLE EST AUX USAGERS

Das Berliner Corbusierhaus und die nahezu baugleiche Cité radieuse in Marseille - zwei von Le Corbusier realisierte architektonische Utopien der Moderne - stehen im Zentrum von DAS WORT HABEN DIE BENÜTZER / LA PAROLE EST AUX USAGERS. Die Bewohner der beiden Gebäude begegnen täglich Le Corbusiers Vision eines vertikalen Dorfes aus den 50er Jahren.

Seit einem Jahr erkunden Bill Dietz und Janina Janke das Corbusierhaus Berlin und führen Gespräche mit seinen Bewohnern. An zwei Wochenenden im August und September 2012 lädt DAS WORT HABEN DIE BENÜTZER / LA PAROLE EST AUX USAGERS nun ins Corbusierhaus Berlin ein und führt das Publikum in kleinen Gruppen durch ein Netzwerk von Klängen und Bildern, das aus den Gesprächen und Recherchen entstanden ist. Vernissage und Finissage und die Lecture Performance im DAZ werden vom Ensemble Zwischentöne mit modulorisierter Lieblingsmusik der Bewohner begleitet.

2013 wird das Projekt im Rahmen von Marseille-Provence - Kulturhauptstadt Europas in Marseille fortgeführt.

 

Gesamtkonzept / Videoinstallation: Janina Janke | Gesamtkonzept / Klanginstallation: Bill Dietz | Musiker: Ensemble Zwischentöne | Klangregie: Wilm Thoben Kamera / Videoinstallation: Manuel Kinzer | Mitarbeit Gesamtkonzept: Janina Benduski | Assistenz: Dorothea Lübbe | Seminarleitung Fachhochschule Potsdam: Mareike Holtz | Gestaltung: Frederike Wagner | Pressearbeit Berlin: Barbara Gstaltmayr | Produktionsleitung Marseille: Ina Studenroth | Produktion / PR: ehrliche arbeit – Freies Kulturbüro

Antragsteller/in Janina Janke / Oper Dynamo West

Veranstaltungstermin 22. August bis 2. September 2012 Vernissage im Corbusierhaus Berlin am 23. August 2012, 19 Uhr Führungen zu den Installationen im Corbusierhaus Berlin nur mit Anmeldung am 23.–26., 30.–31. August und 1.–2. September 2012 Einführungsveranstaltungen am 24.–26, 30.–31. August und 1.–2. September 2012, 17 Uhr Finissage im Corbusierhaus Berlin am 2. September 2012, 19 Uhr Lecture Performance und Diskussionsrunde im Deutschen Architekturzentrum - DAZ am 22. August 2012, 19 Uhr

Veranstaltungsort Corbusierhaus Berlin, Deutsches Architektur Zentrum DAZ,

Förderbetrag 65.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Oper Dynamo West, Ensemble Zwischentöne und ehrliche arbeit. In Koproduktion mit der Kulturhauptstadt Europas Marseille-Provence 2013 und dem GMEM - Centre National de Création Musicale Marseille. Berlin 2012 gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin, den deutsch-französischen Fonds für zeitgenössische Musik Impuls neue Musik und die Initiative Neue Musik Berlin. Marseille 2013 gefördert durch das Goethe Institut Paris. Mit freundlicher Unterstützung durch das Elektronische Studio der Technischen Universität Berlin, das Deutsche Architekturzentrum - DAZ, das Institut Francais Berlin, die Fondation Le Corbusier, Filmgestalten Berlin, den Studiengang Kulturarbeit der Fachhochschule Potsdam und den deutsch - französischen Masterstudiengang Kulturvermittlung/ Médiation culturelle de l’art Hildesheim/ Marseille. Ermöglicht durch cic - cultur im corbusierhaus, den Eigentümerbeirat des Corbusierhaus Berlin, die Präzisa Hausverwaltung und die Association des Habitants de la Cité radieuse Marseille. Mit Dank an die Medienpartner RBB Kulturradio und zitty Berlin.

Internetseiten www.die-benuetzer.euwww.operdynamowest.orgwww.ensemble-zwischentoene.de

Foto: Manuel Kinzer

Desistieren

Als Ausgangspunkt für „Desistieren“ beschreiben die Darsteller einen Moment der Umwendung in ihrem Leben. Desistieren bedeutet verzichten, verwerfen. Es geht um die Konstruktion von Biografie und Philosophie anhand eines präzisen Moments, eines einmaligen Ereignisses im Leben der Protagonisten, den sie auswählen und der sie auf eine eher allgemeinen Gültigkeit von vielen Ereignissen verzichten läßt hin zu einer Gültigkeit eines eher zufällig ausgewähltem Ereignis. Aus diesen Moment leiten sie Theorien und Handlungsmaximen ab oder Bewegungen und Performancestrukturen.

 

Das jeweilige Ereignis ist nicht erfunden, die Erfindung liegt in der überdimensionalen Bedeutung und Konsequenz, die ihm zugemessen wird. Es funktioniert als Trauma oder künstlerischer Impuls, der ein bestimmtes Szenario ins Hirn einspeichert und dafür anderes verwirft. Das Erlebte konstituiert ein neues Verhältnis des Protagonisten zu seiner bisherigen Realität, es können Wege zum noch Nichtdagewesenen geöffnet oder eben fest verschlossen werden.

 

Antragsteller/in Gintersdorfer/Klaßen GbR

Veranstaltungstermin 13. 14. und 15. März 2012, 20. und 21. Juni 2012

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Sophiensaele Berlin, FFT Düsseldorf

Internetseiten www.gintersdorferk...eren_01.htmlwww.gintersdorferk...eren_02.htmlwww.gintersdorferk...eren_03.htmlwww.g

Desistieren 01, Marc Aschenbrenner und Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, Foto: Knut Klaßen

Desistieren 03, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, Jean Claude Dagbo alias Dj Meko, Lena Wicke-Aengenheyster. Foto: Knut Klaßen

Desistieren 04, Jochen Roller, Richard Siegal. Foto: Knut Klaßen

Die Bucht der dicken Kinder

Wow! Ich will mit dir schlafen! Ich fühl’ mich endlich wieder, weißt du! Wir sind! Ich fühl’ meine Blutkapillare, die Synapsen – PENG,PENG, PENG – ich lebe!

 

Ein Inselstaat im südpazifischen Ozean, nordöstlich von Papua Neuguinea: die Einwohner baden in blauen Lagunen, tanzen, singen, schwimmen, und huldigen ihren Göttern. Ein Fest steht an, das dickste Kind unter ihnen wird zum König gekrönt. Die Zofen füttern fleissig ihre Favoriten, alles wird mit den Blüten eines stark duftenden Strauches geschmückt, und es wird grosse Jagd gemacht auf das Festmahl, die selten roten Riesenkraken…

Sie kehren Heim, die dünnen TouristInnen, in ihr Paradies, die verbotene Bucht der dicken Kinder; auf einer Insel, bewohnt nur von dicken Menschen. Die Dünnen suchen dort eine Gemeinschaftsutopie. Urlaub von der immer gleichen Hierarchie und Diktatur der schablonisierten Gesellschaft, der verkauften Seelen und Körper.

 

Die Bucht der Dicken Kinder rückt die aktuelle gesellschaftliche Debatte zum Thema “Dicksein” in den Fokus - Dicken wird heute Zügellosigkeit, Verwahrlosung, Dummheit und Faulheit unterstellt, aus ihrer äußerlichen Erscheinung werden unmittelbare Rückschlüsse auf ihren Charakter gezogen. Die Abwehr von bestimmten Körperbildern kann dabei als aufschlussreiches Symptom dienen, das die gesellschaftliche Abwehr bestimmter Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften offenlegt. Die Wiederaneignung des „Dicken“ als gesellschaftliche Kategorie soll auf die Probe gestellt werden.

 

In einer feierlichen Inszenierung aus Musik, Tanz, Licht, Düften und Völlerei wird die Suche der Zivilisationsmüden nach dem ultimativen Glück, und ihr Scheitern in der vermeintlich gefundenen Glückseligkeit geschildert. Das Paradies entpuppt sich in den Augen der Reisenden nach und nach als barbarisch und verlangt aus ihrer Sicht nach Veränderung, Zügelung, Disziplin. Das Schlaraffenland wird zum Kriegsschauplatz.

 

 

Antragsteller/in Cora Frost

Veranstaltungstermin 30. November 2012, 20 Uhr 1./ 2./ 4./ 5. Dezember 2012, 20 Uhr

Veranstaltungsort Hochzeitssaal, Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Cora Frost und Frostlabor. In Kooperation mit PATHOS München und Sophiensaele.

Internetseiten ww.sophiensaele.com

Christine Fenzl

Digitale Volkskunst

Die Künstler Johanna Lemke, Tomi Paasonen und Jo Fabian untersuchen den Neologismus „digitale Volkskunst“. Es geht um Definitionen, Vergleiche und Entdeckungen. Was sagen Beiträge digialer Volkskunst über die Urheber und Rezipienten aus? Welche Kompetenzen entwickeln sich dabei. Gibt es neue Erkenntnisse über Publikum, Aufmerksamkeit, Themen, etc. Gibt es Einfluss auf die künstlerische Produktion? Die Digitale Volkskunst bezieht sich nicht nur auf YOUTUBE, sondern schließt auch Sound / Musik, Bildende Kunst / digitale Volkskunstgalerien, Literatur / Fanfiction und andere Literaturseiten, Darstellende Kunst / Tanz / Performance / Site Specifc Aktionen, Karikatur / Satire / Comics sowie Film mit ein. Die Ergebnisse werden als Installation, im Gespräch und als Performance präsentiert.

 

20. und 21. Doppelabend mit Recherchen von Jo Fabian, Anne Bergel & Harald Thiemann und Tomi Paasonen & Kirill Lorech

22. und 23. Doppelabend mit Recherchen von Johanna Lemke, Santiago Blaum & Kaiser Wilhelm und Tomi Paasonen & Kirill Lorech

erweitert durch Präsentationen des Dock11

Antragsteller/in Dock11

Veranstaltungstermin 20. bis 23. September 2012 jeweils 20.30 h

Veranstaltungsort DOCk11, Kastanienallee 79, 10435 Berlin

Förderbetrag 19.000 €

Internetseiten www.dock11-berlin....KSKUNST.html

copyright: Barbara Dietl

Experience#1

„Ein Labyrinth“, schreibt Gilles Deleuze, „wird etymologisch vielfältig genannt, weil es Falten hat. Das Vielfältige ist nicht dasjenige, was viele Teile hat, sondern was auf viele Weisen gefaltet ist.“

 

In ihrer neuen choregografischen Gruppenarbeit „Experience #1“ greift Isabelle Schad Gedanken über die Falte auf, fragt nach der Form des Werdens und der vielfältigen Wandlungen. Gemeinsam mit 26 TänzerInnen aus 11 Ländern untersucht sie die Zusammenhänge zwischen embryonalen Entwicklungsmustern, deren Bewegungsrichtungen, Faltungen, Ausstülpungen in ihren raum-zeitlichen Verhältnissen. Hier geht es um die Erfahrung der sich in ständiger Evolution und kontinuierlichem Fluss wiederholenden Bewegungsmuster, die in ihrer Variabilität und Differenz zu etwas Neuem führen.

In der Gruppe von Experience#1 ist der Einzelne zugleich Teil eines Ganzen - des kollektiven Schaffens - und Subjekt der eigenen Bewegungsfindung.

Innerhalb von drei Wochen entstehen in einer gemeinsamen Praxis Partituren, zu folgenden Fragen: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen künstlerischen, menschlichen, (an)organischen, kulturgeschichtlichen und musikalischen Entstehungsprozessen? Welche Vergleichsmöglichkeiten tun sich auf zwischen Formen des Werdens und Formen gesellschaftlicher Organisation? Inwiefern beinhaltet die Praxis Gemeinschaft?

Jede Vorstellung von Experience #1 ist eine eigene (oder neue) Manifestation ihrer Materialien, ihrer Scores und ihrer Recherche zwischen Form und Werden, Sinnlichkeit und Struktur, Rausch und Abstraktion, embryologischer Prozesse und Choreographie, Klang und Natur, Natur und Kultur, Selbst und Umgebung, Tanz und Lust.

 

Artikulationen ist ein Abend, an dem sich Entstehungsprozesse und Entstehungsorte begegnen. In Form von Live-Ausschnitten werden die Gruppenarbeiten „Glazba (Praticable) “ (Zagreb 2010) und „Musik (Praticable)“ (Berlin 2011) in einen Dialog gebracht und kreuzen sich in der inzwischen veränderten Gegenwart mit der neuen Produktion „Experience#1“, die gemeinsam mit u.a. den PerformerInnen aus Zagreb und Berlin entwickelt wurde.

Mit der Frage um die Verwobenheit zwischen künstlerischen, menschlichen, (an)organischen, kulturgeschichtlichen und musikalischen Entstehungsprozessen, deren Sichtbarkeit, Form, Repräsentationen begeben sich die beteiligten KünstlerInnen in die Räume der Uferstudios. Diese werden zum Ort, in dem Bewegung von Materialien körperlich, musikalisch und gedanklich mit dem Zuschauer in Austausch gebracht werden.

einzelne Programmpunkte: Lecture-Konzert von und mit Alain Franco / Live Performance-Ausschnitte aus „Glazba (Praticable)“, Zagreb 2010 und „Musik (Praticable)“, Berlin 2011 uvm.

 

Antragsteller/in Isabelle Schad

Veranstaltungstermin Premiere: Sa 21. Juli 2012 um 20.30 Uhr Do 26., Fr 27. und Sa 28. Juli 2012 um jeweils 20.30Uhr Sa 25. August 2012 um 13 Uhr im Rahmen der Tanznacht Berlin Artikulationen Ein Performance-Abend über Faltungen, barocke Kurven, J. S. Bach und den musikalischen Körper Mi 25. Juli 2012 ab 19.30 Uhr

Veranstaltungsort Uferstudios Berlin

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Konzept, Choreographie: Isabelle Schad Co-Choreographie, Performance: Selma Banich, Nino Bokan, Roberto Bolivar, Moyra Silva Rodriguez, Ivaylo Dimitrov, Jorge Gonçalves, Roni Katz, Nikolina Komljenovic, Vera Knolle, Inna Krasnoper, Nina Kurtela, Martha León, Maja Marjanci, Sarah Menger, Andrea Ochoa, Eduard Mont de Palol, Sybille Müller, Carlos Maria Romero, Ivana Roncevic, Martina Rösler, Lola Rubio, Karolina Šuša, Martina Tomic, Nils Ulber, Ivana Vrataric, Marysia Zimpel Künstlerische Zusammenarbeit: Alain Franco Licht und Technik: Mehdi Toutain-Lopez Klangberatung und -synthese : Kassian Troyer PR, Produktionsleitung : Susanne Beyer Dank an : Christina Amrhein, Fahri Akdemir, Laurent Goldring, Ana Rocha, Wiesen55 e.V. - und alle, die uns mit Unterkünften und Teilnahme an den Open-Practice Sessions beiseite standen Eine Produktion von Isabelle Schad. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. Mit freundlicher Unterstützung von und in Kooperation mit: Arts Station Foundation Poznan, Botschaft von Portugal, Bulgarisches Kulturinstitut Berlin, Ekscena Zagreb, Goethe Institut Zentrale sowie Goethe Institute von Bogota, Lima und Sofia, Instituto Camões, Instituto Cervantes, Jardin d'Europe (gefördert durch das Kulturprogramm der Europäischen Union), Kroatische Botschaft, Kroatisches Kulturministerium, Land Kärnten Kultur, Mezzanine, Nationaler Kulturfonds Bulgarien, Stadt Zagreb – Amt für Erziehung, Kultur und Sport, Tanzfabrik Berlin, Uferstudios Berlin

Internetseiten www.isabelle-schad.netwww.uferstudios.com

FLOW/ Wasser

Ausgangspunkt des Stückes Flow/Wasser war ein «Mad Scientist» Projekt, bei dem in einem Dorf im mittleren Atlasgebirge mit einem Cloudbuster Regen ausgelöst werden sollte.

Ausgehend vom Element Wasser entwickelt 400asa Sektion Nord die Geschichte einer Dreiecksbeziehung zwischen einem Musiker, einer Künstlerin und einem Wasserforscher, die sich als eine intime Verflechtung mehrer Personen offenbart. Rückblickend wird die Entstehungsgeschichte des musikalischen Wunderwerks „Flow“ erzählt, das eine Revolution des Bewusstseins auslöste und zur Auflösung des Ich’s führte. Dank einer neuen Technologie ist „Flow“ ist überall hörbar wo es Wasser gibt. Dieses geheimnisvolle Wunderwerk wurde mittels einer neuen Technik durch Wassertropfen verbreitet und hat das Zeitalter der “Meerechse” ausgelöst. Es brachte nicht nur esoterische Heilung, sondern auch eine kurze Diktatur mit Folterkammern aus Eis. Atmosphärisch und in seinem Handlungsablauf gleicht „FLOW/Wasser“ einem Hollywood B-Movie. Der Stil des B-Movies ermöglicht auf subtile, spielerische und künstlerische Weise mit dem Thema umzugehen und weg von der rein informativen gesellschaftskritischen Form eine dramatische Handlung zu entwickeln.

Das Kollektiv 400asa zählt im deutschsprachigen Raum zu den wichtigsten politischen Theatermachern und erfindet in seinen Projekten immer wieder neue theatrale Formen. Seit 2009 gibt es 400asa Sektion Nord, zu deren Kern die Autorin Claudia Basrawi und der Musiker Ted Geier gehören.

 

Konzept/Text: Claudia Basrawi, Ted Gaier, Samuel Schwarz

Regie: Samuel Schwarz

Musik: Gina D´Orio, Ted Gaier

Choreographie, Bewegungstraining: Gotta Depri

Bühne: Philipp Stengele

Kostüme: Ivana Milos

Produktionsleitung Berlin: Anna Bergel

Produktionsleitung Zürich: Philipp Stengele

Assistenz Regie: Lena Trummer

Assistenz Kostüme: Dorothee Bach

 

Mit: Claudia Basrawi, Gina D’Orio, Ted Gaier, Erdinç Güler, Mario Mentrup, Yoshii Riesen, Anton Spielmann, Wanda Wylowa

 

 

Antragsteller/in Claudia Basrawi

Veranstaltungstermin 13. bis 15., 18., 19. Dezember 2012

Veranstaltungsort Sophiensale Berlin

Förderbetrag 65.000 €

Kooperationen Kaserne Basel, Gessnerallee Zürich, Sophiensaele Berlin

Internetseiten www.kaserne-basel.chwww.gessnerallee.chwww.sophiensaele.comwww.400asa.chwww.stadttheater.tv

For Your Eyes Only

There is nothing in front of me. There is nothing underneath my feet. There is nothing to my left. There is nothing here. There is nothing beyond the door, nothing the cat is running away with. There is nothing buried underneath the tree. There is nothing bruised, nothing growing in my kidneys. There is nothing funny about a gold fish. There is nothing in the house, nothing in the Milky Way. There is nothing left to see. Funny.

 

Buchstäblich bilderlos führt FOR YOUR EYES ONLY vor Augen, wie die Welt, die uns so hartnäckig umgibt, gemacht wird: Als Sprachspiel aus Erlebtem, Erzähltem und Erfundenem, aus Geschichten und ihren Resten. Das auf der Bühne Gesehene existiert nur in der Form unserer Vorstellung, unserer Imagination - als Darstellen in seiner kleinsten Größe.

Antragsteller/in Peter Stamer

Veranstaltungstermin 11. April 2012 11., 12., 13. Mai 2012

Veranstaltungsort Tanzquartier Wien, Tanzfabrik Berlin_Uferstudios

Förderbetrag 25.000 €

Kooperationen Tanzquartier Wien, Tanzfabrik Berlin, International Dance Programme Sweden, Weld Stockholm, Noore Tantsu Fesival Viljandi, GARAGE e.V.

Internetseiten vimeo.com/42505443

(C) Peter Stamer

Videostill Dokumentation

Videostill Dokumentation

Freischwimmer 2012/13 - Verwerte Dich!

FREISCHWIMMER 2012 /13. Neues aus Theater, Performance und Live Art ist Werft und Landungsbrücke für ein kommendes Theater und sein Publikum. Als Festival "on tour" reist Freischwimmer nach dem Auftakt in den Berliner Sophiensælen ans Koproduktionshaus brut in Wien, in die Gessnerallee Zürich, in den Mousonturm Frankfurt am Main, ans Düsseldorfer FFT und und abschließend nach Hamburg zu Kampnagel. Sieben Theaterformationen aus dem deutschsprachigen Raum präsentieren Projekte, die sie unter gleichen organisatorischen Bedingungen und im Rahmen der inhaltlichen Programmatik der sechs Gastgebertheater entwickelt haben.

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin Berlin: 25. Oktober bis 4. November .2012 Wien: 09.11.2012-17.11.2012 Zürich: 22.11.2012-20.11.2012 Frankfurt/ Main: 11.01.2013-19.01.2012 Düsseldorf: 22.01.2013-27.01.2013 Hamburg: 07.02.2013-16.02.2013

Veranstaltungsort Sophiensaele, Berlin - Brut, Wien - Gessnerallee, Zürich - Mousonturm, Frankfurt/ Main - FFT, Düsseldorf - Kampnagel, Hamburg

Förderbetrag 85.000 €

Kooperationen Sophiensaele, Berlin - Brut, Wien - Gessnerallee, Zürich - Mousonturm, Frankfurt/ Main - FFT, Düsseldorf - Kampnagel, Hamburg

Internetseiten www.freischwimmer-festival.com

La Vida Despues - Das Leben danach

LA VIDA DESPUÉS - DAS LEBEN DANACH – FESTIVAL JUNGEN LATEINAMERIKANISCHEN THEATERS

 

21. bis 26. Mai 2012

 

Eine Generation junger Autoren, Regisseure und Gruppen prägt seit einigen Jahren nachhaltig die Theaterszene Lateinamerikas: Künstler, die erst nach der „bleiernen Zeit“ der Diktaturen und Gewaltexzesse in ihren Heimatländern aufgewachsen sind, ohne die Erfahrung des Widerstands, ohne die große politische und gesellschaftliche Kluft zwischen Verfolgung, Anpassung und Protest, Täter- und Opferschaft. Sie erforschen ihre Herkunft, die Biografien, Motivationen und Lebensbrüche ihrer Eltern, ebenso wie eigene, zeitgenössische Möglichkeiten von Widerspruch und Revolte.

 

Das HAU hat in enger Kooperation mit den Wiener Festwochen einige herausragende Vertreter dieser neuen Generation des lateinamerikanischen Autorentheaters eingeladen – zwei davon wurden mit Auftragsarbeiten betraut: Lola Arias und Jorge Hugo Marín. Die argentinische Regisseurin Lola Arias eröffnet mit ihrem neuen Stück „Melancolía y manifestaciones / Melancholie und Protest“ am 21. Mai das Festival. 2009 hatte sie für ihr Stück „Mi vida después / Mein Leben danach“ eine Gruppe Gleichaltriger losgeschickt, um ihre Kindheit zu erforschen und die Rollen, die ihre Eltern und Verwandten zu Hause und in der Gesellschaft übernommen hatten. Der Titel dieses Lateinamerika-Festivals – „La vida después“ – ist ihrem Projekt entlehnt.

 

El rumor del incendio / Die Sprache des Feuers

Lagartijas tiradas al sol, México DF

21. und 22. Mai

Rebellisch sein wollen die Eidechsen, statt sich in der Sonne zu räkeln: Zusammengenommen wird aus dem selbstironischen Gruppennamen dieses jungen Künstlerkollektivs und dem Titel ihres Langzeitprojekt „La rebeldía“ ein Programm. Ausführlich recherchierten Luisa Pardo und Gabino Rodriguez über den bewaffneten Widerstand der mexikanischen Guerillabewegung zwischen 1960 und 1990 und deren Kampf um indigene Landrechte und Gleichberechtigung, gegen die dauerregierende „Partei der Institutionellen Revolution“ (PRI). Neben Blogs und Büchern brachten sie eine bildstarke und spielerisch intensive Theateraufführung heraus, die den Lebenslauf einer ehemaligen Guerillakämpferin aufrollt. Schnell wird klar, dass die szenische Rebellionsrecherche die Suche nach eigenen, zeitgenössischen Anknüpfungspunkten an die revolutionäre Vergangenheit und deren Protagonisten ist. Wenn nicht bewaffnet, wie sonst kann das Land verändert werden?

 

Los autores materiales / Die Täter

Cómo quieres que te quiera / Wie soll ich dich lieben

Regie: Jorge Hugo Marín / La maldita vanidad, Bogotá

 

Kolumbien zählt zu den gewalttätigsten Ländern der Welt, jahrzehntelang

diskreditierten sich Regierende wie Guerilleros gleichermaßen durch Brutalität, Massaker und Drogenhandel. Kaum eine Familie ohne Opfer – und kaum ein Opfer, das nicht selbst zum Täter wurde. Durch Militärmacht und Siegerjustiz gilt Kolumbien aktuell als relativ befriedet. Das Ringen um eine neue Zivilgesellschaft hat begonnen. Vor diesem Hintergrund entwickelte Jorge Hugo Marín mit seiner hochbegabten jungen Schauspieltruppe sein Panoptikum kolumbianischer „Familienangelegen¬heiten“. Dessen erster Teil war bereits vor zwei Jahren in Berlin zu sehen: drei Geschwister und ihr Anhang streiten sich, wer die Mutter pflegen muss, während das Publikum durch die Wohnzimmerscheibe zusieht.

Jetzt sind die beiden folgenden Teile zu sehen, die abermals die Zuschauer nah an das Geschehen locken und an ungewöhnliche Orte einladen: „Los autores materiales“ spielt in der Küche einer Studenten-WG, die ihren Vermieter umgebracht hat. Und „Cómo quieres que te quiera“ ist die turbulente Probe für die Geburtstagsfeier einer Fünfzehnjährigen aus der Oberschicht, deren Vater einsitzt: ein Drogenboss, der seiner Tochter Glückwunschkarten mit Todesdrohungen einhandelt. Den festlich geschmückten Saal findet das Berliner Publikum im Neuköllner Festsaal Ezgi am Kiehlufer.

 

Koproduktion von Jorge Hugo Marín, Festival Iberoamericano de Bogotá, Wiener Festwochen und HAU. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft der Republik Kolumbien in Berlin und der Siemens Stiftung.

 

Don’t Feed the Humans

Regie: Manuela Infante, Santiago de Chile

 

Die junge Regisseurin Manuela Infante konstruiert ihr Performance rund um den historischen Entführungsfall mehrerer Mapuche-Indios nach Europa. Was haben Theater und Museum miteinander zu tun und welche Rolle spielen diese europäischen Kulturtechniken in der langen (post-)kolonialen Geschichte Amerikas?

Für „Don’t Feed the Humans“ hat sie den Wissenschaftler Cristián Carvajal gewinnen können, der vor 15 Jahren mitten in Santiago auf den letzten Vertreter des Indiostammes der Yaganes (südliches Feuerland) gestoßen ist. Seither hat er mit dem heute 28jährigen Mann zusammen gearbeitet und seine Forscherkarriere der Bewahrung der Yogane-Kultur gewidmet.

 

 

Discurso de un hombre decente

Regie: Rolf & Heidi Abderhalden/Mapa Teatro, Bogotá

 

Das Mapa Teatro der Geschwister Heidi und Rolf Abderhalden im Herzen Bogotás gehört bereits zu den Veteranen eines episch-poetisch-dokumentarischen Theaters in Lateinamerika. 2010 eröffneten sie mit „Los Santos Inocentes“ das Festival „Libertad y Desorden“ im HAU. Ihr jüngstes Projekt beschäftigt sich mit der Frage nach der Legalisierung des Kokainhandels und -konsums aus zwei denkbar konträren Perspektiven und mit sehr verschiedenen Argumenten – aber mit durchaus gleichem Ergebnis: Legalize It! Ein ehemals ranghoher kolumbianischer UNO-Mitarbeiter für den internationalen Jahres-Drogenbericht resümiert seine realen Erfahrungen und Einschätzungen, und der größte kolumbianische Drogenhändler Pablo Escobar, erschossen 1993 bei einer Polizeirazzia in Medellín, hält eine fiktive Antrittsrede als Präsident Kolumbiens, die man angeblich bei seiner Leiche fand… Ein surrealer und zugleich sehr wirklichkeitsgetreuer Abend mit kolumbianischer Kapelle, der in einen Rausch aus Geldsucht und Machtinteressen mündet, dass es eine Freude ist.

 

Weil wir Frauen sind / Die Macht des Internets

Diskussionen am 22. und 24. Mai

Gewalt gegen Frauen und Mädchen gehört in der machistisch geprägten Gesellschaft Mexikos zum Alltag. Wie erleben junge Frauen ihren Alltag im Spannungsfeld von persönlicher Gefährdung, einem durch wachsende Unsicherheit kleiner werdenden öffentlichen Raum und weitgehender staatlicher Untätigkeit? Diskutiert werden Herausforderungen zukünftiger Geschlechterpolitik, (grüne) politische Projekte und neuartige Bündnisse. Teilnehmerinnen sind die Occupy Mexico-Aktivistinnen Helena Scully und Alicia Gomez Andrade sowie Sina Doughan, Bundessprecherin der grünen Jugend.

Die Studentenproteste gegen die chilenische Bildungspolitik sorgten 2011 weltweit für Schlagzeilen. Hohe Studiengebühren und unzulängliche Bildungsstandards verhindern den fairen sozialen Aufstieg. Eine wesentliche Rolle bei der Mobilisierung spielten die sozialen Netzwerke. Wie weit reicht/e deren Macht und wo liegen/lagen die Grenzen der virtuellen Mobilisierung und Politik? Es diskutieren Simón Pérez von plataforma cultural digital und Malte Spitz, Mitglied im Netzwerk Neue Medien, im Chaos Computer Club (CCC) und Mitglied des grünen Bundesvorstands.

Die Diskussionen finden in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung statt.

 

Die Veranstaltung „Theaterhorizont Lateinamerika“ stellt Ausschnitte aus wichtigen Theatertexten vor und lädt zum Gespräch über Formen und Grenzen der Theatervermittlung ein. In der Videoinstallation „Der weibliche Blick aus Lateinamerika“ von Cordelia Dvorák kommen 25 Frauen aus Kolumbien, Mexiko und Chile zu Wort, um sich anhand von 10 Fragen zu ihrer persönlichen Lesart von Freiheit und Erinnerung zu äußern – jenseits von nationalen und gender-spezifischen Definitionen.

 

 

 

Antragsteller/in Hebbel-Theater Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 21.bis 26. Mai 2012

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen Goethe Institut, Siemens Stiftung Koproduktion von Lagartijas tiradas al sol, México DF, Teatro de la Universidad Nacional Autónoma de México.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Foto: Andrea Lopez

On Orientations | one place after

An Kaler beschäftigt sich seit längerem mit der Frage wie sich Haltung, Intention, Dimension und Annäherung gegenseitig bedingen. On Orientations ist Teil einer Serie, die in Zusammenarbeit mit mehreren Künstler_Innen die unterschiedlichen Bedeutungen von Orientierung untersucht. Im ersten Teil one place after wird der Fokus auf den liegenden, nicht völlig aufgerichteten Körper gelegt.

 

Wie Insignificant Others versteht sich auch On Orientations als ein Prozess, kreative und physische Praxen (weiter) zu entwickeln, auf den Austausch mit anderen Künstler_Innen hin zu öffnen, um unterschiedliche Formate von Studio-, Praxis-Austausch in und durch verschiedene Medien zu testen und die jeweiligen Erfahrungen und Anwendungen in Aufführungsmomente rückzuübersetzen.

 

Zum Ersten mal kollaboriert Kaler mit dem bildenden Künstler Tiago Romagnani Silveira und dem Lichtdesigner Jan Maertens. Alle Drei teilen das Interesse an installativen und raumbezogenen Arbeiten. Mit On Orientation | I one place after testen sie zusammen unterschiedliche Wahrnehmungsebenen von Zeitlichkeit in Bewegung, Körper und Raum.

 

KÜNSTLERISCHE LEITUNG/CHOREOGRAFIE An Kaler PERFORMANCE An Kaler

LICHTDESIGN Jan Maertens

RAUM Tiago Romagnani Silveira

MUSIK/SOUND Brendan Dougherty

DRAMATURGISCHE BERATUNG Heike Albrecht PROJEKTLEITUNG Barbara Greiner & das Schaufenster

 

PRODUKTION An Kaler KOPRODUKTION Tanzfabrik Berlin GEFÖRDERT aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds UNTERSTÜTZT VON CAA Contemporary Arts Alliance Berlin RESIDENZ PACT Zollverein Essen

 

Antragsteller/in An Kaler

Veranstaltungstermin 22. und 23. Februar 2013, jeweils 19.00 24. Februar 2013, 14.00 und 19.00

Veranstaltungsort Tanzfabrik Berlin - Wedding, Uferstudio 5

Förderbetrag 13.000 €

Kooperationen Tanzfabrik Berlin CAA Contemporary Arts Alliance, Berlin PACT Zollverein, Essen

Internetseiten www.tanzfabrik-berlin.de

An Kaler: Videostills

PLEASE KILL 2011

2011 ist tot. Vor gar nicht allzu langer Zeit noch quicklebendig, ist es nun für immer von uns gegangen. Oder? Unsere Erinnerungen an 2011 beginnen bereits zu verblassen, die Umrisse werden unscharf. Aber etwas klingt nach: The ghost of 2011 still seems to be haunting us. Denn Geister finden erst zur Ruhe, wenn all ihre unerledigten Anliegen zu einem Ende gebracht wurden, sie lassen uns erst zur Normalität übergehen, wenn all ihre Geheimnisse gelüftet sind. In a slightly disorganized and possibly haunted space the analysis on 2011 is now beginning: Psychologen erörtern die Tagebücher von 2011, ein Forensiker liest dem Jahr aus der Hand, eine Finanzbeamtin kontrolliert alle Kontobewegungen der letzten Dekade und schließlich versucht unser Medium, eine Verbindung mit dem Geist des Jahres herzustellen. Das ganze Team arbeitet daran, ein möglichst vollständiges Bild zu schaffen: Wer war 2011, wie hat es gelebt, was waren seine Geheimnisse, warum musste es sterben und: wie tot ist es wirklich? Wir zeigen das vergangene Jahr als Wesen mit vielen unerfüllten Wünschen und entwickeln eine eigene, andere Geschichtsschreibung: PLEASE KILL 2011 is a performance that tries to make 2011 come alive.

 

Eine Aufführung in deutscher und englischer Sprache.

 

Von und mit Anna Böger, Robin Detje, Sonja Füsti, Sascha Hargesheimer, Carolin Hochleichter, Philipp Hochleichter, Max Johns, Chris Kondek, Victor Morales, Marc Stephan und Hannes Strobl.

Produktionsleitung: Katja Kettner

 

Antragsteller/in Christopher Kondek

Veranstaltungstermin 12. bis 15. April 2012

Veranstaltungsort HAU 2

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen HAU

Christopher Kondek

Pulling Strings

Pulling Strings

 

Das Projekt ist eine Choreographie mit Objekten, die von Eva Meyer-Keller als Theaterperformance, ort-spezifische Installation und Videoarbeit konzipiert ist.

 

Mit den vorhandenen Objekten entstehen minutiöse Porträts von Räumen. Es beginnt mit einer Bestandsaufnahme und einer Einladung an den Zuschauer, sich den Ort mit seinen dazugehörigen Objekten genau anzuschauen. Nah, fern, oben, unten, auf, zu.

 

Dann beginnt die Choreographie. Es können große Sachen sein, wie Lampen, Tische und Bäume, die sich bewegen, oder auch ganz kleine, wie Stifte, Gläser und Teebeutel. Darüber hinaus wird auf die Bewegungen der immateriellen Dinge aufmerksam gemacht: Geräusche, Gerüche, sich verflüchtigendes Material wie Rauch.

 

Mit dem Ziehen an den Fäden verändert sich die Sicht auf den Raum und die Wahrnehmung der Zuschauer wird zunehmend sensibilisiert.

 

Bei der Theaterversion ist das Theater mit seiner Technik und Ausstattung der Ausgangspunkt. Dinge, die sonst auf und hinter der Bühne als Hilfsmittel benutzt werden, werden hier zu Hauptakteuren. Der Theaterraum, der eigentlich ein neutraler Raum zu sein hat, bekommt die Chance, seine Eigenheiten zu offenbaren und sich selbst zu spielen.

Kabel, Züge, Vorhänge, Mikrofone, Aufbewahrungskisten, Teetassen und Scheinwerfer treffen sich auf der Bühne.

 

Neben der Theaterperformance, die erstmals im HAU gezeigt wird und danach in verschiedenen Theatern weiterentwickelt wird, entstehen ort-spezifische Installationen für Galerien o.ä. und eine Videoarbeit.

 

Bei der Installation nisten Eva Meyer-Keller und Irina Müller sich 2-3 Tage lang am jeweiligen Ort ein, schauen sich die Räume an und öffnen alle Schränke. Die Dinge, die sie dort vorfinden, werden zu den Akteuren, die an Fäden zu tanzen beginnen.

 

Die Videoarbeit entsteht in Zusammenarbeit mit Andrea Keiz und Irina Müller und stellt eine Mikroversion dar, bei der feine Bewegungen von kleinen Dingen im Mittelpunkt stehen und sich das Kameraauge in immer kleinere Details einzoomt. Ein Nähkästchen öffnet sich, das Nähzeug entwickelt ein Eigenleben, Nadelkissen und Fadenspulen beginnen zu tanzen ...

 

Credits:

Idee: Eva Meyer-Keller

Performance, Bühne: Irina Müller, Eva Meyer-Keller

Licht, Ton, Bühne: Ruth Waldeyer, Florian Bach

Musik: Thomas Meadowcroft

 

Dank an:

ausland , Dock 11, Gregor Hotz, HZT, Kajsa und Otis, Paul Klier, Sybille Müller, Bruno Pocheron, Rico Repotente, Peter Rintsch, Benjamin Schälike, Sophiensaele, Mehdi Toutain-Lopez, Uferstudios, Wiesen 55 e.V.

Antragsteller/in Eva Meyer-Keller

Veranstaltungstermin 16. bis 18. Mai um 20 Uhr / HAU 3 Freitag 25. Mai um 19:30 Uhr / Espace Surplus

Veranstaltungsort HAU 3 Berlin (16.-18.05.), Espace Surplus (25.05.)

Förderbetrag 29.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Eva Meyer-Keller, in Koproduktion mit Hebbel am Ufer, Kunstenfestivaldesarts Brüssel und MDT Stockholm. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. Mit freundlicher Unterstützung von PACT Zollverein Essen.

Internetseiten www.evamk.de/www.hebbel-am-ufer...7.html?HAU=3www.espace-surplus.com/

Eva Meyer-Keller

Eva Meyer-Keller

Eva Meyer-Keller

Theater that acts

Mit der Trilogie „Krisis“ des Joseph Beuys Theater und Teatr.doc aus Moskau (05. bis 07. Mai) und der Recherchearbeit „illumiNation“ des Kunstzentrum Krétakör aus Budapest (09. und 10. Mai) präsentieren das HAU und die 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst zwei – im weitesten Sinne – theatrale Projekte, die sich mit konkreten politischen und gesellschaftlichen Fragen beschäftigen und in denen SchaupielerInnen als handelnde BürgerInnen und politische Subjekte agieren

 

So decken die Dokumentartheater Joseph Beuys Theater und Teatr.doc auf, was von den russischen Medien vernachlässigt wird. Sie reagieren auf Fälle, in denen Menschenrechte und Demokratie verletzt werden, stellen provakante Fragen und versuchen Antworten darauf zu finden. Die Trilogie „Krisis“ wurde für den Kontext Deutschland entwickelt und wird in aufeinander folgenden Episoden gezeigt. Verhandelt werden die Präsenz deutscher Soldaten in Afghanistan, aktuelle Aufstände in Russland sowie Finanzbeziehungen, Geld und Schulden.

 

Das Kunstzentrum Kretakör möchte die Frage nach einem anderen, produktiveren und gerechteren Zusammenleben in einer Gesellschaft nicht den Rechten oder Religiösen überlassen. In „illumiNation“ stellt Krétakör ein Szenario vor, das auf sozialwissenschaftlicher Forschung basierend um die immer deutlicher werdende Spaltung der ungarischen Gesellschaft kreist. In Zusammenarbeit mit RegimegegnerInnen, WiderstandsaktivistInnen und JournalistInnen wurde dokumentarisches Material generiert und daraus eine Situation entwickelt, die pro- und anti-demokratische Kräfte gegeneinander ausspielt.

 

Antragsteller/in Hebbel-Theater Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 5. bis 7. Mai 2012 9. bis 10. Mai 2012

Veranstaltungsort HAU3 und Theaterdisounter

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen In Zusammenarbeit mit der 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, in Kooperation mit dem Theaterdiscounter, Berlin.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Pressestimmen

time/zones

Während mit Atlas Eclipticalis von John Cage Musik nach Sternbildern erklingt, werden auf der Folie seiner graphischen Zufallskomposition Variations IV abstruse Zusammenhänge offenbar.

In time/zones geht es um die Lesbarkeit der Uhrzeit in den Augen chinesischer Katzen; um nachmittägliche Sonnenaufgänge und äquatoriale Winterzeit; um Taxifahrten in die Schützengräben der Champagne; um temporäre Verbote von Pflaumenmus und Sabotage im Paketpostverkehr; um versteckte Zufallsoperationen bei den Beatles; um burmesische Geldscheine, mit denen sich nicht rechnen lässt ...

time/zones ist eine multimediale Assemblage aus biographischen, historischen und fiktionalen Anekdoten und Dokumenten. Das Projekt durchstöbert ein Jahrhundert politischer, kultureller und alltäglicher Ereignisse, die auf Cages Geburtstag fallen, und befragt mit Unterstützung global gestreuter Projekt-Satelliten zugleich die Widersprüche und Merkwürdigkeiten der Zeiteinteilung unserer Welt.

Für die Dauer von drei mal acht Stunden öffnet die LOSE COMBO mit time/zones eine eigene Zeitzone – einen Raum für Installation, Konzert, Performance: Happy Birthday, John Cage!

 

Antragsteller/in Jörg Laue / LOSE COMBO

Veranstaltungstermin 29., 30 und 31. August 2012 - 16 bis 24 Uhr

Veranstaltungsort Akademie der Künste (Hanseatenweg)

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Kammerensemble Neue Musik Berlin Akademie der Künste

Internetseiten www.lose-combo.dewww.kammerensemble.dewww.adk.de/cage

We love Africa and Africa loves us

"Daddy" steckt in der Krise. Dem Schrecken von Joseph Fritzls Keller ist die Familie entkommen, nun dominiert die Alltagsroutine. Das mittelständisch-westliche Lebenskonzept hat die soziale Rollenverteilung aufgeweicht: zwar ist der Vater noch immer der Repräsentant, Ernährer und Beschützer von Frau und Kindern, doch durch die fehlende gesellschaftliche Anerkennung seines Patriarchats kastriert, fühlt er sich in der Gestaltung des Familienprojekts eingeschränkt.

We love Africa and Africa loves us beginnt dort, wo die Vorgängerproduktion Conte d’Amour endete.

In Conte d’Amour wurde das Hinabsteigen in die Tiefen der romantischen Liebe mit dem Bild eines Kellers beschrieben. In der neuen Produktion von MARKUS ÖHRN, NYA RAMPEN und INSTITUTET nun befindet sich die Familie im Erdgeschoss. Auf dem Ground Zero Level der modernen Demokratie angekommen, macht sie sich auf die Suche nach externer Legitimation ihrer internen Psycho-Logik. Das westliche Bild von Afrika als dem Unbekannten, Wilden, Authentischen, das unserer Hilfe bedarf, wird ihnen zum notwendigen "Anderen". We love Africa and Africa loves us überträgt die Strukturen der weißen Kernfamilie auf die Dynamik der humanitären Hilfe in der sogenannten Dritten Welt: Im Drama um das Verhältnis von Helfern und Geholfenen werden Postkolonialismus und Rassismus zu Konstruktionen hegemonialer, patriarchaler Allmachtsphantasien: die Projektion des inneren Chaos auf einen weit entfernten Kontinent namens Afrika. Eine Reise in das Herz europäischer Finsternis.

 

mit ELMER BÄCK, ANDERS CARLSSON, JAKOB ÖHRMAN, RASMUS SLÄTIS

 

Regie, Bühne MARKUS ÖHRN Text ANDERS CARLSSON Komposition, Musik ANDREAS CATJAR Kostüm / Ausstattung PIA ALEBORG Ausstattung OSKAR NILSSON Technische Leitung VOLKER M. SCHMIDT Technik PATRICK TUCHOLSKI Künstlerische Koordination PAMELA SCHLEWINSKI Produktion ALEXA GRAEFE / INSTITUTET, TINA PFURR / BALLHAUS OST Presse YVEN AUGUSTIN

 

GEFÖRDERT DURCH DEN HAUPTSTADTKULTURFONDS, SWEDISH ARTS COUNCIL, SWEDISH CULTURAL FOUNDATION IN FINLAND, NORDIC CULTURE POINT, SWEDISH AUTHOR’S FUND, DIE KULTURABTEILUNG DER STADT WIEN (MA 07) UND KULTUR SKANE

Antragsteller/in Nya Rampen / Institutet / Anders Carlsson

Veranstaltungstermin 05./ 06. / 07. / 10. / 11. / 12. / 13. Oktober 2012

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen EINE KOPRODUKTION VON NYA RAMPEN, INSTITUTET, BALLHAUS OST, BALTIC CIRCLE THEATRE FESTIVAL (HELSINKI), GARAGE X (WIEN), INKONST (MALMÖ) UND SÜDPOL LUZERN PRÄSENTIERT IM RAHMEN VON FOREIGN AFFAIRS / BERLINER FESTSPIELE

Internetseiten www.ballhausost.dewww.nyarampen.fiwww.institutet.eu

What happened 2081?

Das Jahr 2081. Vieles ist vergessen, vieles ist verboten. Es herrscht der Neo-Yogaismus. Einatmen, ausatmen. Doch plötzlich werden ein paar Dinge aus der Vergangenheit entdeckt, die auf den Versuch verweisen, dass irgendwann in den 2040ern versucht wurde das Welt-Gedächtnis zu retten. Darüber wollen wir reden. Am 24. März in den Kunst-Werken. Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Soziologinnen… Nur Frauen treten auf, denn Männer sind verboten. Am nächsten Tag machen wir dann einen psychogeographischen Gang zum Olympiastadion. Denn dort finden die Spiele 2084 statt.

Antragsteller/in Georg Diez, Christopher Roth

Veranstaltungstermin 24. bis 25. März 2012

Veranstaltungsort Kunst-Werke und Auguststraße bis Olympiastadion

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Traffic-to-go, Goethe Institut Neu Delhi, Soho House

Internetseiten www.2081.li

Wir sind ein Bild aus der Zukunft: Nachrichten von Krise, Aufstand & Ausnahmezustand

WIR SIND EIN BILD AUS DER ZUKUNFT, wurde während den Athener Riots 2008 auf die Hauswände gesprüht – wir, die militanten Forscher_innen eines rebellischen

Youtube-Senders, verstehen dieses Graffiti als Prophezeiung. Wir schließen uns in einem Sende-Studio zusammen, um den

 

Stand der Endzeit zu analysieren, die gekommenen Aufstände zu dokumentieren und die Revolution herbei zu fabulieren. Es geht

um nichts weniger als eine militante Recherche: was könnten (heute) die Bilder der Zukunft sein?

Um in den Zeiten der Apokalypse, im aufflackernden Blitz der Zerstörung, das Potenzial des Messianischen einzufangen,

präsentieren wir Zukunftseinschätzungen: wir sprechen mit Spezialist_innen wie dem linken Philosophen Franco „Bifo“ Berardi,

überprüfen die Visionen von Wahrsagerinnen und analysieren die Prognosen der Future-Händler an der Börse. Wir trainieren für

Real Democracy-Squares, erschrecken Technokraten und lachen über den Euro-GAU.

The Time is out of Joint: Wir suchen Anzeichen für eine andere Zeit, weil uns das Ghetto der Gegenwart nicht genug ist. Wir

bieten Bilder des Ausnahmezustands und Diagramme der Krise, den Voluntarismus des Kollektivs und die Utopie der Commons.

Wir pre-enacten die Interventionen von morgen und tanzen an den Abgründen von gestern. Die Jetzt-Zeit drängt, wir hoffen, ihr seid

bereit... Ein theatrales Performance-Projekt auf den Spuren Walter Benjamins...

 

Die Gruppe

Aufbauend auf einer Idee der Performerin und Journalistin Margarita Tsomou und des Theoretikers und Autors Tim Stüttgen

versammelt sich für „Wir sind ein Bild aus der Zukunft“ eine interdisziplinäre Gruppe von Künstlern aus unterschiedlichsten

Bereichen, die das Stück intermedial und kollektiv gestalteten: Vom Electro-Musiker Can „Khan“ Oral zu der bildenden Künstlerin

Katrin Mayer, vom queeren Wiener Theatermacher Gin Mueller über den b_books-Filmemacher Nicolas Siepen bis zum Performer

Julian Meding.

 

Antragsteller/in Margarita Tsomou

Veranstaltungstermin 26., 27. sowie 29., 30. April 2012 jeweils 20:00 Uhr

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer - HAU 3

Förderbetrag 40.000 €

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Wunderbaum in Berlin: Vision out of nothing / Geisterbahn!

"Vision out of nothing"

Eigens für die Neueröffnung des HAU kommen Wunderbaum nach Berlin und veranstalten gemeinsam mit der Band Touki Delphine und Berliner Gästen ein visionäres Spektakel: “Eine neue Stadt, eine neue Idee, ein neues Theater? Visionen über Visionen, aus dem Nichts heraus! Wunderbaum rettet das Theater, die Welt und zuallererst Berlin, du müde, schöne Stadt, eh du! Oh Kreativität, mein Gott, mon dieu! Berlin, du schöne Stadt, adé.” Das niederländisch-flämische Schauspielkollektiv entwickelte seine ersten kollektiven Arbeiten in enger Verbindung mit Johan Simons’ Theaterkompanie ZT Hollandia. Heute hat die Gruppe ihre Basis in Rotterdam und kooperiert für jedes Projekt mit Künstlern aus unterschiedlichen Disziplinen.

 

"Geisterbahn!"

Im unbeständigen, düsteren Monat November öffnet Wunderbaum die Tore zur “Geisterbahn!” Was die Welt jetzt braucht, ist Tatkraft, um dem allerorten um sich greifenden Kulturverfall endlich Einhalt zu gebieten! Untote, Populisten, ölverschmierte Vögel und Steve Jobs, sie alle sind Teil dieses schaurigen Beschwörungsrituals, das sich an nichts Geringeres als die gesamte Menschheit richtet: “Escape from Escapism!”. Der Text von Autor und Regisseur Gerardjan Rijnders ist eine Auseinandersetzung mit Thomas Bernhards “Der Theatermacher”. Für Wunderbaums skurrile Gruseltheateroper haben Simon Lenski und Bo Wiget Musik von Richard Wagner neu arrangiert.

 

"Beertourist"

Zwei englische Fußballfans sind in Odessa, um zu saufen und zu ficken.

Late-Night Show über Taxifahrer, Bier und rauchende Piraten.

 

"Songs at the End of the World"

Wunderbaum und Touki Delphine nehmen den Direktflug vom HAU in die einsame Kleinstadt McMurdo, Antarktis. Nachdem sie mit „Vision out of nothing“ auf der Bühne des HAU2 ihre neue Premiere gefeiert haben, präsentieren sie Musik aus der gemeinsamen früheren Produktion „Songs at the End of the World“. Mit kühlen Elektrobeats und sehnsüchtigen Balladen fragen sie sich, wie es wäre, an einem so verlassenen Ort zu leben. Sie tauchen unter das Polareis, suchen nach „silent John“ und nach dem anderen Leben. Sie lauschen den Robben und lassen sich den eisigen Polarwind um die Ohren wehen.

 

 

 

 

Antragsteller/in Annemie Vanackere, künstlerische Leitung und Geschäftsführerin Hebbel-Theater Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 1./2./3. November 2012 "Vision out of nothing" 3. November 2012 Konzert "Songs at the End of the World" 4. November 2012 "Beertourist" 15./16./17. November 2012 "Geisterbahn!"

Veranstaltungsort HAU Hebbel am Ufer

Förderbetrag 130.000 €

Kooperationen Vision out of Nothing: Wunderbaum und HAU Hebbel am Ufer. Geisterbahn!: Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer, Operadagen Rotterdam, Rotterdamse Schouwburg und NTGent. Beerourist: Koproduktion: Productiehuis Rotterdam (Rotterdamse Schouwburg), NTGent.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de/