Der Standpunkt der Aufnahme - Eine Programmreihe zu politischer Film- und Videoarbeit

Was bedeutet es heute, „Film politisch zu machen“? Was sind die Themen solcher Arbeit, wie reflektieren sich die Fragestellungen in der Ästhetik und was bedeutet ein politisches Verständnis der eigenen Arbeit für die Produktionsprozesse und Distributionsformen?

 

Die vom 6. Oktober bis zum 2. Dezember wöchentlich stattfindende Programmreihe „Der Standpunkt der Aufnahme“ im Kino Arsenal widmet sich aktueller politischer Film- und Videoarbeit. Sie stellt Akteur/innen und Arbeitszusammenhänge vor, Filme und Videos, die teils Ergebnis einer künstlerischen Produktion sind, teils in aktivistischen Kontexten entstehen und die das Kino als Ort kritischer Reflexion fordern und hinterfragen. An insgesamt neun Abenden zeigt jeweils ein/e Künstler/in oder ein Autorenduo eigene Arbeiten und diskutiert diese mit dem Publikum. Eingeladen sind dazu: bankleer (Karin Kasböck und Christoph Leitner) (D), Raphaël Cuomo und Maria Iorio (CH), Charles Heller (CH), Merle Kröger und Philip Scheffner (D), Brigitta Kuster (CH/D), Elke Marhöfer (D), Joanne Richardson (RO), Bärbel Schönafinger/kanalB (D) und Sarah Vanagt (B).

Im zweiten Teil jedes Abends stellen die Eingeladenen als „Carte Blanche“ Werke vor, die ihre Arbeit geprägt haben, die Vorbild waren oder Provokation, darunter Filme von Jean Rouch, Christoph Schlingensief, Pier Paolo Pasolini, Chris Marker, Paul Carpita, Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, Jean-Luc Godard und Anne-Marie Miéville, Jonas Mekas. Die „Carte Blanche“ soll sichtbar machen, dass Filme solidarisch und kritisch miteinander umgehen können, dass es in der politischen Film- und Videoarbeit Allianzen und Wahlverwandtschaften, Provokateure und Lieblingsgegner gibt, und dass zu dieser Arbeit bei aller Verschiedenheit eine geteilte Dringlichkeit gehört. Denn das „Politische“, so eine Leitvermutung des Programms, entsteht im Spannungsfeld zwischen dem Persönlichen und dem, was alle angeht. Sich politisch zu artikulieren, heißt einen Ort einzunehmen, den potenziell jeder einnehmen könnte.

 

„Der Standpunkt der Aufnahme“ wurde kuratiert von Tobias Hering in Zusammenarbeit mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst und den beteiligten Künstler/innen. Auf www.standpunktderaufnahme.de wird das Projekt ab 1. Oktober im Internet dokumentiert. Für Frühjahr 2011 ist eine Publikation geplant, die mit den am Programm Beteiligten sowie zusätzlichen Autor/innen die Thematik der Reihe weiter bearbeitet. Die Beiträge werden verschiedene Formate haben - Essay, Bildessay, Interview - und sollen der zukünftigen Diskussion als Referenz dienen.

 

„Der Standpunkt der Aufnahme“ wird ermöglicht durch Fördermittel des Hauptstadtkulturfonds und der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.

Antragsteller/in Tobias Hering

Veranstaltungstermin 13. März 2014 - Bookrelaunch wöchentlich vom 6. Oktober bis 2. Dezember 2010

Veranstaltungsort Kino Arsenal, Berlin

Förderbetrag 12.000 €

Kooperationen Arsenal Institut für Film und Videokunst

Internetseiten www.standpunktderaufnahme.dewww.arsenal-berlin.de

Pressestimmen

Frühe Interventionen - Suffragetten, Extremistinnen der Sichtbarkeit

Frühe Interventionen: SUFFRAGETTEN - EXTREMISTINNEN DER SICHTBARKEIT

 

Anfang des 20. Jahrhunderts eroberte die Bewegung für das Frauenwahlrecht, die Suffragettenbewegung, auch das Kino. Auf den Straßen der großen Städte Europas und Amerikas war eine Kraft spürbar geworden, die Ängste provozierte und nicht mehr zähmbar schien: Da organisierten sich doch tatsächlich Frauen, noch dazu oft die wohlbehüteten des Bürgertums, und reklamierten ihr Recht der Mitwirkung am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft! 1913 saßen schon mehr als 1000 Suffragetten wegen ihrer politischen Aktionen im Gefängnis.

 

Die Film- und Vortragsreihe Frühe Interventionen präsentiert vom 23. bis 27. September 2010 im Berliner Zeughaus Kino 77 Filme mit live Musikbegleitung zwischen einer Minute und einer Stunde über, für und gegen die Suffragetten, frühe Fundstücke und Dokumente zu weiblicher Arbeit und Klassenverhältnissen, zu Geschlechter-Inszenierungen, Hysterie und androgynem Ungehorsam, zu frühen Stars und Komikerinnen, zu aufmüpfigen Backfischen, rebellischen Dienstmädchen und athletischen Artistinnen. Anhand rarer Filmbeispiele vor allem aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist ein noch wenig normiertes Kino zu entdecken: ein Kino, das sich selbst beim Erfinden zusieht und das gerade im Begriff ist, sich ein eigenes Publikum zu schaffen. Einführungen und Vorträge vertiefen das Spektakel der wild gewordenen streikenden Frauen im öffentlichen Raum, die Erscheinung der undisziplinierten Massen, gehen den Parallelen zwischen Frauen- und Arbeiterbewegung nach, beleuchten Frauen-Alltag und Sexismus nach 1900, stellen die Bildproduktion der Suffragetten-Gegner vor oder thematisieren Kampagnen der frühen radikalen Frauenbewegung und die unterschiedlichen Aspekte weiblicher Selbstverteidigung.

Antragsteller/in Madeleine Bernstorff

Veranstaltungstermin 23. bis 27. September 2010

Veranstaltungsort Zeughauskino Deutsches Historisches Museum Unter den Linden 2 10117 Berlin Kinemathek DHM: 030 / 20 30 4 - 444

Förderbetrag 24.526 €

Kooperationen Deutsche Kinemathek, Berlin - Cineteca di Bologna - Filmarchiv Austria, Wien - British Film Institute / National Archive, London - EYE Nederlands, Amsterdam - CNC Archives Français du Film, Paris - Kinemathek Hamburg/Metropolis Archiv - Lobster Films, Paris - Cinémathèque Française, Paris - Museo Nazionale del Cinema Turin - Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden - Pathé Gaumont Archives, Paris

Internetseiten www.madeleinebernstorff.dewww.dhm.de/kino/fr...ntionen.htmlbioscopic.wordpres...-the-camera/

SOMNAMBULE - erstes internationales caligari-festival

Mit der Ersten Somnambule ruft die Brotfabrik ein Medien- und Kunstfestival ins Leben, das an eine fast vergessene Blütezeit des Stummfilms an seinem einstigen Standort in Berlin-Weißensee erinnert und sich mit der heutigen Ausstrahlung des vielschichtigen Caligari-Phänomens beschäftigt. In wenigen Wochen öffnet das Internationale Caligari-Festival seine Pforten mit einem hochkarätigen, spartenübergreifenden Programm!

 

Berühmtestes Werk und Anlass für das Festival ist der 1919 unter der Regie von Robert Wiene entstandene Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“. Das legendäre Meisterwerk ist Ausgangspunkt für eine aktuelle Auseinandersetzung mit ästhetischen, sozialen und politischen Hintergründen sowie den künstlerischen Auswirkungen des Films bis zur Gegenwart. So spiegeln Remakes, Adaptionen, Performances und spektakuläre Live-Vertonungen die Sprengkraft seiner expressionistischen Bildsprache wider.

 

Feierlicher Auftakt der Ersten Somnambule wird die Live-Vertonung des Original-Caligari durch den französischen Avantgarde-Musiker Thierry Zaboitzeff (Ex-Art Zoyd) am 9. September 2010 im ehemaligen Stummfilmkino Delphi sein. Auf der BrotfabrikBühne, im ehemaligen Stummfilmkino Delphi und auf dem Caligariplatz zeigen internationale (Theater-)Aufführungen, wie Gruppen des Gegenwartstheaters die Ästhetik des Stummfilms in ihre Werke einfließen lassen. Unter dem Titel „(Re) Acting Caligari“ verwandeln sich die Räume der BrotfabrikGalerie in ein visuelles und akustisches Kabinett, das Momente von Pathos und Leidenschaft thematisiert. Im BrotfabrikKino werden Filme aus verschiedenen Epochen auf die anhaltende Faszination des Klassikers verweisen. Eine Podiumsdiskussion mit namhaften Filmwissenschaftlern stellt Fragen über die Nachhaltigkeit des Films sowie den „Caligarismus“ in ihr Zentrum: „Sind wir Caligari geworden?“

Antragsteller/in Glashaus e.V.

Veranstaltungstermin 9. September bis 10. Oktober 2010 Kernzeit des Festivals: 9. bis 19. September 2010 Ausstellungsdauer: 10. September bis 10. Oktober 2010

Veranstaltungsort Brotfabrik / Stummfilmkino Delphi

Förderbetrag 48.000 €

Kooperationen Kulturamt Pankow, DEFA-Stiftung, British Council for the Arts, Polnisches Institut, Berliner Zeitung, TIP, Filmdienst, Rentlocation, Fortuna-Hotel, BTL, Grünebergquelle,

Internetseiten www.somnambule.brotfabrik.comwww.brotfabrik-berlin.de

Festivallogo Entwurf: Betina Kuntzsch

Spuren eines Dritten Kinos

Die Filmreihe SPUREN EINES DRITTEN KINOS sondiert die verschlungenen Pfade,

über die das heutige Weltkino mit dem historischen »Dritten Kino« in Verbindung steht. Unter dem Begriff »Drittes Kino« werden jene vielfältigen Filmkulturen der langen 1960er Jahre versammelt, die in großer Nähe zu den Befreiungskämpfen in Lateinamerika, Afrika und Asien entstanden sind und von denen die Filmreihe REVOLUTIONEN AUS DEM OFF im vergangenen Jahr einige Strömungen vorgestellt hat. Mehr noch als das Dritte Kino konstituiert das postkoloniale Filmschaffen der Gegenwart in ästhetischer wie in politischer Hinsicht ein heterogenes Feld. SPUREN EINES DRITTEN KINOS macht das Paradigma des Dritten Kinos fruchtbar, um die politischen Einsätze dieser Vielfalt hervortreten zu lassen.

 

Gleichzeitig setzt SPUREN EINES DRITTEN KINOS zumeist isoliert betrachtete Positionen des aktuellen Weltkinos zueinander in Beziehung. Präsentiert werden fünf Close-ups auf das zeitgenössische postkoloniale Filmschaffen. Der neue chinesische Dokumentarfilm gibt jenen eine Stimme, die bislang keine hatten. Wanderarbeiter und -arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen, Opfer des industriellen Wandels sind nicht länger Objekte ethnografischer Studien, sondern werden zu Subjekten ihrer eigenen Lebensgeschichte.

Das unabhängige philippinische Kino, dessen Ästhetik eng mit den Möglichkeiten digitaler Filmtechnik verbunden ist, entwickelt radikale Politiken des Alltags und setzt sich gleichzeitig mit der problematischen kolonialen und postkolonialen Geschichte seines Landes auseinander.

Die neue Welle des brasilianischen Films, die im Fokus des dritten Close-up steht, entdeckt insbesondere die Armenviertel der Großstädte, die Favelas, immer wieder für sich und sucht in ihnen nach einem neuen gesamtgesellschaftlichen Selbstverständnis.

Das Kino maghrebinischer Migrantinnen und Migranten in Frankreich, das Cinéma beur, wurde in den 1990er Jahren neu definiert. Während frühe Werke Mehdi Charefs das Leben jenseits der französischen Mehrheitsgesellschaft in den Blick rückten, beschäftigen sich die Filme der Gegenwart mit den nach wie vor ungelösten Konflikten, die sich aus dieser unveränderten Außenseiterposition ergeben.

Und im letzten Close-up »Nollywood«, wie die nigerianische Videofilmindustrie auch genannt wird, erfüllt sich schließlich der lang gehegte Wunsch nach einer wirtschaftlich unabhängigen Filmproduktion von Afrikanern für Afrikaner: ein Wunsch, der in einigen Filmen auch mit einem politischen Bewusstsein einhergeht, das an antikoloniale Kinotraditionen Afrikas oder Südamerikas anschließt.

Antragsteller/in Fabian Tietke

Veranstaltungstermin 1. bis 29. Juni 2010

Veranstaltungsort Zeughauskino, Sputnik und Eiszeit Kino (Berlin)

Förderbetrag 42.000 €

Kooperationen Zeughauskino, Sputnik Kino, Eiszeit Kino Medienpartner: die tageszeitung, Le Monde Diplomatique, Cargo, CineAsia

Internetseiten spureneinesdrittenkinos.net/