Der innere Innenminister

Text und Regie: Till Müller-Klug & Bernadette La Hengst

Spiel und Musik: Claudia Wiedemer & Bernadette La Hengst

Dramaturgische Mitarbeit: Nina Tecklenburg

Produktionsleitung: Marc Pohl

Regieassistenz: Elisa Liepsch

 

In ihrem neuen Theaterstück kombinieren La Hengst / Müller-Klug das Phänomen des Stimmenhörens mit möglichen Überwachungstechnologien von übermorgen. Im Rahmen einer Selbsthilfegruppe stellt sich eine Musikerin vor, die eine ganz besondere Stimme hört: die des deutschen Innenministers. Er mischt sich ein beim Musikmachen, zettelt verfängliche Tischgespräche an und will politische Einsichten über die „linke Bewegung“ gewinnen. Freiheit durch oder ganz ohne Sicherheit? Den obersten Schirmherrn der inneren Sicherheit im Kopf zu haben – da kann man ganz schön unsicher werden. Besonders wenn sich die Innenministerstimme als ansteckend erweist und auch in die Köpfe des Publikums einzudringen vermag …

 

Die Kunstfigur des inneren Innenministers ist zu 100 Prozent aus O-Tönen des Amtsinhabers zusammengesetzt. Offizielle Verlautbarungen und poli-tische Programmatiken werden zum künstlerischen Rohstoff. Eine rasante Verfolgungsjagd in den Zwischenräumen von Fiktion und sicherheitspolitischer Realität.

 

Antragsteller/in Till Müller-Klug

Veranstaltungstermin Berlin, 14. bis 16. Mai und 4. bis 6. Juni 2009, 21 Uhr Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin Düsseldorf, 19. ,20. September 2009, Forum Freies Theater, Jahnstraße 3, 40215 Düsseldorf Bremen, 23., 25. + 26. September 2009, 20 Uhr Stauerei „Alte Liebe Produktionen“, Cuxhavener Straße 7, 28217 Bremen

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin, Stauerei „Alte Liebe Produktionen“ Bremen

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Sophiensaele Berlin, Forum Freies Theater Düsseldorf und Alte Liebe Produktionen Bremen. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. Die Projektidee „Der innere Innenminister“ erhielt den Bremer Autoren- und Produzentenpreis 2008.

Internetseiten www.sophiensaele.comwww.forum-freies-theater.dewww.schwankhalle.de

Hengst/Müller-Klug

Hengst/Müller-Klug

Hengst/Müller-Klug

Der innere Innenminister - Wiederaufnahme

In ihrem neuen Theaterstück kombinieren La Hengst/Müller-Klug das Phänomen des Stimmenhörens mit möglichen Überwachungstechnologien von über-morgen. Im Rahmen einer Selbsthilfegruppe stellt sich eine Musikerin vor, die eine ganz besondere Stimme hört: die des früheren deutschen Innenministers. Als neuer, selbsternannter Superminister für Finanzen, Zukunft und innerste Sicherheit mischt er sich in ihr Leben ein, zettelt verfängliche Tischgespräche an und will eine neue Politik-Technologie verbreiten. Freiheit durch oder ganz ohne Sicherheit? Den obersten Schirmherrn der innersten Sicherheit im Kopf zu haben – da kann man ganz schön unsicher werden. Besonders wenn sich die Ministerstimme als ansteckend erweist und auch in die Köpfe des Publikums einzudringen vermag …

Antragsteller/in La Hengst/Müller-Klug GbR

Veranstaltungstermin 11. bis 13. November 2009

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 8.000 € Wiederaufnahme

Kooperationen Forum Freies Theater Düsseldorf Alte Liebe Produktionen Bremen

Pressestimmen

La Hengst / Müller-Klug

Die letzten Tage der Ceausescus

DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS

Reenactment des Ceausescu-Prozesses

(in rumänischer Sprache)

 

 

Idee, Buch und Künstlerische Leitung Milo Rau

Regie Milo Rau und Simone Eisenring

Produktion und Dramaturgie Jens Dietrich

Bühne und Kostüme Anton Lukas und Silvie Naunheim

Mit Victoria Cocias, Constantin Cojocaru, Constantin Draganescu, Alexandru Mihaescu, Eugen Cristian Motriuc und Mircea Rusu u. a.

 

 

20 Jahre nach dem Fall der Mauer inszeniert das International Institute of Political Murder (IIPM) den berühmtesten Schauprozess der europäischen Geschichte erstmalig als Reenactment in originalgetreu nachgebauten Kulissen.

 

Die Bilder der Aburteilung und Hinrichtung des Ehepaars Ceausescu am ersten Weihnachtstag 1989 haben sich als eines der mythischen Ereignisse der Weltgeschichte ins kollektive Unbewusste mehrerer Generationen von Fernsehzuschauern gebrannt.

 

20 Jahre später bringt das International Institute of Political Murder (IIPM) dieses Urereignis der Wende mit 16 Schauspielern in rumänischer Sprache auf die Bühne. Auf Grundlage von authentischen Videodokumenten und Zeugenberichten wird der letzte und berühmteste Schauprozess der europäischen Geschichte in originalgetreu nachgebauten Kulissen reinszeniert.

 

Während der Recherche wurden zahllose Gespräche mit den am Sturz und der Hinrichtung Beteiligten geführt. Daraus wurden 6 Monologe ausgewählt, die den Prolog zum Prozess bilden und die Atmosphäre der Revolutionstage aus Euphorie, Unsicherheit und Verrat unmittelbar spürbar machen.

 

DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS stellt die Frage nach dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, nach der Kraft und Bedeutung von medial tradierten Bildern. Die Inszenierung zeigt, wie Geschichte gemacht wird, indem das Ereignis minutiös dokumentiert und szenisch in der Form des Reenactments wiederholt wird.

 

Antragsteller/in Res Bosshart

Veranstaltungstermin 18. Dezember 2009 / 20 h 19. bis 21. Dezember 2009 / jeweils 20 h

Veranstaltungsort HAU2

Förderbetrag 65.000 €

Kooperationen Migros Kulturprozent Schweiz, KG Botschafter Berlin, Hebbel am Ufer Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Südpol Luzern, Teatrul Odeon Bukarest, NFP Berlin, Langfilm Zürich, Pro Helvetia - Schweizer Kulturstiftung, Kulturstiftung St.Gallen, Ernst Göhner Stiftung, Kanton Luzern, Schering Stiftung Berlin, Stadt und Kanton Bern, Rumänisches Kulturinstitut Berlin, GGG Basel, Deutsche Botschaft Bukarest, Schweizer Botschaft Bukarest, Konrad Adenauer Stiftung, Goetheinstitut Bukarest, Osteuropainstitut der Universität Zürich, Europe is East

Internetseiten www.die-letzten-tage.comwww.international-institute.de

Pressestimmen

Heavenly Bento

In den Ruinen des zerbombten Tokyos hatte ein japanischer Erfinder einen idealistischen Traum, der sich bald zu einem weltumspannenden Konzern entwickelte. In „Heavenly Bento“ erzählt post theater die Geschichte eines Elektronikkonzerns als Parabel auf interkulturelle Konflikte und Globalisierung, bevor man dieses Wort überhaupt kannte.

Das internationale Künstlerteam post theater feiert mit dieser

Performance seine eigene Geschichte von 10 Jahren Theater-Medien-Kunst zwischen New York, Tokyo und Berlin.

Heavenly Bento war bislang auf der Bonn Biennale, im Museum für Kommunikation Berlin, auf dem Singapore Arts Festival und in der Japan Society New York zu sehen.

Zum 10. Jubiläum von post theater kommt das Erfolgsstück wieder nach Berlin.

Antragsteller/in Hiroko Tanahashi

Veranstaltungstermin 1., 2., 3. Oktober 2009

Veranstaltungsort Meinblau House of Arts, Pfefferbergsareal, Berlin Prenzlauzer Berg

Förderbetrag 4.750 € Wiederaufnahme

Kooperationen Japan Society New York, Sophiensaele, Bonn Biennale, Singapore Arts Festival

Internetseiten www.posttheater.com

Pressestimmen

Graphics: Hiroko Tanahashi

Images of Louise Brooks

Das Leben von Louise Brooks erzählt von dem rasanten Aufstieg eines blutjungen Flappergirls aus Kansas in der New Yorker Theaterszene und im Hollywood der Zwanzigerjahre, dem tiefen Fall in die Vergessenheit, und dem späten Ruhm durch ihre Stilisierung zu einem lebenden Mythos der Filmgeschichte.

Hollywood-Schauspielerin Candy Clark, die schwedische Performerin Marta Oldenburg und die deutsch-thailändische Künstlerin Sonchai Körner thematisieren ihre eigenen, ganz persönlichen Lebenserfahrungen und Verhaltensmuster, die sie in Louise Brooks widerspiegeln. Wie fühlt es sich an für eine Schauspielerin, die wie kein anderer Künstler über ihre Jugendlichkeit definiert wird, Jahrzehnte später die Anerkennung zu erfahren, die ihr versagt blieb, als sie jung war? Wie fühlt es sich an, auf ein Image reduziert zu werden, das man immer wieder reproduzieren soll? Wie fühlt es sich an, mit der Verachtung durchs Leben zu gehen, eine dumme Versagerin zu sein, weil dich niemand erkennt?

 

Candy Clark schildert ihre Anfänge als Model im New York der Sechziger- und als Schauspielerin im Hollywood der Siebzigerjahre; trotz fulminanter Performances in George Lucas’ "American Graffiti“, für die sie mit dem Oscar nominiert wurde, und an der Seite von David Bowie in dem Kultfilm "Der Mann der vom Himmel fiel“ blieb ihr der ganz große Durchbruch versagt. Marta Oldenburg rekonstruiert ihre zehnjährige Zusammenarbeit mit dem belgischen Choreografen Michael Laub in den Neunzigerjahren; wie sie mit der Zeit immer mehr zu seiner Vorstellung von ihr wurde, "a bit wild and sexy and trashy“, und diesem Image nicht mehr entkommen konnte. Und die junge Sonchai Körner setzt sich mit den Dämonen ihres Lebens auseinander, die immer wieder als Inspirationsquelle für die Arbeiten mit Sven Mundt herhalten müssen; sie erzählt von den Selbstzweifeln, keine Anerkennung zu verspüren, von dem Selbsthass, sich nicht gut genug zu finden.

 

Konzept & Regie: Sven Mundt

Kreiert mit und performt von: Candy Clark, Marta Oldenburg, Sonchai Körner

Kostüme: Melina Scappatura

Dramaturgie: Henning Fülle

Antragsteller/in Sven Mundt

Veranstaltungstermin 9. bis 13. und 15. bis 19. Dezember 2011

Veranstaltungsort Studio 44, Klosterstr. 44, 10179 Berlin

Förderbetrag 44.000 €

Internetseiten www.iolb.de

Pressestimmen

Imitation of Life

Gefälschte Biographien, gefälschte Dokumente, gefälschte Dokumentationen - zu irgendeinem Zeitpunkt wurde ihnen Glauben geschenkt und mit ihrer jeweiligen Aufdeckung geriet in den Raum, was als unglaublich erscheint: dass die Wirklichkeit fingiert sein könnte.

„Imitation of Life“ widmet sich dieser Fiktion in der Form eines dokumentarischen Abends über Betrug, Manipulation und die Macht der Behauptung. Im Mittelpunkt stehen zwei Schauspieler und ein Fälscher. Sie sind Verstellungskünstler, die die Fähigkeit teilen, sich als jemand anderes auszugeben. „Imitation of Life“ ist ein Stück über diese Spezialisten des „als ob“ und zugleich ein theatraler Seiltanz zwischen dem Gewissen und Ungewissen von Informationen. Der Abend blickt so in den Abgrund, der sich hinter unserer vermeintlichen Sicherheit eröffnet, dass die Dinge so sind wie sie sind und zielt auf den Ursprung unseres Misstrauens, dass sie vielleicht nicht so sind, wie sie uns erscheinen.

„Imitation of Life“ ist die dritte Arbeit von Boris Nikitin mit dem Performer Malte Scholz. Ihre letzen beiden Abende „Woyzeck“ und „F wie Fälschung (nach Orson Welles)“ sind zum diesjährigen Impulse-Festival eingeladen, ebenso das Solo „my ten favorite ways to undress /a personal hitlist“ von Beatrice Fleischlin.

 

Antragsteller/in Boris Nikitin

Veranstaltungstermin 29., 30. und 31.Oktober und 01. November 2009

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer 3

Förderbetrag 25.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer TREIBSTOFF 09/Kaserne Basel.

Internetseiten www.hebbel-theater...6.html?HAU=3www.treibstoff-the...roduktionen/www.paraform.ch/28...h=b881582a16

Nathan Messias

 

Von Feridun Zaimoğlu und Günter Senkel

Regie: Neco Çelik

 

Mit Sanam Afrashteh, Adolfo Assor, İsmail Deniz, Atilla Oener, Murat Seven, Uwe Preuss

 

Jerusalem, in naher Zukunft. Ein säkularer jüdischer Bürgermeister versucht mit eiserner Hand die Stadt zu regieren, in der Wahnsinn und Alltag dicht beieinander liegen: steineschleudernde Mohammedaner gegen betonverliebte jüdische Siedler, bibeltreue Christianer gegen irdische Verwaltungsvorschriften und Händler aller Couleur gegen illegale Marktstände. Eines Tages schlägt ein gewisser Nathan vor den Toren der Stadt sein Zelt auf und verkündet das Ende aller Tage.

 

Für das pragmatische Stadtoberhaupt zunächst kein ungewöhnlicher Vorfall auf seinem Hoheitsterritorium, wo seiner Meinung nach mehr Glaubensrichtungen existieren als Einwohner. Doch bald muss er erfahren, dass nicht nur seine irdisch erzogene Tochter dem neuen Messias verfallen ist, sondern auch die lokalen Vertreter der drei grossen Weltreligionen über die hohe Rate der Abtrünnigen in ihren Gemeinden klagen. Eine Herausforderung für alle Gläubigen und Nicht-Gläubigen in der Heiligen Stadt, denn Nathan verkündet weder eine neue Religion noch wirbt er für ein neues heiliges Buch. Er rechnet schonungslos ab – irdisch und himmlisch.

 

Grossen Erfolg feierte Neco Çelik bereits mit seiner Inszenierung Schwarze Jungfrauen, für die Zaimoğlu und Senkel bei den Mühlheimer Theatertagen unter die besten sechs deutschsprachigen Theaterstücke 2007 gewählt wurden. Mit der Inszenierung von Nathan Messias führt Çelik seine künstlerische und persönliche Auseinandersetzung mit Religion weiter.

 

Dramaturgie: Tuncay Kulaoğlu

Regieassistentin: Jana Vierheilig

Regiehospitant: Matthias Reusser

Bühnenbild: Alexander Wolf

Kostüm: Ellen Hofmann

Ausstattungsassistenz: Justus Saretz

Produktionsleitung: Katinka Vahle

 

Aufführungsrechte beim Rohwolt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg.

 

Eine Produktion von kultursprünge.

Antragsteller/in Neco Celik

Veranstaltungstermin 17., 18. bis 21. und 27. bis 29. April 2009 Uraufführung am 17. April 2009, 20.00 Uhr, anschließend Premierenparty Weitere Vorstellungen 18. bis 21. und 27 bis 29. April 2009, 20 Uhr

Veranstaltungsort Ballhaus Naunynstraße

Förderbetrag 70.000 €

Internetseiten www.ballhausnaunynstraße.de

NO LIMITS - Internationales Theaterfestival Berlin

NO LIMITS – Internationales Theaterfestival Berlin 15.-25.10.2009

 

NO LIMITS ist zurück! Nach einem Jahr Pause ist der Titel auch in der vierten Auflage wieder Programm, ästhetisch, thematisch, geografisch. Zwei Welturaufführungen, zehn Deutschlandpremieren, mehr als 200 behinderte und nicht behinderte Künstler/innen aus 14 Ländern, darunter internationale Theaterstars, spannende Neuentdeckungen und künstlerische Grenzgänger. Elf Tage Theater und Tanz, Performance und Installation, Filme und Konzerte, ungewöhnliche Auseinandersetzungen mit Goethe, Kafka, Hugo, Ibsen und Disney, Schubert, Picasso, so genannten Freaks und vielem mehr.

 

Eröffnet wird das Festival mit dem koreanischen Tänzer und Choreografen Namjin Kim, der zusammen mit Sidi Larbi Cherkaoui bei Les Ballets C de la B weltweit Erfolge feierte, und seinem 2006 in Südkorea gegründeten Dance Theatre Chang. Im Anschluss daran produziert Theater RambaZambas SinD4+3 Band in der No Limits Lounge elektronische Klänge zum Mittanzen und Wegträumen. Von der Lebenswelt behinderter Menschen, ihrem nicht immer befriedigenden Alltag, ihren Sehnsüchten und Träumen erzählen auf sehr unterschiedliche Weise die israelische Gruppe Kenafayim in ihrem Theaterstück „Silver Spoon“, die deutsch-norwegische Videoinstallation, Ausstellung und Performance „Natural Fiction Circus“, die Best of Look&Roll-Kurzfilmnacht, das schwedische Moomsteatern mit „Featuring Pierre Björkman – Solo on Stage“, Theater RambaZamba mit der musikalisch-theatralen „Winterreise“ nach Franz Schubert und Herbert Fritsch in seiner Leseperformance „Sprachlöchersterne“.

 

Um ungewöhnliche Weltwahrnehmungen, Existenzformen und Lebensträume geht es aber auch beim norwegischen Grusomhetens Teater mit ihrer posthumen Uraufführung einer Ibsen-Oper in der Ästhetik von Antoinin Artaud und in einem Doppelprogramm mit den geheimnisvoll korrespondierenden Titeln „Kafka am Sprachrand“ und „Kafka in Berlin“. Anne Tismer mit ihrer deutsch-togolesischen Installation zu Judith und das ungarische Baltazar Theater mit der Dramatisierung eines Picasso-Bildes schreiben große Mythen der Menschheitsgeschichte noch einmal um und neu, während der australische Puppenmagier Neville Tranter in „Cuniculus“ unter die Hasen geht und das Menschsein aus quasi unterirdischer Perspektive beleuchtet. Theater Hora aus der Schweiz setzt sich gleich in zwei Arbeiten mit dem imperfekten Menschen auseinander, in „Faust 1&2“ nach Goethe und in „Quasimodo Geniti“ nach Victor Hugos „Glöckner von Notre Dame“. Und das Bremer Blaumeier-Atelier macht mit „In 80 Tagen um die Welt“ aus der Vielfalt menschlicher Existenzformen begeisterndes Volkstheater. Das deutsch-norwegische Performance-Kollektiv Banality Dreams schließlich zeigt mit “The Cowboy, the Princess and the Chicken“ die Uraufführung seiner jüngsten Arbeit.

 

Einen eigenen Festivalschwerpunkt mit Performance, Kabarett und Dokufilm widmet NO LIMITS dem künstlerischen Multitalent Mat Fraser aus London und seiner durchaus provokanten Art, mit der Tatsache umzugehen, dass er dank Contergan als „Freak“ geboren wurde. Begleitend dazu zeigt das Filmprogramm „So genannte Freaks“ eine Reihe von verstörenden, quer schießenden Filmen, in denen Schauspieler jenseits der Norm nicht nur eine ganz andere Form von „Behindertentheater“ zeigen, sondern darüber die Gesellschaft der vermeintlich Nichtbehinderten radikal in Frage stellen. Das Abschlusskonzert gestaltet die britische Punkband Heavy Load mit ihrer anarchischen Mischung aus Siebzigerjahrepunk- und aktuellen Pophit-Coverversionen. Mit ihrer „Stay up late!-Kampagne“ kämpfen Heavy Load für das Recht behinderter Menschen, abends nicht zu Hause bleiben zu müssen, nur weil ihre Betreuer Dienstschluss haben. In diesem Sinne wünscht NO LIMITS elf eindrückliche, lange Festivalnächte. Stay up late!

 

Antragsteller/in Lebenshilfe - Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur behinderter Menschen mbH

Veranstaltungstermin 15. bis 25. Oktober 2009

Veranstaltungsort Ballhaus Ost, Kulturbrauerei, Segenskirche

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Ballhaus Ost Kesselhaus/Kulturbrauerei Lebenshilfe Berlin Sonnenuhr/Theater RambaZamba ZDF Theaterkanal

Internetseiten www.no-limits-festival.de

Dance Theatre Chang (Korea): Brother Foto: Kim Goon

Mat Fraser & Julie Atlas Muz (GB/USA): Beauty and the Beast Foto: Karl Giant

Onkel Wanja. Szenen aus dem Landleben

Wiederaufnahme der im März 2008 mit großem Erfolg gezeigten Inszenierung von Thorsten Lensing & Jan Hein

 

Pressestimmen (Auszüge)

 

Kühn, radikal, und Tschechow – treu: Thorsten Lensing und Jan Hein inszenieren „Onkel Wanja“

 

Nur gut zwei Monate nach Jürgen Goschs „Onkel Wanja“ im Deutschen Theater (siehe Berliner Zeitung vom 14. Januar) kam nun in den Sophiensaelen dasselbe Stück heraus, inszeniert von Thorsten Lensing und Jan Hein. So ein Glücksfall ist kaum zu verkraften: Die beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Arbeiten stehen sich, was ihre Radikalität, aber auch was ihre radikale Werktreue betrifft, in nichts nach. Mag Goschs Version die weisere, wärmere und Lensings / Heins die wildere, schärfere sein – beide wachsen sich zu himmelhohen Schauspielerfesten aus.

Thorsten Lensing und sein Co-Regisseur und Dramaturg Jan Hein arbeiten seit zwölf Jahren zusammen. Sie sind, indem sie Theater einfach so machen, wie es gemeint ist, eine Ausnahmeerscheinung in der Theaterwelt. (...)

...die berühmten Fehlschüsse am Ende des dritten Aktes bilden so nur einen unter vielen Höhepunkten dieses intensiven, gut dreistündigen Abends, der einen über weite Strecken unter Strom setzt. Elektrisiert von der Selbstverständlichkeit, mit der Theater hier funktioniert, fragt man sich: Wieso ist das so selten?

 

Berliner Zeitung, 25.03.2008, Seidler

 

 

Tschechows „Onkel Wanja“ (im Pumpenhaus Münster)

 

Es ist ein brutalisierter Tschechow, exakt gelesen und ausbuchstabiert. Für seine reduzierte Genauigkeit ist Lensing, der seit den 90er Jahren Regie führt, bekannt: einfache Theatermittel, ein schlichter Bühnenraum, klare Sprache. Mehr braucht es nicht. So fein Tschechows Dramenstoffe gewirkt sind, so robust sind sie auch. Und so dehnbar. Ich wüsste keine Tschechow – Inszenierung, die die Vernichtung und das Zerstörerische so ernst genommen hätte, wie Lensing, Hein und ihr Ensemble:

(...) Die Preisgabe der Figuren und ihrer Darsteller grenzt ans Absolute. Wie nach einem langen weiten Umweg kommt diese Aufführung Tschechow gefährlich und bestürzend nahe.

 

WDR 3, 18.02.2008, Wilink

 

 

Antragsteller/in Thorsten Lensing

Veranstaltungstermin 3., 4. und 5. Juli 2009

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 15.000 € Wiederaufnahme

Kooperationen Theater im Neumarkt / Zürcher Festspiele Kampnagel Hamburg schauspielfrankfurt

Schock

Das Freischwimmer-Festival steht dieses Jahr unter dem Leitmotiv SCHOCK. In seiner fünften Ausgabe wählt das Freischwimmer-Festival dieses Reizwort, um ein inhaltliches Feld zu markieren, das von äußerster Boulevard-Trivialität bis hin zu aktuellen und radikalen gesellschaftspolitischen Fragestellungen reicht. Sophiensaele (Berlin), Kampnagel (Hamburg), FFT – Forum Freies Theater (Düsseldorf), Theaterhaus Gessnerallee (Zürich) und brut (Wien) haben sechs junge Theaterteams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, künstlerische Haltungen und eigene Theaterbegriffe zu formulieren, die sich zur Frage was Schockzustände hervorruft und wie sie sich auswirken, verhalten. Sie sind aufgerufen, sich in einer Welt zu positionieren, die deutlicher als zuvor von sich behauptet, eigentlich durch nichts mehr zu schockieren zu sein, während sie sich gleichzeitig durch das Potential globalisierter Katastrophen in einem Zustand maximaler Labilität befindet. Freischwimmer 2009 wird darüber Auskunft geben, ob und wie dieser Zwiespalt gelebt werden kann.

 

INSZENIERUNGEN VON Turbo Pascal, HGich.T, Thom Luz, nadaproductions, Konsortium & Konsorten, Rabtaldirndln

 

COACH Marcus Droß

PRODUKTIONSLEITUNG Marc Pohl

PRODUKTIONSASSISTENZ Imke Momann PRODUKIONSHOSPITANZ Alina-Pia Preuß

TECHNISCHE GESAMTLEITUNG Fabian Lehmann, Walter Freitag

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin 8. bis 18. Oktober 2009 Kampnagel Hamburg: 21. bis 28.10.2009 Gessnerallee Zürich: 19. bis 27.11.2009 brut Wien: 03.12. bis 12.12.2009 FFT Düsseldorf: 19.01. bis 24.01.2009

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin, FFT Düsseldorf, Kampnagel Hamburg, brut Wien, Theaterhaus Gessnerallee Zürich

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Ein Gemeinschaftsprojekt von Sophiensaele Berlin, FFT Düsseldorf, Kampnagel Hamburg, brut Wien und Theaterhaus Gessnerallee Zürich. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin, des Kulturamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, der Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur Österreich, der Kulturabteilung der Stadt Wien, der Stadt Zürich Kultur, des Migros Kulturprozent und der Fachstelle Kultur Kanton Zürich. Mit freundlicher Unterstützumg von Deutschlandradio Kultur.

Internetseiten www.freischwimmer-festival.comwww.sophiensaele.comwww.forum-freies-theater.dewww.kampnagel.dewww.brut-wien.atwww.gessnerallee.ch

Alle Gruppen des Festivals in Klausur auf dem Land. Foto © Barbara Braun

Die österreichischen Rabtaldirndln nennen ihre Inszenierung "AUFPLATZEN" Foto © Franz Sattler

The Bad Breast

The Bad Breast; or, The Strange Case of Theda Lange

English and German

 

Text und Regie: Bruce LaBruce

Bühnenbild: Marc Brandenburg

Musikkomposition und Sounddesign: Planningtorock

Kostümbild: Marc Brandenburg und Hugo Schneider

Videodesign: Marc Brandenburg, Alejandro Durán, Bruce LaBruce und Planningtorock

Musikvideo "Inside me outside you" von Planningtorock

Lichtdesign: Hans Leser

mit: Vaginal Davis, Alejandro Durán, Michael Giardina, Katharina Klewinghaus, Nando Messias, Robin Poitras, Susanne Sachsse, Lisa Schmidt und Laurie Young

 

The Bad Breast entstand aus meinem lang gehegten Wunsch heraus, ein „weibliches Melodram“ zu kreieren, das Genre, in dem all meine schwulen Lieblingsregisseure – von George Cukor bis zu George Kuchar – gearbeitet haben. Während meines Studiums habe ich das Seminar "Psychoanalyse und Feminismus" besucht; daher sind mir die Arbeiten von Postfreudianerinnen wie Anna Freud und Melanie Klein seit langem vertraut. (Bezeichnenderweise – und geradezu „freudianisch“, würde ich sagen – waren die beiden wichtigsten Analytiker, die sich einer relativ orthodoxen Tradition der Psychoanalyse Freuds verschrieben, weiblich.) Kleins Theorie der "Objektbeziehung" hat mich immer schon fasziniert. Ich finde die feministische Interpretation des eher phallozentrischen Symbolismus Freuds ausgesprochen spannend. Klein sieht die Brust, im Gegensatz zum Penis, als das primäre kindliche Objekt, dessen Präsenz oder Abwesenheit die psychosexuelle Entwicklung des Kindes prägt. (Ich will gar nicht erst erwähnen, dass ich als Baby die Flasche bekommen habe und was dies für meine eigene frühkindliche Entwicklung bedeutete, wenngleich ich sicher bin, dass der nachhaltige Einfluss dieses Faktums auf The Bad Breast deutlich erkennbar sein wird!). Als Student der Filmwissenschaft beeinflusste mich Ingmar Bergmans Persona sehr, eine deutlich freudianisch geprägte Interpretation der Beziehung zwischen zwei starken, theatralischen Frauen. The Bad Breast ist eine intellektuell-berauschte Mischung aus psychoanalytischer Theorie, Feminismus, klassischer europäischer Filmkunst und dem Melodram „made in Hollywood“!

 

Susanne Sachsse wirkte bereits in zwei meiner Filme mit, The Raspberry Reich und Otto; or, Up with Dead People, und in zwei meiner Theaterprojekte: CHEAP BLACKY – produziert am HAU in Berlin – und Macho Family Romance – am Theater Neumarkt in Zürich. Es lag auf der Hand, dass sie auch für die Rolle der hysterisch-nymphomanischen Patientin in The Bad Breast gewinnen konnte. Katharina Klewinghaus, die mutige Schauspielerin der Medea Yarn in Otto; or, Up with Dead People, spielt die Psychoanalytikerin. Bühnenbild und Kostüme stammen von Marc Brandenburg, die Musik komponiert Planningtorock, und mit Miss Vaginal Davis, Nando Messias, Robin Poitras und Laurie Young bringt The Bad Breast eine Reihe bemerkenswerter kreativer Talente auf die Bühne – mit einem klaren Ziel: Wir möchten Sie mitreißen und - hoffentlich - inspirieren.

 

Bruce LaBruce

Toronto, 2009

 

Antragsteller/in Susanne Sachsse, Bruce LaBruce

Veranstaltungstermin 10. bis 13. Dezember 2009

Veranstaltungsort HAU 2

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer brut, Wien

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

© Marc Brandenburg

WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE - HANNIBAL

In Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst erarbeitet das Gefängnistheater aufBruch KUNST GEFÄNGNIS STADT derzeit außerhalb der Mauern Tegels eine Freilufttheaterinszenierung mit einem knapp 50-köpfigen gemischten Ensemble aus Freigängern, Ex-Inhaftierten, freien Bürgern, Schauspielern, Musikern und Sängern.

 

„Wolokolamsker Chaussee“ heißt die Verbindungsstraße, an der der deutsche Vormarsch auf Moskau im Zweiten Weltkrieg zum Stehen kam. Ihr Name diente Heiner Müller als Titel und Material für sein fünfteiliges Drama über das Absterben revolutionärer Energien – beginnend in den Wäldern vor Moskau über die Unruhen 1953 in der DDR und endend mit dem Prager Frühling 1968.

 

In der Inszenierung am Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst - erbaut als Pionierschule der Wehrmacht, zu DDR-Zeiten Sitz der sowjetischen Militäradministration, landläufig bekannt als „Berliner Kreml“, flankiert vom KGB und weiträumig abgesperrt, heute Stätte der Erinnerung - erlangt der dramatische Text Heiner Müllers historische Authentizität. Hier wurde mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands der Zweite Weltkrieg beendet, hierhin flüchtete sich 1953 die SED-Parteiführung und von hier wurden die sowjetischen Panzer gegen die Arbeiter entsandt.

 

Die aktuelle Theaterarbeit ist der Zweite Teil eines Doppeltheaterprojektes anlässlich des 80. Geburtstages Heiner Müllers, dessen Erster Teil bereits im Juni sehr erfolgreich mit dem Gefangenenensemble auf dem Freistundenhof der Justizvollzugsanstalt Tegel aufgeführt wurde.

 

Auf dem Freigelände des geschichtsträchtigen Gebäudes an der Rheinsteinstraße in Karlshorst erschließt aufBruch mit WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE - HANNIBAL seinem Publikum einen historischen Ort, der 20 Jahre nach dem Mauerfall in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mehr präsent ist. In der Kombination mit der Inszenierung im Gefängnis vollendet aufBruch hier die Verbindung des Mythos vom Untergang Karthagos mit dem Scheitern der sozialistischen Utopie im 20. Jahrhundert.

 

Antragsteller/in aufBruch GbR

Veranstaltungstermin 3., 4., 5., 6., 9., 10., 11., 12. und 13.September 2009 jeweils um 19.30 Uhr Vor allen Aufführungen besteht bis 19.30 Uhr Gelegenheit zum kostenfreien Museumsbesuch.

Veranstaltungsort Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Internetseiten www.gefaengnistheater.de

Foto: Thomas Aurin

Foto: Thomas Aurin

Foto: Thomas Aurin