"... und sind wir selber Götter"

Stellen Sie sich vor, Sie wollen sterben, doch man lässt Sie einfach nicht! Einer hat beschlossen, aus der Welt zu gehen. Weil er die Zurückweisung seiner Liebe und die ihn umgebende Kleinst-Ordnung nicht mehr erträgt. Schlimm genug. Die eigentliche Tragödie aber ist, dass man ihn rettet. Nicht mal Sterben ist erlaubt, Selbstmord ist ein Verbrechen. Zur Strafe landet er geradewegs in einem verzerrten Abbild jener eisig erstarrten Gesellschaft, die er flüchten wollte: einer Anstalt.

 

In dieser keimfreien Stille bleibt ihm wenig. Die Illusion einer besseren Zukunft, die Erinnerung an die Vergangenheit und: Klang. Klang, der diese irre Totenstille durchkreuzt und eine eigene Welt kreiert. Mit Pauken und Trompeten, mit zartem Gesang und wildem Geschrei, mit lauten Perkussionen und allerlei denkbaren Geräuschen und Plastikbechern bis Papierfetzen, kämpft der Winterreisende an gegen diese schneebedeckte, ruhig gestellte Ruhe, die ihm mehrmals täglich durch Pillengabe aufgezwungen wird. Anarchisch, ehrlich und zutiefst verletzlich lassen die Schauspieler des Ensembles Gisela Höhne dabei erahnen, wie es ihnen täglich selbst gelingt und nicht gelingt, einen Umgang mir ihrem eigenen Anderssein, mit der Unerfüllbarkeit ihrer Wünsche nach einem „ganz normalen“ Leben – und einem ganz normalen Lieben – zu finden.

 

Antragsteller/in Sonnenuhr e.V. , Theater RambaZamba

Veranstaltungstermin 24.; 25.9.; 26. September, 3.; 4. und 5. Dezember 2009

Veranstaltungsort Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen VIA Werkstätten gGmbH

Internetseiten www.theater-rambazamba.org

Ayla, Alis Tochter

Familiendrama vor dem Hintergrund von Themen wie Migration, Integration und Parallelgesellschaft.

 

Als sich Ayla in ihren deutschen Mitschüler Jasper verliebt und die Eltern Verdacht schöpfen, bestellen sie ihren Bruder Murat als Aufpasser. Doch der verliebt sich in Aylas beste Freundin Sarah. Die doppelte Liebesgeschichte setzt den Impuls für eine Reihe von Ereignissen, die alles aus den Fugen bringen. Als treibende Kraft wirkt Murats Cousin Hassan, der durch Tratsch und böse Kommentare die Atmosphäre aufheizt. In der Familie Kaya folgen unter dem Druck äußerer Umstände alle Mitglieder einer von der Gesellschaft diktierten Logik. Dürfen Türken Deutsche lieben? Gibt es eine Lösung ohne Gewalt?

 

Mit feinem psychologischen Gespür zeichnen Regisseurin Nicole Oder und Dramaturgin Hülya Karci nach der Vorlage von Thomas Sutter die handelnden Figuren in ihrer inneren Zerrissenheit. Das junge deutsch-türkisch-arabische Ensemble geht mit beeindruckender Energie zu Werk und sorgt für hohe Authentizität.

 

Die Live-Musik unter Leitung von Sinem Altan sorgt für emotionale Höhepunkte und verbindet Elemente aus türkischer Volksmusik und türkischem Kunstlied mit moderner Popmusik und Balladen, hinreißend dargeboten von Sängerin Begüm Tüzemen.

Antragsteller/in ATZE Musiktheater

Veranstaltungstermin Premiere am 09.01.2010

Veranstaltungsort ATZE Musiktheater

Förderbetrag 120.000 €

Kooperationen Die Inszenierung wird präsentiert von rbb Fernsehen, radioBERLIN 88,8 (rbb), die tageszeitung und zitty. Die Produktion wurde zusätzlich gefördert von der Kulturstiftung Matrong. Die choreographischen Szenen wurden in einer Kooperation mit der Ernst-Schering-Schule (Kurs Darstellendes Spiel) realisiert.

Internetseiten www.atzeberlin.de

Foto: Jörg Metzner

Foto: Jörg Metzner

Foto: Jörg Metzner

La Fabbrica - aus der Arbeitswelt

Von Sebastian Baumgarten und Chris Kondek.

Musik von György Ligeti

Mit dem Balthasar-Neumann-Chor, Ltg. Max Renne

 

Der Kommunist und Komponist Luigi Nono schrieb 1967 in seinem Aufsatz „Der Musiker in der Fabrik“: „Für mich ist in erster Linie der Anlass zum Musikmachen wichtig, die Inspiration oder der ideelle Beweggrund, der gesellschaftliche Auftrag, wie Majakowski sagte. Auch ich erblicke die objektive historische Macht unserer Zeit in dem großen Bewegungsimpuls, in der Kraft des Aufbruchs und der Umwandlung zum Kommunismus, des entscheidenden Angelpunktes in unserer Epoche. Das ist mir in meiner Arbeit immer deutlicher bewusst geworden.“ Die künstlerische Arbeit also als revolutionärer Akt, als Teil des Klassenkampfes. Vor allem die Komposition „La Fabbrica illuminata“ steht für Nonos politisch engagierte Arbeiten, die einen Teil der Lebens- und Arbeitsrealität der italienischen Fabrikarbeiter in die Musik integrieren wollten – um im Gegenzug die Arbeiter als Rezipienten für die Zusammenhänge und Mechanismen, in denen ihre Arbeit steht, zu sensibilisieren.

 

Wie steht es etwa 40 Jahre danach um die Zusammenhänge von Arbeit und Kunst? Und um die Protagonisten des von Nono beschworenen Aufbruchs? Der Regisseur Sebastian Baumgarten und der Videokünstler Chris Kondek begeben sich in „La Fabbrica“ auf die Suche nach dem Kollektiv als Träger gesellschaftlicher Utopien und den Individuen, aus denen sich dieses Kollektiv rekrutieren soll. Dabei wird dokumentarisches Material, das in den VW-Werken in Dresden und Wolfsburg entstanden ist, mit artifiziellem Chorgesang konfrontiert. In György Ligetis ebenfalls in den späten 1960er Jahren entstandenen irisierender Komposition „Lux aeterna“ wird dabei gewissermaßen der äußerste Gegenpol zu Nonos engagierter Musik erreicht: 16 Einzelstimmen, die in Klangschichtungen einen schwere- und bewegungslosen Zustand der Dauer erzeugen.

 

Was ist aus Marx’ Gespenst des Kommunismus geworden? Welche Rolle hat das Kollektiv noch nach den wirtschaftlichen Krisen, die wir gerade erleben? Was sind heutzutage überhaupt „Arbeiter“? Und gibt es noch einen gesellschaftlichen Auftrag? Szenischer und musikalischer Träger dieser theatralischen Recherche ist der Balthasar-Neumann-Chor, ein Vokalensemble aus hochspezialisierten Gesangssolisten, deren musikalische Qualität sich mit einer außergewöhnlichen szenischen Präsenz verbindet.

Antragsteller/in Sebastian Baumgarten

Veranstaltungstermin 21., 23. bis 26. September 2010

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer

Förderbetrag 140.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Pressestimmen

LOUIS & BEBE

J oanna Dudley / Schneider TM

Louis & Bebe

1 couple 3 lives 3 deaths 6 songs

Louis & Bebe vereint zwei eigenwillige Künstlerpersönlichkeiten:

Joanna Dudley, gefeierte Musikperformerin, indonesische Pop-Queen und klassisch ausgebildete Musikerin, und Dirk Dresselhaus aka Schneider TM,

weltbekannt in der Elektro-Pop- und Improvised-Noise-Szene. Zusammen sind sie Louis & Bebe. Zum gemeinsam komponierten Soundtrack aus Pop

und Noise leben und sterben sie, wechseln ihre Identität, versuchen sich als Bruder und Schwester, feiern als bürgerlich-surreales Paar und schreien zuletzt gegen den Tod an. Louis & Bebe verkörpern Gegensätze, die nicht ohne einander existieren können.

 

Entwickelt von Rufus Didwiszus, Dirk Dresselhaus, Joanna Dudley

Mit Joanna Dudley und Dirk Dresselhaus aka Schneider TM

Kostüme Pieter Bax

 

Eine Produktion von Adolphe Binder (BINDER + PARTNER BERLIN) und Sophiensaele.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Initiative Neue Musik

Mediale Unterstützung: Australische Botschaft Berlin, Schwedische Botschaft Berlin.

Sophiensaele

Antragsteller/in Adolphe Binder / BPB

Veranstaltungstermin 10. Dezember 2009 Uraufführung Weitere Termine: 11., 12. und 13. Dezember .2009

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Sophiensaele Berlin, mit PR- Unterstützung der Australischen Botschaft und der Schwedischen Botschaft

Internetseiten www.bp-berlin.comwww.joannadudley.comwww.sophiensaele.com

Joanna Dudley und Schneider TM in LUOIS&BEBE, Foto: Rufus Didwiszus; Produziert von BPB

Foto: Rufus Didwiszus

The Himmelfahrt Radio Show

THE HIMMELFAHRT RADIO SHOW ist die neue Musiktheaterproduktion von Thomas Fiedler und Jan Dvorak („Hamburg Requiem“ / „Orchester-Karaoke“).

Als KOMMANDO HIMMELFAHRT arbeiten sie weiter an den Utopien der russischen Bio-Kosmisten, lassen die Welt untergehen und träumen von Auferstehung und Gemeinsamer Tat.

THE HIMMELFAHRT RADIO SHOW wird live im Radio übertragen und ist eine fulminant durchkomponierte Achterbahnfahrt in allen musikalischen Zeitebenen vom Rocksong bis zur Chorfuge, mit Band, Massen von Blechbläsern, dem Chor der Charité-Berlin TONIKUM, Sängern und Schauspielern.

 

Mit Maria Schrader, Fabian Gerhardt, TONIKUM Kammerchor der Charité, Zentralkapelle, TenTaTo und vielen mehr.

 

Antragsteller/in Kommando Himmelfahrt (Thomas Fiedler / Jan Dvorak)

Veranstaltungstermin 11., 12., und 13. Dezember 2009

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer (HAU 1)

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Kommando Himmelfahrt (Fiedler/Dvorak), HAU, FSK-Hamburg, TONIKUM, ZENTRALBLECH, u.A.

Internetseiten www.thomasfiedler....ordpress.comwww.jan-dvorak.de

Visiones Ficciones

Atemberaubende Virtuosität, Experimentierfreude und Spielwitz – das zeichnet die Neuen Vocalsolisten Stuttgart nach 10 Jahren kammermusikalischer Arbeit aus. Fasziniert von diesem Angebot schreiben immer mehr KomponistInnen dem Ensemble Werke auf den Leib – und haben dabei mit dem „Vokalen Kammer-Musik-Theater“ gleich ein neues Genre etabliert.

Im szenischen Projekt Visiones Ficciones beziehen sich die drei Berliner Künstler Elena Mendoza, José María Sánchez-Verdú und Michael Hirsch alle auf Stoffe der spanischen Literatur. Sie handeln von Visionen und Fiktionen, von Irritationen zwischen Realität und Einbildung, vom Entgleiten des „Wirklichen“, von der Auflösung oder Maskierung der Identität. So evoziert Elena Mendoza Fantasiebilder des Autors Felipe Benítes Reyes, so schafft Sánchez-Verdú einen sinnlichen wie magischen Raum durch sein „Auraphon“, das er zusammen mit dem Experimentalstudio des SWR entwickelt hat. Und Michael Hirsch lässt seine Figuren aus dem klaustrophobischen Beziehungsgeflecht nicht entrinnen.

Der Regisseur Matthias Rebstock hat zusammen mit Steffi Weismann (Video) und Sabine Hilscher (Kostüme) einen abwechslungsreichen wie packenden Musiktheaterabend aus den drei Werken geschaffen – zur Begeisterung von Publikum und Presse bei der Uraufführung im Februar im Rahmen des Festivals ECLAT. Nun ist die Produktion am 3., 4. und 5. Dezember im Berliner Konzerthaus zu sehen.

 

Antragsteller/in Musik der Jahrhunderte Stuttgart e.V.

Veranstaltungstermin 3., 4. und 5. Dezember 2009, jeweils 20 Uhr (Premiere am 7.und 8.2.2009 in Stuttgart)

Veranstaltungsort Konzerthaus Berlin

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Musik der Jahrhunderte Stuttgart Konzerthaus Berlin musicahdoy Madrid

Internetseiten www.neue-vocalsolisten.dewww.konzerthaus.de

Neue Vocalsolisten in Elena Mendoza: Fe de Erratas. Foto Astrid Karger

Neue Vocalsolisten in José María Sánchez-Verdú: Engel Studien. Foto Astrid Karger

Neue Vocalsolisten in Michael Hirsch: Tragicomedia. Foto Astrid Karger

„...22,13...“

2004 komponierte Mark Andre für die Münchner Musikbiennale die Oper „...22, 13...“. Der seit einigen Jahren in Berlin lebende Franzose reflektiert in seiner „Musiktheaterpassion“ menschliche Verhaltensweisen angesichts moderner Technologien, deren Konsequenzen in der Wirklichkeit nicht abzusehen sind. Er kann dies theatralisch wirksam umsetzen, indem er allgemein verstehbare musikalische Bilder dafür findet, die er aus der Beobachtung verschiedener, für jeden nachvollziehbare Vorgänge entwickelt. So führte etwa das Motiv des psychischen Drucks, dem der Schachgroßmeister Kasparow 1997 nachgab, als er nach mehreren siegreichen Partien gegen den IBM-Computer „deep blue“ aufgab, zur Entwicklung einer sehr spezifischen musikalischen Figur. Das gewöhnliche Muster der Folge Nachdenken - Setzen - Nachdenken - Setzen usw. war in dieser Schachpartie unterbrochen. Der Mensch musste in dieser Partie nachdenken und setzte dann, worauf der Computer sofort seinen Zug machte, ein geradezu gottgleiches Handeln. Mit weiteren Aspekten, die die uralten göttergleichen Schläge gegen den Menschen - so den in jedem Fall unvorhersehbaren Zeitpunkt des Todes - neu beleuchten, kommt aber auch die Reflexion über den Umgang des Menschen mit daraus entstehendem Leid ins Spiel. Mark Andre entwickelt daraus und in Paraphrase auf Ingmar Bergmanns Film „Das Siebente Siegel“ ein geradezu apokalyptisches Theater, das sich gegen Ende angesichts des Zwiespalts von Tätern und Opfern unter den Menschen zu einem eindrücklich klagenden Gestus entwickelt. Die weithin leise, gelegentlich wild eruptive Musik, die aus allen vier das Publikum umschließenden Richtungen ertönt, ist sieben Sängerinnen, 20 Instrumentalisten und einer Live - Elektronik anvertraut, die die entstehenden Klänge behutsam, aber aufregend im Raum changieren lässt.

 

 

Antragsteller/in work in progress – Berlin Ensemble für Gegenwartsmusik e.V.

Veranstaltungstermin Premiere: 15. Januar 2010, 20 Uhr weitere Vorstellungen: 16. und 17. Januar 2010, 20 Uhr

Veranstaltungsort RADIALSYSTEM V – Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin

Förderbetrag 85.000 €

Kooperationen weitere Förderungen: Ernst-von-Siemens-Musikstiftung GVL C. Bechstein Deutscher Musikrat Kooperationspartner: RADIALSYSTEM V Experimentalstudio des SWR Deutschlandradio Kultur Medienpartner: Kulturradio des rbb Neues Deutschland

Internetseiten www.workinprogress-berlin.dewww.radialsystem.de

Einladung