"Du Sollst" von Navid Kermani

Publikumsgespräch mit dem Autor am 15. April

Ort

Festsaal

Kartenpreis

13 Euro / erm. 8 Euro

Kartenreservierung

„Er liest ihre Gedanken – schließlich liebt er sie und fürchtet also das Schlimmste.“

 

In Du Sollst adaptieren Stefan Otteni und seine Schauspieler den gleichnamigen Text des deutsch-persischen Autors und Islamwissenschaftlers Navid Kermani für die Bühne: Zehn Geschichten, den zehn Geboten des Alten Testaments zugeordnet, erzählen von den intimsten Momenten zwischen Mann und Frau: Euphorie, Alltag, Ekstasen, Abstürze so genau beschrieben, bis es wehtut, bis der Humor kommt. (Kermanis Garten der Lüste ist ein Ort, wo sich Verlangen und Enttäuschung, Zärtlichkeit und Gewalt kreuzen) Paradies und Hölle sind in der körperlichen Liebe keine voneinander getrennten Orte mehr. Sobald man versucht in der Sexualität das Göttliche zurück zu gewinnen, kommen die Fragen: Wer lügt mehr, der sprechende Mensch oder sein schweigender Körper? Und: Was, wenn Gott der eifersüchtigste aller Liebhaber ist?

An diesem Abend ist das Paradies immer auf der Bühne – aber keiner weiß vorher, ob man es wieder ungestraft betreten darf.

Regie: Stefan Otteni

Bühne: Peter Scior

Kostüme: Sonja Albartus

Licht: Peter Meier

Dramaturgie: Ina Schott, Sonja Bachmann

Produktionsleitung: Karin Müller

 

Mit: Frank Büttner, Carmen Dalfogo, Christian Kerepeszki, Oktay Khan, Katharina Linder.

 

Eine Produktion von Stefan Otteni und Sophiensaele.

Realisiert aus den Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

 

 

 

DER TEXT:

Navid Kermani gelingt mit Du Sollst, einem Zyklus von Kurz-geschichten gegliedert nach den Zehn Geboten des Alten Testaments, eine Standortbestimmung der körperlichen und göttlichen Liebe für unsere Gegenwart.

Kurze, prägnante Szenen zwischen Paaren, in inneren Monologen oder Dialogen schildern kurze Ekstasen und langen erotischen Alltag. Mit einem deutlich anderen Blick auf das Thema Liebe und ausgestattet mit einer Sprache, die gleich-zeitig genau und sinnlich ist wie filmische Nahaufnahmen, beschreibt Kermani ohne Schonung und mit einem Humor, der aus Verzweiflung entspringt, die Euphorie und den Absturz von körperlicher Nähe zwischen Liebenden.

Gibt es Regeln für die körperliche Liebe? Und: Können diese Regeln den Körpern das Göttliche wiedergeben, nach dem sie sich so sehnen?

Im zweiten Teil des Textes dann eine weitere, die entscheidende Ebene, in die das Buch mündet: Ein älterer christlicher und ein junger muslimischer Wissenschaftler erzählen sich aus ihrem Liebesleben – die Episoden vorher waren vielleicht Splitter ihrer Biographie und sind gleichzeitig Schlüssel zu ihrem so verschiedenen Umgang mit Glauben. Die zunehmende Nähe der beiden, die Diskussion über Gottesbilder und Liebesbilder mündet in einen blutigen Kampf zwischen Muslim und Christ...

 

DAS THEATERSTÜCK DU SOLLST:

Der Regisseur Stefan Otteni, ein langjähriger Kenner von Kermanis Texten, wird diese erste Dramatisierung für die Sophiensaele und das Schauspiel Köln inszenieren. Bekannt geworden durch konzentrierte, formstrenge Inszenierungen, die Darstellungsweisen des psychologischen Sprechtheaters mit neuen Formen aus Tanz und Zeitgenössischer Musik verbinden, wird er mit einer Gruppe mehrsprachiger Schauspieler das Grundthema des Textes auf der Bühne weiterentwickeln : Sexualität, und wie sie ihre Göttlichkeit in den verschiedenen Kulturen zurückgewinnen kann.

Sprache und Körper sind das Thema der Produktion. Wer lügt mehr, der sprechende Mensch oder sein schweigender Körper? Diese in den letzten Jahren vor allem vom Tanz, z.B. von Künstlern wie Sascha Waltz bearbeiteten Frage, ist im Sprechtheater bisher noch kaum erkundet worden.Wo Körper und Sprache im Theater bisher immer nur auf ihr gegenseitiges Scheitern hingewiesen haben, bietet uns Kermanis außergewöhlich sprachkräftiger Zyklus jetzt die einmalige Chance einen „Körper-Text“ zu finden, eine neue Begegnung zwischen den Geschlechtern

 

DIE FORM DES ABENDS:

Auf einer Bühne, die nur angedeutete Orte kennt - mehrere Betten, eine Küche, eine verbotene Tür - werden sechs Schauspieler in wechselnden Paaren mit den skizzierten improvisierten Szenen Kermanis die Landschaft der Zehn Gebote neu vermessen: Konzentrierte Textblöcke gehen über in durch Licht und Musik fast filmisch fokussierte stille Momente von unschuldiger Begegnung der Körper.

Durch diese Reduzierung auf das ästhetisch und theatralische Notwendige, wird der Zuschauer, als Miterzeuger des Abends, eingeladen sein, seine eigenen Betten und Verbotenen Türen mitzuphantasieren.

In bewusster Umgehung der ausgetrampelten Pfade von theatralen Erotik-Klischees, wird das Ensemble mit einer direkten, heutigen Spielweise zu einem Abend gelangen, dessen Merkmal die sinnliche, konzentrierte Atmosphäre von Sehnsucht und Leichtigkeit sein wird.

 

DER AUTOR:

Der 1967 in Siegen geborene Sohn persischer Eltern Navid Kermani hat mit seinem Stil in Journalismus und Literatur neue Maßstäbe gesetzt. Seine literarischen Texte zeugen von einer virtuosen Dichte, seine Reportagen und Bücher über islamische Regionen stehen für Kenntnisreichtum und Objektivität, seine zu Standartwerken gewordenen wissenschaftlichen Untersuchungen, zu religiösen Themen machen ihn zu einem der wichtigsten Vermittler zwischen den Kulturen des Orients und des Okzidents.

Kermani schreibt regelmäßig für Die Zeit, SZ, Lettre u.a., verbrachte die Jahre 2000-2003 als Long Term Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin und lebt jetzt als freier Autor in Köln.

 

Antragsteller/in Stefan Otteni

Veranstaltungstermin 5., 6., 7., 11. 12., 13., 14., 15. April 2007, 20 h

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 55.000 €

Kooperationen Gastspiel am 6.Juni 2007 im Theater im Pumpenhaus Münster und am Schauspiel Köln am 7. und 8. Juni 2007

7. Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) 2007

Es soll vom 28. März – 01. April 2007 stattfinden und im Rahmen von szenischen Lesungen und Gastspielen neue Theaterstücke, Autoren und Regisseure aus aller Welt vorstellen. Dieses Mal sind acht Lesungen von Stücken aus dem In- und Ausland geplant sowie zwei Gastspiele. Darüber hinaus sollen zwei theoretische Diskussionsveranstaltungen den politischen und gesellschaftlichen Kontext aufzeigen, in dessen Spannungsfeld sich die präsentierten Arbeiten bewegen. Seit Entstehung des F.I.N.D. ist der Grundgedanke des Festivals die Konfrontation unserer eigenenmitteleuropäischen Betrachtungsweise der Welt mit Wahrnehmungen, die aus gänzlich anderer Perspektive und anderen Kontexten heraus entstehen. Das siebte Festival soll sich vor allem mit einem Theater beschäftigen, das in einem politisch und gesellschaftlich hochkomplexen Umfeld steht – der Fokus liegt 2007 auf der israelischen Dramatik. Wir möchten die in Israel florierende Szene neuer Dramatik einer deutschen Öffentlichkeit zugänglich machen. Gemeinsam mit jungen israelischen Autoren möchten wir Lebensge-fühle und Lebenswelten beleuchten, die im Spannungsverhältnis zwischen Säkularisierung und Orthodoxie liegen, zwischen Terror und Kolonialisierung. Im Mittelpunkt stehen vier neue israelische Stücke. Die Generation der 20- bis 30-jährigen Israelis, vertreten durch Autoren wie Ido Bernstein oder Ravid Davara, zeigt in ihren Stücken die Suche nacheiner selbstbewussten Identität in der vertrackten Realität eines Landes voller Gegensätze. Darüber hinaus sollen drei Stücke von in- und ausländischen Autoren vorgestellt wer-den, die sich ebenso mit Fragen nach Identität und der Konfrontation mit fremden Identitäten beschäftigen, so z.B. das Stück „Trade“ der englischen Autorin Debbie Tucker Green. Außerdem wird der Gewinner des 4. Stückewettbewerbs an der Schaubühne traditionsgemäß erstmals dem Publikum vorgestellt. Neben szenischen Lesungen sollen zwei Gastspiele aus dem Ausland dem Berliner Publikum erstmals präsentiert werden: Das Stück „Plonter/Verworren“ (Cameri-Theater, Tel Aviv) hat die 30-jährige israelische Autorin und Regisseurin Yael Ronen in enger Zusammenarbeit mit jüdischen und arabischen Israelis entwickelt. Sie machen das Denken einer Perspektive in dem verworrenen palästinensisch-israelischen Konflikt zwischen Anschlägen und Besatzung vorstellbar. Als zweites Gastspiel soll „arbusht“ des spanischen Autors Paco Zarzoso (Regie: Àlex Rigola, Teatre Lliure, Barcelona) gezeigt werden, das satireartig den Aufstieg George W. Bushs jr. nachzeichnet, bei dem sich Banalität und Macht zu einer weltpolitisch fatalen Liaison zusammenfinden. Die Schaubühne versucht, nicht nur durch Inszenierungen und Lesungen am öffentlichen politischen und gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen, sondern auch durch Diskussionsveranstaltungen. Im Rahmen von F.I.N.D. 7 werden deshalb neben Publikumsgesprächen ein „Streitraum“ und ein „NahostSymposion“ stattfinden. Einen Tag lang werden vier Gesprächsrunden u.a. die Problematik von Besatzung und Dekolonialisierung mit ihren kulturellen Implikationen zwischen Israel und Palästina erörtern und der Frage von Demokratie, Religion und Krieg in der Levante nachgehen. Die Präsentation von Theaterstücken und Theaterformen aus dem In- und Ausland ist der Versuch, sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit verschiedenen globalen Lebenswirklichkeiten durch eine intensive Zusammenarbeit mit Künstlern aus aller Welt zu stellen. Die Festivals Internationaler Neuer Dramatik bilden hierfür ein einzigartiges Forum, was die große internationale Aufmerksamkeitund der außergewöhnliche Zuschauerzuspruch in den vergangenen Jahren beweisen. Viele der Stücke, die erstmals im Rahmen des F.I.N.D. an der Schaubühne vorgestellt wurden, sind nicht nur Teil unseres Spielplans geworden, sondern haben auch die Spielpläne anderer Theater in Deutschland und Europa geprägt.

Antragsteller/in Schaubühne am Lehniner Platz

Veranstaltungstermin 28. März bis 1. April 2007

Veranstaltungsort Schaubühne am Lehniner Platz

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Bundeszentrale für politische Bildung

Internetseiten www.schaubuehne.de

Alice in den Fluchten

Alice ist auf der Flucht – vor ihrer Zeit, ihrer Geschichte und den Tyrannen. Fliehen, Fern- und Fremdsein – wie Alice erleben 33 Millionen Menschen weltweit die beklemmende Situationen, in der alle existentiellen Fragen des Menschen nach einer Antwort verlangen. Mit ihrer zehnten Produktion wenden sich die Regisseurin Gisela Höhne und ihr RambaZamba-Ensemble den Unwägbarkeiten zu: Flucht und Ausgrenzung, Täuschung und Sprachlosigkeit, Egoismus und Wut – Fragen nach der eigenen Zeit, dem eigenen Weg und der eigenen Identität: Wo ist das Ziel? Was ist das Ziel? Wie komme ich hin? Wir laden Sie herzlich ein, sich mit uns diese(n) Fragen zu stellen:

 

Gisela Höhne beschäftigt sich provokativ und auf poetisch-experimentelle Weise mit den Folgen der Globalisierung: dem Verlust von Heimat, von Werten und Wirklichkeiten, der Desorientierung, Neuorientierung und der Ableitung ungewöhn¬licher Antworten. „Alice im Spiegelland“ von Lewis Carroll liefert die Folie, auf der Juliana Götze als ratlose und zunehmend reifende Alice ihre Flucht erlebt und in der ihr eigenen, bekannten eindringlichen Weise tanzt. Ein Theater ganz eigener Art, in der die Hauptdarstellerin das Down Syndrom hat. Sie flüchtet vor Extremisten, vor Illusionen, vor Verrat und Gier. Vorbei an Zwillingsterroristen, gealterten Helden und blutrünstigen Königinnen, begleitet von getigerten Freundinnen und heulend bekifften Künstlern mit Pelzkragen, als Traumgestalt und blinder Passagier – und immer mitten durch die ungefugte Zeit.

Antragsteller/in Theater RambaZamba / Sonnenuhr e.V.

Veranstaltungstermin Uraufführung Mittwoch 17. Oktober, 20 Uhr im Kesselhaus der Kulturbrauerei, weitere Aufführungen im Kesselhaus Donnerstag und Freitag, den 18. und 19. Oktober 2007, 20 Uhr und vom 16. bis 19. November 2007 im Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei.

Veranstaltungsort Uraufführung Mittwoch 17. Oktober, 20 Uhr im Kesselhaus der Kulturbrauerei, weitere Aufführungen Donnerstag und Freitag, den 18. und 19. Oktober 2007, 20 Uhr im Kesselhaus und vom 16. bis 19. November 2007 im Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei.

Förderbetrag 80 000 €

Internetseiten www.aliceindenfluchten.de

BEI MIR

eine GUTESTUN-Produktion im Ballhaus Ost

 

fünfter stock ein picknick

auf dem klo kriegt eine ihr kind und tut es in den mülleimer das

wird fast keiner merken eine schon längst ausgestorbene schildkröte

geht nicht unbedingt verloren wer man ist kann man sich nicht immer

aussuchen und manchmal kann man auch später wiederkommen als

ein anderes und das vorherige wegwischen

 

Antragsteller/in Anne Tismer/Kollektiv GUTESTUN

Veranstaltungstermin 25. Mai/20:00, 26., 27., 28. und 29. Mai, 03., 04., 05., 06., 07., 20., 21. und 22. Juni/jeweils 20:00

Veranstaltungsort Ballhaus Ost, Pappelallee 15, 10437 Berlin

Förderbetrag 38.000 €

Internetseiten www.ballhausost.dewww.gutestun.com

Kollektiv GUTESTUN/Bianca Schönig

Kollektiv GUTESTUN/Bianca Schönig

Kollektiv GUTESTUN/Bianca Schönig

Candide - nach Voltaire

Die Zusammenarbeit zwischen Theatriono Clandestino und Sophiensæle begann 2005 im Rahmen des Italienischen Theaterherbstes in Berlin. Theatrino Clandestino präsentierte die Produktion ‚Mardre e Assassina’ überaus erfolgreich an den Sophiensælen. Damals entstand der Wunsch nach einer weiterführenden Zusammenarbeit. Im Verlauf des Jahres 2007 möchten wir ein umfassendes Vorhaben entwickeln, als Vorschau auf eine Performance in Koproduktion mit unterschiedlichen italienischen und anderen internationalen Kooperationspartnern.

Am Anfang steht die formale Idee einer theatralischen und dramaturgischen Suchbewegung, die, wie schon bei vorherigen Arbeiten, über die Schritte der Suche, Annäherung, Reflexion und Vertiefung hinführt zu einer komplexen Performance.

Jeder dieser Schritte formt einen Moment der Publikumsbegegnung und des Feedbacks hinsichtlich der Relevanz einer jeden dramaturgischen und formalen Beobachtung und ihrer theatralischen Ausbildung.

Teatrino Clandestino möchte den Focus auf die Arbeit mit ungewöhnlichen, doch der Gruppe nicht ungewohnten Darstellern setzten: Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren (die Gruppe hat bereits mit Kindern unterschiedlicher Altersgruppen gearbeitet, sowohl in Workshops als auch auf der Bühne, wie etwa in „Sinfonia Majakovkjiana“ oder in „Il ginepro. Favola cimiteriale“)

Angeregt durch bestimmte thematische Improvisationen sollen Denkweisen, linguistische Signale, physische und räumliche Zusammenhänge erfasst, Sprache und Verhalten durch intensive Beobachtung und Aufnahme eingefangen werden. Mittels dieser erarbeiteten Materialien soll eine einzigartige Dramaturgie entwickelt werden, die allein der Logik kindlicher Imagination immanent ist.

Diese Dramaturgie wird einem Ensemble von erwachsenen Schauspielern beigebracht, die in einer Art Wettstreit Verhaltens- und Sprechweisen aus den kindlichen Improvisationen ableiten und übernehmen müssen.

Dies wird vermutlich zu einen äußerst komischen Effekt führen. Wenn kindliche Ausdrucksformen ihre Unreife komisch verstärken, macht die moralische Reinheit ihrer Denkweisen diese ironischerweise wieder wett.

Die Charaktere werden somit zwar mit kindlicher Reinheit von Krieg, Liebe, Ausbeutung, Politik, Leben und Tod sprechen und spielen, allerdings mit dem (be-)trügerischen Erscheinungsbild des Erwachsen-Tuns. Zu diesem Zwecke erscheinen uns Workshops mit Kindern ideal, um das enorme Potential der Improvisation auszuschöpfen. Jede Ebene der szenischen Präsenz des Schauspielers wird hier angesprochen, und nicht allein der linguistische Aspekt. Die Arbeit mit Kindern unterschiedlicher Nationalitäten, welche die jeweiligen Stereotype der entsprechenden Kulturen ungefiltert verkörpern, wäre zudem ungemein bereichernd für eine solche Suchbewegung. Hierfür könnten Pietro Babina und Fiorenza Menni für die Workshops assistierend Experten zur Seite gestellt werden, die nicht nur aus dem Bereich der (fremd-)sprachlichen Interpretation kommen, sondern vielmehr auch den Zusammenhang eines äußerst weit gefassten linguistischen Konzepts, welches alle Ebenen der Verhaltens- und Ausdruckformen umfasst, im Blick behalten. Interessant wäre es zudem auch, Kinder unterschiedlicher Kulturkreise in Improvisations-Kontexte zu bringen um zu beobachten, wie sie die Probleme der Kommunikation und Interaktion vermeiden bzw. lösen (welche Lösungsvorschläge bieten sie von sich aus an?)

Als Grundlage für diese Improvisationen werden wir einen fundamentalen Text der westlichen Kultur benutzen. Es wird ein Text sein, der inhaltlich die Kontinuität unserer bisherigen Performances stützt: Voltaire’s „Candide“. Über seinen Protagonisten führt dieser Text einen politischen und moralischen Exkurs, dessen Topos wiederzuentdecken uns gleichermaßen interessiert, wie der satirische Aspekt seiner Form als Kurzroman. Geplant ist das Projekt also in drei vorbereitenden Stufen, welche in einem vierten Teil aufgehen. Dieser soll dann der letzte formalisierende Abschnitt des Projekts sein.

 

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin Mai/Juni 2007

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Theatrino Clandestino (Bologna) Pietro Babina, Fiorenza Menni

Internetseiten www.sophiensaele.com

CUT & PASTE – 2. Festival des jungen europäischen Theaters

Die zweite Ausgabe von „cut & paste“ versammelt zehn Produktionen: Die Reise führt von der Schweiz und Österreich über Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Estland hin zu Irland und Polen. Als special guest ist Young Jean Lee aus New York mit ihrer Arbeit „Songs of the Dragons Flying to Heaven“ eingeladen. Die koreanische Amerikanerin hat sich mit dem alten Thema „Identität“ bissig-ironisch auseinandergesetzt und beide Ethnien – „Weiße oder Asiaten“ – kritisch unter die Lupe genommen. Wo beginnt Identität und wo hört sie auf? Mit welchen kommunikativen Prozessen versuchen wir ihr gesellschaftlich, kulturell und politisch beizukommen?

 

Die Gruppe „Berlin“ aus Antwerpen erstellt in ihrer Reihe „Holocene“ Städteporträts, die sich mit Phänomenen heutiger urbaner Entwicklungen beschäftigen. Im HAU zeigen sie den dritten Teil der Serie: „Bonanza“, ein Porträt einer Stadt mit fünf Häusern und sieben Einwohnern am Fuße der Rocky Mountains. Die Frage nach Identität spielt auch hier eine Rolle, wenn die sieben Einwohner versuchen, ihren Platz in dieser „geschrumpften“ ehemaligen Minenstadt von 6000 Einwohnern zu bestimmen. Dieser Prozess kulminiert im Scheitern der Wahlen für das Amt des Bürgermeisters in dieser „Noch-Stadt“. In der estnischen Produktion „Nafta!“, inszeniert von dem jungen Regisseur Tiit Ojasoo, geht es um die Frage nach der gegenwärtigen Energiepolitik und den zukünftigen Energieressourcen Estlands. Als bitter-komische Politrevue wird sichtbar, worüber sich Estland und seine Bewohner politisch, ökonomisch und kulturell definieren bzw. nicht definieren.

Marcin Liber und seine Gruppe „ustausta/2xu“ aus Polen haben das RAF-Stück der jungen Autorin Malgorzata Sikorska-Miszczuk „Der Tod des Eichhörnchenmenschen“ als rasanten Bühnen-Comic inszeniert. Das Irische Pan Pan Theatre unter der Leitung von Gavin Quinn verpflanzt in seinem Stück „Oedipus loves you“ den alten Ödipus-Stoff in eine abgetakelte Familie, die in ihrer Trägheit und ‚Kaputtheit’ an Familiensoaps erinnert. „Fight Club – realtekken“ ist eine Performance der Wiener Gruppe God’s Entertainment, in der das Publikum eingeladen wird, über Joysticks ein altbekanntes und höchst beliebtes Kampf-Computer-Spiel live zu spielen oder aber als anfeuernde Menge an dem Spiel teilzunehmen.

 

Ästhetisch wird „cut & paste“ den Fokus auch auf die installativen und „site specific“ Theaterformen richten. Die junge britische Gruppe Rotozaza um den Regisseur Ant Hampton hat ein Stück für zwei Personen entwickelt, in dem der Zuschauer zugleich Akteur ist. A und B setzen sich mit Kopfhörern an einen Tisch im WAU – beginnen nach Vorgabe der Stimme im Ohr ihre eigene Show zu kreieren und die (Tisch)Bühne aus einem Modellbaukasten zu bespielen.

Die Schweizer Gruppe mikeska:plus:blendwerk verdichtet den japanischen Klassiker „Rashomon“ zu einem Labyrinth subjektiver Wahrheiten. Alle 15 Minuten startet je ein Beobachter: In einem fiktiven Hotel begegnet er exklusiv den drei Protagonisten und folgt ihrer jeweiligen Perspektive auf die Ereignisse. Dries Verhoeven lädt ebenfalls je einen Zuschauer in einen eigens für ihn kreierten Raum ein, in dem binnen kürzester Zeit eine rätselhafte imaginäre Nähe zu seinem Gegenüber entsteht.

 

Antragsteller/in Hebbel am Ufer

Veranstaltungstermin 06. bis 15. Dezember 2007

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer HAU 1, HAU2 und HAU 3

Förderbetrag 100.000 €

Kooperationen Cut & Paste wird gefördert durch die Allianzkulturstiftung

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Die Bairishe Geisha

Die Liebe – ein Grimmical

Drei märchenhafte Dinge gibt es: Das Märchen selbst, die Musik und die Liebe. Alle drei unterliegen ehernen Gesetzen und leben dabei doch von der Unwahrscheinlichkeit.Zwei Bösewichte, der Wolf und die Hexe, verlieben sich ineinander. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht. Diese beiden großartigen Egoisten fangen an, sich umeinander zu sorgen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn im Märchenwald herrscht Hunger. So muß der Wolf in die Welt hinaus und sein Glück machen, damit die beiden etwas zu Brechen und zu Beißen haben, und glücklich und zufrieden leben können, bis an ihr seliges Ende. Der Weg in die Welt ist schnell gefunden. Aber was dann? Wie eignet sich ein wildes Tier, zudem noch verliebt, für die Lohnarbeit in unseren Zeiten?Omnia vincit amor!Auf dem Arbeitsamt trifft Isegrimm eines seiner früheren Opfer wieder: Rotkäppchen. Auch sie ist ausgewandert und arbeitet nun als Jobberaterin. Sie erkennt den Wolf wieder, er sie jedoch nicht. Treuherzig erzählt er von seiner Liebe. Und Rotkäppchen, das ihn eben noch vom Wachdienst festnehmen lassen wollte, folgt dem Gesetz des Märchenwal-des: Das man einem Liebenden stets Hilfe leisten muß. So schlägt sie ihm vor, es als Profiboxer zu versuchen. Das Kämpfen müsse ihm doch liegen. Wirklich macht der Wolf als Faustkämpfer Karriere, und Rotkäppchen, das sich in ihn verliebt hat, wird, um ihm nahe zu sein, seine Managerin. Aber es dauert lang, einen WM-Kampf zu bekommen, und die Hexe, die nichts gehört hat von ihrem Liebsten, reist ihm nach, von Zweifeln und Ängsten geplagt. Sie findet ihn nicht gleich, kennt sich in der Welt nicht aus, und wer weiß, was aus ihr geworden wäre, hätte man sie nicht als Model entdeckt. Durch einen Zufall findet Rotkäppchen heraus, daß ihre Nebenbuhlerin ganz in ihrer Nähe ist, verschweigt das aber dem Wolf. Während der Wolf um die Weltmeisterschaft boxt, faßt Rotkäppchen den Entschluß, es ihm doch zu sagen. Mitten im Kampf, in dem er nach Punkten führt, steigt der Wolf aus dem Ring. Verwandlung: Eine Modenschau, mit der Hexe als Model. Da stürzt der liebestolle Wolf herein und reißt sie an sich. Die beiden fliehen vor der Welt in eine Kapelle im Wald und lassen sich trauen. Dann verschlingt der Wolf seine Braut mit deren Einverständnis. (Duett: Was habe ich getan? / au s dem Bauch: Wie ist das schön!) Doch der um den Boxkampf und die Modenschau geprellte Mob sowie die Weltpresse sind ihnen auf der Spur. Ein Politiker, der sich profilieren will, erschießt den Wolf noch in der Kapelle. Dem Sterbenden gesteht Rotkäppchen ihre Abscheu und Liebe. Alle, bis auf die Toten ab. Und plötzlich - keiner weiß, woher sie kommen - tummeln sich auf der Bühne die niedlichsten kleinen Wölfchen und Hexlein...Dazu die gute deutsche Musik. Ach, wenn wir doch nur dabeigewesen wären! Das Genre unseres Stückes DIE LIEBE ist ein bißchen schwer zu bestimmen. Deshalb haben wir es zunächst ein Grimmical genannt. Am ehesten wird man es vergleichen können mit Werken wie BLACK RIDER oder SHOCKHEADED PETER – Singstücke für Schauspieler, die mit den großen alten Stoffen plündernd, ironisch und ernsthaft umgehen und ebenso in der Musikgeschichte wüh-len. DIE LIEBE versucht der alten Sehnsucht, den größten und brutalsten Egoisten (Wolf und Hexe) altruistische Gefühle zu schenken, gerecht zu werden. Sie versammelt eini-ge der klassischen Grimmschen Figuren und läßt sie im Märchenwald und im heutigen Deutschland (Berlin) wandern. Das Charisma des Ballhaus Ost lebt von der Geschichte (Freidenkerfriedhofskapelle, Ledigenheim, Billardsalon, Theater usw.) seines Ortes. Mit knappen bühnenbildnerischen Veränderungen lassen sich an diesem Ort der Märchen-wald wie auch das moderne Berlin unschwer vorstellen. Sechs Figuren (Wolf, Hexe, Hänsel, Gretel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen als sich immer wieder verwandelnder Erzäh-ler) sowie ein ca. vierköpfiger Chor aus Rep ortern, Fans, Politikern erzählen die Geschichte. Ein vierköpfiges Orchester aus Klavier (Akkordeon), Schlag-, Baß- und Blasinstru-menten (besonders Waldhorn) begleitet sie mit Sebastian Undisz Musik, die das deutsche Lied der Romantik (aber auch Bach, Wagner und Weil) mit dem Jazz versöhnt. Das Stück ist durchkomponiert, es gibt nur wenige Sprechszenen.

Antragsteller/in Ballhaus Ost

Veranstaltungstermin 7. bis 11. November 2007

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 50.000 €

Die Vergangenheit der Zukunft

Jugendlichsein ist heute eine sehr komplexe Lebensaufgabe. Da ist die Bildungsmisere, die den Jugendlichen suggeriert, auf ihr späteres Leben schlecht vorbereitet zu sein. Da sind die Anforderungen eines hoch flexibilisierten Arbeitsmarktes und die drohenden Szenarien von gesellschaftlicher Überalterung und Klimawandel. Da ist aber auch die an Jugendliche gerichtete Erwartung, sich als Zukunftsträger der Gesellschaft zu begreifen und zu profilieren. Eine Vielzahl von Initiativen und Projekten fordert Jugendliche bei der Entwicklung von Zukunftsvisionen und Innovationen. Vor allem privatwirtschaftliche Sponsoring-Projekte haben Jugendliche in letzter Zeit als „Kapital der Zukunft“ entdeckt.

Aber definieren sich Jugendliche ihre Persönlichkeit nicht vielmehr über ihre Vergangenheit als über ihre Zukunft?

– In der seit 2004 unter dem Namen Sophiensæle Jugendbewegung stattfindenden Jugendklubarbeit der Sophiensæle hat sich dieser Eindruck wiederholt vermittelt. Zukunft scheint für Jugendliche selbst gar kein so brennendes Thema - vielleicht weil sie ihnen noch nicht begrenzt scheint. So entstand die Idee zur aktuellen Stückentwicklung “Die Vergangenheit der Zukunft”:

In ihrer vierten Produktion beschäftigt sich die Sophiensæle Jugendbewegung mit vergangener Zukunft und zukünftigen Gegenwarten.

 

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin 7. bis 10. März 2007

Veranstaltungsort Sophiensaele Hochzeitssaal

Förderbetrag 13.680 €

Internetseiten www.sophiensaele.com

Glück für Alle

„Glück für alle, umsonst, keiner soll erniedrigt von hier fortgehn!“

 

Schriftsteller: Weshalb sind sie hergekommen, was wollten Sie?

Stalker: Am ehesten wohl Glück.

Schriftsteller: Naja, aber was für ein Glück.

Stalker: Die Menschen sprechen nicht gerne über ihre geheimsten

Gedanken. Außerdem geht es weder mich noch sie etwas an.

 

Das Glücklichsein ist ein zerbrechlicher Zustand, flüchtig und sobald man sich des Glücks bewusst wird, ist es schon fort. Die scheinbare Möglichkeit der Erfüllung jeglichen Wunsches erzeugt das Versprechen, jeder könne jederzeit sofort glücklich werden. Das Glück jedoch braucht die Gegensätze, die Unzufriedenheit, die Abwechslung und die Krise. Wenn sich eine Gruppe von Menschen gemeinsam auf die Suche nach Glück begibt, läuft es bei dem entsprechenden Engagement der Beteiligten oftmals schnurstracks aufs Unglück zu.In dem Schauspiel „Glück Für Alle“ suchen vier Figuren nach ihrer sehr eigenen Form von Glück.Sie dringen unter der Leitung eines erfahrenen Führers illegal in ein abgeriegeltes Gebiet ein, in dem sich Gerüchten zufolge ein Zimmer befinden soll, an dem der sehnlichste Wunsch in Erfüllung geht.Aber was ist der sehnlichste Wunsch? Wird an ihm nicht ein elementarer Mangel sichtbar? Wer sich etwas von Herzen wünscht, der muss es nötig haben, und das mag man weder sich und erst recht nicht der Umwelt gegenüber eingestehen.Die Figuren geraten nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen Vorstellungen von der Verwirklichung des Glücks aneinander, sondern auch wegen der Zweifel an der eigenen Motivation. Warum soll ein Schriftsteller sich den Erfolg wünschen, wenn doch gerade die Unzufriedenheit Hauptquell der Inspiration ist? Und welche Konsequenzen muss eine Wissenschaftlerin ziehen, wenn jeder sich alles wünschen könnte? Kann man sich auf einen wirren Kopf verlassen, der behauptet, alles was er tue, sei uneigennützig?Jenseits dieser Fragen sieht die sich in Grabenkämpfen aufreibende Glücksforschung über alle internen Differenzen hinweg die Unmöglichkeit einer unmittelbaren Wunschartikulation als größtes Hindernis auf dem Weg zum Erreichen des überindividuellen Glücks: Wer glücklich ist, ist glücklicher, weil er glücklich ist.

Antragsteller/in kookazoid production - Oliver Ernst / Jens Dietrich

Veranstaltungstermin 29. März 2007 und 30. März, 5. bis 8. April 2007, jeweils 20.00 Uhr

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 20.000 €

Internetseiten www.ballhausost.de

Jugend in Deutschland - Leben bis 30 in Deutschland

Autorenwettbewerb: Jugend in Deutschland

Vorsitzender der Jury: Christoph Hein

Frühjahr 2007

„Unsere Ordnung gefällt euch nicht, aber was für eine Ordnung habt ihr euch ausgedacht?“ - Maxim Gorki

 

Das schauspielfrankfurt und das Maxim Gorki Theater Berlin und schreiben einen neuen Autorenwettbewerb aus. Gesucht werden Autoren, die Lust haben, sich mit aktuell politischen

Themen auseinanderzusetzen und darüber hinaus auch neue ästhetische Ansätze anzubieten haben. Thema des ersten Wettbewerbs ist: Eine Jugend in Deutschland.

Perspektivlosigkeit, Bildungsmisere, Resignation angesichts der zu erwartenden Verhältnisse hat sich bei unserer Jugend breit gemacht. Sie ist gezwungen, über Lebenskonzepte anders

nachzudenken.

Vier Stücke oder Projektentwürfe werden ausgesucht und von den beiden Theatern als Werkstattaufführung sowohl in Frankfurt als auch Berlin präsentiert. Eine Fachjury und das

Publikum entscheiden über unsere Zukunft.

 

 

Antragsteller/in SCHAUSPIELFRANKFURT

Veranstaltungstermin 1. Januar bis 1. Juli 2007

Veranstaltungsort Maxim-Gorki-theater

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Maxim-Gorki-Theater Berlin

Montana

Arbeitslosigkeit, Utopieverlust und ständige politische Krisen haben die imaginäre Bergrepublik Montana zugrunde gerichtet. Der einst intakte Sozialstaat hat einer mafiös unterwanderten Schattenwirtschaft Platz gemacht, in der sich jeder selbst der Nächste ist. Spätkapitalismus in seiner düstersten Slapstick-Variante: Wer verzweifelt genug ist, verdingt sich als Hausdiener oder verwettet sein letztes Geld bei den populären Hunderennen. Da taucht ein moderner Heilsbringer auf...

 

In der Tradition des Volksstücks und der absurden Komödie erzählt der Text von Milo Rau in der Inszenierung von Simone Eisenring die antike Weltuntergangs-Tragödie "Die Bakchen" für heute neu.

 

"Absurd, böse, verstörend." (St.Galler Tagblatt)

 

 

Antragsteller/in Eisenring/Rau (Simone Eisenring und Milo Rau)

Veranstaltungstermin 10., 11., 12., 14., 31. März und 1. April 2007, 20.00 Uhr

Veranstaltungsort Ballhaus Ost, Pappelallee 15, 10437 Berlin

Förderbetrag 20.000 €

Kooperationen Gessnerallee Zürich Ballhaus Ost Berlin auawirleben! Zeitgenössisches Theatertreffen Bern Migros Kulturprozent CH Kulturförderung Kanton Appenzell Ausserrhoden CH Adolf Streuli Stiftung CH Nationale Suisse

Internetseiten www.gessnerallee.chwww.ballhausost.dewww.auawirleben.ch

Onkel Wanja von Anton Tschechow

Inszenierung › Thorsten Lensing & Jan Hein, Bühne › Hannah Landes, Kostüme › Anette Guther, Dramaturgie › Jan Hein, Technische Leitung › Andreas Harder, Produktionsleitung › Ina Zimmermann, Regieassistenz › Karoline Hoefer, Kostümassistenz › Daniela Selig

 

Mit › Margot Gödrös, Ursina Lardi, Josef Ostendorf, Ursula Renneke, Devid Striesow, Christoph Tomanek, Rik van Uffelen

 

Eine Produktion von Theater T 1 in Koproduktion mit Theater im Pumpenhaus Münster, Sophiensæle Berlin, Theater am Neumarkt Zürich / Zürcher Festspiele, kampnagel Hamburg und schauspielfrankfurt. Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds Berlin und des Kulturamts der Stadt Münster sowie der Stadt und des Kantons Zürich und ewz – die Energie

 

„Du fragst mich, was ist das Leben. Das ist als würdest du mich fragen, was ist eine Mohrrübe. Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe.“ (A. Tschechow)

 

In „Onkel Wanja“ stellt sich Tschechow zwei Fragen: Wie soll man leben? Und: Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten? Also: Wie entsteht unsere Normalität? Die Figuren flüchten vor den Möglichkeiten, die im Neuen liegen, und das Stück beobachtet sie dabei. Die Komik entsteht aus der Sehnsucht, sich aus den erstickenden Umständen des Alltäglichen zu erheben, und aus dem schmerzlichen Sturz zurück in die Banalität. Alles ist hier mit allem verbunden, wie im Leben, die Tiefe mit dem Seichten, das Große mit dem Niedrigen, das Tragische mit dem Komischen. Und die Lebendigkeit liegt darin begründet, dass nichts erläutert, nichts erklärt, sondern etwas gezeigt wird. „Tschechow“, schreibt Musil, „das heißt: eine wissende, stille, verzichtende Kunst, keine titanische. Klarer Blick, Durchschauen, Wehmut, Schluss.“

 

 

 

Antragsteller/in Thorsten Lensing

Veranstaltungstermin 21. bis 23. und 27. bis 30. März 2008 jeweils 20h

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Theater im Pumpenhaus Münster, Sophiensaele Berlin, Theater am Neumarkt Zürich / Zürcher Festspiele, Kampnagel Hamburg, schauspielfrankfurt

Internetseiten www.sophiensaele.com

Pressestimmen

Ausschnitt: Devid Striesow

Fotonachweis: David Baltzer

RÄUBER.GÖTZ

Der mittellose Raubritter Götz versucht sich und seine Mannschaft in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs durchzubringen. Das Kapital regiert, der Kaiser ist schwach, die Fürsten gieren nach Macht, aufrührerisch sind die Bauern. Aber so leicht lässt sich Götz nicht unterkriegen, auch nicht vom Bamberger Bischof, der im Sinne seiner eigenen Karriere den Angriff auf Götz´ Ritterehre wagt. Zu der gehört durchaus auch schon mal Raub und Erpressung. Damit kommt er dem nach Macht und Effektivität strebenden Bischof schnell in die Quere, der ihn mit Hilfe des Kaisers und seines Jugendfreundes Adalbert von Weislingen kurzerhand kaltstellen will.

Götz verbündet sich im Gegenzug mit den aufständischen Bauern, verliert dennoch die Schlacht und alle Getreuen und wird gefangen genommen. Auf ihn wartet ein Schauprozess.

Götz wurde als Ritter zum Räuber und blieb doch als Räuber ein Ritter. Dieser Fall aus dem deutschen Mittelalter reicht bis zu den Schlachtfeldern und hinter die Gefängnismauern der Neuzeit. Vor der Kulisse der TA 2 und unter freiem Sommerhimmel verbinden sich Theaterkunst und Gefängnisalltag, Dichtung und Wahrheit, Gegenwart und ausgehendes Mittelalter.

 

 

Antragsteller/in Peter Atanassow / aufBruch GbR

Veranstaltungstermin 13., 20., 22., 27., 29. Juni und 6. Juli 2007 immer um 18 Uhr

Veranstaltungsort JVA Tegel

Förderbetrag 45.000 €

Internetseiten www.gefaengnistheater.de

Pressestimmen

Ausschnitt: Räuber Götz, Foto: Thomas Aurin

Romeo und Julia

ROMEO UND JULIA

von Wiliam Shakespeare

Übersetzt und bearbeitet von Feridun Zaimo?lu und Günter Senkel

 

Das bekannteste Liebespaar der Weltdramatik wird radikal in die Gegenwart geholt:

Romeo, türkischer Dauer-Herzensbrecher, verliebt sich in Julia, Einzelkind aus neureichem Hause, die von ihren Eltern mit Paris verheiratet werden soll. Doch ihre Familien sind verfeindet. Mit der Radikalität junger Liebender lassen sich Romeo und Julia heimlich von einem islamischen Gelehrten trauen.

Der Sippenkonflikt der verkommenen und auf Geld fixierten Familien Montague und Capulet wird zur Kulisse einer religiös gefärbten Fehde, bei der es um Besitzstandswahrung, Machterhalt und den fanatischen Ruf nach Blutrache geht. Was folgt, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem tödlichen Gemisch aus Bosheit, Ehrgefühl, falsch verstandener Freundschaft und zielloser Aggression.

 

„Romeo und Julia gehen in den Tod, aber die Liebe kann man ihnen nicht ausreden. Der Glanz ihrer Liebe besteht darin, dass sie sagen: Das Leben, das euch vorschwebt, nehmen wir nicht an.“ Feridun Zaimo?lu

 

Feridun Zaimoglu und Günter Senkel entfernen sich in ihrer Neubearbeitung von früheren Übersetzungen und finden stattdessen einen Ton, der in all seiner Radikalität nah an der lebensvollen und direkten Sprache des Originaltextes liegt. Die Figuren sprechen in heutigem Rhythmus und moderner Schärfe und zeigen gerade dadurch Shakespearesche Kraft, Wucht und Poesie.

 

„Die Christenfamilie fällt in das Christentum zurück, wenn dahergelaufene Türkenjungen ihr in die Quere kommen, ihre Frauen anmachen und ihr die Arbeit wegnehmen. Die Muselmanenfamilie entdeckt ihren Ahnenglauben, ihre Tradition, wenn es darum geht, Romeo zu ermahnen, seine Sippe nicht aufzugeben. Die Zuschreibung, die Besinnung auf die eigenen Werte findet nur angesichts des Feindes statt.“ Feridun Zaimo?lu

 

„Es bleibt die Aufforderung an die Zuschauer, die seit Shakespeare nichts an seiner Dringlichkeit verloren hat: Geht raus, stellt Euch den Konflikten und versucht das Unmögliche zu leben.“ Neco Çelik

 

Neco Çelik gelang mit „Schwarze Jungfrauen“ von Zaimoglu /Senkel im März 2006 der Durchbruch als Theaterregisseur. ROMEO UND JULIA ist die zweite abendfüllende

Theaterarbeit des Berliners, der seine Geschichten bisher vor allem im Kino erzählt hat. Unter anderem drehte er mit „Urban Guerillas - ein Heimatfilm von Neco Çelik“ und „Alltag“ zwei Filme über die Unmöglichkeit von Liebe, angesiedelt im Mikrokosmos zwischen Kottbusser und Schlesischem Tor. Die Filme waren auf vielen internationalen Filmtagen und Festivals u. a. in Berlin, Istanbul, New York vertreten, in der „N.Y. Times“ adelte man Neco Çelik zum „Spike Lee“ von Kreuzberg. Für die live gespielte Bühnenmusik zeichnet der Filmkomponist Enis Rotthoff verantwortlich, den eine langjährige Zusammenarbeit mit Neco Çelik verbindet.

 

Mit Murat Seven als Romeo und Lavinia Wilson als Julia, sowie Sinan Al-Kurikchi, Kerem Can, Vedat Erincin, Arne Fiedler, Andreas „Rebel“ Genschmar, Recai Hallaç, Alen Hebilovic, Younes Hussein, Udo Kroschwald, Volker Meyer-Dabisch, Heike Ronniger, Tim Seyfi, Ayhan Sönmez, Michael Wenzlaff, Mehmet Y?lmaz, Belhe Zaimo?lu, Henrik Zimmermann.

 

 

Regie: Neco Çelik

Bühne: Mascha Mazur, Kostüm: Gabriele Frauendorf

Komposition: Enis Rotthoff, Choreographie: Katja Keya Richter

Dramaturgie: Helge-Björn Meyer, Tunçay Kulao?lu

 

 

 

Antragsteller/in Neco Çelik

Veranstaltungstermin Premiere am 08. März, 09., 10., 12. März, 19.30 Uhr und 13. März, 11.30 Uhr

Veranstaltungsort HAU 1 / Stresemannstr. 29 / 10963 Berlin

Förderbetrag 80.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Transfer!

„Ich war groß, schlank, braun gebrannt – Hitlers Zukunft, wurde mir gesagt... Und dann war alles vorbei!“, so sagt es eine von insgesamt zehn ZeitzeugInnen, und beschreibt damit die Sicht einer deutschen Zehnjährigen, die das Ende des Dritten Reichs erlebte und mit ihrer Familie vor den russischen Besatzungsmächten fliehen musste. Millionen von Menschen haben während und nach dem vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Krieg ihre Heimat verloren. Die Stadt Breslau/Wroclaw steht exemplarisch für Flucht, Vertreibung und Umsiedlung. Durch Aufrechterhalten der NS-„Festung“ in ein Trümmerfeld verwandelt, wurde sie anschließend, weil die Siegermächte es so beschlossen hatten, einem vollständigen Bevölkerungsaustausch unterworfen. Die Auseinandersetzung mit fünf deutschen und fünf polnischen Einzelschicksalen bildet das Kaleidoskop zum Thema Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg, dem sich der junge polnische Theaterregisseur und Dramatiker Jan Klata, geboren 1973 in Warschau, annähert. Die Arbeit an TRANSFER! ist für Klata eine Kombination aus seinem Interesse an einem Theater der Erinnerung und Geschichte als „Living History“.

Neben den Erzählungen der ZeitzeugInnen steht die acht Tage andauernde Jalta-Konferenz der „Großen Drei“ im Zentrum des Stücks: Churchill, Roosevelt und Stalin haben auf dieser Konferenz mit einem Handstreich über die Schicksale von Millionen Menschen entschieden und damit ganze Städte einem vollständigen Bevölkerungsaustausch unterworfen. In TRANSFER! kommen ZeitzeugInnen zu Wort und berichten, wie sich dieser politische Wahn auf ihr Leben ausgewirkt hat.

Die Montage aus absurden Spielszenen, historischem Film- und Tonmaterial, die Einbindung von Zeitzeugen und Jan Klatas Prägung durch die Punk-Kultur ermöglichen einen neuen Blick auf ein Stück unbewältigter Geschichte. Was bedeutet uns das Thema Vertreibung nach sechzig Jahren noch? TRANSFER! wagt eine ungewöhnliche Herangehensweise an eines der schwierigsten Kapitel der deutschen Geschichte.

 

„Klata ist es gelungen, die Konventionen des Dokumentarischen hinter sich zu lassen und ein existentielles Stück über Erinnerung und Tod zu schaffen. Der Geist von Tadeusz Kantor und seiner 'Toten Klasse' schwebt über 'Transfer!' – eine Inszenierung, die die Summe der Erfahrungen der Generation des Ersten Weltkriegs war. Dies ist die ‘Tote Klasse’ des 21. Jahrhunderts." (Roman Pawlowski)

 

Antragsteller/in Hebbel am Ufer

Veranstaltungstermin 16. bis 18. Mai 2007 (Wiedraufnahme) 18. bis 20. Januar 2007, 19.30 Am 20. Januar Publikumsgespräch mit dem Regisseur Jan Klata u.a., Gesprächsleitung Renate Klett

Veranstaltungsort HAU 1

Förderbetrag 35.000 €

Kooperationen HAU, Berlin, Teatr Wspólczesny, Wroclaw, Nationaltheater Weimar, in Kooperation mit dem Adam Mickiewicz Institut Warschau, mit Unterstützung des Polnischen Institutes Berlin Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

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