Das ungebaute Berlin

Keine andere Stadt inspirierte Architekten so sehr zu Visionen wie Berlin. Die zahlreichen politischen Umbrüche verlangten nach einem jeweils neuen architektonischen und urbanistischen Ausdruck. Da die meisten der führenden Architekten städtebauliche Entwürfe für diese Stadt konzipierten, repräsentieren die in der Ausstellung gezeigten Projekte eine noch unbekannte Stadt des 20. Jahrhunderts. Auch wenn die idealisierten und oft radikalen Konzepte nicht immer befriedigend auf den spezifischen Kontext der Stadt reagieren, haben sie dennoch das Gebaute enorm beeinflusst. Die Kenntnis der imaginierten, der unsichtbaren Stadt ist für das Verständnis der gebauten Stadt notwendig, weil sich diese aus den Fragmenten der Utopien zusammensetzt.

Antragsteller/in Dr. Carsten Krohn

Veranstaltungstermin 15. Juli bis 15. August 2010

Veranstaltungsort Café Moskau

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Karlsruher Institut für Technologie Technische Universität Berlin

Internetseiten www.dasungebauteberlin.de

Foto: Georg Kohlmaier

Fremder, der Du vorübergehst - Retrospektive zum Werke Herbert Tobias

Im letzten Jahrzehnt wurden viele der wesentlichen Protagonisten der deutschen Fotografie des 20. Jahrhunderts in internationalen Ausstellungen und Publikationen vorgestellt und damit auch ihr Beitrag zu einer Ästhetik der Fotografie des 20. Jahrhunderts untersucht. Nach der international erfolgreichen Erich Salomon-Retrospektive 2005, präsentiert die Berlinische Galerie mit Herbert Tobias nun einen anderen herausragenden deutschen Fotografen, der in Berlin, Paris und Hamburg gearbeitet hat und dessen Arbeitsschwerpunkt in den fünfziger und frühen sechziger Jahren liegt. Noch heute sind einige seiner Modebilder und Portraits bekannter Künstlerinnen und Künstler wie zum Beispiel von

Hildegard Knef, Valeska Gert oder Klaus Kinski weltbekannt und häufig gedruckt. Daneben umfasst sein vielschichtiges Werk aber auch Stadtbilder vom Nachkriegs-Berlin und dem Paris der fünfziger Jahre und die späten Männerakte aus den siebziger Jahren. Unsere Retrospektive gilt der Wiederentdeckung eines Künstlers, dessen moderne Bildsprache und Themen auch für internationale Fotografieexperten immer von Bedeutung war, der aber in der breiten öffentlichen Wahrnehmung zu Unrecht in Vergessenheit

geriet.

 

Die Ausstellung widmet sich schwerpunktmäßig den drei übergeordneten Genres im Werk von Herbert Tobias: Mode, Portrait und Stadt. Um einen Vergleich zu Arbeiten internationaler Fotografen zu ermöglichen, werden Tobias’ Werke aus den verschiedenen Schaffensperioden zum Beispiel neben Modefotografien von Helmut Newton, Erwin Blumenfeld und F.C. Gundlach gezeigt.

 

Mit Ausschnitten aus Filmen, in denen Herbert Tobias als Schauspieler mitwirkte, mit Plattencover, die er für die „Deutsche Grammophon“ gestaltete, und vielfältigen Dokumenten und Schriften wird das genreübergreifende Wirken dieses Künstlers erstmalig in diesem Umfang präsentiert.

 

Die Ausstellung soll dem Besucher ein Gefühl für die künstlerische Fotografie der fünfziger und sechziger Jahre in der jungen Bundesrepublik vermitteln. Wir betreten damit Neuland, denn noch immer werden die ersten Nachkriegsjahrzehnte im internationalen

Ausstellungswesen vernachlässigt. Zwar gab es verschiedene Ansätze zu einzelnen

Themenbereichen der Nachkriegsfotografie, aber nie wurde eine umfassende Gesamtschau aller Aspekte eines Werks dieser Zeit unternommen. Unserer Meinung nach ist dies eine Periode, die bis heute die deutsche Fotografie beeinflusst. Herbert Tobias ist hier exemplarisch, da seine frühen Bilder zum einen dem Zeitgeist entspringen und zum

anderen eine ganz eigene Sprache entwickelt haben. Ästhetisch basieren sie auf den zwanziger Jahren und weisen zugleich auf spätere Epochen der Fotografiegeschichte voraus. Ein zentrales Merkmal vieler seiner Fotografien ist ihre melancholische Distanz. Ihr Standpunkt ist der eines Betrachters, der sich nach Nähe sehnt und sich zugleich bewusst ist, dass er diese nie erreichen kann. Es entsteht dadurch ein intensives Spannungsverhältnis zwischen dem flüchtigen Augenblick, der immer schon vergangen ist, und der unerfüllbaren Sehnsucht, an diesem festzuhalten. Herbert Tobias war ein „Fotograf des Blickes“ – seine Bilder fesseln und bezaubern den Betrachter gleichermaßen. Die intensive Zwiesprache zwischen Modell und Fotograf bei seinen Portraits ist fast körperlich spürbar, ebenso wie die melancholische Stimmung in seinen Stadtbildern.

 

Die Retrospektive wird den Beweis dafür liefern, auf welch vielfältige Weise Herbert

Tobias mit seiner künstlerischen Arbeit Impulse in die Fotografieentwicklung und in die Kunstszene der Nachkriegszeit eingebracht hat. Die Ausstellung ist für eine Übernahme durch drei weitere Stationen vorgesehen.

 

Antragsteller/in Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Veranstaltungstermin November 2007 bis Januar 2008

Veranstaltungsort Berlinische Galerie

Förderbetrag 80.000 €

Internetseiten www.berlinischegalerie.de

Kampf der Dinge - eine Ausstellung im 100. Jahr des Deutschen Werkbunds

In diesem Jahr wird der in München gegründete Deutsche Werkbund 100 Jahre alt. Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge nimmt das Jubiläum zum Anlass, um im Rahmen des vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Ausstellungsprojekts einen kritischen Blick auf die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieser Reformbewegung zu werfen und die Zielsetzungen des DWB in Konfrontation mit der heutigen Produktkultur auf ihre Zukunftstauglichkeit zu prüfen.

Der Deutsche Werkbund strebte im Rahmen der utopischen Kulturtendenzen zu Beginn des 20. Jh. eine Lebensreform an. Durch die modern-sachliche Gestaltung von industriell gefertigten Produkten, von Architektur und Lebensraum sollte der zunehmenden Entfremdung entgegengewirkt und zwischen Gestaltern, Produzenten, Verkäufern und Verbrauchern ein neuer Verständigungszusammenhang über die Etablierung ethisch fundierter Werte wie Qualität, Materialgerechtigkeit, Materialehrlichkeit, Funktionalität, Nützlichkeit und Nachhaltigkeit geschaffen werden.

 

Dieser Programmatik entsprach insbesondere das historische Museum des Deutschen Werkbunds - das von Karl Ernst Osthaus ab 1909 in Hagen aufgebaute Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe (DM) - das im Sinne eines Strukturmodells für das heutige Werkbundarchiv – Museum der Dinge genutzt wird. Denn das Deutsche Museum war mit seiner Ausrichtung auf die damalige zeitgenössische Produktkultur und seinen verschiedenen mobilen 'Organen' ein avantgardistisches Unternehmen, das auch für die Untersuchung und Darstellung unserer Zeit geeignet scheint.

 

Die verschiedenen Strategien innerhalb des Deutschen Werkbunds liefen darauf hinaus, das Bild einer Einheit stiftenden Kultur aufrechtzuerhalten. Sein Ziel war es, über eine aus der Technik abgeleitete Funktionalität und Sachlichkeit die Übereinstimmung des Gebrauchs- und Tauschwerts von Produkten zu erreichen. Dinge sollten als stumme Diener das Leben der Menschen erleichtern statt es als verführende, eigenmächtige Warenfetische zu dominieren.

 

Der Werkbund wollte eigentlich nicht kämpfen, entwickelte allerdings eine ausgesprochene Kampfmetaphorik: Bis in die 1970er Jahre war seine Zielsetzung die Propagierung der ästhetisch und moralisch »guten Form«, die über übliche Instrumente wie Publikationen und Ausstellungen aber auch mit eigenen Mitteln, wie einem mobilen Museum zeitgenössischer Alltagskultur, den so genannten Werkbundkisten und mit Warenkunden betrieben wurde.

 

Zwar erscheint die Definition eines ästhetischen Kanons in Verbindung mit moralischen Wertungen aus heutiger Sicht problematisch; doch bleibt die Frage, ob und in welcher Form auch heute unabhängige Orientierungsmaßstäbe zur Beurteilung von Produkten und ihrer Qualität entwickelt werden können.

 

 

 

Antragsteller/in Werkbundarchiv - Museum der Dinge

Veranstaltungstermin 29. Juni 2007 bis 29. Februar 2008

Veranstaltungsort Berlin-Kreuzberg, Oranienstraße 25

Förderbetrag 290.000 €

Internetseiten www.museumderdinge.de/programm

STADFINDEN_MODERNE - echtzeitsehen

STADTFINDEN_MODERNE

 

Heute ist das Hansaviertel ein Baudenkmal am Berliner Tiergarten. Zum Zeitpunkt seines Entstehens im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957 war es ein Modell für das, was „die stadt von morgen“ sein könnte oder hätte sein sollen. Dem 50jährigen Jubiläum des Hansaviertels und der Interbau 1957 widmet sich die Ausstellung „die stadt von morgen“ und der virtuelle Führer „ STADTFINDEN_MODERNE “, zwei Projekte, die im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs am Mittwoch, den 14. Februar 2007, um 14 Uhr vorgestellt werden sollen.

 

STADTFINDEN_MODERNE

 

Eine virtuelle Führung durch die Internationale Bauausstellung 1957

STADTFINDEN_MODERNE stellt im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Internationalen Bauausstellung von 1957 neue Perspektiven auf die alte Moderne vor. Das Hansaviertel mit seinen prominenten Beiträgen internationaler Architekten des „Neuen Bauens“ kann mit kleinen GPS-fähigen Geräten wie eine virtuelle Ausstellung begangen werden. Vier „Touren“ führen durch diese Ausstellung. Der „Tourist“ folgt nun seiner Route entlang der Sehenswürdigkeiten. Wie aus dem Nichts tauchen die Informationen von STADTFINDEN_MODERNE auf. Verfremdungen erscheinen als ein Eingriff „in Echtzeit“, die Stimme und Töne des „Tourguides“ sind unsichtbar mit der Landschaft verknüpft.

 

Die „Stadt der Zukunft“ steht heute unter Denkmalschutz. Für STADTFINDEN_MODERNE ist ihre Bedeutung als Kulturerbe darin begründet, die Vision einer modernen Gesellschaft auch weiterhin als eine Aufgabe der Zukunft zu begreifen. „Modern“ ist mehr als ein Modewort. Als Epochenbegriff, der stark durch seine architektonischen Leistungen geprägt ist, bezeichnet er ein bedeutende Traditionslinie für die demokratischen Gesellschaften.

 

Moderne Gesellschaft bauen

 

Die nordischen Botschaften beteiligen sich im Rahmen des Projektes mit einem Symposium zu diesem Thema.Skandinavische Länder gelten als beispielhafte moderne Gesellschaften. Im Hansaviertel haben die renommiertesten Architekten der 50er Jahre aus 15 verschiedenen Ländern ihre Visionen der Moderne gebaut. STADTFINDEN_MODERNE funktioniert im Format eines virtuellen Katalogs oder „Guides“ durch das Hansaviertel. Ob als Bild, Text, Video oder Hörbeitrag: stets ist es der originelle Blickwinkel des Kommentators, der sich gegenüber der Realität in den Vordergrund spielt.

An über 80 Points of Interest (POI) kann mithilfe eines digitalen Geräts im Taschenformat (PDA), auf eine virtuelle Präsentation zugegriffen werden.

Ausgeliehen werden können die „Guides“ bis Ende Mai 2007 in der Akademie der Künste, Buchhandlung Fürst.

Sowie in den nordischen Botschaften.

Antragsteller/in Tido von Oppeln

Veranstaltungstermin 31. Januar 2007 bis Ende Mai 2007

Veranstaltungsort Akademie der Künste Hanseatenweg 10

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen Ott/vonoppeln; museum der dinge -Werkbundarchiv e.V.; Akademie der Künste; „die stadt von morgen“ Annette Maechtel, Katrin Peters; Urban Drift; transmediale; Buchhandlung Fürst; Isländische Botschaft; Finnische Botschaft; Dänische Botschaft; Schwedische Botschaft; Königlich Norwegische Botschaft; Zodiak center for new dance

Internetseiten stadtfinden-moderne.de