Filmpionier Karl Wolffsohn – zwischen Massenmedium, Wirtschaftsfiktion und Kunst

„Ein Leben für den Film“ – so kann man den Weg des Unternehmers Karl Wolffsohn (1881-1957) mit wenigen Worten beschreiben. Er steht beispielhaft für vielfältige wirtschaftliche Aktivitäten, Institutionen und Verbände, die mit der Entwicklung des Massenmediums Film ihren Anfang fanden. Karl Wolffsohn ist einer der ersten deutschen Verleger, der sein Berliner Unternehmen ganz auf das im Entstehen begriffene moderne Massenmedium Film ausrichtet.

Mit der Diskursreihe wird an die heute als nicht ausreichend beachteten Leistungen des Unternehmers Karl Wolffsohns für das damals noch junge Massenmedium Film erinnert. Seine Biographie kann man darüber hinaus zum Anlaß nehmen, um verschiedene neuartige Aspekte der Entstehungsgeschichte der Deutschen Filmwirtschaft und des Medienstandortes Berlin zwischen 1911 und 1938 zu betrachten. Das Archiv und das breite Spektrum der Fachpublikationen, die Wolffsohns Verlag der „Licht-Bild-Bühne“ publizierte, zeigen die Spannbreite der Themen, mit denen sich die Deutsche Filmindustrie auseinandersetzen mußte – u.a. mit Fragen der Zensur, der Produktion, der Finanzierung und der Qualität des Kulturgutes Film oder seiner professionellen, auch internationalen Vermarktung. Als Multiplikator für den Film arbeitete Karl Wolffsohn mit Industrieellen, Künstlern, Politikern und Verbandsvertretern zusammen, wie er auch Großkinos und Varietes finanzierte und konkrete Programmarbeit leistete. Mit seiner Biographie sind vielfältige Inhalte und Persönlichkeiten des Films der Zwanziger Jahre verbunden. (siehe u.a. Sonderausgabe Lichtbildbühne zum 50. Geb. von Karl Wolffsohn) Und schließlich wird mit der Konzentration auf Unternehmer eine Perspektive eingenommen, die bisher nur unzureichend in der Filmgeschichte untersucht wurde – die Entwicklung der Verbandsstruktur der Deutschen Filmwirtschaft selbst und ihrer archivarischen und statistischen Erfassung.

In der Veranstaltungsreihe „3+1 Diskurs“ werden Experten eingeladen, die in drei öffentlich zugängigen Runden die Themen „Filmwirtschaft der Zwanziger Jahre“, „Inhalte und Persönlichkeiten“ und die „Filmpublizistik und ihre Themen“ mit der Perspektive der Filmindustrie darstellen. Die Ergebnisse dieser Diskurse werden einer breiteren Öffentlichkeit in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt. Veranstaltungsort für die ersten drei Diskurse wird das Lichtburg Forum sein, daß sich in der Nähe des heute nicht mehr vorhandenen Großkinos „Lichtburg“ befindet. Die Ergebnisse des Symposiums werden in einer Abschlussveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Zeughaus Kino im Deutschen Historischen Museum präsentiert. Außerdem ist ein speziell zusammengestelltes Filmprogramm der 20 er Jahre geplant bei dem Film aus dem 1928 von Karl Wolffsohn gegründeten Filmwissenschaftlichen Archiv gezeigt werden.

Antragsteller/in Götz Lehmann

Veranstaltungstermin 5. Januar - 7. April 2006

Veranstaltungsort Lichtburgforum, Zeughaus Kino im Deutschen Historischen Museum

Förderbetrag 25.000 €

Global Interplay - Berliner Konferenz

GOBAL INTERPLAY ist ein interkultureller Kompositions-Workshop, der bereits im Juni 2005 seine Arbeit aufgenommen hat. Im Vorfeld des ISCM World New Music Festivals, das im Juli 2006 in Stuttgart stattfinden wird, richtet sich GLOBAL INTERPLAY an angehende Komponisten aus fünf Kulturwelten mit völlig unterschiedlichen Musiktraditionen der afrikanischen, europäischen, arabischen, amerikanischen und chinesischen Welt. Zwischen Juni 2005 und Juli 2006 treffen sich jeweils 4-8 Teilnehmer zugleich in Accra, Berlin, Kairo, New York und Peking/Shanghai. Betreut von Mentoren, die selbst Grenzgänger zwischen verschiedenen Kulturen sind, erhalten sie Kompositionsunterricht, lernen ihre eigenen kulturellen Wurzeln und die Kultur der Partner-Teams kennen und arbeiten mit den verschiedenen medialen Möglichkeiten zeitgenössischer Komposition. Gleichzeitig gehen sie einen Diskurs mit den Kollegen anderer Teams ein. Dabei stehen neben spezifischen kompositionstechnischen Themen auch Fragen zu Interkulturalität und kultureller Identität im Zentrum. Höhepunkte dieser Diskurse sind fünf Konferenzen in den beteiligten Weltstädten, zu denen jeweils Delegierte aus allen Teams eingeladen werden, um einen persönlichen Kontakt der jungen Komponisten untereinander zu ermöglichen. Nach den Konferenzen in Accra (Januar 2006) und Cairo (Februar 2006) findet – eingebettet in MaerzMusik – vom 14. bis 18. März die Berliner Konferenz zu dem Thema „Intonation und Transformation“ statt. Begleitet von Konzerten im Konzertsaal der UdK Berlin und im Haus der Kulturen der Welt sowie von einer Podiumsdiskussion im Haus der Berliner Festspiele zum Thema „Komponieren im interkulturellen Dialog“.

Antragsteller/in Musik der Jahrhunderte e. V.

Veranstaltungstermin 14.- 18. März 2006

Veranstaltungsort Universität der Künste, Haus der Kulturen der Welt

Förderbetrag 37.000 €

Kooperationen Haus der Kulturen der Welt, MaerzMusik | Berliner Festspiele und Universität der Künste

Internetseiten www.wnmf2006.de/gl...nterplay.php

Klinik - Eine Pathologie der Gesten

Klinik - Eine Pathologie der Gesten besetzt das HAU 1 an zwei Tagen. Zum einen werden Installationen von international bekannten Künstlern wie Barbara Kruger, Liam Gillick und Harun Farocki gezeigt. Zum anderen findet im Zuschauersaal ein konzentriertes Programm aus Vorträgen, Präsentationen und Screenings statt, die das Thema der Pathologie der Gesten als eine Geschichte zwischen Psychiatrie, Kino, Persönlichkeitstests und Kreativitätskursen angehen, wobei es um die verschiedene Formen der Mobilisierung von Empathie, um Mimesis und Darstellungsformen geht. Präsentationen u.a. von Michael Taussig, Gregg Bordowitz, Suely Rolnik, Ute Holl, Armin Schäfer, Jan Verwoert, Tom Holert und Harun Farocki. Es werden Filme und Videos gezeigt von Valerie Mrején, Jean Painlevé, Erik van Lieshout, Catherine Sullivan und Tibor Hajas. Ausserdem wird ein von Jörg Heiser kuratiertes Videoprogramm zu Slapstick vorgestellt.

 

Antragsteller/in Anselm Franke

Veranstaltungstermin 3./4. November 2006 19.00 - 24.00 Uhr

Veranstaltungsort Hebbel Am Ufer / HAU 1

Förderbetrag 52.000 €

Kooperationen MuKHA Antwerpen

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Radikal Sozial – Wahrnehmung und Beschreibung von Realität im Theater

Das Symposion findet statt in Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen und dem Sonderforschungsbereich "Kulturen des Performativen" der Freien Universität Berlin und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds sowie den Landesverband Berlin des Deutschen Bühnenvereins.

 

In letzter Zeit ist die soziale Wirklichkeit ins Theater zurückgekommen. Nicht als Dokumentartheater, sondern mit Experten, die auf der Bühne ihre Arbeit verrichten; mit eigentlich Theaterfremden, die neue Zuschauer werden; mit Stoffen, die ihre eigene Dramatik mit sich bringen. Das Symposium präsentiert und diskutiert diese Entwicklung in Workshops, Arbeitsgesprächen und Vorträgen mit Dramaturgen, Kritikern, Wissenschaftlern und dem Publikum.

 

Alle Veranstaltungen sind öffentlich und kostenfrei.

 

Das ausführliche Tagungsprogramm sowie Akkreditierung und Anmeldung zu den einzelnen Veranstaltungen auf der Internetseite.

Antragsteller/in Dramaturgische Gesellschaft, Heidrun Schlegel

Veranstaltungstermin 19. - 22. Januar 2006

Veranstaltungsort Haus der Berliner Festspiele

Förderbetrag 13.000 €

Internetseiten www.dramaturgische...ellschaft.de

Wizards of OS. Information Freedom Rules

Die digitale Revolution hat die Voraussetzungen von künstlerischen und kulturellen Praktiken tiefgreifend verändert. Sie ermöglicht freie Software, freie Inhalte und freie Infrastrukturen. Genau dies sind die Themenfelder der internationalen Konferenz Wizards of OS 4. Unter dem Motto “Information Freedom Rules“ werden über 100 namhafte Wissenschaftler, Techniker, Künstler und Aktivisten in Vorträgen, Diskussionen und Workshops das Terrain der freien Information sondieren und die wichtigsten medientechnischen, rechtlichen, kulturellen und künstlerischen Trends präsentieren. Zu der dreitägigen Konferenz in englischer Sprache werden über 1000 Teilnehmer erwartet.

 

Die WOS4 hat drei thematischen Schwerpunkte. Unter „Autorschaft und Kultur“ geht es darum, dass im Zeitalter von Wikipedia und Flickr die Kultur von allen gemacht wird. Wie verändern sich dadurch kulturelle Praktiken, welche neuen musikalischen und visuellen Genres entstehen, wie stellt sich das Spannungsfeld dar von Erwerbsarbeit der Profis und Selbstausdruck aller und wie entsteht bei alldem Qualität?

 

„Ökonomie und Arbeit“ geht davon aus, dass Produktions und Distributionsmittel für Information sind nicht länger Mangelware sind. Daran knüpft sich die große Frage unserer Zeit: Wie lässt sich mit freien Bits Geld verdienen? Ist ein Markt für Kulturgüter ohne Urheberrechtsdurchsetzung denkbar? Sind kollektive Formen der Vergütung die Lösung? Und wie ist Innovation in investitionsintensiven Bereichen wie Biotechnologie vorstellbar, ohne dass sich nur Reiche die Ergebnisse leisten können?

 

Der dritte Themenkomplex befasst sich mit „Regeln und Werkzeugen der Freiheit“, mit Gesetzen und Lizenzen, vor allem aus dem Urheberrecht, mit der Regulierung des elektromagnetischen Spektrums und natürlich mit der freien Software, freien Datenformaten und offenen Schnittstellen zu Webdiensten.

 

Zu den Höhepunkten der WOS4 gehören die Diskussion von Rishab Ghosh, Hal Varian und Yochai Benkler über die ökonomischen Entwürfe der digitalen Wissensgesellschaft, die Keynote von Lawrence Lessig über die „Read-Write Gesellschaft“ und das Abschlußpanel zur Nation der freien Kultur Brasilien.

 

„Die Gedanken sind frei" erinnerte uns Eben Moglen auf der WOS3 an den Schlachtruf, der durch die Jahrhunderte hallt. Doch anders als die unserer Vorfahren, ist die Bewegung der freien Kultur nicht utopisch, sondern schafft Fakten. Die WOS4 trägt dazu bei, diese Freiheitsbewegung voranzubringen.

 

Antragsteller/in WOS e.V., Dr. Volker Grassmuck

Veranstaltungstermin 14. bis 16. September 2006

Veranstaltungsort Columbiahalle - Columbiadamm 13 - 21, Berlin

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen AG Informatik & Gesellschaft der Humboldt-Universität zu Berlin TESLA, c-base Informatikjahr des BMBF, Bundeszentrale für poliitische Bildung, Open Society Institute - Information Programme, TransAtlantic Consumer Dialogue, Wikipedia Deutschland e.V. , Department for Digital Culture, Ministry of Culture, Brazil u.a.

Internetseiten www.wizards-of-os.org