Cong Su: Welt im Quecksilberlicht

Gegenstand des Librettos ist die Dichtung des chinesischen Lyrikers Gu Cheng. Gu Cheng zählt zu den wichtigsten Dichtern Chinas seiner Generation.

 

Seine Kindheit wurde von der Kulturrevolution Maos, seine Jugend von der kurzen Tauwetterperiode nach dessen Tod, sein späteres Leben durch Exil und Entfremdung geprägt. Cheng, als junger Mann von Peking aus nach Neuseeland und Europa gelangend, hat ein ganzes Jahr auf Einladung des DAAD im Nachwende-Berlin verbracht und ein existentialistisch-taoistisches Werk geschaffen, in welchem seine persönlichen Fragestellungen nach Identität und modernem Bewusstsein auf der Grenze zwischen kulturellen und zeitlichen Epochen reflektiert wird.

 

Das Libretto thematisiert diese Fragestellung unter Zuhilfenahme diverser Gedichte aus den Zyklen Lichtwelten aus Quecksilber und Einzug der Geister/Geister auf dem Weg in die Stadt. In narrativer Form wird ein Plot gestaltet, in dessen Mittelpunkt eine Person steht, die auf einer Straße in Berlin bewusstlos aufgefunden wird und nach dem Wiedererwachen feststellt, ihre Identität verloren zu haben. Niemand weiß, wer dieser Mensch ist. Polizeiliche, öffentliche, diplomatische Recherchen bleiben ohne Erfolg. Ohne Identität, jedoch mit dem Bewusstsein einer fremden Herkunft, geht die Hauptfigur einer dramatischen Selbstinfragestellung entgegen.

 

Cong Su komponiert die Oper nicht für ein Instrumentalensemble, sondern erschafft ein vom Computer geschaffenes Klangbild, in dem er Musik und Naturgeräusche verschmelzen lässt.

Antragsteller/in Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH - Berliner Festspiele

Veranstaltungstermin 16. - 18. März 2006

Veranstaltungsort HAU 1

Förderbetrag 42.000 €

Kooperationen Berliner Festspiele in Koproduktion mit Hebbel am Ufer HAU, Theater Basel und Brisbane Festival, in Zusammenarbeit mit Berliner Künstlerprogramm des DAAD, gefördert durch Hauptstadtkulturfonds

Internetseiten www.berlinerfestspiele.de

M. M. von Makiko Nishikaze

Die Komponistin Makiko Nishikaze und der Regisseur Christian Kesten konzipieren ein installatives Raum-Musiktheater, das auf der literarischen Grundlage des Johannes-Evangeliums, Kapitel 20, basiert und Maria Magdalena in den Mittelpunkt stellt.

 

Maria begegnet Jesus am leeren Grab, hält ihn zunächst für einen Gärtner, erkennt ihn, als er sie mit ihrem Namen anspricht, aber darf ihn nicht berühren, da er noch nicht „in den Himmel aufgefahren“ ist. Diese kurze Begebenheit am Ostermorgen wird abstrahierend aufgelöst, um den inneren Prozess einer der wichtigsten Frauenfiguren der Bibel nachzuzeichnen.

 

Der Werner-Otto-Saal des Konzerthauses wird dafür in eine Raumlandschaft verwandelt, die Sänger, Instrumentalisten und Publikum gleichermaßen bevölkern. Vokal agieren fünf der für ihre experimentellen Stimmkünste bekannten Maulwerker. Die sechs Instrumentalisten, die ebenfalls szenisch eingebunden sind, sind Mitglieder des Kammerensemble Neue Musik. Den Raum gestaltet der Bildende Künstler Kai Schiemenz, die Kostüme Dorothee Scheiffarth, das Licht Johannes Sundrup, die musikalische Einstudierung übernimmt Steffen Tast.

Antragsteller/in Die Maulwerker, Björn Kühnicke

Veranstaltungstermin 24. - 26. März 2006

Veranstaltungsort Konzerthaus Berlin, Werner-Otto-Saal

Förderbetrag 45.000 €

Internetseiten www.maerzmusik.dewww.kammerensemble.dewww.makiko-nishikaze.de

Ohne Leben Tod

Anna Viebrock und Johannes Harneit

 

"Am wichtigsten ist, dass man nicht versteint". Diesen Satz spricht Anna Kapsreiter täglich zu sich selbst, während sie in ihrer Wiener Wohnung im "Haus zum blauen Einhorn" am Tisch sitzt und in winzigen Schlucken eine Tasse Kaffee trinkt. Frau Kapsreiter lebt allein. Von Zeit zu Zeit bekommt sie Besuch von ihrem Bruder Mathias Csamarits und dem kleinen Krächzi aus dem Burgenland, der sich in der unaufgeregten Umgebung von Frau Kapsreiter auf seine Aufnahmeprüfung für das Gymnasium vorbereiten soll. Jedoch die scheinbar in sich ruhende Wienerin lebt ein nach aussen hin verborgenes, «doppeltes» Leben. Eines am Tag. Ein anderes in der Nacht, in welcher Frau Kapsreiter regelmässig von bedrückenden Träumen heimgesucht wird. In ihrer nächtlichen Gedankenwelt braut sich eine Katastrophe mit tödlichem Ausgang zusammen und auf undurchsichtige Weise scheinen Krächzi und ihr Bruder Mathias mit dem erschreckenden Zukunftsereignis in unmittelbarer Verbindung zu stehen. Der genaue Hergang des bevorstehenden Unglücks bleibt der Träumenden verborgen. Nur eines ist sicher: Es handelt sich um eine kriegsähnliche Bedrohung. Um ein Feuer, welches die ganze Stadt «unterwandert».

 

Frau Kapsreiters «Haus zum blauen Einhorn» ist ein Ort aus Heimito von Doderers Roman «Die Dämonen», in welchem der österreichische Schriftsteller seine unzähligen Erzählstränge von Beginn an auf ein historisches Ereignis zulaufen lässt: Den Brand des Wiener Justizgebäudes im Jahre 1927. Das von aufgebrachten Arbeitern gelegte Feuer war eine Reaktion auf den präfaschistisch motivierten Freispruch mehrer Mörder, die den Tod von zwei Zivilisten herbeigeführt hatten. In Doderers Roman wird eines dieser zwei Opfer genauer bestimmt: Es handelt sich um ein Kind aus dem Burgenland.

 

Anna Viebrock und Johannes Harneit verbinden in «Ohne Leben Tod» Doderers Erzählung von Krächzi und den Angstzuständen der Frau Kapsreiter unmittelbar mit Gustav Mahlers 4. Symphonie. Der Struktur von Doderers Roman gedanklich verwandt, lässt Mahler in diesem Werk seine musikalischen Erfindungen in ein finales Orchesterlied münden, in welchem ein verstorbenes Kind seine Jenseitsphantasien besingt. Gemeinsam mit der Schauspielerin Bettina Stucky und der Leipzig Sinfonietta entsteht ein Musiktheater, in welchem das «doppelte» Leben der Frau Kapsreiter, die Klänge Gustav Mahlers und Johannes Harneits unvorhersehbar hereinbrechende Orchesterchoräle nach Gedichten von Daniel Czepko zu einer symphonischen Erzählung über die einzige echte Wahrheit zusammenfallen: Ohne Leben Tod.

Antragsteller/in Klaus Dörr - Performart

Veranstaltungstermin 12. - 19. Dezember 2004

Veranstaltungsort HAU 1

Förderbetrag 110.000 €

Kooperationen Fonds Darstellende Künste

Internetseiten www.performart.de

seven attempted escapes from silence

Die Staatsoper Unter den Linden widmet sich der Schnittstelle von Kunst, Musik und Performance im Magazingebäude mit einem weiteren Satelliten-Projekt: »Seven Attempted Escapes from Silence« sind sieben Kurzopern von je 10 – 15 Minuten an einem Abend, inszeniert durch unterschiedliche Künstler. Gemeinsam mit der Komponistin Isabel Mundry hat die Staatsoper dafür sieben internationale zeitgenössische Komponisten ausgewählt, die mit ihrer musikalischen Sprache zu den interessantesten Komponisten der jüngeren Generation gehören. Bei einem Workshop in der Staatsoper im September 2004 haben sich alle Komponisten auf eine gemeinsame Besetzung von maximal 15 Instrumenten und auf die Stimmlagen geeinigt, so dass die unterschiedlichen Kurzopern jeweils auf das gleiche Material zurückgehen. Als Librettist konnte ein Shootingstar der Literaturszene gewonnen werden: Der 27-jährige New Yorker Schriftsteller Jonathan Safran Foer, der mit seinem Debütroman »Everything is Illuminated« einen internationalen Bestseller geschrieben hat, in dem er mit großer sprachlicher Virtuosität, überraschenden Wendungen und tiefgründigem Humor die Geschichte der Zerstörung eines jüdischen Schtetls in der Ukraine beschreibt. Parallel zu den Vorstellungen wird sein neues Buch »Extremely Loud and Incredibly Close« auf deutsch erscheinen, das Foer bei einer Lesung im Magazin am 16. September vorstellen wird. Zu seinem ersten Libretto »Seven Attempted Escapes from Silence« hat sich Foer auf Einladung der Staatsoper in Berlin vom Magazin-Gebäude inspirieren lassen und sieben kafkaeske Szenen geschrieben, in denen stumme Insassen versuchen, aus einer gefängnisähnlichen Situation zu entkommen. Der Text ist offen, sehr rhythmisch und lässt verschiedene Möglichkeiten der Interpretation zu. Sieben Künstler, die aus unterschied-lichen Bereichen wie Oper, Tanz, Performance oder Videokunst kommen, arbeiten jeweils mit einem Komponisten zusammen und inszenieren dessen Kurzoper. Durch die Zusammenarbeit von Autor, Komponisten, Bühnen- und Kostümbildner und Regisseuren wird auf spielerische Weise die Frage der Opernkomposition neu gestellt, die notwendige Verbindung von zeitgenössischer Musik, Literatur und Kunst inspirierend gezeigt und das Medium Oper auf seine Qualitäten neu befragt.

Antragsteller/in José Sánchez-Verdú

Veranstaltungstermin 14. - 30. September 2005

Veranstaltungsort Deutsche Staatsoper Berlin

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen Ernst-von-Siemens Musikstiftung American Academy Berlin

Internetseiten www.staatsoper-berlin.org