Ningbo - Metamorphosis of a Chinese City

Die Ausstellung findet im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen Berlin 2003 statt.

 

Ningbo ist eine Hafenstadt an der Ostküste Chinas und hat heute sechs Millionen Einwohner. Die Stadt liegt drei Autostunden südlich der Metropole Schanghai. Durch den Bau einer neuen Brücke über den Hangzhou Bay wird sich die Fahrzeit um über eine Stunde verkürzen. Damit liegt die Stadt im direkten Einzugsgebiet von Schanghai.

 

Nach Hangzhou ist Ningbo die zweitgrößte Stadt in der Provinz Zhejiang. An seinem jetzigen Standort, 20 Kilometer im Landesinneren am Zusammenfluss der Flüsse Yü Yao und Feng Hua, wurde die Stadt im 8. Jahrhundert gegründet. Berühmt als Handelsstadt, die den Großen Kanal mit der Seidenstraße der Meere verband, war Ningbo über Jahrhunderte der wichtigste Hafen der Region.

 

Im 19. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Hafenstandortes in Ningbo kontinuierlich ab und das finanzielle und logistische Know-how floss in den Aufbau der neuen Handelsmetropole Schanghai. Nur langsam konnte sich die Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den Folgen dieses Aderlasses erholen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Öffnung des Landes wurde Ningbo 1984 zur Sonderwirtschaftszone erklärt. 1992 kam eine Freihandelszone dazu. Mit einem neuen Containerhafen direkt am Meer und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur entwickelt sich die Stadt zu einem wichtigen Verteilerzentrum für Waren und Dienstleistungen in der Region.

 

Der wirtschaftliche Aufschwung ging mit dem Verlust der historischen Bausubstanz Hand in Hand. Der drohende Identitätsverlust durch Kahlschlagsanierung wurde mit Hilfe In- und Ausländischer Experten untersucht. Das Hauptproblem lässt sich dabei jedoch nur schwer lösen. Welche Nutzung kann in den traditionellen eingeschossigen Holzbauten heute untergebracht werden? Einzelne Bauwerke wie die aus dem 16. Jahrhundert stammende Tianyi Bibliothek oder das Wohnhaus von Chiang Kaishek wurden saniert und sind heute öffentlich als Museen zugänglich. Um den Mondsee ist ein neuer innerstädtischer Park entstanden, in dem wichtige Gebäude mit öffentlichen Nutzungen erhalten blieben.

 

Die Frage einer neuen Identität als Hafenstadt, als moderner Industriestandort und als Stadt der Mode sucht sich dagegen in einer zeitgenössischen Architektur ihren Ausdruck. Mit neuen Universitäten und Schulen, mit neuen Kulturgebäuden und Museen entsteht eine Identität, in der die Fragmente der historischen Bauten eigenständig die Geschichte dokumentieren. Diese neue Stadt definiert sich nicht mehr über die alte Hofhausbebauung, sondern durch ihre Ambitionen als Designmekka der chinesischen Ostküste.

Ein neues Verwaltungszentrum am Stadtrand und der Bedarf an großen neuen Wohnquartieren verschiebt die Grenze der Stadt beständig in die Landschaft. Dabei werden die alten Dörfer zu Vororten der Stadt. Ihre Identität geht auf in einer neuen hybriden Kultur, aus der neue architektonische Konzepte und städtebauliche Strukturen entstehen.

 

Die Ausstellung wird die Entwicklung der Stadt dokumentieren und mit einzelnen Beispielen aus der populären Kultur, dem urbane Leben und die in den letzten Jahren entstanden neuen Bauten zeigen. Mit Plänen, Modellen und medialen Präsentationen werden die einzelnen Themen vorgestellt:

- Die Stadt Ningbo und ihre Alltagskultur (Stadtentwicklung, Infrastruktur, Restaurantkultur, Freizeit etc)

- Themen der urbanen Entwicklung (Funktionsverlagerungen, Wandel der Wohnkultur, Collage aus historischen Fragmenten und neuen Quartieren, Landschaft in der Stadt etc)

Antragsteller/in Aedes East - Internationales Forum für Zeitgenössische Architektur

Veranstaltungstermin 5. September - 26. Oktober 2003

Veranstaltungsort Galerie Aedes East

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen City of Ningbo Heinrich Böll-Stiftung

Internetseiten www.aedes-galerie.de