Bloodshed in Divercity

 

„Seit Sargon der Assyrer Ur und Nippur schleifte bin ich unterwegs. Seit Alexander Persepolis brandschatzte bin ich unterwegs. […] Seit Kubilay Khan Marco Polo schöne Spaghetti schenkte bin ich unterwegs. Seit Hassan Sabah in Samarqand studierte bin ich unterwegs. Seit die Aragonier alle Andersgläubigen aus Andalus vertrieben bin ich unterwegs. Und in den letzten fünfhunderteinundzwanzig Jahren hab ich mich nicht einmal hinsetzen und in Ruhe einen Tee trinken können.“

 

Sechs Vampirinnen treffen sich für einen Abend im Ballhaus Naunynstraße, um zusammen Musik zu machen. Während eine mysteriöse Gestalt die Instrumente einrichtet, schweifen die sehr unterschiedlichen Frauen immer wieder ab und verlieren sich in diversen Fragen: Wie ist es eigentlich, ein Vampir zu sein? Ist ewiges Leben ein Geschenk oder ein Fluch? Hinterlässt eine achthundert Jahre alte Liebesgeschichte immer noch ihre blutigen Spuren in der Gegenwart? Woher kommt der Vampir und noch viel wichtiger: Wo will er eigentlich hin? Was passiert mit einem Vampir, der keine Lust mehr hat, sich von Menschen zu ernähren? Warum spiegeln sich der Kapitalismus, die sexuelle Freizügigkeit und die Überfremdung der mitteleuropäischen Großstädte in Vampireckzähnen? Und warum darf jemand mit tageslichtfernem Hintergrund eigentlich keine Sonnenschutzcreme benutzen?

 

Antragsteller/in Kultursprünge e.V.

Veranstaltungstermin 19., 20., 21., 22., 23. und 24. März 2012 9., 10., 12. bis 17. Dezember 2011

Veranstaltungsort Ballhaus Naunynstraße

Förderbetrag 50.000 €

Internetseiten www.ballhausnaunynstrasse.de

Die Jaffa-Orangen des Richard W. - ein israelisches Rheingold

Eine einzige Person kann einen ganzen Staat bedrohen. Wenn dieser Mensch der Liebe abschwört und sich damit selbst zur Waffe macht, stoppen ihn keine Mauern und keine Raketen. „Ein israelisches Rheingold“ erzählt von der Situation eines Landes, das zwischen Überlebenskampf und Sicherheitssystem, zwischen Lebenslust und Besatzungsmacht, zwischen Zukunftsangst und gewalttätiger Gegenwart zerrissen ist. Die Handlung und die Musik von Richard Wagner werden gefiltert und übersetzt, um von einem anderen, einem neuen Rheingold zu erzählen: Israel, die offene Wunde, der Versuch eines Staates, der Sehnsucht und Hass in sich vereint...

Antragsteller/in Alexander Charim | Susanne Scheerer

Veranstaltungstermin 21. und 23. Oktober 2011

Veranstaltungsort RADIALSYSTEM V

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen Solistenensemble KALEIDOSKOP Culturescapes, Operadagen Rotterdam, Theater Chur

Internetseiten jaffa.kaleidoskopmusik.de/

HELP! oder wie wir einmal fast berühmt wurden

 

In der dokumentarisch-musikalischen Exorzismusperformance HELP! rekapitulieren die vier Schwestern Angela, Claudia, Isabel und Monika Wiedemer, wie es dazu kam, dass sie einmal fast berühmt geworden sind. Sie erzählen die Geschichte, wie sie innerhalb weniger Wochen in einen atemberaubenden Pop-Hype hineingezogen und am Ende in nur wenigen Minuten wieder ausgespuckt wurden – durchgeschüttelt und um eine peinigende, aber heilsame Erfahrung reicher. 17 Jahre danach schildern die Vier, wie sie damals von 30.000 Menschen ausgebuht wurden und treten nun erstmals wieder gemeinsam vor ein Publikum. Ausgehend von ihrer schmerzhaft-wahren Geschichte entsteht unter der Leitung von Regisseur Tobias Rausch und Musiker Rüdiger Krause eine Show, welche ganz allgemein Momente und Erlebnisse des Scheiterns und ihre Konsequenzen im Besonderen untersucht.

 

Stell dir den perfekten Auftritt vor:

1. Auf dem Rücksitz einer Harley-Davidson wirst du von einem bärtigen Rocker in ein vollbesetztes Hamburger Fußballstadion gefahren.

2. Du stehst mit deinen Schwestern auf der Bühne, hysterische Cheerleader tanzen für euch – du bist noch nicht mal zwanzig Jahre alt!

3. Federboas flattern – du singst einen Song, für den ihr schon in der Mehrzweckhalle Offenburg gefeiert worden seid.

4. Der Jubel von zigtausend Zuschauern erreicht dein Ohr und du hörst deine innere Stimme zu dir sagen: „Du hast es geschafft! Endlich! Du bist berühmt!“ – Aber dann: „Moment mal … Ist das wirklich Jubel?“

 

Wenn von Herzblut und Schweiß nichts anderes als Tränen und unangenehme Erinnerungen übrig bleiben, dann liegt die Vermutung nahe, dass die Bemühungen gescheitert sind. Das Scheitern hat immer unmittelbare Folgen, denn es stellt eine existenzielle Frage: Aufgeben oder Weitermachen? Scheitern und Verlieren besitzen immer auch eine gesellschaftliche Dimension von Subversion und Affirmation – ein rebellisches Potential, das es auf der Bühne zu erforschen gilt. Frei nach Beckett: Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

Stellvertretend für das Publikum steigen die vier wie Phoenix aus der Asche und proklamieren eine neue Lust am Misserfolg, ohne dabei auch nur einen geschmacklosen Musikstil auszulassen: Vom Madrigalen über Postpunk zur Symphonie für Nasenflöte und wieder zurück.

 

Von und mit Angela, Claudia, Isabel und Monika Wiedemer Regie Tobias Rausch Musikalische Leitung Rüdiger Krause, Angela Wiedemer Musikalische Mitarbeit Tobias Schwencke Ausstattung Jelka Plate Dramaturgie Marcel Luxinger Technik/Licht Dirk Lutz Assistenz Anna-Maria Thönelt Ausstattungsmitarbeit Eike Boettcher Produktionsmitarbeit Mareike Holtz Produktion/ Presse Björn Pätz & Björn Frers – björn & björn

 

Antragsteller/in Tobias Rausch | Claudia Wiedemer

Veranstaltungstermin 24. August 2011, 19.30 Uhr 25., 26., 27., 28. August 2011, jeweils um 19.30 Uhr

Veranstaltungsort Treffpunkt sophiensaele, Bus-Shuttle zum Aufführungsort

Förderbetrag 65.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Tobias Rausch und Claudia Wiedemer in Koproduktion mit sophiensæle und LOFFT Leipzig. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie des Kulturamts der Stadt Leipzig. Mit Unterstützung des Kulturbüros der Stadt Offenburg.

Internetseiten www.sophiensaele.com

Lilith's Return

Lilith, die erste Frau, die Gott schuf, flieht aus dem Paradies, weil sie sich Adam nicht unterordnen will. Gott kreiert mit der kompatiblen Eva eine neue Gefährtin für Adam und beide sorgen dafür, dass Lilith fortan eine Existenz im Schatten führt. Doch eines Tages beschließt Lilith, das unbequeme, kantige Wesen, in die Welt der anderen zurück zu kehren.

 

Für die Autorin Joumana Haddad ist Lilith eng mit dem vorherrschenden Frauenbild der arabischen Welt verknüpft. Ihre Lilith ist eine junge Frau, die sich in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Ethnien und Glaubensrichtungen gegen alle Erwartungen stellt und sich selbst mit all ihren Widersprüchen kennen lernen und behaupten will.

 

Eine ganz eigene Bedeutung gewinnt der Text in der Interpretation durch die Schauspielerinnen des Berliner integrativen Theaters RambaZamba. In der Theaterarbeit der jungen Frauen mit Down Syndrom steht Lilith für die Selbstbehauptung des Anderen.

 

Die Realitäten junger Frauen in Beirut und Berlin treffen in der mythologischen Figur Lilith aufeinander. In dieser Begegnung bleiben beide Seiten erkennbar und erhellen sich wechselseitig.

 

Die Komposition von Mahmoud Turkmani zu Lilith’s Return verknüpft die orientalische Tradition der musikalischen Improvisation, im Sinne von „sich im Spiel neu Erfinden“, mit Strukturen und Spieltechniken der westlichen Moderne.

 

Antragsteller/in Frank Krug

Veranstaltungstermin 4. bis 6. Februar 2011

Veranstaltungsort Radialsystem V

Förderbetrag 100.000 €

Kooperationen Grand Théatre de Luxembourg, Theater RambaZamba Berlin, Radialsystem V Berlin

Internetseiten www.radialsystem.de

Maria di Rohan, G. Donizetti -Berliner Operngruppe

Gaetano Donizetti, MARIA DI ROHAN

Melodrama tragico in tre atti (deutsche Erstaufführung der neuen wissenschaftlich kritischen Ausgabe)

 

Besetzung:

Maria, Contessa di Rohan ÍRIDE MARTÍNEZ

Riccardo, Conte di Chalais JESÚS LEÓN

Enrico, Duca di Chevreuse ROBERT HYMAN

Armando di Gondi CHRISTINE KNORREN

De Fiesque IPCA RAMANOVICH

Il Visconte de Suze ADAM CIOFFARI

Aubry RAUL ALONSO

Un Famigliare DAVID STINGL

 

Choreinstudierung: BARBARA KLER

Musikalische Leitung: FELIX KRIEGER

 

Es spielen Chor und Orchester der berliner operngruppe

 

In Chor und Orchester der berliner operngruppe entdecken talentierte Amateure gemeinsam mit Musikstudenten und Profis selten aufgeführte Werke der Opernliteratur, die sie nach 3intensiven Probenwochenenden in einer konzertanten Aufführung dem Berliner Publikum präsentieren.

 

Maria di Rohan ist Gaetano Donizettis vorletzte Oper und zählt zu seinen musikalisch reifsten Werken. Sie wurde am 5. Juni 1843 im Theater am Kärntenertor in Wien uraufgeführt und wurde nach einer erfolgreichen Uraufführung in den folgenden zwanzig Jahren noch oft gespielt, bis die meisten seiner Werke, wie die des Belcantos überhaupt, von der damals moderneren Musik eines Verdi, Wagner oder Gounod von vielen Bühnen verdrängt worden sind. Bis heute zählen Donizettis L´elisir d´amore, Don Pasquale oder Lucia di Lammermoor zum beliebten Standardrepertoire aller Opernhäuser weltweit. Der größte Teil seiner Opern hingegen ist in Vergessenheit geraden und nur sehr wenig bekannt, so auch Maria di Rohan. Und dies nicht zu Recht: die Oper enthält wunderbare Arien, geradezu prototypische Meisterstücke des Belcanto, die durch einfallsreiche Melodik mit strahlender Virtuosität glänzen.

 

Nach der deutschen Erstaufführung von Verdis Opernerstling Oberto, Conte di San Bonifacio durch die berliner operngruppe im vergangenen Jahr ist es für alle, die musizierend oder hörend mit dabei waren, nun besonders interessant, sich mit einem unbekannten Werk auseinander zu setzen, das nur drei Jahre nach Verdis Oberto aus der Feder eines hingegen sehr reifen Meisters entstanden ist, der damals zu Verdis großen Vorbildern zählte.

Antragsteller/in Felix Krieger

Veranstaltungstermin Konzertante Aufführung am 8.Mai 2011

Veranstaltungsort Radialsystem

Förderbetrag 15.000 €

Internetseiten www.berlineroperngruppe.de

Pressestimmen

Pariser Leben

Genau zwei Jahre nach der vielbeachteten Neubesichtigung von Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ kehrt NOVOFLOT ins RADIALSYSTEM V. zurück. Gemeinsam mit den Instrumentalisten des ensemble mosaik, der Schauspielerin Olivia Grigolli und einem aus Sängern und Tänzern zusammengesetzten Ensemble widmet sich die Berliner Opernkompanie erstmals dem Genre der Operette und inszeniert auf Grundlage von Jacques Offenbachs Partitur „La Vie Parisienne“ ein von irrwitzigen musikalischen Phasenverschiebungen durchdrungenes Musiktheater mit himmlischem Prolog.

Einst regierten Gott und Luzifer in tiefer Eintracht das Universum. Doch als Gott vorschlug, die Erde zu erschaffen und mit Menschen zu besiedeln, zweifelte Luzifer und ging allein seiner Wege. Fortan aber ließ Gott seine Geschöpfe glauben, dass Luzifer ein Höllenwesen sei und nutzte diese Lüge zur eigenen Regierungssicherung. Luzifer ließ es geschehen, jedoch nur, um eines Tages den ehemaligen Himmelsbruder auf die Erde zu locken und ihn dort erfahren zu lassen, dass nicht er, Luzifer, die Hölle verwaltet, sondern Gott höchstselbst. Und da sich kein Ort besser für eine solche Demonstration eignet, als die mit Illusionen, Gier, Neid und Hysterie überladene französische Hauptstadt, platziert Luzifer den Allmächtigen am dortigen Gare de L‘Ouest und überträgt ihm die letzte verbliebene Hauptrolle in jener Göttlichen Komödie, die als absurdeste aller musikalischen Verwechslungs- und Verschwörungserfindungen in die Operettengeschichte eingegangen ist.

Und da ein Höllenspektakel wie dieses, das von abgebrannten Bohemiens, schwedischen Adeligen, ausschweifenden Fress- und Feierorgien und tieftraurigen Einsamkeiten berichtet, trotz anders lautender Behauptungen nur von einem überirdischen Wesen wie Luzifer erfunden werden konnte, setzt NOVOFLOT in seinem neuen Projekt für das RADIALSYSTEM V. an zu einem ohrenbetäubenden Tauchgang in die tiefliegenden und völlig überheizten Schichten jenes Sündenpfuhls, für den irgendjemand einst fälschlicherweise den Namen Paris ins Grundbuch eingetragen hatte.

 

Regie: Sven Holm / Musikalische Leitung: Vicente Larrañaga / Bühne und Kostüme: Elisa Limberg / Dramaturgie: Malte Ubenauf und Ines Hu / Komposition: Jacques Offenbach und ensemble mosaik / Produktionsleitung: Dörte Wolter / Technische Leitung und Licht: Jörg Bittner

Mit: Olivia Grigolli, Ines Hu, Bini Lee, Hanna Dóra Sturludóttir, Yeri Anarika Vargas Sánchez, Yuka Yanagihara, Matthias Bauer, Chatschatur Kanajan, Simon Robinson, Meik Schwalm, Ernst Surberg, Melih Tepretmez und ensemble mosaik

 

Antragsteller/in NOVOFLOT

Veranstaltungstermin 17. Dezember 2011 18., 21., 22. und 23. Dezember 2011 um 20 Uhr

Veranstaltungsort RADIALSYSTEM V

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Novoflot in Kooperation mit dem RADIALSYSTEM V. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei –Kulturelle Angelegenheiten und durch den Hauptstadtkulturfonds.

Internetseiten www.novoflot.dewww.radialsystem.de

Petite messe solennelle

Gemeinsam mit dem jungen englischen Dirigenten Nicholas Jenkins präsentieren die diesjährigen George-Tabori-Preisträger Nico and the Navigators ihre neue Produktion im RADIALSYSTEM V. Mit ihrer inszenierten Version von Rossinis "Petite messe solennelle" entführen 12 Sänger, 3 Pianisten und 4 Darsteller in die Welt eines religiösen Zweiflers. Ein Konzert der Körper, in dem das Allerheiligste auf das Allermenschlichste trifft.

 

 

...Eine Philosophie in Bewegung, ein Tanz auf den Projektionsflächen des Agnostizismus, Imaginationen der Verstörung in perfektem Timing - die hohe Kunst von Nico and the Navigators...

(Süddeutsche Zeitung)

 

 

Nico and the Navigators wurden von Nicola Hümpel und Oliver Proske 1998 am Bauhaus Dessau gegründet. Von Berlin aus haben sie sich seither mit ihrer bildstarken Handschrift in der europäischen Theaterlandschaft durchgesetzt. Mit Tragikomik und Poesie legen sie ihre Finger in die Wunden der Zeit und überraschen inzwischen auch die internationale Welt des Musiktheaters.

 

 

 

Konzept / Regie: Nicola Hümpel

Musikalische Leitung: Nicholas Jenkins

Bühne: Oliver Proske

Kostüme: Frauke Ritter

Lichtdesign: Andreas Fuchs

 

Von und mit: Michael Adair, SooJin Anjou, Nikolay Borchev (16.11.) / Pauls Putnins (18.-20.11.), Milos Bulajic, Ulf Bunde, Philipp Caspari, Sean Clayton, Peter Fasching, Jan Gerdes, Adrian Gillott, Annerose Hummel, Yui Kawaguchi, Julla von Landsberg, Ulrike Mayer, Laura Mitchell, Ted Schmitz, Patric Schott, Elizabeth Weisberg, David Zobel

 

Antragsteller/in Nico and the Navigators

Veranstaltungstermin 16., 18., 19. und 20. November 2011, 20 Uhr

Veranstaltungsort Radialsystem V Berlin

Förderbetrag 80.000 €

Kooperationen Eine Produktion von „pèlerinages“ Kunstfest Weimar und NICO AND THE NAVIGATORS. In Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Luxembourg, den Bregenzer Festspielen (Kunst aus der Zeit) den KunstFestSpielen Herrenhausen und dem Theater Erfurt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, die Schering Stiftung, die Augstein Stiftung und aus Mitteln des Landes Berlin. In Kooperation mit der Opéra-Comique Paris, der Opéra de Dijon und der Radialstiftung.

Internetseiten www.navigators.dewww.radialsystem.de

Pierrot Lunaire

Pierrot Lunaire

Dreimal sieben Gedichte aus Albert Girauds 'Pierrot lunaire'

von Arnold Schönberg

 

Premiere: 6. März 2011 / 19.30 Uhr / HAU 1

auch 8. bis 10. März 2011 / 19.30 Uhr / HAU 1

 

Musikalische Leitung: Premil Petrovic;

Inszenierung: Bruce LaBruce

Art Director: item idem

Kostüm: Zaldy

Licht: Hans Leser

Dramaturgie: Laura Berman

 

Mit: Susanne Sachsse

Weitere Performer: Maria Ivanenko, Krishna Kumar Krishnan, Luizo Vega u.a.

 

Und: Jana Ackun (Klavier), Raphael Christ (Violine), Miguel Pérez Iñesta (Klarinette), Chloé L'Abbé (Flöte), Andreas Voss (Violoncello)

 

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

In Ko-Produktion mit dem Hebbel am Ufer

 

 

 

Die Figur des Pierrot geht auf die commedia dell’arte des 16. Jahrhunderts zurück. Im Laufe der Zeit wandelte sich Pierrot von einem gefühllosen Schelm zu einer geistreichen, aber gepeinigten Figur, die in ihrer bizarren Innenwelt verschüttet ist, sodann zu einem verträumten Charakter, anfällig für Langeweile und Gewalt, unmännlich, verliebt und wahnsinnig. Die Schauspielerin Albertine Zehme bat 1911 den Komponisten Arnold Schönberg, einen Teil der Pierrot Lunaire-Gedichte des Belgiers Albert Giraud zu vertonen: Schönberg arrangierte für fünf Musiker 21 der rund 50 Gedichte in drei Gruppen zu seinem bahnbrechenden Musiktheaterwerk „Pierrot Lunaire“.

 

Das hier vorgestellte Inszenierungskonzept gründet in Schönbergs Verhältnis zum

Cabaret wie dem Grand-Guignol und Chat Noir in Paris. Seine Vision des Pierrot Lunaire war eine Traumwelt, in seinen Worten voll „dekadenter Sehnsucht, Schuld, Entzücken und Angst“, ein Kasperle-Kabarett, ausgestattet mit den Horrorszenarien und dem ironisch-satirischen Humor des Grand-Guignol und einer besonderen Leichtigkeit. Das Werk ist der Versuch, „Sinnesfreude und Spiritualität“ zu verbinden und die dunkle Welt des Außenseiters mit „animalischer Expressivität“ zu erforschen – darin liegt die Relevanz des Pierrot Lunaire.

 

Pierrot, lebt jenseits der gesellschaftlichen Norm in seiner eigenen Welt. Sein Geschlecht ist unklar, denn eine Frau spielt einen männlichen Charakter. Es scheint, als hätte er seine Identität verloren. Ohne Geschlecht glaubt er keine Aussicht auf (sexuellen) Erfolg zu haben. Der androgyne Pierrot ist ein Mann ohne Phallus, eine Frau im femininen Männerkostüm und ein Außenseiter, ein Fremder. Heute müsste man sagen: Pierrot ist queer.

 

Diesem Ansatz folgend bat der serbische Dirigent Premil Petrovic den kanadischen

Künstler Bruce LaBruce, ein Regiekonzept zu entwickeln. Die Geschichte enthält alle Elemente von Melodram und Grand Guignol und beinhaltet die von Schönberg gegebene Besetzungsvorgabe einer männlichen Rolle mit einer Frau. Eine genaue Nacherzählung dabei ist nicht beabsichtigt, die Geschichte unterstützt Schönbergs Nummern-Dramaturgie und dient als Folie und Auslöser für die Musikstücke.

 

 

Regiekonzept

Pierrot Lunaire – A Chilling, Modern Horror Story

 

„Während ich der Musik von Arnold Schönberg für sein Melodrama Pierrot Lunaire lauschte, versuchte ich meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und ein Konzept zu assoziieren, das zum einen zur Stimmung seiner atonalen Musik passen würde und sich zum anderen den dazugehörigen Gedichten von Albert Giraud in einem modernistischeren Kontext anpassen ließe. Aus der Gedankensuppe meines Unbewussten tauchte eine Geschichte auf, die ich irgendwann gehört hatte und die sich vor mehreren Jahrzehnten in Toronto zugetragen haben soll. Eine Geschichte, die zugleich so skurril und so universell ist (der Ödipus- und der Kastrationskomplex sind offensichtlich), dass sie ohne weiteres neben den Tragödien der alten Griechen oder von Shakespeare bestehen kann.

 

Ein junges Mädchen, das sich regelmäßig als Junge verkleidet (man denke an Was ihr wollt oder Der Kaufmann von Venedig), verliebt sich und verführt ein junges Mädchen, das keine Ahnung hat, dass ihr Liebhaber gleichen Geschlechts ist. Das Mädchen, das ein Junge sein würde, stammt aus bescheidenen Verhältnissen, während das weibliche Objekt seiner Begierde einen wohlhabenden Geschäftsmann zum Vater hat und der Oberschicht angehört. Als das Mädchen seinem Vater „ihren Freund“ vorstellt, ist dieser skeptisch, ob der Junge wirklich ein Junge ist und entlarvt den Schwindel. Obwohl die Gefühle des Mädchens für „den Jungen“ seltsamerweise unverändert fortbestehen, verbietet der Vater dem „Jungen“ seine Tochter jemals wiederzusehen. Außer sich und wie im Wahn heckt der „Junge“ einen abenteuerlichen Plan aus, um dem Vater seiner Geliebten seine wahre „Männlichkeit“ zu beweisen. Seine anschließenden Missgeschicke führen ihn in ein Burlesque-Theater, wo er ein seltsames Zwischenspiel mit einem akrobatischen männlichen Stripper erlebt und münden in einer verhängnisvollen Taxifahrt ins Nichts, die ihn letztlich in einen besinnungslosen Mord treibt.

 

Für mich sind in dieser Geschichte alle wesentlichen Merkmale des Melodramas und des Grand-Guignol enthalten, die wir in einer Version des Pierrot Lunaire des 21. Jahrhunderts suchen. Zudem besitzt dieses Szenario den klaren Vorteil einer Frau in einer männlichen Rolle, eine der eigenwilligen Vorgaben Schönbergs in Bezug auf die Besetzung seines Melodramas. Die Besetzung umfasst fünf Hauptcharaktere: Pierrot (das Mädchen, das ein Junge zu sein glaubt), seine Freundin, den Vater der Freundin, einen männlichen Tänzer aus dem Strip-Club und den Taxifahrer. Das Orchester, das ebenfalls auf der Bühne platziert ist, wird zur sechsten Figur in dieser Adaption des Pierrot.

 

Im Einklang mit der Tradition des Grand-Guignol und seinem Bezug zum Elisabethanischen und Jakobinischen Theater wird das Stück im HAU 1 aufgeführt, das mit seinem opulenten und klassischen Charakter den perfekten Hintergrund für diese schaurige moderne Horrorgeschichte bildet.“

 

Bruce LaBruce

 

Antragsteller/in Premil Petrovic

Veranstaltungstermin 6., 8., 9., 10. März 2011 jeweils um 19:30 Uhr

Veranstaltungsort HAU 1

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Pressestimmen

SORORI

SORORI erzählt die Lebensgeschichte einer jungen West-berlinerin. Diese schildert in ihren Tagebuchaufzeichnungen ihr Erwachsenwerden in der frühen Berliner Nachwendezeit als eine Suche nach sich selbst, an der sie schließlich schei-tert und sich das Leben nimmt. SORORI versteht sich als biografische Arbeit, entwickelt aus dem multimedialen Ma-terial des Nachlasses dieser jungen Frau.

 

Wer hat nicht während seines Erwachsenwerdens ein Tagebuch geführt? Wer hat sich nicht die Frage gestellt, wer er ist, was er will und vor allem, wohin er gehört? Die meisten von uns finden ihren Weg zu sich oder zumindest ihren Platz in der Gesellschaft. Einige jedoch gehen sich und der Gesellschaft verloren und nicht selten am Ende auch dem Leben.

SORORI versteht die Frage nach Identität als Balanceakt zwi-schen Individualität und Gemeinschaftszugehörigkeit und verortet sie im Mikrokosmos der Tagebücher einer jungen Frau. Den auto-biografischen, allein über Lautsprecher eingesprochenen Texten, wird eine eigene Komposition und ein Chor auf der Bühne gegen-übergestellt. Als bewegliche Masse, als choreografierter Klangkör-per tritt der Chor in Interaktion mit der körperlosen Protagonistin. So findet die zentrale Thematik ihre formale Entsprechung.

Die Arbeit entwickelt sich fast ausschließlich aus dem Nachlassma-terial: Neben den Tagebuchtexten sind es Mixkassetten, Tonauf-nahmen sowie Super-8- und Videofilme, die in jeweils unterschied-licher Verwendung die Lebensgeschichte der jungen Frau erzählen.

Antragsteller/in Ulrike Ruf

Veranstaltungstermin 3., 5. und 6. November 2011, 20 Uhr

Veranstaltungsort Elisabethkirche - Invalidenstraße 4A, 10115 Berlin-Mitte

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin. In Kooperation mit Vocalconsort Berlin. Im Rahmen der Klangwerkstatt Berlin.

Internetseiten www.sorori.de

Wie sind wir wandermüde

THE BLIND

A-cappella-Oper von Lera Auerbach

nach "Les Aveugles" von Maurice Maeterlinck

Uraufführung

 

Musikalische Leitung: Philip Mayers

Regie: Cornelia Heger

Choreographie: Angelina Jankova

Bühne: Frank Michael Zeidler

Kostüme: Manuela Mildt, Anja Mikolajetz

Vocalconsort Berlin

 

 

Damit sie die letzten Strahlen der Sonne vor dem Winter genießen, hat ein Priester eine Gruppe von zwölf Blinden aus ihrem Blindenheim in den Wald geführt. Auf der Suche nach der Lichtung hat er sich von der Gruppe entfernt. Vermeintlich wehrlos, hoffnungslos überfordert sieht sich die Gruppe einem unbekannten Schicksal ausgeliefert...

Antragsteller/in Berliner Kammeroper | Kay Kuntze

Veranstaltungstermin 13., 14., 15. und 19. Oktober 2011

Veranstaltungsort Werner-Otto-Saal im Konzerthaus Berlin

Förderbetrag 40.000 €

Kooperationen Konzerthaus Berlin

Internetseiten www.berlinerkammeroper.dewww.konzerthaus.de

Words and Music

Words and Music

von Samuel Beckett und Morton Feldman

 

Ein Hör-Spiel im lichtlisen Raum mit Hanns Zischler, Shaun Lawton und dem Solistenensemble Kaleidoskop.

 

Ein Projekt von Sabrina Hölzer

 

Das Stück

In einer konflikthaften Dreierbeziehung des gebrochenen Tyrannen „Croak“ (Shaun Lawton), mit seinen Dienern „Bob“ (Solistenensemble Kaleidoskop) und „Joe“ (Hanns Zischler) personifiziert das Stück die Sehnsucht des Menschen nach Trost im Zusammenspiel von Worten und Musik.

Das Hörspiel ist Teil der Serie INTO THE DARK, in der die Regisseurin Sabrina Hölzer in unterschiedlichen Performances die Wirkung von Musik in einem lichtlosen Raum erprobt. Im ehemaligen Funkhaus Berlin Nalepastraße erfährt der Hörer eine akustische Inszenierung aus Worten und Musik, die ihn scheinbar körperlos umgeben.

 

Die Worte

Croak, ein gealterter verwirrter Tyrann, gibt den „Worten“ und der „Musik“, die er mit Namen Joe und Bob ruft, Befehle, sich zu Themen wie „Liebe“, „Alter“ und dem „Gesicht“ zu äußern. Aber Joe und Bob mögen sich nicht. Sie streiten. Croak ermahnt sie beständig, befiehlt ihnen, sich zusammenzuschließen und zwingt sie schließlich gewaltsam in ein gemeinsames Lied. Unnachgiebig korrigiert darin die Musik die nach Tönen tastenden Worte. Während ihr Lied „das Gesicht“ mit jeder Strophe mehr erhellt, weicht Croak ängstlich zurück. Sein Schlagstock fällt und er zieht mit schlurfenden Schritten davon. Sich selbst überlassen, ringen die beiden um Sinn in der Abwesenheit ihres Herrn. In ihrem Versuch einer möglichen Annäherung erscheint die Beziehung zwischen Joe und Bob damit als ein Sinnbild der Oper in ihrer Auseinandersetzung mit Wort und Ton.

 

Die Musik

In Kooperation mit Samuel Becketts Cousin John Beckett entstand 1961 eine erste Version des Hörspiels mit Musik. Beckett war mit dem Ergebnis unzufrieden, zog die Partitur nach der Produktion zurück und überließ den musikalischen Klang der Phantasie seiner Leser. Vierzehn Jahre später plante Everett Frost, Projektleiter der Soundscape Inc., zu Becketts achtzigstem Geburtstag eine Neuproduktion aller Hörspiele und schlug Morton Feldman als Komponisten für „Words and Music“ vor. Da beide aus ihrer Abneigung der Oper gegenüber zuvor gemeinsam die Anti-Oper „Neither“ produziert hatten, vertraute Beckett Morton Feldman die Komposition an und es entstand die Version, die nun im Funkhaus Berlin Nalepastraße gespielt wird.

 

Die Inszenierung

Während im ersten Teil von INTO THE DARK die Inszenierung aus komplexen Bewegungschoreografien der Musiker im dunklen Raum bestand, sind in „Words and Music“ Ausführende und Publikum auf zwei Räume verteilt, die akustisch miteinander vernetzt werden: „Worte“ und „Musik“ agieren im großen Saal, während die Zuhörer den verdunkelten Kleinen Sendesaal mit „Croak“ teilen, der den beiden von dort aus befiehlt, sich zu äußern. Die akustische Installation ist dabei so gewählt, dass der Klang der Live Performance den im lichtlosen Raum sitzenden Hörer auf verschiedenen Ebenen räumlich umgibt und ihn somit in die Szene des Hörspiels integriert.

 

Begleitende Installation

An zwei Tagen wird zusätzlich die Möglichkeit gegeben, den Raum zu betreten, ohne ihn dabei wahrzunehmen. Blinde Guides führen die Besucher an den PLatz.

 

Antragsteller/in Zeitgenössische Oper Berlin e.V.

Veranstaltungstermin 23. bis 26. September 2011, jeweils 20.00 Uhr zusätzliche Toninstallation am 24. und 25. September 2011; jeweils 11.00, 13.00, 15.00, 17.00 Uhr

Veranstaltungsort Funkhaus Berlin, Nalepastraße

Förderbetrag 90.000 €

Internetseiten www.intothedark.de