HELLELFENBEIN - Berliner Kurzstrecken

Mit dem doku-fiktionalen Theaterprojekt HELLELFENBEIN ‑ Berliner Kurzstrecken laden die Regisseurin Jessica Glause und die Autorin Olivia Wenzel zu Taxifahrten durch die Hauptstadt und werfen einen kritischen Blick auf Deutschland und seine Einwanderungspolitik: fünf FahrerInnen mit migrantischem Hintergrund erzählen auf der Fahrt aus ihrem Leben als FacharbeiterInnen und Akademikerinnen in ihrer Heimat, dem bürokratischen Akt der Einwanderung und ihrem heutigen Alltag am Steuer. Dabei wird das Taxi zum Begegnungsort und zum lebendigen Archiv urbaner Realitäten und Geschichten.

Tausendfach werden sie tagtäglich gerufen: Berliner Taxis. Hinter dem Steuer eine unbekannte Person, oftmals mit Migrationsgeschichte. Die Konversation beschränkt sich in den meisten Fällen auf ein Minimum. Es herrscht ein buchstäblich stillschweigendes Abkommen zwischen Fahrer und Fahrgast.

HELLELFENBEIN ‑ stellt die Lebensgeschichten und Erfahrungswelten einer Berufsgruppe in den Vordergrund, die viel zu erzählen hat. Ausgehend von Interviews mit TaxifahrerInnen ausländischer Herkunft und beruflichen Qualifikationen jenseits der Personenbeförderung werden bei Fahrten durch die Hauptstadt deren Lebenswege im intimen Raum des Taxis skizziert. Während Häuser und Stadtleben an den Fensterscheiben vorbei gleiten, erzählen die FahrerInnen von einer anderen Lebensrealität: was heisst es, wenn das absolvierte Studium oder auch die fachliche Ausbildung plötzlich nichts mehr wert ist? Was hat sie nach Deutschland gebracht? Welchen Weg haben sie zurückgelegt, welcher liegt vor ihnen? Das doku-fiktionale Projekt schlägt eine Brücke zwischen Fahrersitz und Rückbank und durchbricht die vierte Wand des Gefährts. An festgelegten Punkten in der Stadt wechseln die Fahrgäste das Taxi ‑ und steigen ein in ein weiteres Leben.

 

Mit: Berliner TaxifahrerInnen I Künstlerische Leitung: Jessica Glause & Olivia Wenzel I Ausstattung: Jil Bertermann I Produktionsleitung: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro I Regie- & Produktionsassistenz: Franziska Janke I Technische Leitung: Horst Körner I Technik: Jan Rübbelke I Presse: björn & björn

 

Eine Produktion von Jessica Glause und Olivia Wenzel. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. In Kooperation mit TAK Theater im Aufbau Haus.

 

Antragsteller/in Jessica Glause & Olivia Wenzel

Veranstaltungstermin 13., 15., 16., 28.,29., 30. Mai 2015 und 2., 3. und 4. Juni 2015, jeweils 19 und 21 Uhr

Veranstaltungsort Startpunkt: TAK-Theater im Aufbau Haus Berlin

Förderbetrag 57.000 €

Internetseiten www.theater-aufbau...kreuzberg.de

Pressestimmen

(c) Glause / Wenzel

Karamasow / Wiederaufnahme

Thorsten Lensing erhält dieses Jahr für seine Inszenierung „Karamasow“ den Friedrich-Luft-Preis für „die beste Berliner oder Potsdamer Theateraufführung im Jahr 2014“.

 

"Die Jury überzeugte "die großartige Leistung des Ensembles und die Inszenierung, die immer wieder zu überraschen weiß. Sie atmet den Geist von Tschechow und Beckett und macht den Raum frei für das Wichtigste im Theater: die Schauspieler"."

 

Karamasow

Fjodor Dostojewskij

 

Die Brüder Karamasow ist ein Roman über drei Brüder und ihren Vater, über Kinder, Tiere, einen Mord – und über den Glauben in einer Welt, der Glaubensfragen fremd und unheimlich nahe zugleich sind. Ein tausendseitiges Buch über die Komik und Unverfügbarkeit des Lebens. Es ist so wenig beherrschbar wie das Leben selbst. Alle Figuren werden in Situationen und Beziehungen verwickelt, denen sie nicht gewachsen sind. Sie brechen plötzlich über sie herein und machen sie zu dem, was sie sind: Verstrickte, Bedürftige, Überraschte.

 

 

MIT Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi, Horst Mendroch, Ernst Stötzner, Devid Striesow, Rik van Uffelen

 

REGIE Thorsten Lensing BÜHNE Johannes Schütz KOSTÜME Anette Guther TEXTFASSUNG Thorsten Lensing unter Mitarbeit von Dirk Pilz

 

PRODUKTIONSLEITUNG Eva-Karen Tittmann TECHNISCHE LEITUNG Eugen Böhmer REGIEASSISTENZ Benjamin Eggers, Lucie Grünbeck KOSTÜMASSISTENZ Nele Ellegiers BÜHNENASSISTENZ, REQUISITE Sugiura Mitsuru FOTOS Arwed Messmer TECHNISCHE MITARBEIT Dirk Lutz KOSTÜMASSISTENZ GASTSPIELE Irina Balzer

 

Aufführungsrechte beim S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

Übersetzung von Swetlana Geier.

 

Antragsteller/in Thorsten Lensing

Veranstaltungstermin 4. und 5. Juli 2015 um 19 Uhr

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 12.000 € Wiederaufnahme

Kooperationen Eine Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE Berlin, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Schauspiel Stuttgart, Theater im Pumpenhaus Münster, Kampnagel Hamburg, HELLERAU Europäisches Zentrum der Künste Dresden und TAK Theater Liechtenstein. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster. Mit Dank an die Uferstudios Berlin.

Internetseiten www.sophiensaele.comwww.evakarentittmann.de

Pressestimmen

Auf dem Bild: Sebastian Blomberg, Rik van Uffelen, Horst Mendroch Alle Rechte bei: © Arwed Messmer lux fotografen

Auf dem Bild:, Devid Striesow, Ursina Lardi, hinten an der Glocke André Jung Alle Rechte bei: © Arwed Messmer lux fotografen

Auf dem Bild: Devid Striesow Alle Rechte bei: © Arwed Messmer lux fotografen

Kinder des Wohlstands

asuperheroscape zeigt die ProtagonistINNen der ehemaligen Mittelschicht und ihr bizarres Alltagsverhalten nach sieben Jahren Krise. Ästhetisch grotesk, theatral übergriffig, diskursiv und direkt.

 

Waren wir nicht voll glücklicher Erwartung? Selbstbestimmung, fröhliche Selbstentfaltung und ein Leben in absoluter Freiheit, war das nicht versprochen? Nun knirscht es im Getriebe. Das geistige Erbe unserer Eltern hat in den letzten Jahren seine positive Leuchtkraft eingebüßt. Warum? Vorallem: Wer kann helfen in dieser Situation?

Ein Pferd bietet sich als Helfer und wissende Autorität an; auf einem offenen Platz empfängt es seine Gäste. Außerdem mit dabei: T. und A, zwischen 19 und 40 Jahre jung, kulturelles Kapital en masse, Begabung & Charme, klar, ökonomische Mittel bisher eher begrenzt, generell auf der Suche. Kann das Pferd helfen? Einfühlsam und selbstverständlich nur das Beste wollend, lädt es alle Mittelschichtboys und -girls zu einem Trainingsritt auf schiefen Plateaus ein, zu einmaligen Chancen und überraschend begrenzten Möglichkeiten. Wer will mit? Wer kann den Trend und die Welle reiten, wer kann surfen, wer zu mindestens schwimmen? Und wer will es lernen?

 

 

asuperheroscape produziert seit 2007 ästhetisch überhöhte Alpträume in Vollplastik. Hier ist der Mensch stets zu klein für seine Aufgaben, die gesellschaftlichen Charakter-Kostüme dafür viel zu groß. In übergroßen Schaumstoffpanzern wird öffentlich gedacht, argumentiert, gestritten, geplappert, Finten gelegt, gerungen, vorgeführt. Herangezogen wird alles, was hilft: Klassiker, philosophische Zitate und Alltagsweisheiten. Verhandelt wird es direkt vor dem Publikum, am und mit dem Publikum. Zuletzt waren sie mit DAS UNFASSBARE SCHICKSAL DER ERLEBNISBANANE im Ballhaus Ost zu sehen.

 

Antragsteller/in Fabian Larsson / asuperheroscape

Veranstaltungstermin 16. April 2015 PREMIERE, 17., 18., 29., 30. April, 2. Mai, jeweils 20 Uhr

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen „Kinder des Wohlstands“ ist eine Produktion von asuperheroscape, in Koproduktion mit dem Ballhaus Ost Berlin und dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich. Gefördert von Hauptstadtkulturfonds, Stadt Zürich Kultur, Kanton Zürich und der Ernst-Göhner-Stiftung.

Internetseiten www.asuperheroscape.com

asuperheroscape

Marx' Gespenster

Als mit dem Untergang des sogenannten real existierenden Sozialismus die Analysen von Karl Marx für erledigt erklärt wurden und man vom endlich erreichten Ende der Geschichte, der Alternativlosigkeit von Markt und Demokratie sprach, erinnerte der französische Philosoph Jacques Derrida 1993 wieder daran, dass sich das Gespenst des Marxismus nicht so leicht verflüchtigen würde. Er sollte recht behalten. Nach sieben Jahren Finanzkrise, in deren Zentrum gespenstische Vermögen und Schulden und eine Bedrohung der Demokratie in Griechenland stehen, oder angesichts der aktuellen Not der Flüchtlinge, die auch als fatale Folge eines unkontrollierten und immer subtiler agierenden Kapitalismus verstanden werden muss, gewinnen diese Überlegungen heute immer mehr an Brisanz.

 

Mit der Veranstaltungsreihe “Marx’ Gespenster” knüpft das HAU Hebbel am Ufer an die Aktualität der Analyse und Kritik von Marx an und versucht, unterschiedlichen Artikulationen gegen heutige Herrschaftsformen auf die Spur zu kommen, aber auch Auswege aufzuzeigen. In der aktuellen Situation der Vergesellschaftung, in der das Selbst kein Rückzugsort mehr ist, sondern sich zu einem Produktionsinstrument entwickelt hat, das effizient funktionieren muss, stellt das Festival nicht nur gesamtpolitische Aspekte ins Zentrum, sondern auch Reflexionen von Künstler*innen, die in ihrer Praxis tagtäglich Formen der Selbstausbeutung und Aufforderungen zur Selbstoptimierung unterworfen sind.

Mit Phil Collins, Sylvain Creuzevault, Bojan Djordjev, Nahawa Doumbia, Nathan Fain / Maria Rößler, Keith Hennessy, Srećko Horvat & Teresa Forcades i Vila, Patrick Wengenroth / Houseclub, Chris Kondek & Christiane Kühl, Max Linz, STAN & de KOE, Sarah Vanhee, Andros Zins-Browne u.a.

Antragsteller/in Hebbel-Theater Berlin GmbH

Veranstaltungstermin 12. bis 22. November 2015

Veranstaltungsort HAU1, HAU2, HAU3

Förderbetrag 195.000 €

Kooperationen House on Fire mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union. Europäisches Netzwerk DNA (Departures and Arrivals) mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union. Institut français und das französische Ministeriums für Kultur und Kommunikation/ DCGA.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Keith Hennessy Turbulence (a dance about the economy) Foto: Robbie Sweeney

Marx' Gespenster Foto: Jürgen Fehrmann

Phil Collins marxism today (prologue) / use! value! exchange! Filmstil aus use! value! today!

Russischer Theaterfrühling. Neues russisches Theater heute.

Erstmalig in Berlin, und möglicherweise gar in Deutschland, bringt der Russische Theaterfrühling junges, zeitgenössisches und avantgardistisches Theater in Form eines Theaterfestivals auf die Berliner Bühnen. Der Titel ist dabei exemplarisch und soll neuen Wind in die deutsche und europäische Wahrnehmung des russischen Theaters, die sich meist auf klassische Stücke beschränkt, bringen. Der Fokus des Festivals liegt dabei in erster Linie auf gesellschafts-politischen Themen, die von der jungen und weltoffenen Theatergeneration Russlands experimentierfreudig und mit faszinierender Leichtigkeit angepackt werden und beweisen, wie klein die Unterschiede zwischen den verschiedenen Welten und Lebensrealitäten sowie der darin lebenden Individuen letztlich doch sind.

 

Im Laufe einer Woche werden junge kritische Nachwuchstheatermacher aus Moskau mit aktueller Gegenwartsdramatik (New Drama), innovativen Inszenierungen und Stand-up Stücken verschiedene gesellschaftspolitische Probleme angehen. In einer aktuellen und brisanten Sprache bringen alle Stücke Themen, wie die Absurdität und Totalität des russischen Staatsapparats (‚Alice und der Staat’), Probleme und Herausforderungen multikultureller Gesellschaften und die Diskrepanzen von Migration und Integration (‚Der Usbeke’) sowie Abgründe familiärer (Macht-) Konstellationen, die exemplarisch für die Widersprüche moderner Gesellschaften stehen (‚Aschenputtel’), auf den Punkt. Die facettenreichen Inszenierungen gehen die Themen dabei auf unterschiedlichste Weise und mit verschiedenen ästhetischen und künstlerischen Mitteln an, haben dabei jedoch eine Sache gemeinsam: trotz des russischen Entstehungs- und Erfahrungshintergrunds, präzisie-ren sie brisante Themen, die überall und in jeder modernen Gesellschaft relevant sind und verbinden auf diese Weise die gegenwärtig immer weiter auseinander driftenden Welten Russlands und Westeuropas.

 

Die insgesamt sechs Vorführungen werden innerhalb einer Woche in deutscher Übersetzung oder mit deutschen Übertiteln in der Schaubühne und dem Theater-unterm-Dach laufen.

 

In einem gemeinsamen Gespräch am 02.06.2015 in der Schaubühne, versuchen die russischen Theatermacher außerdem die gegenwärtigen Herausforderungen und Möglichkeiten des russischen Theaters zu erfassen und diskutieren zum Thema „Russisches Theater im Wandel. Von Chancen und Problemen in Krisenzeiten“.

Antragsteller/in Anna Leonenko

Veranstaltungstermin 1. bis 6. Juni 2015

Veranstaltungsort Schaubühne am Lehniner Platz, Theater unterm Dach

Förderbetrag 80.000 €

Kooperationen TAZ, Funkhaus Europa

Internetseiten www.mediaost.de/

Light my fire(theater.doc)

Der Usbeke (Jakov Petschenin)

Alice und der Staat(Konstantin Zismanov)

The Situation (alt: Together Forever)

Wer auf Hebräisch oder Arabisch die politische Lage im Nahen Osten beschreiben will, spricht schlicht von »The Situation«. In den letzten Jahren hat es viele Menschen mit »Situation«-Hintergrund nach Berlin verschlagen. Einst hielt der Konflikt ihre Leben auseinander, nun treffen sie in der deutschen Hauptstadt aufeinander.

 

Yael Ronen versetzt ihre neueste Stückentwicklung am Gorki in einen Neuköllner Deutschkurs. Die Kursteilnehmenden verbindet, dass sie in den letzten Jahren nach Berlin gekommen sind. Aus Syrien, wo seit 2011 Krieg herrscht. Aus Israel und Palästina, wo das politische sowie soziale Klima immer militanter wird. Kein Wunder also, dass im Kurs von Deutschlehrer Stefan die deutsche Grammatik das kleinste Problem ist.

 

Yael Ronen und die Schauspieler*innen, die aus Syrien, Palästina und Israel nach Berlin gekommen sind, setzen sich mit den paradoxen Wiederbegegnungen ihrer »Nachbarn« sowie mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinander.

 

 

Auf Englisch,Deutsch, Hebräisch und Arabisch und mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Antragsteller/in Yael Ronen

Veranstaltungstermin 4. September 2015

Veranstaltungsort Maxim Gorki Theater

Förderbetrag 85.000 €

Internetseiten www.gorki.de/spiel...uation/1622/

Pressestimmen

Foto: Esra Rotthoff

Transcendence

Das Fundament der europäischen Gesellschaft geriet ins Wanken, und der 1. Weltkrieg war dabei, ihm den letzten Schlag zu versetzen als am 25. November 1915 Albert Einstein einen Vortrag an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin hielt. Erstmals, vor genau 100 Jahren, sprach er hier über den Kern der Allgemeinen Relativitätstheorie.

 

In drei parallel laufenden Strängen erzählt „Transcendence“ von jahrelangen Intrigen und politischen Manövern um die Nobelpreisvergabe an Einstein, von strapazierten Freundschaften zwischen Wissenschaftlern, der Suche zweier ungleicher Verbündeter - Einstein und Franz Kafka – nach jüdischer Identität sowie dem Ringen um neue Perspektiven und wissenschaftliche Integrität in einer ausgelaugten Gesellschaft. Die allgemeine Relativitätstheorie ist dabei zentrales Strukturelement und Erzählhintergrund.

 

Antragsteller/in English Theatre Berlin | International Performing Arts Center

Veranstaltungstermin 20. bis 30. November 2015

Veranstaltungsort English Theatre Berlin | International Performing Arts Center

Förderbetrag 45.000 €

Kooperationen Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Hengge) / Technische Universität Berlin (Prof. Steinle) / Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Prof. Renn)

pic: Magnus Hengge

pic: Gerald Wesolowski

Von Affen und Engeln

"In 'Von Affen und Engeln', so Christoph Nußbaumeder, einer der gefragtesten deutschsprachigen Theaterautoren der jüngeren Generation, »sehen wir auf die Rückseite dieser glänzenden Welt, die Sehnsüchte in Konsum verwandelt."

 

Der Mikrokosmos, den er wählt, um das Jobwunderland, in dem wir angeblich leben, möglichst genau abzubilden, ist ein Weihnachtsmarkt. Die Menschen, die diesen kleinen schäbigen Illusionsapparat bewegen, leben äußerst prekär. Einer muss im Kostüm vom Hauptmann von Köpenick mit schlecht auswendig gelerntem Text den Wunsch der Kleinen Leute von einst nach einem Leben in Würde in Altberliner Gemütskitsch verwandeln. Sein Sohn verkauft Drogen unter dem Würstchenstand, eine ehedem erfolgreiche Schauspielerin billigen Schmucknippes, und der Engel, der den Glühwein unter die Menschen bringt, ist ein abgestürztes Bürgerkind, „das mit schlecht sitzenden Flügeln noch immer nach der Liebe sucht“. Sie alle und der junge Maschu, verkanntes Genie und Visionär, leiden unter dem Regime der Marktleiterin. Alle murren, aber keiner wagt die Revolte. Dann kommt die Krise. Ein Stromausfall schaltet die ganze Illusionsmaschine einfach ab. Der Markt versinkt im Dunkel, und die Stände werden geplündert. Als nichts mehr geht, wird Maschu mit seiner Vision „eines völlig neuartigen, von Freier Energie betriebenen Weihnachtsmarktes“ zum Hoffnungsträger.

 

Auf einem Weihnachtsmarkt bildet sich unter der Aufsicht der Marktleiterin, die die Gesetze des Kapitalismus verinnerlicht hat, eine temporäre Gesellschaft. Hier verdienen sich prekär lebende Menschen als Weihnachtsmann, Engel und Budenbetreiber ihr geringes Einkommen. Da sie nicht nur die Standmiete bezahlen, sondern die Chefin auch am Umsatz beteiligen müssen, regt sich Widerstand. Als ein junger Wissenschaftler, der auf dem Markt die Eislaufbahn betreut, seine Vision einer technologischen Zeitenwende entwirft, an der alle partizipieren können, scheint für einen kurzen Moment die Möglichkeit eines anderen, besseren Lebens auf.

 

Mit: Anna Eger, Martin Engler, Florian Feigl, Gabriele Gysi, Thorsten Heidel, Alfred Kirchner, Angelika Sautter und Max Thommes | Regie: Bernarda Horres | Bühne: Anja Jungheinrich | Kostüme: Jessica Karge | Bühnenmusik: Dieter Fischer | Dramaturgie: Franz Huber | Regieassistenz: Marcel Neudeck | Dramaturgische Mitarbeit: Stella Maria Adorf | Technische Leitung & Lichtdesign: Walter Freitag | Ausstattungsassistenz: Natalia Orendain | Kostümassistenz: Beate Beetz | Produktionsassistenz: Theresa Pommerenke | Produktionsleitung: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro.

 

 

Antragsteller/in Christoph Nußbaumeder

Veranstaltungstermin Premiere am 11. Dezember, weitere Aufführungen: 12., 13., 18., 19. und 20. Dezember 2015 13. / 14. / 15. Mai 2015, 20 Uhr, Ruhrfestspiele Recklinghausen

Veranstaltungsort Sophiensaele Berlin

Förderbetrag 110.000 €

Kooperationen Ruhrfestspiele Recklinghausen Heinz und Heide Dürr Stiftung.

Internetseiten www.ruhrfestspiele...iensaele.com

Foto: Marcel Neudeck

Foto: Michaela Schenkirz

(c) Joachim Dette

(c) Joachim Dette

(c) Joachim Dette

welcome to Chekhov City

Tschechow meets Twin Peaks: In einer Kleinstadt im Herzen der Welt verwachsen vier Gutshäuser aus vier Tschechow Dramen zur

idiosynkratischen Miniaturstadt Chekhov City. Die Geschichte beginnt an einem sonnigen Herbsttag: Die Leiche einer schönen jungen Frau wird am Seeufer des Anwesens von Ssorin gefunden. Kurz darauf, erzählt man, hat sich Treplev, der Sohn einer Grande Dame des Theaters, in seinem Arbeitszimmer umgebracht. Man munkelt, im nahe gelegenen Kirschgarten würde ein Wesen, halb Mensch halb Tier, sein Unwesen treiben. Ein eigentümlicher Detektiv beginnt seine Ermittlungen und entdeckt hinter der trügerischen Idylle die Gewalt der Naturkräfte, die mysteriöse Geheimnisse verborgen hält. In sein Diktiergerät nimmt er auf:

 

»Wie nervös sie alle sind! Wie nervös! Und wie verliebt … Oh, dieser verhexte See!«

 

Welcome to Chekhov City ist das neue Projekt von Agathe Chion. Gemeinsam mit ihrem Team untersuchte sie in ihren bisherigen

Stücken die Hybride, die unsere Gesellschaft produziert und definiert. In Welcome to Chekhov City wird sie das Dramenwerk von Tschechow und die Serie Twin Peaks von David Lynch in einer theatralen Detektivsaga vereinen. Wir verfolgen einen debütierenden Detektiv, der die Exzesse der Figuren, die den Zyklen der Natur unterlegen sind, beobachtet.

 

Mit Kerstin Grassmann / Christopher Heisler / Ernesto Lucas / Norbert Müller / Wieland Schönfelder und weiteren Seelen aus Chekhov City Regie / Bearbeitung Agathe Chion Dramaturgie Nicola Ahr Bühne Chasper Bertschinger Kostüme Josa Marx Musik / Technische Leitung Sébastien Alazet Video Stini Röhrs Licht Ralf Arndt Maske Sara Mathiasson Regie- und Bühnenbildassistenz Sophie Galibert Regiehospitanz Ielizaveta Oliinyk Graphik Indre Klimaite Produktionsleitung ehrliche arbeit – freies Kulturbüro Foto Stini Röhrs

 

Antragsteller/in Agathe Chion

Veranstaltungstermin Premiere: 19. November, weitere Aufführungen: 21., 22., 23., 24. und 25.November 2015, jeweils 20:00 Uhr

Veranstaltungsort Ballhaus Ost

Förderbetrag 45.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Agathe Chion. In Kooperation mit dem Ballhaus Ost und ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Stiftung Parität Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von Integral e.V. / Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin, Voelkel und die Bierfabrik Berlin. 
Dank an Arnaud Talaia, Kunstlabor am Tower e.V., Maske des Schauspiel Leipzig, Kostümfundus Theater Bremen, Christoph Winkler und Fabian Eichner.

Internetseiten www.ballhausost.de

©Stini Röhrs