Alicja Kwade - Monolog aus dem 11ten Stock

Unsere Vorstellungen von Realität sind Täuschung. Alle Vorhersehbarkeiten sind Spekulation. Orte und Zeiten sind relativ. Diese philosophischen Grundeinsichten bestehen seit der frühen Antike. Die 1979 in Kattowitz/Polen geborene Künstlerin Alicja Kwade nutzt das unveränderte Wissen, um unsere Alltagswahrnehmung kritisch zu hinterfragen.

 

Seit gut zehn Jahren geht die Künstlerin in ihrem bildhauerischen Werk astrophysikalischen und philosophischen Fragen auf den Grund. Mit einfachen Mitteln sucht sie unterschiedliche Realitätsstrukturen frei zu legen: Identische Äste lehnen an der Wand. Unterschiedliche Edelmetalle liegen wie Statistikblöcke geschichtet am Boden. Findlinge und Steine fluten in den Ausstellungsraum. Doch kann die Natur zwei identische Äste schaffen? Ist der Wert eines Metalls heute derselbe wie morgen? Kwade will nicht den Betrachter täuschen, sie will ihm vielmehr die Täuschungen offenbaren, denen er unablässig unterliegt.

 

Wie sollte in einem Universum, das bis ins kleinste Atom dynamisch und veränderlich ist, etwas sicher und vorhersehbar sein? Und doch basiert unser aktuelles Wirtschaftssystem auf dem Versprechen absoluter Verlässlichkeit. Auch Werbung und Medien können die Zukunft jedoch nicht kennen. Sie schaffen vielmehr Scheinsicherheiten und nutzen dabei die subtil vorhandenen Zukunftsängste der Menschen, um ökonomisch erfolgreich zu sein. Indem Alicja Kwade Themenfelder wie Parallelwelten und Scheinsicherheiten mit künstlerischen Mitteln bearbeitet, veranschaulicht sie das konsumistische Denken und die psychischen Schwächen unserer Gegenwart.

Antragsteller/in Haus am Waldsee - Internationale Kunst in Berlin

Veranstaltungstermin 19. September bis 22. November 2015

Veranstaltungsort Haus am Waldsee - Internationale Kunst in Berlin

Förderbetrag 60.000 €

Internetseiten www.hausamwaldsee.de

Alicja Kwade, Theoretisches Gebilde I, 2015, Kupfer, Steine, 2015, 142 x 182 x 136 cm, unique, Foto: Roman März, The ekard collection, courtesy Alicja Kwade und KÖNIG GALERIE

Alicja Kwade, Ein Hocker ist ein Bild, 2015, Spiegel, Hocker, 92 x 80 x 80 cm, unique, Foto: Roman März, Olbricht Collection, courtesy Alicja Kwade und KÖNIG GALERIE

Alicja Kwade, Stellar Day (23 Stunden, 56 Minuten, 4,099 Sekunden), 2015, Stein, Motor, Kabel, 100 x 115 x 60 cm, unique, Foto: Gion Pfander, courtesy Alicja Kwade und KÖNIG GALERIE

Ausstellung "Zeitenwende - Von der Berliner Secession zur Novembergruppe"

Vom Impressionismus über Expressionismus, Kubismus und Futurismus zur Neuen Sachlichkeit und dem Konstruktivismus: Die Ausstellung „Zeitenwende – Von der Berliner Secession zur Novembergruppe“ widmet sich dieser schnellen Abfolge der künstlerischen Umwälzungen in Berlin im Zeitraum von 1898 bis 1919. Die großbürgerliche Welt des Kaiserreichs wandelte sich in eine aufgewühlte Gesellschaft im Umbruch nach der Novemberrevolution 1918 und der beginnenden Weimarer Republik. Gerade die Kunst in Berlin spiegelt diese Umbrüche wider. Die Schau vereint mit etwa 250 Exponaten wertvolle Leihgaben aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen mit dem eigenen Bestand des Bröhan-Museums an Werken der Berliner Secession. Es findet ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder und Erwachsene statt.

Antragsteller/in Bröhan-Museum

Veranstaltungstermin 19. November 2015 bis 3. April 2016

Veranstaltungsort Bröhan-Museum

Förderbetrag 150.000 €

Kooperationen Keine Kooperation mit anderen Museen, Ausstellung wird nur in Berlin gezeigt.

Internetseiten www.broehan-museum.de

Wilhelm Morgner DER HOLZARBEITER Öl auf Leinwand 1911 Museum Wilhelm Morgner, Soest Foto: Thomas Drebusch, Soest

Disruption Network Lab

Das “Disruption Network Lab. Ein Laboratorium für Forschung und Praxis zum Thema Art, Hacktivism und Disruption” ist als eine Plattform für Veranstaltungen für Kunst, Hacktivism und dem Konzept der Disruption gedacht und wird in Form einer Serie von insgesamt 6 Konferenz-Events Gestalt annehmen, die im Kunstquartier Bethanien, in Kooperation mit Stéphane Bauer, Kunstraum Kreuzberg /Bethanien, stattfinden sollen.


Das Lab untersucht Projekte, die innerhalb der Felder der digitalen Kultur, Informationstechnologie und des politischen Aktivismus kritisch Position beziehen. Es ist konzeptuell wie praktisch ein Ort, an dem Künstler, Hacker, Netzwerker, kritische Denker und Unternehmer in Dialog miteinander treten können. Das Programm besteht daher aus Präsentationen künstlerischer Positionen, Diskussionen zur Theorie sowie Keynote Events. Diese Serie von Events schafft lokale und translokale Partnerschaften mit anderen Räumen und Institutionen.


Im Fokus dieser Serie stehen Media-Praktiken an der Grenze zwischen Hacking, Kunst und Aktivismus, die ein weites Spektrum zeitgenössischer politischer, kultureller und wirtschaftlicher Themen abdeckt, wo der Gebrauch von Technologie ein zentraler Punkt ist, aber diese auch zu einem Mittel wird, präziser Kritik zu üben: vom Gebrauch von Drohnen in politischen Konflikten bis zum Auftreten von bestimmten Verhaltensweisen in den Social Media, die unser Leben im Alltag verändern und kritische Folgen für unsere Privatsphäre mit sich bringen; von der kritischen Reflexion über Identität und Sexualität in biopolitischen Systemen und Online Plattformen bis hinzu den aufkommenden Grenzziehungen des Biohacking; vom Whistleblowing als Weg, Fehlverhalten innerhalb politischer Systeme aufzudecken bis hin zu disruptiven Taktiken als Unternehmenslogik, um Fehler im System wirtschaftlicher und geschäftlicher Prozesse von innen heraus aufzuzeigen.

Team: Künstlerische Leiterin und Kuratorin - Dr. Tatiana Bazzichelli, Managerin und Kuratorin - Daniela Silvestrin, Produktion und Kommunikation - Kim Voss.

Antragsteller/in Dr. Tatiana Bazzichelli

Veranstaltungstermin 17. und 18. April, 29. und 30. Mai, 8. August, 11. und 12.September, 31. Oktober, 12. Dezember 2015

Veranstaltungsort Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Förderbetrag 95.000 €

Kooperationen Kunstraum Kreuzberg /Bethanien Berlin; „Hybrid Publishing Lab“, CDC / Zentrum für digitale Kulturen, Leuphana Universität Lüneburg; „Common Media Lab“, CDC / Zentrum für digitale Kulturen, Leuphana Universität Lüneburg; Human-und Informationstechnologie-Forschungsprogramm, Institut für Ästhetik und Kommunikation, Universität Aarhus, Dänemark; Furtherfield, London, England; Aksioma, Institute for Contemporary Art, Ljubljana, Slovenien; NOME Gallery, Berlin; Vierte Welt Kollaborationen, Berlin; Netzwerks AVnode und des Netzwerks LPM, Rom, Italien; Italienisches Kulturinstitut Berlin; Forschungsgruppe „Creating 010“ Fachhochschule in Rotterdam, Niederlande;

Internetseiten disruptionlab.org

Copyright Disruption Network Lab

Du sollst Dir (k)ein Bild machen – Eine Wechselausstellung zum Osterfestkreis

Die Ausstellung Du sollst Dir (k)ein Bild machen im Berliner Dom zeigt vom 1. März bis 14. Juni 2015 Kunstwerke vom 12. Jahrhundert bis heute, vom ‚Elfenbein-Kruzifixus‘ aus dem Bamberger Domschatz, von Werken Max Beckmanns und Hans Arps (1907 und 1914) bis hin zu Werken von Marina Abramovic, Daniel Richter und Miwa Yanagi.

 

Das Ausstellungskontinuum in der Tauf-und Traukirche des Doms entwickelt sich zwischen der Passionszeit und Pfingsten entlang des liturgischen ‚Osterfestkreises‘ und ist vom Hauptstadtkulturfonds und weiteren Mäzenen gefördert. Zur Idee der Ausstellung gehören die Auseinandersetzung mit dem Abbildungsverbot im Islam und Judentum, den ‚kunstlosen christlichen Kirchen‘ (Horst Bredekamp) in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus, den Folgen des von Martin Luther, Calvin und Zwingli ausgelösten Bildersturms im 16. Jahrhundert ebenso wie ‚unsere Lust auf Bilder‘.

 

Die Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin wie auch der Kurator des Unternehmens, Alexander Ochs, nehmen hier einen Perspektivwechsel vor. Während der Dom die Tauf- und Traukirche, einen ‚aktiven‘ Kirchenraum, in dem normalerweise Gottesdienst gefeiert wird, in einen Ausstellungsraum umwidmet, kuratiert der bislang eher für sein China-Engagement bekannte Berliner Galerist und Autor erstmals ein großes, mit öffentlichen Mitteln gefördertes Projekt.

 

Die gesamte Ausstattung der reich geschmückten, 1905 eröffneten Tauf- und Traukirche, also Altar, Gemälde, Kandelaber und die den Raum fassenden Säulen bis in einer Höhe von rund sechs Metern ‚verschwinden‘ in der Ausstellung. Nur die ausgemalte Decke und die Orgelempore bleiben sichtbar, in die so entstehende Raumskulptur sind drei Objekte fest installiert: Ein unbekanntes 1968 datiertes Kunststoff-Multiple von Lucio Fontana (1899-1968), eine in hebräischen Buchstaben geschriebene Neonskulptur (Du sollst Dir kein Bild machen) und ein Bibelschrein mit einer 1886 für die britische und ausländische Bibelgesellschaft gedruckte ‚Heilige Schrift‘.

 

Aus und in diesem fast leeren Raum entwickeln sich über den Osterfestkreis zehn Szenen aus alter und neuer Kunst, in denen wöchentlich immer wieder neue Kombinationen von Kunstwerken präsentiert werden, die sich zu den christlichen Festen verhalten, diese aber nicht illustrieren und bebildern. Die Schau verzichtet bewusst auf Setzung wie dem Versuch einer kunsthistorischen Begründung, vielmehr ist eine ‚atmende‘ Ausstellung beabsichtigt, die dem Rezipienten Freiheit zur eigenen Interpretation liefert. Auf einem Monitor im Ausstellungsraum sind alle schon gezeigten Szenen erlebbar, auf einem zweiten das Konvolut aller über den Gesamtzeitraum präsentierten Werke zu sehen.

 

„Du sollst Dir (k)ein Bild machen entstand in einem mehr als einjährigen Gespräch mit den Predigern am Berliner Dom, hier vor allem Dr. Petra Zimmermann”, erklärt Alexander Ochs. „Hier entwickelte sich viel Vertrauen und so für mich eine einzigartige kuratorische Freiheit. Wir kombinieren also Altes mit Neuem, Profanes mit Heiligem, und nehmen bei der Auswahl der Werke Luthers Wort vom ‚fleischgewordenen Gott‘ durchaus ernst. Durch die aktive Mitarbeit auch vieler Sammlerinnen und Sammler können wir einzigartige Korrespondenzen entwickeln: So zeigt die Ausstellung, um nur ein Beispiel zu nennen, ein Gemälde auf Holz mit einer asymmetrischen Kreuzigungsdarstellung aus dem 17. Jahrhundert. Asymmetrisch heißt, der dort üblicherweise zu sehende Johannes fehlt und Maria Magdalena kniet alleine zu Füßen des Gekreuzigten. Mit zugeordneten Arbeiten von Marina Abramovic, Katharina Karrenberg oder Adam Nadel wird die Maria Magdalena Rezeption, vor allem der katholischen Kirchen, hinterfragt.”

 

Der Fortgang der Ausstellung wird innerhalb und außerhalb der Kirche in einzelnen Predigten, geplanten Talks wie in sozialen Medien reflektiert. Zur Ausstellung erscheinen eine Zeitung im Berliner Format und ein Bilder-Lesebuch im Pocket-Format.

 

Sakrale Kunst und Artefakte: Elfenbeinkruzifixus, 11. Jh., Anna Selbdritt, frühes 15. Jh., Gotischer Kelch, 15. Jh., Reliquienschrein Hl. Brictius von Tours, Reliquienschrein Hll. Pius und Gaius, 2. Hälfte 14. Jh., Wallfahrtsmadonna, barock Süddeutschland, Holzscheitmadonna, böhmisch 19. Jh. Gemälde/17. Jh.: Pieter Claesz, Jan Symonsz Pynas, Herman III Saftleven . Moderne: Hans Arp, Max Beckmann, Lucio Fontana. Contemporary: Abbas (Abbas Attar), Marina Abramovic, Ai Weiwei, Dieter Appelt, Barry X Ball, Laura Bruce, Berlinde de Bruyckere, Mat Collishaw, Christina Doll, Alberto Garcia Alix, Marianna Gartner, Félix González-Torres, Margi Geerlinks, Stella Hamberg, Chester Higgins, Mwangi Hutter, Alfredo Jaar, Katharina Karrenberg, Ruprecht von Kaufmann, Kim-Joon, Ulrich Kochinke, Herlinde Koelbl, Matej Kosir, Young-Jae Lee, Rami Maymon, Dario Mitidieri, Adam Nadel, Chris Newman, Hermann Nitsch, Heribert C. Ottersbach, Grayson Perry, Eric Refner, Daniel Richter, Oswaldo Romberg, Eva Schlegel, Bettina Scholz, Andres Serrano, Stefan Sehler, Gil Shachar, Joao Silva, Malte Spohr, Manfred Stumpf, Paloma Varga Weisz, Miriam Vlaming, Micha Ullman, Erwin Wurm, Miwa Yanagi

 

Antragsteller/in ALEXANDER OCHS AUSSTELLUNGEN

Veranstaltungstermin 1. März bis 14. Juni 2015

Veranstaltungsort Berliner Dom

Förderbetrag 80.000 €

Kooperationen Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin Verein Ausstellungshaus für Christliche Kunst e.V. München Diözesanmuseum Bamberg

Internetseiten www.du-sollst-dir-...ld-machen.de

Pressestimmen

Marina Abramovic Self Portrait with Skull, 2004 black and white print, 60 x 50 cm Foto: Paolo Canevari Courtesy Olbricht Collection © Marina Abramovic und VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Kruzifix aus Elfenbein Deutschland, um 1130/40 Elfenbein, Holz, 83 x 75 cm Foto: Uwe Gaasch Leihgabe aus dem Diözesanmuseum Bamberg

Raumskulptur in der Tauf- und Traukirche des Berliner Doms, 1. Szene

Eine Einstellung zur Arbeit

„Die erste Kamera in der Geschichte des Films war auf eine Fabrik gerichtet, aber nach hundert Jahren lässt sich sagen, dass die Fabrik den Film kaum angezogen, eher abgestoßen hat.“ Diese Leerstelle hat den im Juli 2014 verstorbenen Künstler und Filmemacher Harun Farocki beständig umgetrieben. Mit Filmemachern auf 5 Kontinenten haben er und die Kuratorin und Videokünstlerin Antje Ehmann exploriert: Wie arbeitet die Welt? Für ihre Filmminiaturen setzten sie sich strenge formale Vorgaben: Jeder Film darf nicht länger als zwei Minuten sein. Er muss von Arbeit handeln. Er darf keinen Schnitt enthalten.

 

In der Ausstellung im HKW kommt EINE EINSTELLUNG ZUR ARBEIT, diese Enzyklopädie der globalen Arbeit, in eine räumliche Form. Es sind die einzelnen Beobachtungen, die zählen – und erzählen, was Arbeit an den verschiedensten Orten der Welt bedeuten kann. Das Nebeneinander der bewegten Bilder ermöglicht es dabei, zum Teil sehr feine Fäden zu spinnen und Beziehungen herzustellen, verdeutlicht aber auch Brüche und Unterschiede. Das Raumkonzept der Ausstellung stammt vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi. Die hintersinnigen Piktogramme von Alice Creischer und Andreas Siekmann ergänzen die Ausstellung um Informationen zu den 15 Produktionsorten.

 

Arbeit als Thema, Film als Medium – wie lassen sich globale Ausprägungen von Arbeit heute darstellen und diskutieren? Diese Frage leitet die Konferenz, die eine Keynote des Filmwissenschaftlers Thomas Elsaesser am Donnerstag, dem 26. Februar eröffnet. Das vielfältige Wirken Harun Farockis reflektieren langjährige Weggefährtinnen und Begleiter wie die Filmtheoretikerin Christa Blümlinger, der Festivalleiter Werner Ružička und die Künstlerin Hito Steyerl am Freitag, dem 27. Februar unter dem Motto „Mit Farocki denken“. Die gegenwärtig drängenden Fragen der Arbeit diskutieren am Samstag, dem 28. Februar in vier Panels der Historiker Gadi Algazi, der Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen, die Philosophin Rahel Jaeggi u.v.m. Eine Auswahl von Filmen aus EINE EINSTELLUNG ZUR ARBEIT eröffnet jeweils den thematischen Einstieg und dient als gemeinsame Wissensbasis.

 

Ein begleitendes Programm mit Workshops, Führungen, Filmen und Gesprächen richtet sich an Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Hier werden die Werkzeuge und Methoden weitergegeben, die die Grundlage für EINE EINSTELLUNG ZUR ARBEIT bilden.

Antragsteller/in KBB – Haus der Kulturen der Welt

Veranstaltungstermin 26. Februar – 6. April 2015 Eröffnung am 26. Februar um 18 Uhr

Veranstaltungsort Haus der Kulturen der Welt

Förderbetrag 120.000 €

Kooperationen „Eine Einstellung zur Arbeit“ ist eine Produktion des Hauses der Kulturen der Welt in Kooperation mit Harun Farocki Filmproduktion und dem Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem internationalen geisteswissenschaftlichen Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ (re:work) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Das Exzellenzprojekt „Labour in a Single Shot/Eine Einstellung zur Arbeit“ ist eine Koproduktion der Harun Farocki Filmproduktion mit dem Goethe-Institut. Gesamtleitung: Detlef Gericke-Schönhagen, Goethe-Institut Boston/Goethe-Institut Vilnius Workshops, Filme und Gespräche in Zusammenarbeit mit dem Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg, Ver.di, ver.di Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe e.V. und der filmArche e.V.

Internetseiten hkw.de/arbeit

Bildcredit: Cristián Silva-Avária, „Concrete”, Rio de Janeiro, 2012 (Filmstill)

EXTENDED COMPOSITIONS

Die Ausstellung EXTENDED COMPOSITIONS zeigt das Spannungsfeld und Beziehungsgeflecht zwischen Kunst und Musik – Hören und Sehen – Bild und Klang.

Ausgehend von Ansätzen wie der Synästhesie Alexander Skrjabins, der sich als Komponist mit seinem Farbenklavier der Kunst öffnete und Töne mit Farben verband, oder Hans Richter, der als bildender Künstler mit dem kontrapunktischen Denken musikalische Ansätze ins Optische und Filmische übertrug, zeigt die Ausstellung die Weiterentwicklung eines noch jungen, marginären Bereichs, der im Ursächlichen auf das Zwischenfeld von musikalischer und visueller Komposition zielt. In diesem Zusammenspiel wird jenseits von additiver Illustration oder Bildvertonung eine strukturelle Verzahnung beider Ausdrucksformen erreicht und darüber eine neue und eigenständige Form von künstlerischer Praxis sichtbar, hörbar und spürbar gemacht. Die gezeigten Werke verbinden Musik und bildende Kunst in einer nicht hierarchischen, aber doch aufeinander bezogenen, audiovisuellen Art und Weise und reflektieren die formalen Grundlagen der Kunstformen und deren Transgression. Die Ausstellung möchte den Zwischenraum von musikalischer und visueller Komposition erfahrbar machen, eine gleichberechtigte Kommunikation der Ausdrucksformen erzeugen und somit ein intersensorisches Wahrnehmungsfeld eröffnen.

 

Begleitend zur Ausstellung werden an einem Abend im RADIALSYSTEM V die Zwischenräume von musikalischer und visueller Komposition mit deutschen Erstaufführungen internationaler KünstlerInnen und MusikerInnen zu hören und zu sehen sein.

Antragsteller/in Ellen Fellmann

Veranstaltungstermin 6. bis 29. März 2015

Veranstaltungsort Kunstquartier Bethanien

Förderbetrag 39.000 €

Kooperationen Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia Hochschule der Künste Bern Elektronisches Studio TU Berlin Kunstquartier Bethanien Radialsystem V

Internetseiten www.extended-compositions.de

Pressestimmen

Ellen Fellmann - Rot (Foto von Jens Ziehe)

William Engelen & Gary Berger (Foto von Jens Ziehe)

Hans Richter & Daniel Kurth (Foto von Jens Ziehe)

Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde

Die Retrospektive „Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde“ im Georg Kolbe Museum ist einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet. Als Mitbegründer des Dadaismus, als Wegbereiter des Surrealismus und als radikale Künstlerfigur war er maßgeblich an der Entwicklung der modernen abstrakten Kunst beteiligt.

 

Die große Schau im Berliner Georg Kolbe Museum ermöglicht eine Neuentdeckung des Künstlers und zeichnet mit einer Fülle von Plastiken, Reliefs, Grafiken, Fotografien, Gedichten und Texten das Werk des poetischen und politischen Künstlers nach.

 

 

Der deutsch-französische Künstler Hans Arp (1886−1966), der außerhalb des deutschen Sprachraumes auch als Jean Arp bekannt ist, zählt zu den wichtigen Protagonisten der europäischen Avantgarde. Der künstlerische Ansatz Arps, der die Kunst mit dem Leben zu vereinen strebte, spiegelte sich in seiner aktiven Rolle als Mitbegründer prägender Netzwerke wider. In unterschiedlichen Zusammenschlüssen suchten viele Avantgardisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach neuen Wegen im künstlerischen Ausdruck und fanden diese in der radikalen Formensprache der Abstraktion mit vollkommen neuen Denkansätzen. Dabei waren die in zahlreichen Manifesten vertretenen Auffassungen oftmals höchst unterschiedlich und stark ideologisch geprägt. Hans Arp, der sich seine Autonomie stets bewahrte und nur seinen eigenen Grundsätzen folgte, wurde jedoch von verschiedensten, teilweise gegensätzlichen Gruppen akzeptiert. So war er eine Schlüsselfigur einiger wegweisender Strömungen der Avantgarde, deren Tendenzen er in seinem einzigartigen Werk vereinte. Neben seiner tragenden Rolle im Dadaismus und seinen guten Verbindungen zu den Surrealisten war er zentrales Mitglied der Vereinigung „Abstraction-Création“, der neben ihm zahlreiche internationale Avantgardisten wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky und Max Bill angehörten.

 

Hans Arp entwickelte eine neuartige und abstrakte Formensprache, deren fließende Linien organisch wirkten, ohne eine Anbindung an den Naturalismus zu haben. Kunst verstand er als einen schöpferischen Prozess, der parallel zur Natur entsteht. Arp machte sich Wachs-tumsprozesse der Natur und deren Gesetzmäßigkeiten zu Eigen, nicht um abzubilden, sondern um selbst zu bilden; Natur und Kunst sah er als eigenständige, aber verbundene Teile einer Einheit. Wie er selbst sagte, betrachtete er „das ganze Universum als Kunst“. Den Kern seines eigenen künstlerischen Universums sah Arp im Symbol des Nabels, den er sowohl als den Ursprung der bildnerischen Form deutete, wie auch als Zeichen für die Bindung des Menschen an den natürlichen Kreislauf der Natur. Bereits Mitte der 1910er-Jahre fand Arp eine Urform der Kunst im Oval und der Nabel spielte fortan in seinen Werken eine unersetzliche Rolle. Mit der für ihn charakteristischen Formensprache nimmt er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Sonderstellung ein, die bis in das 21. Jahrhundert wirkt. Biomorphe Ansätze haben sich in der zeitgenössischen Kunst zu einem Schwerpunktthema entwickelt. Die fortschreitende Technisierung unseres Alltags, die Folgen der Umweltzerstörung sowie neue Erkenntnisse über biologische Zusammenhänge von Wachstumsprozessen lassen die Denk- und Werkentwürfe von Hans Arp in einem neuen Licht erscheinen.

 

1886 wurde Hans Arp in Straßburg als Sohn eines deutschen Zigarettenfabrikanten und einer Elsässerin geboren. Als Dichter, Maler und Bildhauer war er sowohl in der deutschen wie in der französischen Kultur zuhause und von früh auf überzeugter Pazifist und politischer Künstler. Als Exilant rief er 1916 während des Ersten Weltkrieges in Zürich unter anderem mit dem Schriftsteller Hugo Ball den Dadaismus aus und lernte hier seine spätere Frau, die Künstlerin Sophie Taeuber-Arp kennen, mit der er intensiv zusammenarbeitete (sie starb 1943). Er bildete ab 1919 zusammen mit den Malern Max Ernst und Johannes Theobald Baargeld die Kölner Dada-Gruppe. In den frühen 1920er-Jahren wandte er sich dem abstrakten Surrealismus zu (er lebte ab 1926 als französischer Staatsbürger in Meudon-Clamart bei Paris) und war Teil wichtiger avantgardistischer Vereinigungen und Netzwerke abstrakter Künstler. Er stand in engem Kontakt mit Avantgardisten wie Kurt Schwitters oder Theo van Doesburg und veröffentlichte 1925 zusammen mit El Lissitzky den berühmten Band „Die Kunstismen“, eine Bestandsaufnahme der diversen simultanen Strömungen der Avantgarde zwischen 1914 und 1924, die den Versuch unternahm, die aktuellsten Entwicklungen in der Kunst zu publizieren. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich lebte Hans Arp 1940 zunächst im noch nicht besetzten Grasse/Südfrankreich und emigrierte von dort 1942 in die Schweiz. Nach dem Krieg lebte er, der mittlerweile äußerst erfolgreich geworden war, in Meudon-Clamart und in Locarno. Arp verstarb 1966 an einem Herzinfarkt in Basel und wurde in Locarno bestattet.

 

Trotz der unbestrittenen Wirkmächtigkeit des Werks von Hans Arp wurde dieses in den letzten Jahren auffallend wenig gezeigt. Dies hängt auch mit der öffentlich geführten Debatte um posthume Güsse seiner Skulpturen zusammen, bei dem sein Œuvre zum Exempel für die grundsätzliche Problematik einer Verbindung von Bildhauerei und ökonomischen Interessen wurde. Es ist vor diesem Hintergrund kein leichtes, aber unbedingt notwendiges Unterfangen, die innovative Kraft des Werks des bedeutenden Bildhauers nicht aus den Augen zu verlieren und Hans Arp mit dieser umfassenden Ausstellung seiner Kunst im Berliner Georg Kolbe Museum zu würdigen.

 

Begleitend zur Ausstellung: „Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde“ erscheint ein umfangreicher Katalog, der aktuelle Beiträge von Astrid von Asten, Jan Giebel, Arie Hartog, Maike Steinkamp und Julia Wallner zu Hans Arp versammelt. Dieser enthält auch eine transparente Dokumentation zur jeweiligen Provenienz der ausgestellten Arbeiten. Zudem findet im Rahmen der Ausstellung eine von der Stiftung Arp e.V. in Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum und der American Academy in Berlin organisierte Tagung mit dem Titel „Hans Arp und die USA“ statt.

 

Antragsteller/in Georg Kolbe Museum

Veranstaltungstermin 28. Juni bis 11. Oktober 2015

Veranstaltungsort Georg Kolbe Museum, Berlin Westend

Förderbetrag 75.000 €

Kooperationen Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V Kulturradio RBB Mumm Sekt

Internetseiten www.georg-kolbe-museum.de

Hans Jean Arp, Stern, 1956, Georg Kolbe Museum, Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde, 28.06-11.10.2015, Stiftung Arp e.V. Berlin/ Rolandswerth

Hans Jean Arp Nabelflasche, 1923, Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde, Georg Kolbe Museum 28.06-11.10.2015, Sprengel Museum Hannover, Foto: Michael Herling und Aline

Ausstellungsplakat Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde, Georg Kolbe Museum 28.06-11.10.2015, Hans Arp Nabel-Monokel, Stiftung Hans Arp e.V. Berlin/ Rolandswerth VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Nezaket Ekici - Alles, was man besitzt, besitzt auch uns

Die Ausstellung "Alles, was man besitzt, besitzt auch uns" mit Arbeiten der türkisch-deutschen Performancekünstlerin Nezaket Ekici erzählt von ungeahnten Möglichkeiten, Hindernissen und überlebten Tabus, von Interaktionen, von Körperlichkeit und geistiger Freiheit. Und nicht zuletzt vom Besitz, der uns besitzt, solange wir nicht den Schlüssel zu uns selbst und zu unserer eigenen Unabhängigkeit gefunden haben.

 

Ekicis Aktionen sind radikale Selbstvergewisserungen in einer multikulturell expandierenden Gegenwart. Sie wirft sich als Frau und herausragende Performancekünstlerin der Welt entgegen. Dabei geht sie bis an die Grenzen des physisch Möglichen, treibt ihre Projekte bis zum Absurden und verliert nie den Humor.

 

Im Betrachter entstehen starke Bilder, die gedankliche Transformationsprozesse auslösen und Vorstellungsgrenzen sprengen sollen.

Antragsteller/in Haus am Waldsee - Internationale Kunst in Berlin

Veranstaltungstermin 7. Juni bis 16. August 2015

Veranstaltungsort Haus am Waldsee - Internationale Kunst in Berlin

Förderbetrag 70.000 €

Kooperationen Medienpartnerschaft mit tip Berlin

Internetseiten www.hausamwaldsee.de

Nezaket Ekici: Wirbelrausch, Performance Installation since 2008, photo and camera by: Andreas Dammertz

Nezaket Ekici: Emotion in Motion, Milan 2002, photo by: Güvenç Özgür

Nezaket Ekici: Living Room, Performance Installation 2010, photo by: Günther Pedrotti

Paul McCarthy und THEM

12.09.15 - 22.11.15 - Paul McCarthy

 

Mit einer Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Paul McCarthy (*1945) eröffnet der Schinkel Pavillon am 11. September 2015 zur Berlin Art Week. Paul McCarthys Arbeiten entspringen einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlich Obskuren zwischen Sichtbarkeit und Vorstellung. Durch Film und Fernsehen vermittelte Wirklichkeiten konfrontiert der Künstler mit Situationen aus ungeschönter Realität: Er thematisiert die Spannung von auf Oberflächen vermittelten Bildern und ihren unscheinbaren, morbiden Hintergründen. McCarthy, der in Los Angeles lebt und arbeitet, stellt dabei konkrete Bezüge zur Hollywood-Industrie und amerikanischen Pop- und Entertainmentkultur her. Konsum, Sexualität, Gewalt, Voyeurismus, Unbehagen, Schuld, Kontrollverlust und Traumwelt sind Brennpunkte, die McCarthy szenisch und ironisch-provokativ ins Bild fasst. In medialer Vielfalt zwischen Fotografie, Zeichnung, Malerei, Skulptur, Video, Performance und Installation konfrontiert er den Anschein mit dem Tatsächlichen und bringt den Widerspruch von Tabu und Spektakel figurativ zum Gegenstand. Er analysiert Prozesse des Sehens und bezieht dabei auf subtile, doch direkte Weise den Betrachter ein: denn seine Arbeiten basieren auf Aktion und Reaktion.

 

Im Fokus steht immer wieder der menschliche Körper, den Paul McCarthy (oftmals performativ durch sich selbst) in Relation zu gesellschaftlich vermittelten Konventionen setzt und als Figur im Raum – skulptural wie auch unmittelbar bei seinen Aktionen – zur Disposition stellt. Die Maske, als Sinnbild für die Zweiseitigkeit des Subjekts, ist oft Referenz und Gegenstand in seinem Werk. Sie setzt den Körper in Relation zum Raum als Schnittkante und Kontur zwischen Innen und Außen. Ähnliche Bedeutung nehmen Paul McCarthys Körperabformungen ein. Diese, wie auch die Überschneidung von Körper, (Lebens-)Raum und Objekt sind zentral bei den im Schinkel Pavillon ausgestellten Arbeiten, die thematisch um Wachen und Schlafen, um Leben und Tod, um Präsenz und Illusion kreisen.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein synthetisches Replikat des Künstlers: “Horizontal” (2012) ist eine lebensgetreue Nachbildung des nackten Paul McCarthys in horizontaler Lage auf einer Tisch-Installation, die Gesten des Existenziellen, Obsessiven und Voyeuristischen umkreisen. Die Arbeit knüpft an eine frühere Ganzkörper-Skulptur des Künstlers an, “Paul Dreaming, Vertical, Horizontal” (2005). Der bloße Körper erscheint hier nun zugleich als Subjekt und Material, zeigt die Silikon-Haut detailliert jede Falte und Einbuchtung, die Farbe jedes Hautdetails und das Echthaar jede Spur des Lebens – und bleibt dabei doch leere Form, die Repräsentationshülse eines modellierten Avatars. Eine alte Tür aus dem Chefbüro der Bank of America in Downtown L.A., auf welcher der reproduzierte McCarthy mit geschlossenen Augen liegt, unterstreicht den Aspekt des Materiellen und suggeriert zugleich eine Membran, die über reale Existenz, Zeit(losigkeit) und Traum entscheidet.

 

Die stoffliche Entgrenzung von vorgegebener Form wird auf ähnliche Weise bei der Arbeit “Rubber Jacket H, Horizontal” (2012) konkret, welche aus dem Arbeitsprozess für “Horizontal” hervorgegangen ist. Es ist eine Art Gummi-Mantel, der durch materielle Dynamik nach dem Abformen des Körpers von Paul McCarthy zu einem eigenständigen, amorphen Körper-Abguss in Gestalt des Buchstaben “H” (ebenso Rückverweis auf frühere Arbeiten) geworden ist. Die ehemals flüssige Substanz des Silikons erscheint wie ein momenthaft eingefrorenes Bindeglied zwischen Material und Form, An- und Abwesenheit.

 

Als besondere Erweiterung der Ausstellungsfläche wird mit McCarthys skulpturaler Videoinstallation “That Girl T.G. Drawing Table – Drawing” (2011-2013) die ehemalige Schinkel-Klause im Erdgeschoss des Schinkel Pavillons der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Arbeit besteht aus einem Holztisch mit Graphitzeichnung sowie einer Sechs-Kanal-Video-Installation. Film bzw. Fotografie dienen McCarthy als Index und Dokument, in diesem Fall als Vorstudie für einen weiblichen Körperabguss, Paul McCarthys Life-Cast-Serie (“That Girl T.G. Asleep” und “Thar Girl T.G. Awake”). So skizzieren die sechs Videos aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Blickpunkten (u.a. auf Hände, Füße, Scham) den Prozess des Zeichnens und das Finden von Positionen auf der Tischplatte: McCarthy fährt mit einem Graphitstift die Körper-Konturen und Lichtschatten von Elyse Poppers nach, die nach Anweisungen des Künstlers auf dem Tisch liegt, sitzt und steht. Die Bildmomente der Kamera generieren zum Teil Ansichten, die auf tradierte Bildmotive der Kunstgeschichte verweisen, während der expressive Linienverlauf des Graphits den Bewegungsradien des Körpers sowie den Formen der Haut folgt und als Spuren eines konzeptuellen Aktes dem Holz einschreibt. Die Geste wird zur Performance, der Körper zum Spektakel.

 

Um eine möglichst detailgetreue Nachbildung ihrer Gesichtszüge für seine künftigen Life-Cast-Plastiken zu erzeugen, hat Paul McCarthy einen 3D Gesichtsscan des Modells anfertigen lassen. Bei der Herstellung dieses Scans entstanden fototechnische Digitaldrucke, welche erstmals in Paul McCarthys Ausstellung im Schinkel Pavillon zu sehen sind und als eine Weiterführung der Life Casts “That Girl T.G. Asleep” und “That Girl T.G. Awake” bestehen. Die drei verschiedenen Kopfansichten formen nahezu pop-futuristische Gegenbilder zu McCarthys gestischer Zeichnung des Drawing Table, und stellen der Ursprünglichkeit der Kohlezeichnung eine technologische Bildvision gegenüber. Dabei erscheint der Kopf des Modells in den Fotografien nahezu skulptural, und verbindet in einer medial ganz neuen Bildsprache Paul McCarthys Studien um “T.G.” und ihre Relation zu Raum, Körper und Bild.

 

Text: Christina Irrgang

 

 

THEM

Alina Szapocznikow, Alisa Baremboym, Aleksandra Domanovic, Katja Novitskova, Sarah Lucas, Carolee Schneemann und Anicka Yi

 

13. Juni – 26. Juli 2015

Eröffnung am 12. Juni 2015, 19 Uhr

 

Kuratiert von Nina Pohl

 

Antragsteller/in Schinkel Pavillon e.V.

Veranstaltungstermin 12. September bis 22. November 2015 und 13. Juni bis 26. Juli 2015 - "Them"

Veranstaltungsort Schinkel Pavillon, Oberwallstr. 1, 10117 Berlin

Förderbetrag 54.000 €

Kooperationen Die Ausstellung wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung von: Hauptstadt Kulturfonds, Polnisches Institut Berlin, Andrea Rosen Gallery New York und Galerie Loevenbruck Paris.

Internetseiten www.schinkelpavill...coming/them/

Pressestimmen

Sarah Lucas Bunny Gets Snookered #3 1997 Tan tights, green stockings, red office chair, clamp, kapok and wire 119.5 x 58 x 61 cm Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection Photo: Courtesy of Sadie Coles HQ, London

ALINA SZAPOCZNIKOW Lampe-fesses, circa 1970 ©The Estate of Alina Szapocznikow. Courtesy Andrea Rosen Gallery, New York and Galerie Loevenbruck, Paris Photo: Courtesy Gousset

ALINA SZAPOCZNIKOW Lampe-sculpture, circa 1970 ©The Estate of Alina Szapocznikow. Courtesy Andrea Rosen Gallery, New York and Galerie Loevenbruck, Paris

Paul McCarthy, exhibition view, Schinkel Pavillon 2015, photo: Andrea Rossetti

Paul McCarthy, exhibition view, Schinkel Pavillon 2015, photo: Andrea Rossetti

Regarding Spectatorship

Im Januar 2011 entbrannten in Tunesien soziale Proteste, die sich bald auf weitere arabische Staaten ausbreiteten. In den Berichten westlicher Medien zirkulierten schnell Bilder von Protest-Graffitis, in denen die Namen von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter auftauchten.

Diese Bilder gelten oft als Beleg für das emanzipatorische Potenzial der neuen Medien – diese Interpretation findet ihren deutlichsten Ausdruck in der Betitelung der Ereignisse als facebook revolutions. Während die Frage nach der Rolle sozialer Netzwerke bei der Mobilisierung der Protestierenden intensiv diskutiert wird, erfährt ein anderer Aspekt nur geringe Aufmerksamkeit: Die Rolle des Zuschauers, der über tausende Kilometer hinweg die Bilder und Berichte über die Aufstände im Internet rezipiert.

Viele huldigen den sozialen Medien als inhärent emanzipatorischen, während andere den voyeuristischen Charakter der sog. couch politics kritisieren. Auf dem Prüfstand stehen dabei grundlegende Eigenschaften der Politik in der Gegenwart: zunehmende Abhängigkeit von Repräsentation und medialer Vermittlung politischer Ereignisse sowie die Herausbildung virtueller Communities.

Künstler_innen haben in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Politik und Zuschauer stets eine tragende Rolle gespielt: Sie bearbeiten Fragen des Beobachtens und des medial vermittelten politischen Engagements mit unterschiedlichen Methoden wie künstlerischer Interventionen, alternativen historischen Erzählungen oder Fiktionen.

Zentrales Anliegen der Ausstellung, ihrer umfangreichen Veranstaltungsreihe und der begleitenden Website ist die Erforschung jener Bilder und Konzeptionen, die mit dem Phänomen des distanzierten Beobachters verknüpft sind. Diese Figur fungiert dabei – vermittelt über kulturelle Artefakte und Kunstwerke – als Schlüssel für die Interpretation von vergangenen und zukünftigen politischen Ereignissen.

 

Antragsteller/in Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, kuratiert von Boaz Levin und Marianna Liosi

Veranstaltungstermin 21. November – 17. Januar 2016 Eröffnung: Freitag, den 20. November, ab 19 Uhr

Veranstaltungsort Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin, Nähe U-Bahn Station Kottbusser Tor

Förderbetrag 60.000 €

Internetseiten www.kunstraumkreuzberg.dewww.regardingspectatorship.net

Abbas Akhava

Harun Farocki

Ken Lum

Terry Fox - Elemental Gestures

Es gilt einen fast in Vergessenheit geratenen „artists' artist“ neu zu entdecken: den amerikanisch-europäischen Künstler Terry Fox (1943 – 2008) und seine medienübergreifende Arbeit. Fox' politisch-anarchische Performances und Videotapes aus den USA werden zu seiner Pionierrolle für die sich entwickelnde Klangkunstszene in Europa in Beziehung gesetzt. Legendär sind gemeinsame Aktionen mit Joseph Beuys, Vito Acconci, Dennis Oppenheim und Bill Viola. Fox nutzte den eigenen Körper als Medium von Grenzerfahrungen und spielte humorvoll mit der Transformation von einfachsten Materialien.

Die Ausstellung, kuratiert von Arnold Dreyblatt und Angela Lammert, schafft assoziative Denkräume zu zentralen Themen: „Situations/Körperliche Zustände“ – „Elements/Material“ – „Mapping/Labyrinth“ – „Sound as Sculpture/Raum als Instrument“. Einer der drei Klangräume „Berlino“, 1988/2015, basiert auf der Arbeit „Berlin Wall Scored for Sound“, die Fox 1981/82 realisierte. Erstmals sind bisher unveröffentlichtes Video- und Fotomaterial und Werknotizen von Terry Fox zu sehen.

Antragsteller/in Akademie der Künste

Veranstaltungstermin 6. November 2015 bis 10. Januar 2016

Veranstaltungsort Akademie der Künste, Berlin

Förderbetrag 125.000 €

Kooperationen Kooperation mit dem BAM – Musée des Beaux-Arts Mons, dem Von der Heydt-Museum Wuppertal und dem Kunstmuseum Bern.

Internetseiten www.adk.de

Terry Fox L’Unita, 1972 Foto: Fabio Donato, © Estate of Terry Fox, Köln

Terry Fox Environmental Surfaces: Three Simultaneous Situational Enclosures Performance mit Vito Acconci, Terry Fox und Dennis Oppenheim, Reese Palley Gallery, New York, 1971 Foto: Peter Moore, © Estate of Terry Fox, Köln

Terry Fox Children’s Tapes, 1974 (videostills) Video, 30 min, schwarz-weiß. Kamera: Terry Fox © Estate of Terry Fox, Köln

Viktoria Binschtok

Viktoria Binschtok . Marriage is a Lie / Fried Chicken

Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto. Immer. Es ist keine Repräsentation von Realität, sondern nur visuelle Referenz an eine individuell erlebte Gegenwart und Ausgangspunkt für neue Assoziationen. Im fotografischen Abbild sucht der Betrachter vertraute Muster, nimmt bekannte Farbgebungen wahr, vergewissert sich über den Kontext und konstruiert so sein eigenes Bild mit neuer Bedeutung. Dieser komplexe Prozess der Rezeption wurde oft genug untersucht. Soweit, so bekannt. Nur was passiert eigentlich, wenn der Autor eines Fotos gar nicht existiert? Wenn keine eindeutige Intention vorhanden ist? Wenn die Realität als Bezugspunkt nicht überprüfbar ist? Und wenn Assoziationen aus einem rein maschinellen Algorithmus heraus entstehen? Mit einem spannenden Verwirrspiel aus digitaler Realität und analoger Virtualität hinterfragt Viktoria Binschtok gewohntes Sehverhalten und materialisiert die Bilderflut des Internets beziehungsweise entmaterialisiert die Wirklichkeit. C/O Berlin hat drei ihrer Serien ausgewählt, die exemplarisch ihren künstlerischen Ansatz verdeutlichen.

Antragsteller/in C/O Berlin Foundation

Veranstaltungstermin 20. Juni bis 16. August 2015

Veranstaltungsort C/O Berlin

Förderbetrag 40.000 €

Internetseiten www.co-berlin.org

News/Blind, a.d.S. World of Details, 2011/12

a.d.S. Marriage is a Lie/ Fried Chicken Cluster 2015

a.d.S. Marriage is a Lie/ Fried Chicken Cluster 2015