Außer Atem

AUSSER ATEM

Ein Theaterprojekt von Sebastian Schug nach dem Film von Jean Luc Godard

 

„Es war Liebe auf den ersten Blick. Das was ich sah, war Kino! Kino, bei Godard, war wie das Leben. Zumindest wie das Leben, von dem geträumt hatte: Wild und voller Wunder.“ Rudolf Thome über AUSSER ATEM

 

AUSSER ATEM erzählt die abenteuerliche Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Menschen: Auf der einen Seite Patricia, eine amerikanische Studentin, die Karriere machen möchte und auf der anderen Seite Michel, ein ruhloser Kleinkrimineller, der - nachdem er einen Polizisten ermordet hat - gen Süden fliehen will. Die beiden haben eine Affäre und Michel gesteht ihr seine Liebe. Während Michel weiterhin Autos klaut und auf der Suche nach Geld ist, geht Patricia ihren Karriereplänen nach und schreibt für eine Zeitung. Das Netz zieht sich immer enger um die beiden. Auch Patricia gerät in den Fokus der Polizei. Sie deckt Michel und will gemeinsam mit ihm fliehen. Doch am Morgen der Flucht verrät Patricia Michel an die Polizei...

Mit diesem einfachen Plot und seinen damals noch unbekannten Hauptprotagonisten Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo schuf Jean Luc Godard 1959 einen Meilenstein der Filmgeschichte. Eine kleines Gangster-B-Picture sollte es werden. Heraus kam ein modernes Märchen: Zeitgeist-Seismograph, cineastisches Vexierspiel, existentialistische Moriat über Liebe, Verrat und Tod.

Wenn man sich von der Nostalgie des in schwarz-weiß gefilmten Paris Ende der 50er, Jean Sebergs melancholischen Augen und Belmondos jungspundhaften Charme löst, und sich nur dem auf Francois Truffaut Treatment basierendem Drehbuch widmet, wird eine höchst lakonisch erzählte Geschichte von verblüffender Aktualität sichtbar.

Bezugnehmend auf Godards Initiationsfilm der Nouvelle Vague, will der junge Regisseur Sebastian Schug und sein Team anhand dieser Geschichte ein Stimmungsbild der Gegenwart entwerfen. Denn so unterschiedlich wie die Hauptcharaktere in dieser Geschichte sind, so zerrissen zwischen Lebensgier, Abenteuerlust und der Sehnsucht nach Versicherung ist das Empfinden junger Menschen.

 

Regie: Sebastian Schug

Bühne: Katrin Wittig / Christian Kiehl

Licht: Fritz Stötzner / Birke Wieckhorst

Kostüme: Nico Zielke

Musik: Johannes Winde

Text/Dramaturgie: Jan Friedhoff

Produktionsleitung: Andrea Tietz / att

Regieassistenz: Sarantos Zervoulakos

Bestboy: Paul Mailänder

Darsteller: Kathrin Diele, Katrin Hansmeier, Alexander Schröder, Jan Thümer, Alexander Weise

 

 

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Antragsteller/in Sebastian Schug

Veranstaltungstermin 25. August 2006 - Premiere, 26., 27., 30. und 31. August, 1. und 3. September 2006 - Berlin 14. September 2006: Premiere 15.,16., 19., 20. und 21. September 2006 September - Hamburg

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Sebastian Schug in Zusammenarbeit mit Sophiensaele, Hamburger Sprechwerk und att. Realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.

Internetseiten www.att-hh.dewww.sophiensaele.comwww.hamburgersprechwerk.de

Brasil em cena. Theater & Performances aus Brasilien

Zehn Tage lang wird das Hebbel am Ufer die brasilianische Theaterszene im Rahmen der „Copa de Cultura“-Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Kulturministerium und dem Haus der Kulturen der Welt vorstellen. Vorgesehen sind in allen drei Spielstätten des HAU 6 bis 8 unterschiedliche Produktionen aus Brasilien, die ein Spektrum verschiedener Theaterformen und - inhalte des Landes präsentieren.

Identität ist dem Vielvölkerstaat, der durch alle Klimazonen vom Amazonas bis in die Pampas reicht, immer schon ebenso sehr ein Rätsel wie eine Aufgabe gewesen. Portraitierte der berühmteste brasilianische Dramatiker, Nelson Rodrigues, in den 50er Jahren noch die Halbwelten von Rio de Janeiro und damit die Gesellschaft in einer der großen Städte an der Küste; arbeiteten sich Autoren wie darstellende Künstler während der Zeit der Militärdiktatur vor allem an systemkritischen oder ökonomischen Themen ab; und handeln die großen Telenovelas der brasilianischen Fernsehsender, die zumeist in Rio entstehen, vom vermeintlich unbeschwerten Liebesleben der so genannten Mittelklasse (so nennen sich die Reichen), so hat sich der Fokus brasilianischer Literatur und Theaterarbeit in den vergangenen Jahren zurückgewandt ins „interior“, ins Inland also, das geografisch gesehen das Zentrum des Landes darstellt, gesellschaftlich, ökonomisch und politisch aber Peripherie geblieben ist – trotz der Verlagerung der Hauptstadt ins Landesinnere, der Gründung Brasílias durch Präsident Kubitschek in den fünfziger Jahren.

Die großen Landschaften des Sertao, des Agreste, des Pantanal oder Amazoniens rücken wieder ins Zentrum des Interesses, Autoren aus diesen Regionen zählen zu den aktuell erfolgreichsten in ganz Brasilien, und Theatergruppen aus den Großstädten unternehmen anthropophage oder anthropolo-gische, mitunter geradezu akribische Forschungsreisen oder -projekte, um dem Leben im „interior“ auf die Spur zu kommen, die Grundlage der eigenen „entwurzelten“ Großstadtbiografie zu suchen.

 

Es zeichnen sich drei thematisch-ästhetische Schwerpunkte ab:

- Regionalität, Erinnerung, Subjektivität

- Urbanität, Gewalt, Drogenhandel und Obdachlosigkeit, Favelas in Vorstädten und Zentren, Stereotypen und Konfrontationen von „Mittelklasse“, Unterschicht, Armen

- Extase, Trance, Travestie; Überschreitung von Normen und Normalitäten

 

Der seit den 70er Jahren etablierte Regisseur und Theaterlehrer Marcio Aurelio gewann im vergangenen Jahr beinahe alle im Land ausgeschriebenen Theaterpreise mit der Uraufführung von „Agreste“, dem nach einer wahren Begebenheit entstandenen Erstlingswerk des jungen pernambucanischen Autors Newton Moreno über ein Ehepaar „auf dem Land“, wo die Frau nach dem Tod des Gatten feststellen muss, dass dieser in Wirklichkeit ebenfalls eine Frau war.

Morenos Texte stehen zentral für diesen Ansatz – dessen künstlerische Umsetzung im Übrigen eben gerade nicht in den beschriebenen „unterentwickelten“ Regionen des Nordostens passiert, sondern in Sao Paulo oder anderen Großstädten des Südens von der Theater-Avantgarde des Landes betrieben wird. „Agreste“ zeichnet sich durch die Einfachheit, Kargheit und Gewalt der Sprache aus. Ein anderer Autor aus dem Nordosten ist Gero Camilo, eigentlich als Schauspieler in zahlreichen Filmen („Carandiru“, „Cidade de Deus“) und Telenovelas berühmt geworden. Seine Stücke sind biographisch gefärbt, „Aldeotas“ etwa (gespielt vom Autor selbst und inszeniert von der Nova-Danca-4-Regisseurin Christiane Quito) handelt auf sehr poetische Weise vom Erwachsenwerden in einem kleinen Dorf im Hinterland, und vom sexuellen wie beruflichen Coming-Out.

Sexualität, Synkretismus, Travestie und Vermischung in jedweder – körperlicher, kultureller, politischer, gesellschaftlicher, religiöser – Hinsicht prägen die brasilianische Gesellschaft wie das brasilianische Theater. Kaum ein „politisches“ Stück, dass nicht eine sexuelle Grundierung oder sogar Geschichte verhandelt; kaum ein historisches, dass nicht sein Material „karnevalisiert“, kaum ein religiöser Akt, der nicht von den Riten und Gestalten aller anderen Religionen überlagert und schon halb eingenommen wäre. Auch die „städtischen“ Stoffe, mit denen sich Gruppen etwa in Sao Paulo oder in Rio de Janeiro befassen, prägen diese Grundelemente, die an sich vielleicht den eigentlichen Grund für Reichtum und Vielfalt der brasilianischen Theaterszene ausmachen.

Antragsteller/in Hebbel-am-Ufer

Veranstaltungstermin 30. Mai - 7. Juni 2006

Veranstaltungsort HAU 1, 2, 3

Förderbetrag 75.000 €

Kooperationen Brasilianisches Kulturministerium

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Eine Installation für Schauspieler nach dem Buch der Christiane F.

 

„Ich glaube, dass es in allen Gesellschaften Utopien gibt, die einen bestimmten, realen, auf der Karte zu findenden Ort besitzen und auch eine genau bestimmbare Zeit, die sich nach dem alltäglichen Kalender festlegen und messen lässt. (...) Aber vielleicht müssen wir unter die Kleidung und bis auf die Haut gehen, um zu erkennen, dass der Körper in manchen Grenzfällen seine utopischen Fähigkeiten gegen sich selbst richtet.“ (Michel Foucault: Der utopische Körper)

 

Fast dreißig Jahre nach Erscheinen des Interviews mit Christiane F. inszeniert Ulrich Rasche das zum Kult gewordene Buch als den von Foucault beschriebenen anderen Ort. Dabei bilden Drogen und Prostitution im Leben der Kinder vom Bahnhof Zoo nur die äußeren Parameter einer Suche nach neuen sozialen Lebensformen und dem damit verbundenen Glück, das sie in ihren Familien nicht finden konnten. Acht junge Schauspieler skizzieren aus diesem Erinnerungsmonolog Orte, an denen Gefühle von Geborgenheit und Zuversicht neben Schilderungen von Ausbeutung und radikaler Selbstzerstörung scheinbar unvereinbar ihren Platz finden.

 

„Ich kam auf ein richtiges Glücksgefühl. Eins, wie ich es selten erlebt hatte. Ich fühlte mich geborgen. Ich fühlte mich zu Hause. Am Nachmittag auf dem Bahnhof Zoo und am Wochenende in der stinkenden Fixerbude.“ (Christiane F.)

 

Antragsteller/in Ulrich Rasche

Veranstaltungstermin 5.-7. & 9.-14. Mai 2006

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 65.000 €

Internetseiten www.sophiensaele.com

Credits - Ein Stück über unsichtbares Geld. Uraufführung

Gewinn und Verlust werden zum Maßstab des eigenen Könnens oder Scheiterns. Als Existenzberechtigung dient dem einzelnen Charakter sein Verhältnis zum Geld. Die Spielregeln von Credits sind nicht von den sieben Figuren bestimmbar, sondern Wirtschaft und Bankenwesen erfinden sie. So fungieren die Figuren in Credits wie Adjutanten bei einem unsichtbaren Duell, dessen Gegner unsichtbar bleiben...

Credits, eine Story, deren Wurzeln in authentischen Geschichten liegt. Präzise ausgewählte, reale Personen und lange Recherchen dienen den Schauspielern als Fundus für ihre Geschichten. Nora Somaini entwirft in ihrer spezifischen Arbeitsmethode mit ihren Schauspielern originelle, nicht zu kopierende Figuren und Biographien. Der Autor Henning Bochert beobachtet das Ensemble über lange Zeit und schreibt das Stück Credits.

 

Regie: Nora Somaini, Autor: Henning Bochert, Bühne: Doey Lüthi, Kostüme: Nina Thorwart, Musik und Sounds: Markus Reschtnefki, Assistenz: Christian Klose, Jana Bittner, Produktionsleitung: Claudia Jansen, Katrin Brauner

Mit Rotolux: Natascha Bub, Katharina Eckerfeld, Stephan Korves, Naemi Schmidt-Lauber, Axel Strothmann, Sven Tjaben, Petra Wolf

 

Karten 13 Euro, erm. 8 Euro, Kartenbestellung/ Tel. 283 52 66

 

Das bereits seit 2002 existierende Ensemble von Nora Somaini heisst Rotolux. Für „Ausser Atem“ 2003 entwickelte Rotolux das erste gemeinsame Stück “Das Begräbnis“, das nach den Sophiensælen in diversen Städten, u.a. beim Theaterpektakel Zürich, zu sehen war. 2004 hat Nora Somaini an den Sophiensælen mit Teilen ihres Ensembles „Macbeth“ von Heiner Müller inszeniert.

 

 

Antragsteller/in Nora Somaini

Veranstaltungstermin 14.-17.11., 19.11. & 22.-26.11.2006, jeweils 21h

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Eine Produktion von Nora Somaini, Henning Bochert und Sophiensæle. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Internetseiten www.credits-berlin.dewww.sophiensaele.com

Credits2-BarbaraBraun

Credits2-BarbaraBraun

Ausschnitt: Credits2-Barbara Braun

Cut & Go Kreuzberg

"Cut & Go Kreuzberg" ist ein 'In Situ' Theaterprojekt der Berliner Regisseurin Karen Witthuhn, das in der türkisch-deutschen Lebenswelt von Berlin-Kreuzberg spielt. Es handelt sich um einen Theaterkrimi, der in einem türkischen Friseurladen angesiedelt ist und auch aufgeführt wird.

Die Zuschauer erleben wie Murat (Mehmet Bozdogan) am Tag seiner Hochzeit im Chaos der Vorbereitungen fast untergeht. Zur Seite stehen ihm sein Trauzeuge Metin (Mehmet Yilmaz) und Ali (Sinan Al-Kurikchi) - beide nicht ganz unschuldig an diesem Chaos. Wenn bloss nicht Onkel Deniz aus Istanbul zu früh ankommt! Und warum muss dieser Kommissar ausgerechnet jetzt einen Diebstahl in der Nachbarschaft aufklären? Diebstahl? Moment mal! "Hast du die Trauringe, Metin?!"

Ausgangspunkt sind Klischees und die türkische Normalität in Kreuzberg, die jenseits der negativen Schlagzeilen stattfindet. Es spielen Schauspieler türkischer, deutscher, türkisch-deutscher und anderer Abstammung.

Antragsteller/in Karen Witthuhn

Veranstaltungstermin 8., 9., 10., 11., 12., 16., 17., 18., 19., 23., 24., 25. November 2006

Veranstaltungsort Friseurladen "Coiffeur Kreuzberg", Adalbertstrasse 87, 10997 Berlin

Förderbetrag 23.000 €

Kooperationen Diyalog TheaterFest

Internetseiten www.cut-and-go-kreuzberg.tk

Die Zone (ursprünglich: Schöne neue Welt)

Die Zone

 

D: Irm Hermann, Pascale Schiller, Juliane Werner,

Hermann Beyer, Thomas Neumann, Christian Wittmann

 

norton.commander.productions. setzen den Fuß in verstrahltes Terrain. Inspiriert von der Zone aus Tarkowskij’s „Stalker“ simulieren sie aus sicherer Entfernung den Ernstfall und spielen dabei mit Mechanismen der Medienlandschaft. Handelt es sich bei der Katastrophe um einen Super Gau ? einen terroristischen

Akt ? oder eine übernatürliche Erscheinung ? Was hat der

Vorstandsvorsitzende von RWE mit dem Mobilfunknetz in Pakistan zu tun ? Wie entkontaminiert man einen Leichenwagen ? Warum verdient der Moderator mehr als die Bundeskanzlerin ? Und sind die Menschenrechte wirklich nur eine Erfindung der Schwachen, um sich gegen die Starken zu wehren? Fragen über

Fragen. Experten diskutieren und halten sich an Fakten, auch wenn sie aus den Händen gleiten. Und dann auch noch diese Gerüchte, in der Zone gäbe es ein Zimmer, dass alle Wünsche erfüllt....

Uns eint die Betroffenheit über unzählige Opfer. Zeigen auch Sie ihr Herz und unterstützen Sie uns !

Antragsteller/in norton.commander.productions.

Veranstaltungstermin 30.11.-3.12.06, 8.12.-10.12.06 , 18.01.-20.01.07

Veranstaltungsort Festspielhaus Hellerau Dresden, Hebbel am Ufer Berlin, Mousonturm Frankfurt am Main

Förderbetrag 45.000 €

Kooperationen Hebbel am Ufer, Berlin

Internetseiten www.nc-productions.com

GANTENBEIN von Max Frisch für die Bühne bearbeitet von Glen Neath

Die Schauspieler Lars Rudolph und Annika Kuhl leben auf der Bühne und sind gefangen in deren formalen Grenzen. Um sich die Zeit zu vertreiben, schlüpfen sie in Rollen wie in Kleider. Lars beschließt, Gantenbein zu sein, ein vorgeblich blinder Mann. Annika ist seine Frau Lila, die als Schauspielerin viel Zeit auf der Bühne verbringt. Im nächsten Augenblick wird Lars zu Enderlin, einem Mann, der seine frische Professur in Harvard nicht antritt, weil er dann die Frau seines Kollegen Svoboda zurücklassen muss, mit der er eine Affäre hat. Annika entscheidet sich, die Rolle von Svobodas Frau anzunehmen, damit sie Enderlin treffen kann ... Doch es scheint, als könnte Svobodas Frau auch Lila sein.

 

Während Gantenbein darum ringt, sein wahres Ich zu finden, wähnt er eine eventuelle Rettung in Gestalt von Camilla, seiner Maniküre, die gerne Geschichten mit ihm teilt. Nur als diese unschuldigen Geschichten, die sie sich erzählen, ein reales Eigenleben entwickeln, muss er sich entscheiden: Soll er für immer als Gantenbein weiterleben und das Einzige verlieren, dessen er sicher ist, oder alles zerstören und Camilla vor dem Schicksal erretten, das sie, wie sie ihm gesagt hat, erwartet?

 

GANTENBEIN handelt von der Unwägbarkeit der Identität. Ein Mann will für sich eine Identität erfinden, mit der er glücklich ist. Er möchte sich auch eine Frau erfinden, doch seine Frau will ihr eigenes Leben, so dass wir uns am Ende fragen, wer eigentlich wen spielt: Haben Lars und Annika tatsächlich die Kontrolle über die Figuren, die sie erschaffen, oder gibt es außerhalb der Welt des Stücks vielleicht noch eine andere Stimme, die die beiden kontrolliert?

 

Die Aufführungsrechte liegen bei Suhrkamp.

 

Antragsteller/in Bettina Land

Veranstaltungstermin 8., 9. und 10. Mai 2007, jeweils 19.30 Uhr Premiere 6. Dezember, weitere Aufführungen vom 7. bis 10.12.06,

Veranstaltungsort HAU 1, Stresemannstraße 29, 10963

Förderbetrag 30 000 €

Kooperationen Eine Produktion des HAU in Koproduktion mit dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich. Mit freundlicher UNterstützung des Goethe-Institut London und des Freundeskreises des Hebbel-Theater e.V.

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Hier ist der Apparat

Seit langem haben Medienpropheten eine bessere Welt versprochen. Radio ließ die unermessliche Weite des Raumes schrumpfen,

TV hat das globale Dorf erschaffen, und die virtuelle Realität gibt uns die Welt genau wie wir sie erträumen.

Das Versprechen ist klar. Wir können alles tun, überall sein und an allem teilnehmen.

 

Das Team von Hier ist der Apparat begibt sich auf die Reise vom Radio über das Fernsehen bis hin zu Videospielen, und verfolgt dabei auf

dem Weg nach Utopia einige Umwege. Die Performer unternehmen diese Reise an der Seite des ersten weltweiten Mediensuperstars, Charles

Lindbergh, gesehen mit den Augen von Deutschlands erstem Radiotheoretiker, Bertolt Brecht. 1929 schrieb Brecht das Radiohörspiel “Der Ozeanflug”.

Das interaktive Lehrstück begleitet Lindbergh von New York über den Atlantik, wie der Pilot und seine Maschine gegen die Elemente kämpfen,

sie Tradition und Natur mithilfe von Technik und festem Fortschrittsglauben überwinden und schließlich umjubelt in Paris landen.

 

Hier ist der Apparat wechselt die Frequenz in diesem Mediendrama und imaginiert “Der Ozeanflug” als eine zeitgenössische

Late Night-Radio Talkshow, in einer TV -Talkshow und als Karte eines halluzinatorischen Ego Shooter- Videospiels.

 

Regie/ Video: Chris Kondek Mit: Julie Bougard, Chris Kondek, Christiane Kühl, Victor Morales Regieassistenz: Philipp Hochleichter Musik: Hannes Strobl,

Musikverlag Galler Berlin Digitales Design: Victor Morales Lichtdesign: Philipp Hochleichter Kostüme: Sara Hakkenberg Text: Bertolt Brecht “Der Ozeanflug”

Zusätzliche Texte: James Strahs

Antragsteller/in Chris Kondek

Veranstaltungstermin 14. bis 17. Juni 2007 Wegen Krankheit des Hauptdarstellers von Nov./Dez. 2006 verschoben

Veranstaltungsort Hebbel am Ufer, HAU 3, Tempelhofer Ufer 10

Förderbetrag 23.000 €

Kooperationen Produktion: Productiehuis Rotterdam (Rotterdamse Schouwburg) Koproduktion: HAU (Berlin), KunstenFestivaldesArts (Brüssel), Vooruit Arts Centre (Gent) Gefördert: aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

c Giannina Urmeneta Ottiker

Ausschnit: Chris w Victor: c Giannina Urmeneta Ottiker

Hotel Disparu

Hotel Disparu

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Autorin Rebekka Kricheldorf, der Regisseure Ingo Kerkhof, Erich Sidler und der Schauspieler

 

21.-24. & 28.-30.09. & 01.10.2006, 20h

 

Mit Magdalene Artelt, Marianne Hamre, Catherine Janke, Christian Kerepeszki, Christoph Rath, Sigrun Schneggenburger, Birgit Stöger, Heiner Take

Ausstattung Anne Neuser, Produktionsleitung Claudia Jansen, Assistenz Peter E. Meier, Britta Bremer,

 

Karten 13 Euro, erm. 8 Euro

 

Acht Menschen begegnen einander in einem Hotelflur, zufällig, flüchtig, tags und nachts. Mal erzählt ihr Leben, mal erzählen ihre Begegnungen eine Geschichte. Der Bruder und die Schwester, die schwermütig die Vergangenheit heraufbeschwören, die Mutter, die vor der Tochter ein Geheimnis verbirgt, der Mann, der nachts einsam durch das Hotel schleicht, die Frau, die immer neue Lügengeschichten erfindet, und die Frau, die ins Kloster geht und Abschied nimmt, und schließlich der Portier, der das Geschehen heimlich zu lenken scheint und stets mehr weiß als die anderen.

 

Den Schauspielern steht eine Bandbreite von Szenen und Geschichten zur Verfügung. Welche Szenen an einem Abend zu sehen sind, welche Charaktere mit ihren Geschichten in den Vordergrund rücken, entscheiden die Schauspieler in der Vorstellung. So wird jeder Abend eine Premiere sein und keiner dem anderen gleichen.

 

 

Antragsteller/in Ingo Lehmenkühler

Veranstaltungstermin 21. 22. 23. 24. 28. 29. 30. September, 1. Oktober 2006, jeweils 20:00, Sophiensæle/Festsaal

Veranstaltungsort Sophiensæle

Förderbetrag 30.000 €

Kooperationen Koproduktion mit Kerkhof-Produktion und Sophiensæle Berlin. Gefördert aus Mitteln des Lotteriefonds des Kantons Zürich und des Hauptstadtkulturfonds Berlin

Internetseiten www.sophiensaele.com

Kinder der Sonne 1: Lernwerkstatt

KINDER DER SONNE 1 ist eine Lernwerkstatt zum Thema BIOGRAFIEN. In Inszenierungen, Performances, Lesungen, Konzerten und Themenabenden soll danach geforscht werden, was wir von einander lernen können.

Wo waren wir stehen geblieben? Wie haben wir überlebt?

Das MAXIM GORKI THEATER BERLIN hat dazu an acht Künstlergruppen Ministipendien vergeben. Das Stipendium beinhaltet die Nutzung der Lernwerkstatt für fünf Tage – die Ergebnisse der Arbeit werden jeweils Freitag, 20.00 Uhr der Öffentlichkeit preisgegeben. Bis Weihnachten wird das Gorki Studio Berlin zu einem Ort der Suche nach Lehr- und Lernmaterial, zu einer Werkstatt der Formen des Erzählens von und über einander.

 

 

27. Oktober 2006

WASIHRWOLLT-AKADEMIE BRANDENBURG

 

 

LEBEN UND LEBEN NACHLASSEN

 

Eine Spurensuche zu Nachlässen, biographischen Abfallprodukten und zur Sehnsucht nach Lebenslänglichkeit

 

Was bleibt vom Leben, wenn man stirbt und keine Angehörigen in der Nähe sind? Professionelle Wohnungsauflöser recyclen Überreste eines gelebten Lebens in der Regel nach rein materiellen Gesichtspunkten. Was geschieht mit dem unschönen Rest? Eine liebevolle Karriere im Trödelladen oder auf dem Flohmarkt ist biographischen Abfallprodukten nur in den seltensten Fällen beschieden. Das meiste wandert in den Müll. Wir geben biographischen Resten einen Raum: Bestandteile eines Nachlasses, die bereits als „nichtverwertbar“ deklariert wurden, bekommen eine letzte Chance... Jenseits von „Verwertbarkeit“: was davon hat Talent, künstlerisch zu ‚überdauern’ - einen Abend, eine Minute oder auch nur eine Sekunde lang? Und was bringt uns auf die Idee, in einer verwahrlosten Kaffeetasse unsere Sehnsucht nach Lebenslänglichkeit stillen zu können? Eine Recherche über Wertes und Unwertes, Flüchtiges und Ewiges, kurz ein Vanitas-Labor für alle Vergeblichkeits- und Vergänglichkeitssüchtigen.

 

 

Mit: Evelyne Cannard, Karin Müller, Miriam Wagner, Stefan Behrendt, Jannik Büddig, Jan Mech, Tammo Winkler

 

Die wasihrwollt-Akademie Brandenburg wird gefördert von der Bundesstiftung für Kultur

 

03. November 2006

STEFAN BISCHOFF, URS HOFER, ARIK HAYUT, JAYROPE

 

 

SCENIC PANNER

 

Der Scenic Panner vereint drei grundlegende mediale Ebenen. Einerseits ist es ein

Internetprojekt, welches auf eine Datenbank zurückgreift, die über das Internet

zugänglich ist. So kann der Kern des Scenic Panners, der Bestand an Bildern,

kontinuierlich und auch weltweit bearbeitet werden. Die Arbeit selbst kann via Internet

betrachtet werden (http://damen.tr51.org/panorama).

Dann versteht sich der Scenic Panner auch als Rauminstallation, welche ihrerseits die Ästhetik

des Panoramas adäquat umsetzt. Mehrere Computer können in einem lokalen Netzwerk

verbunden jeweils ihren Teil zum gesamten Panorama beitragen. Damit kann ein

Panorama von theoretisch unendlicher Breite generiert werden.

Dank der Interaktivität kann der Scenic Panner auch als Live-Visual eingesetzt werden. Wird die

Online-Version mit der Tastatur gesteuert, ist die Rauminstallation abhängig von

sogenannten MIDI-Signalen, welche von vielen elektronischen Instrumenten generiert

werden. Beispielsweise kann ein Schlagzeuger mit einem computergesteuerten

Drumkit das Wesen des Bildes beeinflussen. In einer Live-Performance entstehen so

die passenden Bilder zum Rhythmus und umgekehrt.

 

Mit: Stefan Bischoff, Urs Hofer, Arik Hayut, jayrope aka Jan Christoph Siegele

 

6.-17. November 2006

JACQUES PALMIINGER und CARSTEN „EROBIQUE“ MEYER

 

SONGS FOR JOY

 

 

Im Amerika der sechziger Jahre gab es das Song-Poem Phaenomen. Kleine Record Companies inserierten in Comics und Supermarktbeilagen und baten die Leser, ihnen ihre Liedtexte zu schicken. Für einen erstaunlich günstigen Preis wurde in betriebseigenen Studios von angestellten Arrangeuren und Musikern fertige Songs produziert, die dann als Vinylpressung in Kleinstauflage zurück an die Kunden gingen. Persönliche Wünsche wurden berücksichtigt, auch das musikalische Genre durfte man wählen. So bekam man für wenig Geld seine eigene Schallplatte. Damit aus der Arbeit ein Geschäft wurde, mussten die einzelnen Sessions unglaublich schnell gehen. Eine Musik schreiben, sie im gewünschten Genre arrangieren, einspielen und dann den Text möglichst überzeugend einsingen zu lassen, das alles durfte nicht viel länger als eine Stunde dauern. Die Ergebnisse waren entsprechend außergewöhnlich. Der Traum vom großen Geld durch einen Hit, der Wunsch, die Welt zu verändern durch einen Song, die Menschen gaben alles, Phantasie, Einfalt, Obsession, die Musiker gaben eine Stunde.

 

Carsten „Erobique“ Meyer und Jacques Palminger wollen dieser großartige Idee eine zweite Chance geben. Im Rahmen der Lernwerkstatt werden in ganz Berlin Inserate erscheinen, die dieses einmalige Angebot verbreiten. Jeder ist eingeladen, seinen Text einzureichen , bei den Aufnahmen dabei zu sein, und, wenn gewünscht, sein eigenes Lied zu interpretieren. Im Theater wird ein offenes Studio eingerichtet, in dem die Stücke eingespielt werden. Die Aufnahme ist die Performance. Jeden Abend nach den jeweiligen Vorstellungen gibt es eine Präsentation des neusten Materials und/oder eine Liveaufnahme in entspannter Bar Atmosphäre. An den zwei Wochenenden wird es dann Partys geben, auf denen die Best of LP der letzten Woche vorgestellt wird, eine Schallplatte, die einmalig für diesen Abend im Dub Plate Verfahren gepresst wurde.

 

Mit: Jacques Palminger und Carsten „Erobique“ Meyer

 

Liedtexte an:

Maxim Gorki Theater Berlin

Lernwerkstatt

Stichwort: „Songs for Joy“

Am Festungsgraben 2

10117 Berlin

 

lernwerkstatt@gorki.de

 

 

 

 

24. November 2006

EISENRING/RAU

 

 

OUT OF FOCUS

 

 

„Der Besucher hatte nicht den Eindruck, dass auf Berlin eine Diktatur lastete. Die Strassen waren belebt und fröhlich. Ich trank Bier in gewaltigen Bierhäusern. Um elf Uhr morgens waren alle Tische besetzt, die Leute hakten sich unter und schunkelten. ‚Das ist Stimmung’, erklärte mir Sartre.“

 

Simone de Beauvoir über ihren Besuch in Berlin 1933

 

 

1933 lebt das Produktionsteam Beauvoir/Sartre einige Monate in der Reichshauptstadt Berlin, um dort die Philosophie des Juden Husserl zu studieren. Dieser unternimmt mit seiner später „Phänomenologie“ genannten Methode den Versuch, den abgehobenen Blick der Philosophie auf ihr eigentliches Fundament zu stellen: die Lebenswelt des Alltags. Jede theoretische Beobachtung, so Husserl, wurzelt letztlich in der schlichten Tatsache, dass das erkennende Ich Bestandteil der Welt ist und in ihr existiert. Diese Situation ist (solange man sich auf die Realität der Welt einigt) unhintergehbar; sie ist insofern die einzige, die den Menschen wirklich interessieren kann.

Von Husserls Phänomenologie führt, über Sartres radikalen Situationismus („Existenzialismus“), die amerikanische Ethnologie und den deutschen Neosituationismus (z. B. der „Glücklichen Arbeitslosen“) ein direkter Weg zu dem ethnologischen Blick, den das Produktionsteam Eisenring/Rau in ihren verschiedenen Theaterprojekten ausgearbeitet und auch in „Out of Focus“ wieder neu erproben und problematisieren will: Es ist ein absichtlich naiver, verfremdender Blick. Das Produktionsteam Eisenring/Rau imitiert in „Out of Focus“ das Produktionsteam Beauvoir/Sartre, ihr Erstaunen an Deutschland, ihren politisch desinteressierten Blick.

In OUT OF FOCUS wollen das Produktionsteam Eisenring/Rau sich selber und ihr Vorwissen für eine Woche vergessen und den Fokus scharf stellen - auf zwei ganz und gar Unbekannte. Bei einer frühmorgendlichen U-Bahn-Fahrt werden nach dem Zufallsprinzip zwei Passagiere ausgewählt: Eisenring bezeichnet Raus „Zielperson“ und umgekehrt. Diese werden dann beschattet und ausgeforscht. Die Wege und Tätigkeiten der Zielpersonen werden notiert, fotografisch und mit Video-Kamera festgehalten. Kontakt zu den Zielpersonen wird gesucht, aber nicht um jeden Preis erzwungen. Der Lebensraum der Zielpersonen ist von Wichtigkeit: Wie sieht die Strasse aus, in der sie wohnt? Was wird in den Läden verkauft? Werden Beamte gesichtet, Geschäftsleute, Alte, Kinder, Gläubige, Hunde? Regnet es oft? Wie begrüsst man sich? Was für Musik dringt zu welchem Zeitpunkt aus was für Autos und Bars? Was reden die Leute in der Bäckerei? Wofür werben die Plakate an den Wänden? Wie verhält es sich mit Gestik und Mimik der Einheimischen?

Parallell zu dieser Recherche, die sich an den Aufzeichnungen und Wegen des Produktionsduos Beauvoir/Sartre orientiert und diese, auch in Bezug auf die Veränderung der Stadt, reflektiert und am 24. November in Form einer AUSSTELLUNG und einer kleinen ETHNOLOGISCHEN SEANCE IM STUDIO DES MAXIM GORKI THEATERS dem Publikum präsentiert wird, soll die Diskussion ihrer METHODE geführt werden: Denn auch wenn der „ethnologische Blick“ die theoretisch-sozialen Tatsächlichkeiten als „unbekannt“ voraussetzt und sie gewissermassen aus den beobachteten Wirklichkeitsschnipseln folgert, so sind diese dennoch real. Die „Phänomenologie“ Husserls verhinderte nicht, dass die Nazis ihm aus letztlich theoretischen Gründen (er war, wie gesagt, Jude) den Garaus machten, oder anders ausgedrückt: Es gibt selbstverständlich keine reine Alltagsexistenz. Neben den im Alltag angelegten, imaginären Gegen-Wirklichkeiten, von denen Eisenring/Rau im Lauf der Woche eine beispielhafte rekonstruieren und ihr Gestalt geben wollen, existiert der Real-Roman Deutschlands: so wie Beauvoir/Sartre den deutschen Faschismus schlicht übersahen, so werden Eisenring/Rau die Arbeitslosigkeit und die durchaus reale Depression (gerade des Monats November) übersehen und ein anderes, „situationistisches“ Deutschland erfinden. Kurz: Die Biografie des Menschen unterliegt nicht nur den Bedingungen des Alltags und der alltäglichen Lebenswelt - sie unterliegt auch (und vielleicht in erster Linie) den Strukturen der Arbeits- und überhaupt der sozialen Welt, die einem „fremden“ Betrachter verschlossen bleiben müssen.

 

Diese DISKUSSION – die vielleicht auch eine Diskussion darüber ist, wie weit situationistische und dokumentarische Ansätze die Kunst wirklich vom unscharfen Fokus des Vorwissens, der Schlagworte und der Aktualität befreien können – soll ebenfalls am 24. November in Form eines METHODISCHEN GESPRÄCHS geführt werden.

 

 

Mit: Simone Eisenring, Milo Rau

 

 

01. Dezember 2006

HOTEL EUROPA

 

DREAMS ARE MY REALITY

 

Im Mittelpunkt des Interesses steht die Auseinandersetzung mit Zukunftsentwürfen. Hierbei sind besonders die Momente, in denen die Lebensgeschichten brüchig werden, spannend: arbeite ich als Produktionsleiterin auf Kampnagel, versorge ich als geschiedene Frau meine drei Kinder oder werde ich als Diplomatin den Weltfrieden retten? Oder was meint ihr?

Über die eigenen Lebensentwürfe hinausgehend haben Hotel Europa ein forschendes Interesse an den Imaginationsformen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Hat man eher ein Gefühl, konkrete Bilder oder Geschichten für die eigene Zukunft und gibt es Indikatoren anhand derer man feststellen kann, ob diese wirklich individuell oder vielmehr kollektiv und wahrscheinlich medial vermittelt sind? Darüber hinaus reizt das Wechselspiel zwischen Fake und ‚authentischen’ Vorstellungen der Performerinnen und ob dies überhaupt erkennbar wird. Wir möchten mit verschiedenen erzählerischen und szenischen Formen experimentieren, um diese Zukunftsentwürfe zu kommunizieren.

 

Mit: Kathrin Feldhaus, Lissa Lehmenkühler, Sibah Pomplun, Caroline Schlockwerder, Christina Zintl

 

 

08. Dezember 2006

FELICIA ZELLER/MONIKA PFAUS

 

 

DEMOKRATISCHER SCHNITT (AT)

 

Zeller und Pfaus erarbeiten seit Jahren Videoprojekte zum Thema Biografie. Ein Mittel ist dabei der gefilmte Brief. Für die Lernwerkstatt werden sie aus gemeinsam mit Menschen aus der Stadt an einer aus vielen Biografien zusammengesetzten Biografie arbeiten, die in einem demokratischen Schnitt gemeinsam mit dem Publikum zusammengebaut wird.

 

Mit: Felicia Zeller, Monika Pfaus

 

 

 

15. Dezember 2006

KULTURMASSNAHMEN

 

 

SCHULE

 

Die Kulturmaßnahmen stellen eine Schulklasse zusammen und bieten sie an: Was wollten Sie schon immer mal lehren? Mieten Sie sich eine Klasse.

 

Mit: Kulturmaßnahmen Berlin

 

 

 

MODELLE

 

 

Die Reihe „Modelle“ stellt Überlebensmodelle anhand von biografischen Typen dar:

 

MODELLE 1 HANDBUCH DES ÜBERLEBENS

 

Lesung aus dem „Handbuch des Überlebens“ (Hg. Wolfgang Engler)

im Anschluss: Publikumsgespräch mit Engler

 

 

2. MODELLE 2 DER VERBRECHER

 

Der Verbrecher steht für eine Überlebensstrategie, die immer schon ein Faszinationsobjekt war.

 

Angefragt: Autoren (Bernard Schlink, Thea Dorn), Redaktion Tatort RBB, Kriminologen, Rechtsprofessoren

 

3. MODELLE 3 DER VERBRAUCHER

 

Der Verbraucher als Überlebensmodell entspricht dem Konzept der Anpassung. Wie sieht die Biografie eines perfekten Verbrauchers aus?

 

Angefragt: Wolfgang Wiegard

 

 

4. MODELLE 4 DER TOTE

 

Was überlebt, wenn man tot ist?

 

Lesung: David Ensikat, Tagesspiegel

 

 

5. MODELLE KONFERENZ

 

Biografie als Lebensdesign – eine Konfenrenz zu Autobiografie und biografischem Schreiben

 

6. DER HEILIGE

 

Wenn jemand heilig gesprochen werden soll, findet im Vatikan als Abschluss des Verfahrens eine Verhandlung statt: ein advocatus dei muss für den kandidaten sprechen, ein advocatus diaboli gegen die Heiligsprechung. Ein moderner Heiliger könnte Joseph Beuys sein: wir laden Experten ein, die um Beuys als Heiligen ringen.

 

 

 

Antragsteller/in Maxim Gorki Theater Berlin

Veranstaltungstermin 06.10.-23.12.2006

Veranstaltungsort Gorki Studio Berlin

Förderbetrag 70.000 €

Internetseiten www.gorki.de

Nach D. - Erlebnis Religion

NACH D. – ERLEBNIS RELIGION

Ein Projekt auf den Spuren von August Strindbergs „Nach Damaskus“

 

Vom Saulus zum Paulus. Vom Skeptiker zum Gläubigen. Vom Alkoholiker zum neugeborenen Christen. Von der Queen of Pop zur Kabbalistin. Längst tot geglaubt, scheinen die Religionen und ihre sektiererischen Schwestern wieder auf dem Vormarsch. Gott ist sicher nicht tot. Auch im Westen kann man diese Erscheinungen nicht mehr nur als Marginalien der gesellschaftlichen Entwicklung wahrnehmen. Sie sind die Speerspitzen einer Bewegung, deren gesellschaftliche und (welt-)politische Folgen unabsehbar sind. Bricht ein post-aufklärerisches, post-darwinistisches Zeitalter an?

 

Der Weg nach Damaskus ist zunächst immer ein ganz persönlicher. Strindberg schickt in seiner Trilogie „Nach Damaskus“ den Unbekannten auf die Reise. Als Ehemann, Vater, Künstler und Gesellschaftsreformer sieht er sich gescheitert. Die Widersprüche der Welt sind zu schmerzhaft. Der Weltengang zu undurchsichtig.

Die Reise nach Damaskus ist lang, das Ziel – der Frieden mit sich in dieser Welt – liegt hinter der Religion, der „Wiederanbindung“. Die Hoffnung auf Erlösung und Sinn treiben den ehemals Aufgeklärten an. Sein Weg ist der Anlass für Fragen an die Gegenwart.

 

Antragsteller/in Anja Gronau

Veranstaltungstermin 06. Januar 2007 07.,09.,12.13.,14.01.07

Veranstaltungsort HAU III

Förderbetrag 35.000 €

Kooperationen HAU schauspielfrankfurt LOT-Theater Braunschweig

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Otobüs

"Otobüs" ist die erste Theaterarbeit der Regisseurin Ayse Polat – ihr letzter Film "En Garde" wurde u.a. beim Internationalen Filmfestival in Locarno 2004 mit dem Silbernen Leoparden für den besten Film ausgezeichnet.

In "Otobüs" schickt sie eine Gruppe deutscher Urlauber auf eine Reise durch die touristischen Highlights der Türkei. Gelangweilt, frustriert und geschüttelt von allerlei nichtigen Problemchen finden sich die Pauschalreisenden in den Händen von Entführern wieder. Die Geiselnahme wirkt in "Otobüs" wie ein Brennglas, in dessen Mittelpunkt das Menschsein zur Essenz gerinnt. Wird hier der zivilisierte Mensch zum Tier, oder die Wohlstandsbestie zum Menschen? Es sieht so aus, als könnte die Gruppe sich entscheiden.

Wo andere die politische Motivation und finanziellen Konsequenzen diskutieren, interessiert sich Ayse Polat in "Otobüs" für den ganz normalen Alltag einer Geisel im Eintagsfliegenstaat Namens Entführung.

Die bildende Künstlerin Nevin Aladag entwirft das Bühnenbild.

 

Antragsteller/in Ayse Polat

Veranstaltungstermin 4., 5., 7. bis 10. März 2006 Am 8. März mit anschließendem Publikumsgespräch

Veranstaltungsort HAU

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Kampnagel Hamburg

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

PATTY DIPHUSA

>> ICH heiße PATTY DIPHUSA. Mein Beruf? Internationales Sex-Symbol... ICH wollte mal sehen, welche neuen Wege diese verdammte Stadt ohne meinen Einfluss geht. Nachdem ich aber rausgefunden habe, dass seit meinem Rückzug NICHTS NEUES passiert ist, KOMME ich jetzt wieder zurück. Denn in dieser Stadt gibt es eben nur eine INTERESSANTE Person. Und diese Person bin ICH. PATTY DIPHUSA. <<

 

Spaniens Kultregisseur Pedro Almodóvar veröffentlichte die Abenteuer seiner fiktiven Heldin PATTY DIPHUSA Anfang der 80er Jahre in loser Reihenfolge in der Zeitung La Luna, die sich daraufhin mit einer wahren Patty-Hysterie konfrontiert sah.

 

„Von all den weiblichen Charakteren, die ich kreiert habe, ist Patty eine meiner Lieblingsfiguren. Eine chica , so voller Lebenslust, dass sie niemals schläft, die naiv ist und zärtlich, grotesk, neidisch und narzisstisch, die jedermanns Freundin ist und sämtliche Vergnügungen dieser Welt liebt und die immer bereit ist, die Dinge von ihrer besten Seite zu sehen. Patty flieht vor der Einsamkeit und vor sich selbst, und das tut sie mit jeder Menge Humor und gesundem Menschenverstand.“

(Pedro Almodóvar über Patty Diphusa)

Antragsteller/in Patrick Wengenroth

Veranstaltungstermin 18. November 2006, 19., 20., 22., 24., 25. November 2006, jew. 20.00 Uhr

Veranstaltungsort HAU DREI, Tempelhofer Ufer 10, 10963 Berlin

Förderbetrag 30.000 €

Internetseiten www.hebbel-am-ufer.de

Return to Sender - Letters from Tentland

Nur drei Prozent der Weltbevölkerung sind Migranten. Aber die reiche Welt hat mit dieser Minorität ein Problem. Ihre Flucht aus der heimatlichen Sesshaftigkeit in eine ungewisse Existenz führt nicht eben zu vermehrter Gastfreundschaft. Zwischen Gesetzen und polizeilicher Praxis tanzen sie wie Zelte im Wind.

 

Zelte tanzen.

Helena Waldmanns Inszenierungen zählen wegen ihrer großen «Not-Wendigkeit» zu den derzeit politisch bedeutsamsten Arbeiten im Tanz.

Im Anschluss an das Internationale Fadjr Theaterfestival 2004 in Tehran gab sie als erste westliche Choreografin einen Workshop für Frauen in der Islamischen Republik. Aus diesem fruchtbaren Zusammentreffen entstand mit Unterstützung des Dramatic Art Centers Teheran und des Goethe Instituts das Stück "Letters from Tentland". Ein Jahr später, auf dem Fadjr

Festival 2005, feierte es Premiere. Der Siegeszug der Zelte ging ein Jahr lang um die Welt und nach 43 Vorstellungen in 17 Ländern änderte Helena Waldmann für das Festival Montpellier Danse 06 die Perspektive des Stücks. Die iranischen "Letters from Tentland" wurden nun von Exil-Iranerinnen überschrieben, beantwortet und "Return to Sender" geschickt. So wurde das, was Äußerung war, postwendend zur Erwiderung.

 

Die Körper der Performerinnen verschwinden in den Zelten, aber man fühlt, wie sie im Inneren vibrieren. In "Letters from Tentland" durchdringen sechs iranische Schauspielerinnen das Publikum mit ihrer Wut, mit ihren Wünschen und ihren Träumen, aber auch mit ihrem Aufruf für Toleranz und kulturelle Unterschiede; in "Return to Sender" gelingt sechs Exil-Iranerinnen ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit. In diesem Antwort-Stück dreht sich der Tanz um vermeintliche Freiräume des Exils. Die Exil-Iranerinnen performen in den Zelten, die ihre Kolleginnen aus Teheran zurückgelassen haben, mit denen sowohl die einen als auch die anderen ihre Sehnsüchte verhüllen. Für Exilanten ist das Zelt ein Zeichen ihres

unsteten Lebens und auch ein Stück Heimat, das sie nie loswerden. Sie tänzeln auf dem Grat der zwei Kulturen, und stossen sich an beiden Seiten heftig. So wirbeln die Zelte umher wie ein aus zwei Richtungen wehender Wind, falten und entfalten sich, um aufzureißen wie Umschläge, aus denen Briefe aus dem Exil fallen. Eingesperrte Botschaften in Bewegung, die von Heimat als Puzzle aus Erinnerungen, von drohender Abschiebung, vom Dazwischen- und vom Anderssein berichten. Und zwischen den Zeilen lesen wir, wie sie gegen die Angst arbeiten, wie sie versuchen, sich durch die Angst nicht kontrollieren zu lassen.

 

Antragsteller/in Helena Waldmannn

Veranstaltungstermin 14. Oktober 2006 21:00h; 15. Oktober 2006 15:30h und 20:00h

Veranstaltungsort Radialsystem

Förderbetrag 15.000 €

Kooperationen eine Produktion von Festival Montpellier Danse 2006, Theater im Pfalzbau Ludwigshafen (D), gefördert vom Hauptstadtkulturfonds, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut

Internetseiten www.ecotopiadance.comwww.lettersfromtentland.com

Textarbeit I - III

Textarbeit - Drei Modelle zur Arbeit an zeitgenössischer Theatertextur

März - Juni 2006

 

In der laufenden Spielzeit 2006 veranstalten die Sophiensaele Berlin, das Staatstheater Stuttgart und das Theaterhaus Jena drei verschiedene Theaterprojekte, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Entwicklung zeitgenössischer Theatertexte und deren Darstellungsformen auf der Bühne beschäftigen.

 

Alle drei Theaterprojekte gehen von der Arbeit an zeitgenössischen Texten aus und bearbeiten sie hinsichtlich einer eigenen Ästhetik des Erzählens auf der Bühne.

 

 

 

I. RETO FINGER - FERNWÄRME

3. bis 5. & 8. bis 12. März 2006

 

Das ganz alltägliche Treiben einer ganz gewöhnlichen Stadt kommt zum Erliegen. Eine Gasexplosion? Ein Erdbeben? Ein Terroranschlag? Ein Krieg? Oder ein Fahrradunfall? Menschen an der Peripherie einer Katastrophe unbekannten Ausmaßes geraten in Not, ohne akuter Gefahr ausgesetzt zu sein. Auf dem Prüfstand stehen die Belastbarkeit, das Werteempfinden und die soziale Kompetenz von Menschen, denen ihre gewohnten Sicherheiten entzogen werden

 

Der Schweizer Dramatiker Reto Finger wurde für sein Drama »Kaltes Land« 2005 mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet. Fernwärme ist eine Auftragsarbeit der oben genannten Häuser.

 

 

II. INGO NIERMANN - MINUSVISIONEN: UNTERNEHMER OHNE GELD

17., 18. & 23. bis 26. März 2006

 

Ingo Niermann lässt in seinem 2003 erschienenen Buch 14 gescheiterte Unternehmer zu Wort kommen. Teils komisch, teils ergreifend gewähren die Gesprächsprotokolle Einblicke in authentische Schicksale. Den meisten Unternehmern ging es nicht um Profit, sondern um die Verwirklichung eines persönlichen Traumes – den Aufbau einer Sandwichkette, die Gründung einer Galerie, die Entwicklung eines Internet-Shoppingportals. Unabhängig von Voraussetzungen wie Wissen oder Geld wurde versucht, etwas zu bewegen. Frei nach dem Motto: »Scheitern als Chance«. So bleibt nicht das Misslingen ihrer Vorhaben haften, sondern die Energie, mit der sie für ihre Visionen lebten.

 

 

III. ANDREAS SAUTER - DIE SEKUNDE DAZWISCHEN

13. bis 17. April 2006

 

Ein dreißigjähriger Mann begleitet seine Großmutter beim Sterben. Im Nebeneinander von Banalität und Existentialität dieser Erfahrung stellt sich ihm die Frage nach dem Sinn des Lebens. Was ist eigentlich das, was mich berührt? Was bleibt, wenn jemand nicht mehr da ist? Erinnerungen werden frei, Geräusche und Bilder: Fellreste an den Haken beim Schlachten, jemand in Siegerpose, der eigentlich schon tot ist. Vom Sofa aus schaut er zu, wie Flugzeuge abstürzen, Soldaten über den Bildschirm robben, während sich irgendwo Zwergflamingos paaren. Andreas Sauters lakonischer Bühnenerzähler ist ein Schwimmer, der für einen Moment jede Bewegung unterlässt, das Sinken in jedem Detail registriert – bevor er wieder auftaucht und weiteratmet.

Eine Produktion von Polaris und GO Theaterproduktionen in Koproduktion mit Sophiensæle und Theater an der Winkelwiese Zürich. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin. Unterstützt von Bethesda Seniorenzentrum Berlin Kreuzberg.

 

Weitere Aufführungen: 1.-3. & 7.-10. Juni 2006 im Theater an der Winkelwiese Zürich

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin März - Juni 2006

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 60.000 €

Kooperationen Staatstheater Stuttgart, Theaterhaus Jena, Burgtheater Wien, Theater an der Winkelwiese Zürich

Internetseiten www.sophiensaele.com

Pressestimmen

Verschwör Dich gegen Dich

Love Streams handelt von einer Schwester, die ihren Bruder besucht und wieder abreist. Das ist die Story. Keine großartige Story. Aber sie steckt voller Komplikationen." (John Cassavetes)

 

Verschwör Dich gegen Dich basiert auf dem Film Love Streams von John Cassavetes/Ted Allan. Obwohl erst in den Mitt- bis Enddreißigern, scheinen die Figuren den Zenith ihres Lebens überschritten zu haben. Sie umgeben sich mit einer verschwenderischen Dekadenz wohl wissend, dass der materielle Überfluss nur den Mangel an Perspektiven ausgleicht. Gleichzeitig brodelt es unter jeder Szene: überstürzt, kopf- und kompromisslos versuchen die Figuren das Glück in genau diesem Augenblick zu finden, genau dieser Mensch bedeutet die Rettung und ist in der nächsten Szene schon wieder vergessen.

 

Regie: Angela Richter

Bühne: Steffi Bruhn/Jonathan Meese

Kostüme: Steffi Bruhn

Musik: Dirk von Lowtzow

Stückfassung/Dramaturgie: Jens Dietrich

Liedeinstudierung: Uschi Krosch

Produktionsleitung: Andrea Tietz / att

Stricktiere: Brigitta Pöcksteiner

Regieassistenz: Nicole Schuchardt

Ausstattungsassistenz: Andrea Polewka

Mit: Yuri Englert, Eva Löbau, Julia Malik, Oana Solomon, Christoph Theußl

Antragsteller/in Angela Richter

Veranstaltungstermin 18. - 28. Mai 2006

Veranstaltungsort Sophiensaele - Festsaal

Förderbetrag 33.000 €

Kooperationen Forum Freies Theater, Düsseldorf

Internetseiten www.sophiensaele.com

Westflug

"Westflug" ist eine Reise in die deutsch-deutsche Geschichte. Die Inszenierung basiert auf der wahren Geschichte einer Flugzeugentführung von 1978. Eine Tupoljew der polnischen Fluggesellschaft LOT wurde auf dem Flug von Danzig nach Berlin-Schönefeld zum Flughafen Tempelhof umgelenkt. Die Insassen, unter ihnen 50 DDR-Bürger, standen plötzlich vor der Entscheidung, im Westen zu bleiben oder in die DDR zurückzukehren.

Aufgeführt wird "Westflug" am Originalschauplatz im Flughafen Berlin Tempelhof. Die Deutsche Kantine des Flughafens wurde für die Passagier zum Ort zwischen zwei Welten: zwischen Ost und West, Sozialismus und Kapitalismus, Vergangenheit und Zukunft. Seit dem Abzug der amerikanischen Truppen sind die Räume ungenutzt und strahlen noch heute die Atmosphäre von damals aus.

 

Regisseur Tobias Rausch und sein Ensemble haben den außergewöhnlichen Fall u.a. in Stasi-Archiven recherchiert und die heute noch lebenden Passagiere des Flugs zu Ihren Erlebnissen und Gedanken befragt. Ausgangspunkt für die Inszenierung "Westflug" sind die Stunden im Schwebezustand, bevor ein Bus die Rückkehrwilligen zum Grenzübergang Rudower Chaussee brachte, und acht von ihnen beschlossen, nicht zurückzukehren - die Frage der Entscheidung und den Konsequenzen dieses Ereignisses für die weitere Lebensgeschichte der Flugzeuginsassen.

 

Eine Produktion von lunatiks • produktion und Sophiensæle. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds. In Verbindung mit der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und in Zusammenarbeit mit den Berliner Flughäfen.

Antragsteller/in Tobias Rausch

Veranstaltungstermin Wiederaufnahme: 19. bis 22. und 26. bis 29. Oktober 2006 20.-23. und 25.-30. Juli 2006

Veranstaltungsort Flughafen Tempelhof, Sophiensaele

Förderbetrag 50.000 €

Kooperationen Stiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur, Berliner Flughäfen

Internetseiten www.sophiensaele.comwww.lunatiks.de

Pressestimmen

Zurück - Rückwärts

Wir erleben täglich und allenthalben Stagnation und Rückwärtsbewegung: Streichung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Rückgang von wirtschaftlichem Wachstum, Sozialabbau, Renten- und Lohnkürzungen, Verringerung der Geburtenrate, Einsparungen im Schul- und Hochschulsystem.

Der Glaube an den Segen des Fortschritts – Technisierung, Rationalisierung und weltweite Vernetzung – ist nachhaltig erschüttert. Tragfähige Zukunftskonzepte sind nicht in Sicht.

 

Mit dem Projekt Zurück – Rückspiegel wollen wir gemeinsam mit jungen Theatermachern einen Blick zurück werfen. Nicht im Sinne einer Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“, sondern als ein Innehalten und Analysieren der Bedingungen unseres gesellschaftlichen Ist-Zustandes. Die Spurensuche in der eigenen Biografie, der Rückblick auf Herkunft und Geschichte eröffnet die Chance zur Selbstreflexion in einer vom Stillstand geprägten Gegenwart, die Chance zur Vergegenwärtigung von Bruchstellen auf dem Weg zu einem individuellen und gesellschaftlichen Neuanfang.

 

Das Projekt gliedert sich in zwei Abschnitte: 1) Eine Plattform für junge Theatermacher und 2) Projektarbeit für Jugendliche.

 

Die Regieplattform wird mit unseren Partnern Kampnagel Hamburg, FFT Düsseldorf und dem Theaterhaus Gessnerallee in Zürich realisiert. Die Sophiensæle, die das Projekt initiiert haben, werden in diesem Projekt die Gesamtleitung übernehmen. Gemeinsam werden wir sechs junge Theatermacher auswählen, sich mit den oben aufgeworfenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Die Inszenierungen, die sie entwickeln werden, werden nach der Premiere in Berlin in Hamburg, Düsseldorf und Zürich zu sehen sein. Neben dem Engagement zu einer gesellschaftlichen Debatte, die zu führen uns dringend geboten erscheint, erfüllt unser Projekt damit zugleich einen wichtigen Beitrag zur Förderung junger Künstler und innovativer künstlerischer Ansätze.

 

Im zweiten Abschnitt unseres Projekts geht es um Programmangebote für Jugendliche. Unter dem Dach der Sophiensæle Jugendbewegung - Plattform und Netzwerk für Theater von und für Jugendliche und junge Erwachsene - sollen zwei Neuproduktionen mit unserem Theaterjugendklub, zwei offene Workshops für Jugendliche und zwei Lehrerfortbildungen stattfinden. Unser Blick zurück gilt damit auch einer Revision bestehender Bildungssysteme und einer damit verbundenen Neuorientierung in der Förderung Jugendlicher.

 

Abschnitt 1 des Projektes wird im Herbst 2006 realisiert, Abschnitt 2 erstreckt sich über das gesamte Jahr mit Schwerpunkten im Frühjahr- und im Herbsthalbjahr.

Antragsteller/in Sophiensaele GmbH

Veranstaltungstermin Oktober 2006

Veranstaltungsort Sophiensaele

Förderbetrag 90.000 €

Kooperationen Kampnagel, Hamburg; FFT Düsseldorf; Theaterhaus Gessnerallee, Zürich

Internetseiten www.sophiensaele.com